Wir machen uns mal frei: Der Alptraum beim Traumdeuter

CorbisEs gibt Dinge im Leben, an die sollte man glauben, oder man sollte sie lassen. Kartenlegen gehört dazu, Wahrsagen oder eben Traumdeuten. Frederik Jötten ist Skeptiker. Doch als ihn ein Alptraum quält, wagt er sich zum Experten - ein schwerwiegender Fehler.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...816433,00.html
  1. #10

    @desiderium

    Ich möchte gerne auf Ihren Eintrag eingehen, da es der einzige ist, der sich nicht einfach arrogant über meinen Kommentar lustig macht.

    Natürlich gibt es keine feste "Traum-Symbolik". Und von "Traumdeutern" halte ich auch nix. Habe auch nie ein "Traum-Symbolik-Buch erworben (Brot: Du wartest darauf, dass etwas fertig wird).

    Aber Sie geben ja selbst an, dass es "überindividuelle Traum-Szenarien" gibt.

    Zur "Freud" etc. Schule: Ich habe "Traum und Traumdeutung" mit ca. 14 Jahren gelesen - und seither (34 Jahre) nicht wieder. Ich bin also bestimmt nicht durch eine bestimmte Schule geprägt (zumal ich Freud grundsätzlich bei seiner Sexualfixierung skeptisch gegenüber stehe).

    Die damalige Lektüre hat mich aber zumindest dazu bewogen, mich ein wenig mit meinen Träumen auseinanderzusetzen. Und das hat vor allem einen Vorteil: Wenn man "halbwegs bewusst" träumt, schreckt man nachts nicht, wie der Autor, aus dem Schlaf auf, da man zumindest unterschwellig fühlt, dass man sich in einem Traum befindet.

    Zumindest ist das bei mir so - bei anderen Menschen mag es vielleicht auch ganz anders sein. ;-)
  2. #11

    höhö

    Ich war schweißgebadet aufgewacht, wieder und wieder. Tagsüber konnte ich mich nicht mehr konzentrieren, ich war erschöpft - alles wegen eines Alptraums. "Wenn du wieder richtig schlafen willst, musst du dahinterkommen, was dir der Traum sagen will", riet mir eine Freundin. Ich war skeptisch, aber sie machte einen Termin mit einem Traumdeuter für mich.
    Schon das halte ich für einen Fake.
    Das ist alles sowas von konstruiert, da braucht es nicht auch noch den Gag mit dem Traumdeuter.
    Die einen behaupten, sie würden sowieso nie träumen, die anderen sagen, das könnten sie nicht ernstnehmen, es wäre eh alles nur Blödsinn und der dritte zieht die ganze Sache komplett ins Lächerliche.
  3. #12

    Geduld

    Traummotive, die öfters wiederkehren, gehen tief in unverarbeitete Wünsche hinein. Man sollte Geduld mit ihnen haben und daran arbeiten, was sie bedeuten könnten. Das Gefühl zu spät zu kommen, kenne ich aus einem Traummotiv, das seit Jahren wiederkehrte. Es korrelierte mit unverarbeiteter Angst, in "diesem Leben" nicht mehr das zu schaffen, was man sich vorgenommen oder stark gewünscht hatte, was aber verdeckt lag und nie so richtig in Angriff genommen wurde. Weil Gegenkräfte, die stärker waren, es verhinderten. Scheinbar gibt man sich damit zufrieden, aber im Traum steigt es nach oben und äußert sich mit dem quälenden Gefühl, auch mal im falschen Zug zu sitzen. Dass man Gepäck zurücklässt, wenn man eine Veränderung in die richtige Richtung vornimmt (also sich in den richtigen Zug setzt), ist völlig normal. Jede wichtige Änderung bedingt, dass man Ballast oder nicht mehr Benötigtes zurücklässt. Manchmal braucht man auch falsche Entscheidungen, um nicht in die "Gefahr" der richtigen Entscheidung zu kommen, denn diese könnte zwar für mich selbst die beste sein, anderen aber gar nicht "in den Kram passen". Beispiel: Ich entschließe mich, aus meinem Beruf als Steuerberater auszusteigen, obwohl ich weiß, dass ich dann meinen Vater verletze, der sein ganzes Leben darauf hingearbeitet hat, mir eine glänzende Steuerkanzlei zu hinterlassen. Aber mir ist es lieber, meiner Neigung zu folgen und Musiker zu werden .. da verdiene ich weniger, aber ich bin glücklich. - Das klingt jetzt ein bisschen platt, aber das normale Leben kann ganz schön platt sein. Im Sinne von unspektakulär. Das zurückgelassene Gepäck mag eine Zeitlang noch fehlen, aber nicht wirklich. Es ist obsolet geworden. Genießen Sie die freie Fahrt nach Paris- das kann spannend werden!

    Meine Erfahrung ist, dass solche Träume sich im Laufe der Zeit ändern und ins Gegenteil verkehren können. Ich träumte lange, dass ich zu spät zum Flieger, zur Bahn oder sonst wohin zu kommen drohte, das machte mir Angst. Jetzt erlebe ich ein Traummotiv, in dem ich weiß, die Zeit zum Flieger ist zwar knapp, aber ich genieße die Fahrt dorthin, schaue mir die Landschaft an,hab sogar noch Zeit, mein Gepäck, das viel zu umfangreich ist, auf Handgepäck umzupacken, also Ballast abzuladen und bin zuversichtlich, den Flieger mit leichterem Gepäck tatsächlich noch zu erreichen. Heureka! Träume ändern sich mit uns.
  4. #13

    Ich war mal bei einem Raumdeuter.

    Wegen meiner zwanghatfen Vorliebe in eckigen Räumen zu wohnen, war ich bei einem anerkannten Raumdeuter. Das Ergebnis hat mich verblüfft.
  5. #14

    Erquadratmalpi

    Zitat von Synapsenkitzler Beitrag anzeigen
    Wegen meiner zwanghatfen Vorliebe in eckigen Räumen zu wohnen, war ich bei einem anerkannten Raumdeuter. Das Ergebnis hat mich verblüfft.
    Und?
    Läuft jetzt alles wieder rund? ;-)
  6. #15

    Träume sind Schäume!

    Zitat von grunerundjo Beitrag anzeigen
    Traummotive, die öfters wiederkehren, gehen tief in unverarbeitete Wünsche hinein. Man sollte Geduld mit ihnen haben und daran arbeiten, was sie bedeuten könnten.
    Nö. Man sollte sich einen kräftigen Kaffee kochen und die nächtlichen Nebelschwaden im Licht des Tages das gleiche Schicksal erleiden lassen wie die Nebelschwaden über der Wiese!

    "Träume haben keine göttliche Natur und keine prophetische Kraft, sondern entstehen durch eindringliche Bilder."
    Epikur von Samos, -341 - -271.

    Zitat von grunerundjo Beitrag anzeigen
    Heureka! Träume ändern sich mit uns.
    So, wie der Schaum auf einem Bierglas. Der ändert sich auch, wenn ich das Glas stehenlasse.
  7. #16

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Was halten Sie von dem Deutungsversuch, daß es sich bei dem sehr amüsant geschriebenen Artikel um eine Satire handelt, in dem eine der zahllosen Spielarten der Scharlatanrie durch den Kakao gezogen wird?

    Der Schamane am Telefon (so die Anekdote ein reales Ereignis wiedergibt) scheint jedenfalls schnell gemerkt zu haben, daß ein vernünftig denkender Mensch ihn auf die Rolle nehmen wollte.
    Hm, bei dieser Frage geht es ja letztlich darum, ob das Ego (Stolz) in der intuitiven Welt eine große Rolle spielt? Der Autor mag sich vielleicht einen Spaß „erlaubt“ zu haben. Inwiefern dieser Spaß aus innerer Sicht nur ein Trick war, um ihn dazu zu bewegen, sich mit einem Thema zu befassen, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich denke, dies ist auch eher eine Glaubensfrage bzw. eine Frage, wie man sein Leben und die Dinge, die man tut, betrachtet. Ordne ich es realistisch, dann wäre alles ein riesiges Chaos, gegen das ich verzweifelt versuche anzukämpfen. ;-) Für mich geht eins ins andere über und wenn ich mir irgendwo den Kopf einrenne, dann steckt auch eine (unbewusste) Motivation dahinter. Wenn man diese sucht, findet man sie auch. Ob sie denn der Wahrheit näher liegt, als beim Realisten … keine Ahnung! Das Leben macht es zumindest leichter. 
  8. #17

    Zitat von avnas_ Beitrag anzeigen
    Für mich würde dieser Traum, stark vereinfach, auf die Angst vor (zu schnellen) Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen, hinweisen. Ein Zug bzw. das Fahren mit einem Zug kennzeichnet für mich immer einen Weg, den man einschlägt und der sich dann (bis zum nächsten Halt) auch nicht mehr korrigieren lässt. Der überstürzte Wechsel in den anderen Zug zeigt das ja sehr treffend. Das Gepäck sehe ich dabei symbolisch für Dinge, die man fürchtet zu vergessen, wenn man gezwungen wird, sich schnell um zu entscheiden. Sie bleiben sprichwörtlich liegen, auf der anderen „Strecke“. ;-)
    Wau ein Talent,
    ich hätte vermutet, dass es sich um die Angst handelt, die der Traum beschreibt.
    Zeig das Wählen des Zuges und nicht des Flugzeuges, dass Träumer Probleme bekommt mit Entscheidungen, wenn er zu sehr am Umweltschutz klebt?
  9. #18

    Hi Rancher,
    ich denke, wenn es um dieses Thema ginge, hätte der Traum sich anders gestaltet. Ein Flugzeug wäre da kein schlechter Ansatz, oder? ;-) Für mich sind Träume seit Jahren ein wichtiger Wegbegleiter, die mich auf Probleme hinweisen oder auch Unbewusstes zu Tage bringen, was mir durch zu stures Klammern an meine Ratio im Wachzustand „von alleine“ nicht klar wird. Das sagt aber nicht viel aus, denn was ich in meinen Träumen sehe bzw. hineindeute kommt ja auch von mir. Also ist die Deutung vielmehr ein „Hineindeuten“, als ein Entschlüsseln des Traumes. Meine Deutung hier ist also auch nicht als eine Entschlüsselung zu verstehen (wäre auch naiv) sondern als Deutungsvorschlag. Nur der Träumer selbst kann entscheiden, welcher Zusammenhang zwischen seinem Traum und meiner Deutung oder anderer Deutungsvorschläge (auch Deiner) besteht. Aber es ist ein kann, kein muss … heißt, niemand ist gezwungen seinen Träumen irgendeine Bedeutung beizumessen. Schade eigentlich! ;-)
  10. #19

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es gibt Dinge im Leben, an die sollte man glauben, oder man sollte sie lassen. Kartenlegen gehört dazu, Wahrsagen oder eben Traumdeuten. <i>Frederik Jötten</i> ist Skeptiker. Doch als ihn ein Alptraum quält, wagt er sich zum Experten - ein schwerwiegender Fehler.

    Traumdeuter scheitert bei Alptraum-Therapie - SPIEGEL ONLINE
    Ein gutes Beispiel für das in Deutschland grassierende Schamanentum im psychischen Bereich.

    Möchte mal wissen, wie vielen Leuten die Esoterikwelle schon so Leben und Gesundheit gekostet hat. Weil schwere Depressionen mit Hokuspokus oder dummen Sprüchen behandelt wurden und zum Suizid führten, oder schwere Erkrankungen solange mit Zuckerkügelchen und Klangschalen behandelt wurden, bis es zu spät war.

    Da sind in Deutschland garantiert schon mehr Leute dran gestorben, als an der Atomkraft.