WikiLeaks-Attacken: Der Stärkere legt nach

Die Hackerangriffe von WikiLeaks-Gegnern und -Sympathisanten eskalieren. Das Netz erlebt eine Welle digitaler Selbstjustiz, die der Meinungsfreiheit schadet -*denn die Logik dahinter ist so simpel wie gefährlich: Wer die stärkste Technik hat, dominiert den Diskurs.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...733805,00.html
  1. #40

    Es ist doch immer so, oder nicht?

    Wer die stärkste Technik hat, dominiert den Diskurs.

    Es ist doch oft so : wer die stärksten Waffen hat, bestimmt, was geschieht. Wer den größten Einfluß hat, kann die Dinge nach seinem Gusto regeln, wer die besten Argumente hat, dem hören die meisten zu, wer die schönste Frau hat, den beneiden die anderen. Wer der Klügste ist, der steckt die anderen in den Sack, wer das meiste Geld hat, der kauft sich alles. Das mag eine etwas simple Sichtweise sein. Aber auch nur auf den ersten Blick. Ich glaube, der Mensch neigt dazu, so zu sein und zu handeln. Es fehlen moralische Institutionen!!! Die Politiker allgemein gelten als nicht moralisch, die Amerikaner gelten als nicht moralisch, Dritte, die amerikanische Politik und Interessen zum Nachteil von Wikileaks oder Assange umsetzen oder solche Interessen befördern, gelten als nicht moralisch. Liegt es nicht auf der Hand, daß sich die Schwächeren wehren und Sympathien ernten? Haben wir nicht Lech Walensa beklatscht, als er sich mit seiner kleinen Truppe gegen die mächtige Sowjetunion auflehnte, haben wir nicht mit ihm gelitten und ihm alles Gute gewünscht?
  2. #41

    Es gewinnt eben nicht der Stärkere.

    Artikel und große Teile der öffentlichen Diskussion verfehlen leider einige wesentliche Elemente der Aktion. Es ist nicht die Tatsache, dass z. B. Twitter speziell Wikileaks die Accounts sperrt, es ist vielmehr die Tatsache, dass irgendein "großer", der im Prinzip virtuelle Infrastruktur stellt, plötzlich politisch diskriminiert. Das mag aus Selbstschutz geschehen und unter rechtlichen Gesichtspunkten sogar möglich sein, im Internet herrscht aber ein sagen wir mal wählerischer Umgang mit Gesetzen. Wikileaks ist ein öffentlichkeitswirksamer Katalysator, der schlicht große Teile der Community vereint. Selbst kleine Gruppen von wenigen tausend umgehen im Prinzip demokratische Grundsätze, indem sie als kleine Minderheit große Macht ausüben können. Keine Website außerhalb der weltweiten Top100 ist gegen Attacken von 5000+ Rechnern mit guter Anbindung und häufig sogar dynamischer IP gefeit. Fänden sich 10-20k Teilnehmer oder dedizierte Botnetze wäre wohl alles außer Google Freiwild.
    Der Grundgedanke bleibt aber Gleichheit im Netz, Neutralität im Netz und damit auch Neutralität der großen Anbieter. Weder bleiben irgendwelche Pfeiler großer Firmen mit starker Technik stehen während kleinere wahllos offline gehen, noch wird reaktionär gegen politische Meinungen vorgegangen. Sollte ein Twitter Mitarbeiter bloggen er fände die Aktion nicht gut, wäre das kein Problem. Nimmt Twitter aber die Rechte von Assange nimmt die Community ihnen das Recht zu dieser Aktion. Wer gegen die Proteste an sich vorgeht landet im Fadenkreuz, gegenteilige Meinungen werden aber nicht einfach aus dem Netz getilgt, da liegt der Knackpunkt und der Unterschied zwischen den Unternehmen und den Protestlern.

    "The answer to bad speech is more speech" ist lächerlich wenn man bedenkt, dass die großen Unternehmen und auch öffentlichen Organe über die zigfache Multiplikationswirkung verfügen.
  3. #42

    essentieller Konflikt

    Zitat von blomson Beitrag anzeigen
    (...)Neu dabei wird sein, dass die Politik wohl dazu angehalten sein wird, endlich mal auch auf die jungen Wähler zu hören.
    Das wird nicht passieren.
    Die Politiker werden darauf drängen, daß man sich im Internet nur noch mit Ausweis anmelden und nur noch unter Klarnamen schreiben kann.
    Dies allein soll schon abschrecken - der Spiegel nennt das "soziale Kontrolle".
    Es droht jedem Kritiker dann eine Klage wegen Verleumdung etc..
    Dann wird es Websperren geben - wenn dann eine Seite wie Wikileaks auftaucht, landet sie im Filter, surft man sie trotzdem an, wird man gegen den Surfer wegen Besitz von Kinderpornographie ermitteln, wobei dann erst im Verfahren herauskommen wird, daß man Wikileaks etc. angesurft hat und keine kinderpornographische Seite.
    So wie Hacker mit Terroristen gleichgesetzt wurden, werden die allzu Neugierigen mit Kinderschänder gleichgesetzt.
    Als nächstes verpaßt man dem Internet ein Gedächnis, damit man nicht mehr nachlesen kann, welche Lügen vor 10 oder 20 Jahren verbreitet wurden und welche Delikte, Intrigen und Betrügereien ein Politiker begangen hat.

    Im Internet wird ein essentieller Konflikt um Meinungsfreiheit, um Freiheit allgemein ausgetragen, weil das Internet Information dauerhaft bewahrt und in einer Vielfalt zur Verfügung stellt, die es den Bürgern erlaubt sich wirklich eine eigene Meinung zu bilden, unabhängig von den gekauften Medien.
  4. #43

    i.m.h.o. hausaufgaben

    seit der einführung des internets, spätestens seit "web 2.0" wurden ganz massiv von einer flächendeecken unfähigen politikerkaste die hausaufgaben nicht gemacht.

    Wie ist das mit demkokratie, meinungsbildung, informationsfreiheit, persönlichkeitsrechten, david gegen goliath, zugang zu technologie, soziale und politische teilhabe,minderheitenschutz und -rechte usw.usf. im cyberspace?

    mit ach und krach und müh und not wurden die kommerziellen aspekte des internets notdürftig auf grundlage von gesetzen aus dem papierzeitalter behandelt - und das meist noch nicht mal durchdie legislative sondern durch die judikative.

    jetzt rächt sich diese untätigkeit.
    gottseidank und endlich.
  5. #44

    Selbstjustiz?

    Das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden - wer übt hier Selbstjustiz? Das Unternehmen, das von sich aus (ohne Gerichtsbeschluss) bestimmtes Verhalten seiner Kunden für illegal erklärt? Das seinen Kunden vom Netz abzwackt, ihm sein Geld vorenthält?

    Ja, schon.

    Der User, der eine Maschine hunderttausendmal hintereinander die Website von VISA anklicken lässt?

    Hmmm...

    EFF sagt "The answer to bad speech should be more speech". Wieso all das Gelaber? Ist es nicht eine uralte Erkenntnis, dass nur die Tat zählt?

    Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es!
  6. #45

    Leider kann der Schuss nach hinten losgehen

    [QUOTE=Deutscher__Michel;6772824]
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ...


    Es geht eben genau um die Meinungsfreiheit ..das ganze ist viel eher ziviler ungehorsam.
    Niemand wurde verletzt, niemand kam zu Schaden. Ausser dass die Umsätze der Großen Firmen ein paar Tage einen Knick hatten.
    Es hat ja schon gewirkt: Visa und Mastercard sind schon teilweise eingeknickt und sprechen nur noch vom "einfrieren" der Konten. Paypal ebenso.

    Bisher hat der Spiegel nicht mal 0.5% der Dokumente bekommen.. man kann gespannt sein (und dank der Aktionen wohl auch sicher!) was noch so geliefert wird.
    denn bei aller Berechtigung der Kritik an solchem Verhalten von Amazon und Card_Services gibts im Background eine zweite Frage, die ums Internet an fahrt gewinnt.

    Die Frage der unterschiedlichen und bezahlten Servicequalität für den Verkehr der daten im Internet.
    Auch als QoS Einstellung bekannt.

    Das ist so nebenbei ein gutes Mittel um den Hackeraktivitäten ihren Schwung zu nehmen.

    Ich befürchte, dass diese Aktionen von den Befürwortern der Internet-Serviceskalierung und Bezahlung gern gesehen werden.
    Zeigt es doch, das ein Netz für alle ach so gefährlich und ein Netz für zahlende und bevorzugte Nutzer von Vorteil sein könnte.
    Solchen DDoS Traffic schon am ersten/zweiten Router abzufangen ist doch der Traum der Security Firmen.
  7. #46

    Hier könnte Ihr Titel stehen

    Zitat von ellereller Beitrag anzeigen
    Wäre sehr gespannt, wie Herr Assange reagieren würde, wenn jemand seine schwedische Ermittlungsakte ins Netz stellt - was ich selbstverständlich für verwerflich hielte.
    Das wäre eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Wikileaks hat weder die Krankenakte noch sonstige persönliche Informationen über irgendwen ins Netz gestellt.

    Allerdings sollten Sie vielleicht mal lesen, wieviel illegales und/oder moralisch Fragwürdiges die Diplomaten Depechen enthalten.

    Kleiner Tipp, verlassen Sie sich mal nicht auf das, was sie aus den Medien erfahren, sondern informieren Sie sich vor Ort.
  8. #47

    Interessante Herangehensweise...

    ... jemand veröffentlicht Material, das nachweist, dass die Öffentlichkeit seit Jahren hinters Licht geführt wird. Daraufhin wird der Mann verhaftet und die Organisation mit allen Mitteln unterdrückt, wobei sich privatwirtschaftliche Unternehmen invorauseilendem Gehorsam betätigen.

    Nach was riecht das? Richtig: Diktatur.

    Nun gibt's ein paar Leute, die sich auf eigenes Risiko gewaltlos wehren. Einige davon wurden bereits verhaftet. Wer ist laut Spiegel der Böse? Richtig. Nicht etwa diejenigen, die die Wahrheit unterdrücken, sondern die anderen.

    Wonach riecht das?

    Nein, das riecht nicht mehr. Das stinkt schon.

    Ob einer, der die Wahrheit sagt, ein Krimineller oder ein Friedensnobelpreisträger ist, ist anscheinend wirklich nur eine Frage des Standpunktes und des Wohnortes.

    Pfui Teufel.
  9. #48

    China UND die USA unterdrücken Informations- und Pressefreiheit!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Hackerangriffe von WikiLeaks-Gegnern und -Sympathisanten eskalieren. Das Netz erlebt eine Welle digitaler Selbstjustiz, die der Meinungsfreiheit schadet -*denn die Logik dahinter ist so simpel wie gefährlich: Wer die stärkste Technik hat, dominiert den Diskurs.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...733805,00.html
    Moment mal. Wenn das der Artikel Hacker-"Drohnen" nennt, setzt er das -lediglich- Abschalten einer Homepage gleich mit den US-Kriegs-Drohnen. Kein Mensch kommt aber bei einem Hackerangriff ums Leben. Dagegen mordeten die US-Drohnen sehr wohl, deren völkerrechtswiedrigen Einsatz auf Zivilisten Wikileaks erst veröffentlicht hat.

    Wenn nun Kreditkarten-Manager Assanges Kreditkarte ohne nach US-Gesetz schlüssige Handhabe sperren, verletzen sie Assanges Persönlickeitsrecht auf freie Meinungsäußerung. Wie in China. Solange sie nicht unter das Strafrecht fällt. Bislang fällt das jedoch auch in USA nicht unter das Strafrecht - im Gegenteil, das ist dort sogar geschützt; kein Staatsanwalt ermittelt dort! Wikileaks hat solange erstmal keinen Geheimnisverrat begangen, sondern diejenigen undichten Stellen, die die Papiere illegal weitergesandt haben. Obwohl ...bei Völkerrechtsbruch sollte man auch als Staatsdiener abwägen können, ob die Welt nicht einen Informationsanspruch darauf hat. Andernfalls macht man sich als Geheimnissträger illegaler Regierungs-Handlungen und -Rechtsbrüche mitschuldig. Oder aber man gewährt gleichermaßen auch den allermeisten Nazi-Kriegsverbrechern das (Schein)Alibi, allein nur auf Befehl gehandelt zu haben...

    Wikileaks ist zunächst einmal "freier Journalismus", so wie der auch früher schon beim Massaker von Mylai oder beim Watergate-Skandal stattfand.
  10. #49

    Sicherung

    Zitat von t-o-m-k-o Beitrag anzeigen
    Also das Kapital (Elite) terrorisiert die Menschheit mit Gewalt (Armeen, Polizei, Geheimdienste), mit Rechtsanwälten, mit Inkasso-Büros und was noch alles für Zwangsmittel und nun schreiben Sie, dass eine Gefahr hinter dieser Form der Notwehr besteht? Nein - es ist die Chance aus diesen Gewalt-, Zwangs- und Überwachungssystem auszubrechen. Der Kampf darf ruhig weiter gehen.
    Sagesn Sie mal, welche Sicherungen sind denn bei Ihnen durchgebrannt? Sie scheinen ja nicht sehr erfolgreich zu sein im Leben, wie kommt man sonst zu so einem Hass.

    Gewalt-,Zwangs - und Überwachungsstaat? HÄ??? Also irgendwo sollten wir doch mal auf dem Bode bleiben.

    Ich habs schon oft gesagt: Nennen Sie mir ein besseres, funktionierendes System als das Unsrige - und ich mache mit.

    Aber solange bitte nicht so einen Müll quatschen. "Das Kapital terrorisiert...." Oh je oh je.