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Wir machen uns mal frei: Operation Privatpatient

CorbisAls er zum Arzt kam, war Kolumnist Frederik Jötten noch gesund. Als er ging, war er ein potentieller Krebspatient mit einem Operationstermin drei Tage später: Der Arzt hatte einen Tumor in seiner Speicheldrüse diagnostiziert - eine lukrative Fehlentscheidung.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...850438,00.html
  1. #40

    Wo ein Patient ist- ist auch eine Diagnose oder wenigstens ein Symptom.Bei einem Privatpatient ist es wesentlich lukrativer auf die Suche nach einer solchen zu gehen.
  2. #41

    Privat hat auch Vorteile!

    Wenn man sich selbst gut informiert, kann man i.d.R. den Rat des Arztes hinterfragen. Selten handelt es sich um eine Not-Op, so dass man 2. Meinung einholen kann. Bin selbst gern Privatpatient, ist der einzige Grund für mich noch im Beamtenverhältnis zu arbeiten. Auch mir werden gelegentlich sinnlose Untersuchungen empfohlen, dafür dass ich diese bezahle, kommt mir der Arzt in anderen Punkten entgegen.
  3. #42

    der böse Arzt

    Wie immer kennt man nur eine Seite der Geschichte.... Wie waren denn die Beschwerden? Tat es überhaupt weh?
    Vielen "Patienten" fehlt das Gefühl für den eigenen Körper. Manchmal hilft einfach kühlen und ein wenig warten. Und warum muss man dann an einem Freitag zum Arzt gehen, wenn die Beschwerden schon am Montag bestehen? Angst plötzlich am Wochenende an der Schwellung zu versterben? Oder zufällig Zeit gehabt? ist natürlich die Schuld der anderen, des Staates, der Kasse und des Arztes, wenn man keine zweite Meinung einfordert oder mal ein wenig nachdenkt
  4. #43

    ... zirkuläres Problem

    Aus all dem Beschriebenen leitet sich aber keine Existenznotwendigkeit der PKV ab. Vielmehr entsteht doch der Eindruck, dass die Zweiteilung GKV /PKV erst die Umstände geschaffen hat, die sie jetzt am Leben erhält. In der Summe ist genug Geld im System, es wird nur nicht angemessen verteilt! Beispiel Patienten: wenn das meißte Geld nicht in der PKV sitzen würde, dann stünde auch mehr Geld zur Verfügung um jedem Patienten eine bezüglich der Praxiskosten angemessen vergütete Basisversorgung zu ermöglichen. Beispiel Ärzte: Die Ungleichverteilung innerhalb der Ärzteschaft, vielfach durch unethisches bis hin zu kriminellem Verhalten, und Abrechnungsprivilegien zementiert ist ein Problem der Ärzte selber. Es wäre ein Leichtes, dass sich junge Ärzte (die Hauptgruppe der Leistungserbringer) und andere Rechtschaffene gegen diese Ungleichverteilung zur Wehr setzen. Bloß fehlt es an Rückrad und positiven Überzeugungen. Schließlich spekuliert ja ein nicht unerheblicher Teil der jungen Ärzte darauf später einmal selber zu den paar Prozent ausgesprochen gut verdienenden zu gehören.
    Die Gesellschaft sollte sich ihrer Kontrollfunktionen mehr gewahr werden und nicht darauf vertrauen, dass sich das System von alleine reguliert. In welche Richtung die Entwicklung geht wird nun immer mehr sichtbar. Die Privatisierung des Krankenhausbetriebs ist ein Paradebeispiel. Wenn ich nicht um die inhaltlichen Probleme wüßte, könnte ich doch nur naiv den Kopf schütteln und fragen, weshalb es ein privater Betreiber schafft innerhalb kürzester Zeit Gewinne aus einem vormals defizitären Krankenhaus abzuschöpfen. Woraus und wohin werden die Gewinne eigentlich abgeschöpft?!? Fragt sich das die Allgemeinheit eigentlich manchmal ernsthaft. Die PFLICHTbeiträge zur Krankenversicherung die Einzig dem Krankenwohl und zur Bezahlung der Leistungserbringer angedacht waren und sind, werden zum Gewinn von Unternehmern, Aktienbesitzern -oft genug Menschen, die nicht im Geringsten durch persönlichen Beitrag, sei es Innovation, Organisation geschweige denn direkte Krankenversorgung einen Beitrag zum Gesundheitswesen geleistet haben. Könnte es sein, dass dieses Geld am Ende in der Krankenversorgung fehlt und zudem gewaltige Anreize schafft zu unsinnigen Leistungen, die die Grundlage für das im Artikel beschrieben Problem bilden?
  5. #44

    Natürlich!

    Zitat von hilgchen Beitrag anzeigen
    .........
    Vielen "Patienten" fehlt das Gefühl für den eigenen Körper. Manchmal hilft einfach kühlen und ein wenig warten. ......
    ... wenn Sie plötzlich nicht mehr sehen oder hören, oder ein Bein nicht mehr bewegen können, oder auch starke Schmerzen in Brust oder Bauch plötzlich bekommen,
    ..... immer schön kühlen und aus Prinzip nicht zum Arzt gehen.

    Vielleicht reicht es ja auch, eine Kerze anzuzünden oder sich die Hand eines Wunderheilers auflegen zu lassen
  6. #45

    Vorsätzliche Überbehandlungen - und übersehene Krankheiten

    Vorsätzliche Überbehandlungen werden leider immer häufiger. Wenn der Patient nichts hat, dann kann man ihm dennoch einreden, dass er was hat, das behandeln. Am Ende ist der Arzt sogar der Held, weil er den "Knoten rechtzeitig bemerkt hat, bevor es gefährlich wird".

    Man erlebt es aber auch anders herum, dass ein Kind mit Leukämie (Blutkrebs, der häufigsten Krebskrankheit bei Kindern) und einer schweren Lungenentzündung nach Hause geschickt wird: "Der Kleine hat nur eine Erkältung, legen Sie ihn ins Bett". Und das trotz Privatversicherung und trotz zahlreicher Symptome, die auf mehr als nur Schnupfen hindeuten, die die Mutter dem Arzt alle aufgezählt hat: Lymphknoten am ganzen Körper geschwollen (und nicht nu am Rachen und Hals), extrem aufgeblähter Bauch, extreme Schlappheit des Kindes, Blutungen beim Zähneputzen. Und eben die hohe Infektanfälligkeit, dank derer das Kind alle paar Tage wieder krank wurde.

    Die Mutter ist dann selber mit dem Kleinen ins Krankenhaus, wo sie insistierte, dass man ein Blutbild macht, was der Arzt nur widerwillig tat. Doch nachdem er die Blutwerte gesehen hatte, begann die Action: Plötzlich waren drei Ärzte im Zimmer, Bluttransfusion, Blutplättchentransfusion, Beatmung mit Sauerstoff, Tropf.

    Der Kleine lebt noch und hat die Chemo gut überstanden. Ob er aber noch am Leben wäre, wenn die Mutter der Empfehlung des Kinderarztes gefolgt wäre - da ist sie sich nicht so sicher.


    Jag
  7. #46

    Zitat von gerd33 Beitrag anzeigen
    ... gehört bestraft!
    Aufgrund eines Tastbefundes einer häufig geschwollenen Drüse einen Tumor (evtl. bösartig!) zu diagnostizieren und gleich eine OP anzusetzten ist kriminell.

    Korrektes Vorgehen: "Ich habe da etwas getastet, das ist nicht normal, vermutlich harmlos, aber muss weiter abgeklärt werden". Dann Ultraschall und MRT, evtl danach OP.

    Was allerdings das Gelabere über geldgeile Ärzt anbelangt:

    Rechnen Sie mal Praxisunkosten, Personal, Versicherungen, Geräte etc. zusammen. dann sollte Ihnen klar sein, dass ein selbständiger Arzt mindestens 200 EUR / h Umsatz (nicht Gewinn) machen muss.

    Zur Info (Bsp. Allgemeinmedizin):
    Ablöse bei Praxisübernahme / KV-Sitz: ca. 100.000 EUR
    gutes Ultraschallgerät: ca. 30.000 EUR, Nutzungsdauer 5 Jahre
    Belastungs-EKG: 12.000 EUR
    Lungenfunktion: 3.000 EUR
    Laborgedöns: ca. 2.000 EUR
    kl. Chirurrg. Einrichtung: ca. 3.000.EUR)+Steri
    Personalkosten Arzthelferin, einige Jahre Berufserfahrung: ca. 33.000 EUR/Jahr; davon 2-3 Stück
    Personalkosten Azubi: ca. 10.000 EUR/a
    Steuerberater: ca. 6.0000 EUR/a (incl. Personalabrechnung)
    Betriebsausfall-Versicherung. ca. 12.000 EUR/a
    Haftpflichtvers. ca. 4.000 EUR/a
    usw.
    Ist es das Problem des Patienten, wenn der Arzt nicht wirtschaften kann? Muss die Praxis wirklich toll gelegen und riesig sein? Muss man die Geräte kaufen? Geht es nicht auch mit 1,5 richtig guten Arzthelferinnen?
  8. #47

    Irrtum, Herr Jötten

    Anders als Ihr Kolumnist Frederik Jötten vermutet, war sein Status als Privatpatient im geschilderten Fall nicht etwa Teil des Problems, sondern offenbar Teil der Lösung. So konnte er problemlos eine Magnetresonanztomografie einfordern, da er in der Privaten Krankenversicherung durch keine Budgetierung daran gehindert wird, und auf diese Weise den falschen Befund entdecken. Die Fehldiagnose seines HNO-Arztes hingegen hätte ihm als Kassenpatient ebenso passieren können. Dieser Vorgang hat mit dem Versichertenstatus erkennbar nichts zu tun. Denn hätte der HNO-Arzt unter der geschilderten Tumor-Hypothese operiert, dann hätte die unausweichlich fällige Gewebeanalyse den Irrtum offenbart. Dieser Behandlungsfehler hätte nicht nur seinen Honoraranspruch verwirkt, sondern ihn voraussichtlich zur Zahlung von Schmerzensgeld gezwungen. Der HNO-Arzt hat also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus Geldgier eine falsche Diagnose gestellt, sondern weil er sich schlicht geirrt hat – wie immer das zu bewerten ist.
    Stefan Reker
    Sprecher des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV)
  9. #48

    Zitat von SpitzensteuersatzZahler Beitrag anzeigen
    Ist es das Problem des Patienten, wenn der Arzt nicht wirtschaften kann? Muss die Praxis wirklich toll gelegen und riesig sein? Muss man die Geräte kaufen? Geht es nicht auch mit 1,5 richtig guten Arzthelferinnen?
    In dem Post steht nichts, dass der Arzt nicht wirtschaften kann, sondern nur, dass eine gewisse Geld eingenommen werden muss, um die Unkosten zu tragen. Viele Menschen sind sich nicht im klaren darüber, welche Unkosten in einem Betrieb an fallen. Es werden nur die angeblich hohen Einnahmen gesehen. Die Aufstellung gibt einen leinen Einblick, dass ein Azt nicht 2000 Euro verdient, wenn er 3000 Euro im Monat ein nimmt. ;-)








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