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Wir machen uns mal frei: Der Charme einer Keule

DPABeleidigt, als Wrack klassifiziert, nicht ernst genommen und zeitweise ignoriert - Kolumnist Frederik Jötten bekommt beim Arzt die volle Packung. Warum haben viele Mediziner so schlechte Manieren?

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...855232,00.html
  1. #1

    Selektion?

    Wieso setzen sich eigentlich die besseren Ärzte langfristig nicht durch, weil den anderen die Patienten in Scharen davonlaufen?

    Ich war mal bei einem Neurologen, der noch unverschämter war: Er hat sich doch tatsächlich während des Anamnesegesprächs eine Zigarette angezündet - ohne mich Nichtraucher auch nur kurz zu fragen. Das Rauchen schien dort auch eher die Regel zu sein, denn die Praxisräume rochen entsprechend. Ich weiß nicht, wie andere Patienten es dort immer wieder aushielten. Ich bin danach nie wieder bei diesem Arzt gewesen, und habe ihm auch erklärt warum.
  2. #2

    Aerzte & Kommunikation

    Jaja, die Halbgötter in weiß... Ich ermutige jeden, sich bewusst zu machen, dass Aerzte Dienstleister sind und wir die zahlenden Kunden (ja, das gilt auch bei gesetzlich Versicherten!). Wenn ich in einer Autowerkstatt oder beim Friseur kein gutes Gefuehl habe oder mich schlecht behandelt fuehle, sage ich dem Personal die Meinung und wechsle den Dienstleister. Sage keine, das kann man nicht vergleichen - ein KfZ kann zur toedlichen Gefahr werden, wenn der zustaendige Meister Fehler macht (und ein schlechter Friseur...;-) Und ist dieser Meister auch noch unfaehig zu kundenorientierter Kommunikation, laufen die Kunden davon und der Laden geht Pleite. Warum versagt dieser Automatismus bei den "Meistern" im Gesundheitsbetrieb?! Sollte man auf einen dieser Dr. House's unbedingt angewiesen sein, hilft "Spiegelverhalten" - amuesant, die Reaktion zu beobachten: erst ist der grobe Klotz irritiert, dann wird man als wehrhaft muendiger Patient ploetzlich auf Augenhoehe wahrgenommen ;-)
  3. #3

    Marktwirtschaft

    Wenn sich der Arzt mies benimmt, oder schlecht ist, einfach die Regeln der Marktwirtschaft anwenden und ein anderes Angebot aussuchen. Man sollte seine Ärzte nicht nur nach dem Doktortitel aussuchen, sondern auch, ob man das Gefühl hat, bei ihnen ernst genommen und gut behandelt zu werden. Da muss man ein bisschen aufpassen, dass man ernst nehmen nicht nach dem Mund reden verwechselt (das machen auch einige Ärzte, weil die denken, dass sie ihre Patienten halten, wenn sie denen das sagen, was die hören wollen).
  4. #4

    Meine Erfahrung: Man muß sich in ein Fachgebiet tief einlesen, will man von einem Mediziner erfahren, was wirklich Sache ist - erst dann wird man halbwegs ernst genommen. Erst widerwillig, weil man mit Fragen kommt, die stören, und die aus Halbwissen heraus oft auch ungenau gestellt sind. Das ist anstrengend, für beide Seiten. Für den Patienten, weil einen ein völlig neuer Begriffe- und Zusammenhangskosmos erwartet. Für den Arzt, weil wohl die meisten Leute mit Halbwissen glauben, schlauer zu sein als er. Nach einer Weile entsteht aber gegenseitiger Respekt, und dann wird informativer Klartext geredet, ohne dabei unhöflich zu sein. Ärzte müssen offenbar erst lernen, daß es Patienten gibt, die mitreden wollen - und manchmal sogar können.

    Im Ernst: Will ein Laie auf meinem Fachgebiet mit mir reden, wimmle ich ihn auch meist ab. Verstehst Du sowieso nicht, ist die (freundlicher formulierte) Botschaft, denn Verstehen setzt langjährige Beschäftigung mit dem Thema voraus.
  5. #5

    Ärzte? zeiDverschwÄndung

    Ist es nicht ein Skandal, wie man als Patient manchmal von Ärzten behandelt wird?
    Ja. Beziehungsweise: Nein, falls Sie wünschen, auf diese Frage ein Nein zu erhalten.

    Ist es übertrieben, von einem Arzt zu verlangen, dass er einfühlsam ist?
    Nein.

    Warum zeigen viele Ärzte so wenig Empathie?
    Weil ...
    Weil ...
    Weil ...
    Weil ...
    ...
    (Sie dürfen selbständig eine oder 100 Antworten wählen, Hauptsache, es ist etwas dabei, das Sie befriedigt.)

    Was kann man als Patient tun, wenn ein Arzt sich schlecht benimmt?
    Oh, eine Frage, die nach "etwas" fragt.
    Tschüß sagen und ihm ganz viel Zeit für sich und seine Märtyrer wünschen.

    Die letzte Frage hat sich damit auch schon erledigt.

    ... denn es gibt BESSERES zu tun
    als die Ärzte zu hörn.
  6. #6

    Zitat von Gondlir Beitrag anzeigen
    Wieso setzen sich eigentlich die besseren Ärzte langfristig nicht durch, weil den anderen die Patienten in Scharen davonlaufen?
    Vielleicht, weil es zu wenig bessere und zu viel andere Ärzte gibt.
  7. #7

    @ijf: zahlende Kunden? Solang ein niedergelassener Arzt für einen Kassenpatient 20-30 Euro pro QUARTAL bekommt, kann man diesen sicherlich nicht als zahlenden Kunden bezeichnen, sondern eher als Kostenverursacher. Das gilt natürlich nicht für Privatpatienten oder Selbstzahler.
  8. #8

    Spontane Heilung

    Zumindest hat es die Ärztin innerhalb kürzester Zeit geschafft, Sie von Ihren Rückenschmerzen zu befreien. Das ist doch gar keine schlechte Leistung.
  9. #9

    1-2 Minuten mehr - allen ist geholfen

    Ich habe keine Kenntnisse zur Medizinischen Ausbildung in Deutschland, jedoch kenne ich die Situation als Patient in Deutschland sehr gut. Unfreundlich bin ich nie behandelt worden, jedoch oft zu schnell und nicht ordentlich informiert welches dazu geführt hat noch einen Spezialisten aufzusuchen. Die medizinische Ausbildung in Dänemark ist sehr auf Empathie getrimmt, so haben wir einen 6 Wochen Kurs früh im Studium absolviert wo „richtige“ Kommunikation im Vordergrund steht. Auch die älteren Ärzte sind einfühlsam, denn es spart Zeit, gibt einen besseren Verhandlungsverlauf und VIEL weniger Klagen. Nur 1-2 Minuten mehr brauchen wir pro Patienten um von 60 % auf knapp 100 % Zufriedenheit zu kommen. Die Patient-Zufriedenheit in Dänemark liegt bei über 90%. Wenn ich eine Operation für nötige halte, bekomme ich oft die Zustimmung des Patient am selben Tag. Es gibt kein Missvertrauen. Kollegen in Deutschland berichten von Patienten die „nicht wollen“ oder sich mehrere Meinungen einholen. Kein Wunder wenn der Arzt telefoniert und seinen Patienten nicht ernstnehmt, Kunde ist König, auch in der Medizin. Obwohl man freundlich ist, kann man auch bestimmt sein, und durch meine freundliche und offene Art habe ich Patienten schon oft gesagt: „Du bist zu Dick, das musst Du ändern“, „Hör auf zu rauchen“ usw. (Wir duzen uns in Dänemark). Da meine Patienten das Gefühl haben meine Empathie ist echt, habe ich das Gefühl dass ich öfter den gleichen Patient wiedersehe mit der Frage: „Was hast Du neulich noch wegen meinem Lebensstil gesagt?“. Also Liebe Kollege, benutzt 1-2 Minuten mehr und der Patient wird Ihnen danken, die Gesellschaft spart Geld und im Endeffekt geht es allen besser.








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