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Wirtschaftsboom: Schönes Indien, schreckliches Indien
REUTERSEin Land wandelt sich, rasant und grundlegend: Indien entwickelt sich vom Armenhaus der Welt zu einer mächtigen Wirtschaftsnation. Der Autor Akash Kapur kehrte nach Jahren der Abwesenheit zurück und beschreibt in einem packenden Buch die Schattenseiten des Booms - und die Chancen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/ser...827919,00.html
- #1 28.04.2012 07:05 von
- #2 28.04.2012 07:07 von
der aufschwung ist doch eine der wenigen chancen, die das starre indische kastensystem bekommen kann, um sich grundlegend zu wandeln.
und wenn nicht, die spaltung der gesellschaft darf man hier getrost der kultur, und nicht der oekonomie, in die schuhe schieben. - #3 28.04.2012 07:22 von
Brennende Müllkippen
Menschen die auf brennenden Müllkippen nach ihrem Lebensunterhalt suchen, habe ich in Indien selbst auch schon gesehen. Vor zwölf Jahren. Es scheint, als hätte sich in der Beziehung nichts geändert.
Deshalb sehe ich auch keinen Wandel vom Armenhaus zum Boom-Land, sondern eine Parallelentwicklung: die Mehrheit bleibt arm und einer (trotzdem grossen) Minderheit geht es immerhin besser. - #4 28.04.2012 07:32 von
Naja
Indien war/ist stinkreich und die wohlhabenste Nation
der Welt, schon immer, es war nur nicht schon immer
eine Nation. Ähnliches kann man
über Technik und Wissenschaft sagen.
Die Reichtümer Indiens sind nur schwer in
Devisen zu wandeln.
Auch mit der Verwaltung/Mangemant haperts ein bisschen,
das kann dem Westen aber auch bald passieren.
Dazu
"Indische Philosophie legt Wert auf Sparsamkeit und unbelastetes, unkompliziertes Leben von Tag zu Tag. Amerikas Betonung liegt auf der anderen Seite auf materiellem Gewinn und grenzenloser Vermehrung von Wohlstand."
kann ich nur sagen:
Amerikas Betonung liegt auf der Freiheit jeder individuellen
Person in der Glücksuche für sich und ihre Familie.
daraus ergibt sich eine Diversität und eine Entwicklung der Talente.
Da grosse Portionen des Glücks für viele darin besteht materiell abgesichert zu sein, ergibt sich mit obigem zusammen ein ungeheurer Wohlstand, der ergibt sich nicht aus dem Streben nach Wohlstand selbst.
Das Indische Individuum strebt genauso nach Wohlstand,
ist aber in ihrer Kaste gefangen, vorerst , dann aber immer
weniger, vielleicht.
Indien hat so gut wie nichts zu bieten für die Weltwirtschaft,
vielleicht als Abnehmer für AKWs und Rüstungsgüter,
deshalb liegt es weit hinter China zurück.
Zwischen jeder Transaktionsschicht
stecken unzählige raffgierige Zwischenhändler
und korrupte Beamte.
Vorteil ist eine grosse Zahl von zumindest
sehr gut Englisch schreibenden Menschen,
Englisch ist Amtssprache.
So haben sie dann Erfolg in der IT.
Sie sind wohl gut, manchaml sogar beser,
aber vor allen Dingen billig, vorerst.
Die Lebensführung derer, sie es geschafft haben
erfordert einen Ausbau der Infrastruktur. - #5 28.04.2012 08:07 von
und den Spiegel-Journalisten (und nicht nur denen) zur Lektüre empfohlen, weil hier nicht eine zur These verdünnte Schwarz-Weiss Geschichte geliefert wird, sondern positive wie negative Aspekte des ges. Wandels in Indien aufgezeigt werden.
- #6 28.04.2012 08:51 von
Ich beobachte seit 25 Jahren Indien vor Ort. Die Armut ist noch immer die gleiche. Der Autor sieht Indien, wie alle im Ausland lebenden Inder, mit der rosaroten Brille. Noch immer leben über 400 Millionen Inder in völliger Armut, ohne Bildung. Eine Schande für jeden Inder der vom Ausland kommt und nichts dagegen tut. Diese 400 Milionen Inder haben kein eigenes Haus, vielleicht eine eigene Hütte. Wir schimpfen immer über Chinawegen den Menschenrechten. In Indien gelten diese Menschenrechte auch nichts. In China muss der einfache Mann mindestens nicht hungern und kann schreiben und lesen.
Die paar Hochhäuser in Indien reissen das arme Indien nicht raus. Es bleibt arm. Nur die paar reichen die auf kosten der Armen leben finden Indien gut. - #7 28.04.2012 09:28 von
Soeben zurückgekehrt von einer 10 wöchigen Reisen per öffentlicher Verkehr durch Indien und China, stimme ich Stelzi absolut zu, dass es sich nur um eine Parallelentwicklung handelt. Kapur schreibt, sogar Rikschafahrer würden davon träumen vielleicht vom Boom zu profitieren - davon träumen können sie, tatsächlich davon prifotiert haben sie aber alle nicht.
Im Boomland Indien sind übrigens selbst im Grossteil der Hauptstadt die Strassenzustände katastrophal. Das Zugsystemn ist genauso katastrophal wie eh und je, wer nicht mit den wenigen teuren Luxuszügen fährt, der muss sich grundsätzlich auf Verspätungen von bis zu über 20 Stunden einstellen. Die neuen Autobahnen existieren bestimmt irgendwo, sind aber auf jene Achsen konzentriert, auf denen die kleine, reiche Elite sich bewegt. Absolventen staatlicher Schule haben keine Chance auf einen Platz an einer Universität, die irgendwelche Karrierechancen ermöglicht, dafür muss man an einer Privatschule gelernt haben (Was sich der grösste Teil der Inder niemals leisten kann). Und damit sprechen wir erst von der Situation in den Zentren. Das in den wirklich ländlichen Gebieten keine asphaltierten Strassen bestehen, Kastendiskrimination immernoch zum Alltag gehört, ganze Bezirke ohne Schulen, Wasserversorgung und Strassen existieren muss auch erwähnt werden.
Übrigens, China wird gerade im Vergleich mit Indien häufig für seine Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen ist absolut gerechtfertigt, der Vergleich mit Indien lächerlich. Bezüglich Infrastruktur, Bildungsstand und Chancengleichheit ist China Indien Lichtjahre voraus.
Das in Indien auf dem Land ein Bürgerkrieg zwischen Regierung und Maoisten tobt, in dem auch von staatlicher Seite durch paramilitärische Gruppen willkürlich ganze Dörfer ausgelöscht werden, passt auch vielen nicht ins Bild des "neuen Indiens".
In diesem Zusammenhang übrigens Pflichtlektüre:
das Buch "Red Sun: Travels in Naxalite Country", von Sudeep Chakravarti. Er gibt einen Einblickjenen Teil Indiens, den die Ariktel in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen konsequent ignorieren. - #8 28.04.2012 09:28 von
Soeben zurückgekehrt von einer 10 wöchigen Reisen per öffentlicher Verkehr durch Indien und China, stimme ich Stelzi absolut zu, dass es sich nur um eine Parallelentwicklung handelt. Kapur schreibt, sogar Rikschafahrer würden davon träumen vielleicht vom Boom zu profitieren - davon träumen können sie, tatsächlich davon prifotiert haben sie aber alle nicht.
Im Boomland Indien sind übrigens selbst im Grossteil der Hauptstadt die Strassenzustände katastrophal. Das Zugsystemn ist genauso katastrophal wie eh und je, wer nicht mit den wenigen teuren Luxuszügen fährt, der muss sich grundsätzlich auf Verspätungen von bis zu über 20 Stunden einstellen. Die neuen Autobahnen existieren bestimmt irgendwo, sind aber auf jene Achsen konzentriert, auf denen die kleine, reiche Elite sich bewegt. Absolventen staatlicher Schule haben keine Chance auf einen Platz an einer Universität, die irgendwelche Karrierechancen ermöglicht, dafür muss man an einer Privatschule gelernt haben (Was sich der grösste Teil der Inder niemals leisten kann). Und damit sprechen wir erst von der Situation in den Zentren. Das in den wirklich ländlichen Gebieten keine asphaltierten Strassen bestehen, Kastendiskrimination immernoch zum Alltag gehört, ganze Bezirke ohne Schulen, Wasserversorgung und Strassen existieren muss auch erwähnt werden.
Übrigens, China wird gerade im Vergleich mit Indien häufig für seine Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen ist absolut gerechtfertigt, der Vergleich mit Indien lächerlich. Bezüglich Infrastruktur, Bildungsstand und Chancengleichheit ist China Indien Lichtjahre voraus.
Das in Indien auf dem Land ein Bürgerkrieg zwischen Regierung und Maoisten tobt, in dem auch von staatlicher Seite durch paramilitärische Gruppen willkürlich ganze Dörfer ausgelöscht werden, passt auch vielen nicht ins Bild des "neuen Indiens".
In diesem Zusammenhang übrigens Pflichtlektüre:
das Buch "Red Sun: Travels in Naxalite Country", von Sudeep Chakravarti. Er gibt einen Einblickjenen Teil Indiens, den die Ariktel in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen konsequent ignorieren. - #9 28.04.2012 09:31 von
Komischerweise hat sich ja der Gini-Index (Index für die Ungleichheitverteilung von Einkommen) in Indien wenig geändert in den letzten Jahren. Da kann man schon vermuten, dass die zugrunde liegenden Daten evtl. nicht so ganz stimmen, denn hohes Wirtschaftswachstum plus gleichbleibende Armut müsste eig. auch einen Effekt darauf haben.
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