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Wir machen uns mal frei: Die Walkie-Talkie-Methode

CorbisMobiltelefone machen uns depressiv oder psychopathisch - zumindest auf den ersten Blick. Kolumnist Frederik Jötten hat herausgefunden, wie man die schlimmsten Handy-Krankheiten verhindern kann.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...844814,00.html
  1. #10

    Verändertes Kommunikationsverhalten

    Zitat von cobobka Beitrag anzeigen
    ... Vor einigen Tagen fuhr ich nach Jahren wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dachte, ich bin im Irrenhaus. ...
    Ging mir neulich ähnlich, nur dass der Grund hierfür nicht in der Musik lag. Vielmehr konnte man meinen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Fahrgäste Selbstgespräche führte, da man das jeweilige Headset teils nicht gleich erkannte, und somit anfang nie sicher war, wer eigentlich mit wem sprach/ansprach. Ein weiterer Teil hätte nach halbstündlicher Zugfahrt wahrscheinlich keinen einzigen gegenübersitzenden Fahrgast beschreiben können (Mann/Frau-alt/jung), weil der jeweilige Blick nur aufs Smartphone gerichtet war.
  2. #11

    Was solls?
    Ich habe kein Handy, keine private E-Mail-Adresse :-)
    Und so nebenbei leitender Angestellter in einem europaweit
    führenden Unternehmen....
    Mein Chef hat schon x-mal versucht, mir ein Handy anzudrehen.
    No Chance. Seine Motivation: ich muss sie doch erreichen
    können! Gerne, immer während der Arbeitszeit. Und nach der
    Arbeitszeit gerne eine E-Mail an die Geschäfts-E-Mail-Adresse.
    Wird dann am nächsten Tag umgehend beantwortet.
    Klappt hervorragend.
    Und dafür brauche ich keine Betriebsvereinbarung oder ein
    Gesetz. Courage und Selbstbewusstsein genügt.
  3. #12

    Ich habe es leider verpasst, diese gelben, verglasten Häuschen per Foto der Nachwelt (oder wenigstens meinen Enkeln) zu erhalten. Da pappte auch ein Hinweis "Bitte Abstand halten" (oder so ähnlich) drauf. Wegen Privatsphäre und so. Dafür bekommt man heute in der S-Bahn die Beziehungskisten der Mitreisenden serviert und im Supermarkt erfährt man mehr über die Ausweichkost der Mitmenschen ("Joghurt von xxx ist alle, was soll ich mitbringen?").
  4. #13

    Eine echte Spitzenleistung, absolut meisterhaft

    5
    Zitat von fagus Beitrag anzeigen
    Nominiert für den sinnfreisten Artikel des Jahres.
    Das ist ziemlich übertrieben. Es handelt sich hier um ein Spitzenerzeugnis der Firma Spiegel. Die Überschrift hat rein gar nichts mit dem Artikel zu tun, zwischen den Absätzen besteht überhaupt kein logischer Zusammenhang, und vor allem wird das wesentliche Ziel allen journalistischen Strebens erreicht, nämlich daß keiner weiß, wozu der Artikel gut ist. Das zwingt zum Denken, was natürlich auch auf viele andere Ungereimtheiten des Lebens zutrifft, und selten zu Lösungen führt, aber beim Spiegel ist diese Methode Prinzip und Grund für eine wahnwitzig treue Leserschaft, also Erfolgsrezept. Jeder Abonnent wäre schwer enttäuscht, sollte beim Spiegel plötzlich von Fakten oder Logik, Zusammenhängen oder Hintergründen die Rede sein. Das ist nicht seine Aufgabe, das mögen die fleißigen Lieschen bei den Tageszeitzungen erledigen.

    Gerade für das Forum ist der Artikel ideal. Es gibt fast nichts, was sich nicht unter diesem Thema diskutieren ließe, weil eigentlich gar nichts zu diskutieren ist. Man könnte also einfach drauflos debattieren, das Thema würde sich allmählich herauskristallisieren. Es wäre vermutlich eins, das mit den hochgemotzten aktuellen Themen wenig zu tun hätte.
  5. #14

    ...nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darfsein

    wahrscheinlich ist die Strahlung durchaus schädlich, weil sie im Gehirn Veränderungen erzeugt. Nur ist das unerheblich: Niemand würde deshalb den Betrieb dieser Anlagen verbieten, es steckt zu viel Geld dahinter und das ist wichtiger. Zum anderen gibt es tägliche, schädliche Einflüsse, die mehr krankmachend sind, wie zuviel Fett- und Zuckerkonsum.
  6. #15

    Thema

    wäre vorhanden. Diese überaus abartige Eröffnungsfeier, über die erst mal gar nicht diskutiert werden darf. Wenn Engelland meint sich so darstellen zu müssen, hat es den Sturz in den geistigen Abgrund längst hinter sich. Nur gut, daß sich Kinder das läppische und kindische Spektakel nicht mehr ansehen können. °Und zum Glück sind die Schatten kaum erkennbar, die sich in pantomimischer Choreographie versuchen. Feine Regie. Die Dunkelheit hat was. Ganz ohne Licht und Ton wäre der Eindruck bombastisch. Und die 34 Millionen sind eigentlich auch recht preiswert, könnte man dafür doch lediglich 3.400 koreanische Kleinwagen kaufen.

    Eines der vielen Rätsel vermag ich nicht zu lösen: Nicht die merkwürdige Musik beim Einmarsch, sondern das Phänomen, daß neben jedem Fahnenträger eine verfettete hell gekleidete und eine magere Dame in dunkeln °Kleidern herläuft. Es gibt keinen Kommentar und auch der Liveticker kümmert sich gar nicht um das Problem.
  7. #16

    Wo bleibt das Echo auf diesen seit langem ersten lesenwerten Artikel ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mobiltelefone machen uns depressiv oder psychopathisch - zumindest auf den ersten Blick.
    Der Mann hat noch nie eine Frau am Hörer gesehen. Mehr Charme als am Handy versprüht sie bestenfalls gegenüber ihrer besten Freundin – oder Feindin.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kolumnist Frederik Jötten hat herausgefunden, wie man die schlimmsten Handy-Krankheiten verhindern kann.
    Herausgefunden hat er gar nichts. Und er hat nicht eine Handykrankheit erwähnt. Voller Geschick hat er erst gar nicht definiert, was eine ist.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es gibt Menschen, die sicher sind, dass Handys krank machen. Das ist umstritten. Sicher ist allerdings: Sie lassen uns krank aussehen. Oft begegnete ich am Wochenende, wenn ich mit der letzten oder ersten U-Bahn nach Hause fuhr, auffällig viele niedergeschlagene Menschen, vornübergebeugt, den Kopf zum Boden gerichtet. Wie fertig müssen diese Leute sein, wo ich doch schon ziemlich kaputt war, aber immerhin noch gerade-aus blicken konnte?
    Diese sklavische Körperhaltung beim Bedienen der Kleingucker mutet im ersten Moment merkwürdig an. Tatsächlich sind die meisten zu eitel, eine Brille zu tragen, und auch ihre Armmuskulatur ist unterentwickelt, so daß sie sich zum Gerät herabbeugen müssen. In vielen Fällen ist die devote Haltung allerdings nur der tiefen Demut vor dieser gottgleichen Maschinerie zuzuschreiben.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Dann bemerkte ich, dass diese niedergeschlagenen Menschen im-merhin noch so fit waren, Kurznachrichten zu schreiben. Als ich mein Spiegelbild später kurz in der Fensterscheibe sah, saß ich genauso zusammengekauert in der U-Bahn. Leider, denn was ich am frühen Morgen mit dem Handy abschickte, bereute ich meistens am nächsten Tag.
    Diese persönliche Note lockert die unsäglich sachliche Langeweile auf und nimmt den Leser gefangen. Er empfindet voller Empathie mit dem Gequälten. Der Verstand sagt allerdings, daß man morgens ziemlich konzentriert und wach ist, sofern man in der Nacht zuvor nicht versumpft ist und nach dem Aufwachen geduscht hat. Ich könnte so manche Zeile bedauern, die ich übermüdet oder angetrunken zu nächtlicher Stunde geschrieben habe. Aber Reue ist nicht mein Ding. Sie scheint eher eine ausfüllende Beschäftigung für Metaphysiker zu sein.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mikrowelle für die grauen Zellen
    Irgendwann sah ich Männer im Anzug wild gestikulierend, redend durch die Straßen gehen und dachte: Elegant gekleideter Psychopath! Bis mir auffiel, dass die Herren mit einem Head-set telefonierten. Natürlich legte ich mir auch das zu und laufe seitdem psychopathisch durch die Straßen. Ich bekomme nämlich vom Telefonieren mit meinem Handy einen pochenden Schmerz unter der Stirn.
    Wild gestikulierende Männer sind also Psychopathen. Das sollte man den Priestern und Schamanen erzählen. Oder den Politikern. Zuzugeben wäre allerdings, daß man erschrickt, wenn man unvermutet von Menschen angebrüllt wird, die weder Hund noch Kind noch Frau mit sich führen. Männer im Anzug telefonieren übrigens fast nie öffentlich, und wenn der Anzug teuer ist, haben sie nicht mal ein Handy. Das ist was für die billigen Kasten.
  8. #17

    der Lobeshymnen zweiter Teil

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ich spüre förmlich wie die elektromagnetischen Strahlen mein Gehirn kochen. Da wirke ich doch lieber wie ein Wahnsinniger. Allerdings: Den Kopfhörer immer im Anschlag zu haben, ist ziemlich umständlich und sieht beknackt aus.
    Headsets trugen die Piloten im II. Weltkrieg schon. Oder die Telefonistinnen bei Anbeginn der Telefonie. Der arrivierte Gernegroß trägt ein Kabel, das vom Ohr in die Jackentasche führt, und an dem ein Mikrofon befestigt ist.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine Zeitlang versuchte ich also, das Headset-Kabel erst bei ei-nem Anruf ins Handy zu stecken. Natürlich war es nie aufzufinden, wenn ich es gebraucht hätte. Dann wickelte ich es ums Handy - aber wenn es klingelte, schaffte ich es meistens nicht, das Kabel rechtzeitig zum Annehmen des Anrufs zu entwirren, so dass die Anrufer wieder aufleg-ten.
    Es ist bekannt, daß insbesondere Geisteswissenschaftler beträchtliche Probleme bekommen, wenn sie sich die Nase oder den Hintern abwischen wollen, Diese banalen Tätigkeiten unterfordern sie auf brutale Weise. Ein ähnliches Problem haben Ingenieure mit Haushaltsmaschinen. Das Auswechseln eines Staubsaugerbeutels würde für einen höchst kurzweiligen und spannenden Abenteuerroman ausreichen. Eine Frau kennt diese Probleme nicht. Sie würde auch mit einem Bügeleisen telefonieren können oder einer Bohrmaschine, falls sie gerade mal keine Lust hat auf Telepathie.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zum Glück sah ich neulich einen jungen Mann, tätowiert, ge-bräunt, Bodybuilder-Arme, der sein Telefon wie ein Funkgerät benutzte: Er hielt es vor den Mund, als er sagte: "Ich fahre da jetzt vorbei und checke das ab!" Sein Gesprächspartner krächzte aus dem integrierten Lautsprecher: die Freisprechanlage! Jetzt telefoniere ich auch mit der Walkie-Talkie-Methode. Das ist auf jeden Fall gesünder als das Handy am Ohr zu halten - und sieht immerhin nur nach der Wichtigtuer-Krankheit aus.
    Für die Umwelt ist die Methode sicher weit interessanter. Etwa in einem vollbesetzten Bus. Endlich wäre die Kommunikation unter den Menschen perfekt, das vom Herrn angekündigte Elysium. Jeder wüßte alles, man könnte an der einen oder anderen Stelle sogar ins Gespräch kommen, falls man die anderen nicht stören würde.

    Mich wundert nur eines, nachdem ich gerade mal wieder ein paar Zeilen Feuilleton zu enträtseln versucht habe: warum nur haben nicht alle Kulturbeflissenen deutscher Zunge ellenlange Lobeshymnen auf dieses einzigartige, traumhaft vollendete Elaborat ohne jede Faßbarkeit verfaßt ? Oder ist ihre Sprachlosigkeit als Antwort bewundernder Anhänger zu verstehen, die sich eine angemessene Antwort auf dieses Meisterwerk nicht zutrauen.
  9. #18

    Handyseuche

    Schon das tolle Titelfoto 'Telefonierende Geschäftsleute' bringt deutlich zum Ausdruck, wie krank diese Menschen wirklich sind und wie krank Handys tatsächlich machen.Es kommt sogar der Verdacht auf, dass dieses Foto gestellt ist. So bekloppt im Kopf kann doch niemand sein. Gleichgültig ob gestelltes Foto oder nicht, der Wortbeitrag des bewusstseinesgespaltenen Herrn Oberkolumnisten, Jötten und Eriksen in einer Person, ist ebenso dürftig, wie das Titelfoto. Das bis dahin.

    Die Handyseuche ist zur weltweiten Krankheit Nummer 1 geworden. Tendenz steigend. So soll es mittlerweile auch schon Leichenbestatter geben die auf Wunsch der untröstlichen Hinterbliebenen dem Verstorbenen ein voll funktionstüchtiges Handy, welches über einen Solarspiegel am Grabstein dauerhaft aufgeladen werden kann, mit in die Kiste legen. Auf diesem Wege soll auch der letzte Kontakt noch möglich sein. Aber auch Bilderchen oder Viedeos machen und gucken, Musik oder Hörbücher hören und mit dem lieben Gott telefonieren soll möglich sein. Näheres unter handyseuche.com.
  10. #19

    nicht mal eine Drechselmaschine hat der Typ

    Auf vielfachen Wunsch reiche ich natürlich den lehrreichen Text aus dem Feuilleton nach:

    # War Skulptur bis dahin in den Kategorien Form und Struktur gedacht worden, so definierte Andre sie durch das Material und den Ort. Er entschied sich, die Werkstoffe als das zu nehmen, was sie sind: „Ich möchte Holz als Holz, Stahl als Stahl, Aluminium als Aluminium, einen Heuballen als einen Heuballen.“ Und anstatt in das Material hinein zu schneiden, wie es vom Bildhauer erwartet wird, schneidet er mit den Materialien in den Raum hinein, und verändert ihn. Seine Arbeiten brechen mit der Vorstellung, Skulptur sei etwas, dem man als Betrachter gegenübertritt – ein zwar im Raum existierendes, aber doch ganz und gar in sich selbst ruhendes Gebilde. Andres Skulpturen gehen eine untrennbare Verbindung mit dem Ort ihrer Präsentation ein, und sie treten in direkte Interaktion mit dem Betrachter, der mit seinem ganzen Körper auf sie reagieren, sie abschreiten und sie mitunter sogar betreten muß, um sie wirklich zu erfahren. #

    Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da steht nichts anderes, als daß der Typ stinkend faul ist und rein gar nichts macht, sondern einfach nur Material irgendwo hinfallen läßt. Noch fauler als Beuys, und berühmt und begehrt. Das ist Kunst. Unser verehrter Handydichter wird einstens ähnliche Texte zu verfassen vermögen, wenn er kräftig übt. Eigentlich geht es nur darum, mit einem Wortschwall nichts zu sagen, dem Zeilenhonorar zuliebe. Irgendwie versteckt sollte aber ein tieferer Sinn zu erahnen sein. was keineswegs bedeuten kann, daß es einen geben muß, wie die Bibel bereits lehrt.

    Im Grunde reicht es aber, wenn man einfach Worte aufeinandertürmt. Der Leser soll sehen, wie er klarkommt. Es ist wirklich eine Zumutung, was der Leser alles beansprucht.


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