Früher war Wlada Kolosowa ein bisschen in ihren Lehrer verliebt, später fand sie seine Outdoor-Jacken peinlich und sein Leben öde. Heute bewundert sie Herrn Groß, weil er angekommen ist und*nicht mehr sucht. Ein Besuch beim Ex-Lehrer: Wie gelingt es bloß, in Würde vernünftig zu werden?
http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...730058,00.html
...geschrieben, aber langweilig. Die Frage nach Vernunft ist vielmehr das Bedürfnis den Zwiespalt von bieder drauf sein und cool sein wollen, ablegen zu können. Und ohne schlechtes Gewissen ein selbstzufriedenes, bürgerliches Leben anzustreben.
.....für diesen Artikel!
Als höheres Wesen habe ich meine Lehrer nie empfunden. Eher als Respektspersonen (wenigstens die meisten, ein paar Knallchargen waren auch dabei), die bemüht waren, uns etwas beizubringen, insbesondere auch in der schweren Zeit unserer Pubertät, in denen andere Dinge für Heranwachsende ja viel wichtiger sind als Stillsitzen.
Ich habe da schon einige Lehrer, die ich, wenn ich darüber nachdenke, gerne wiedersehen würde. Zum Beispiel meinen Geschichtslehrer (wenn er überhaupt noch lebt), der, sehr cholerisch, auf alles gereizt reagierte, was nur andeutungsweise politisch links hätte sein können. Wir hielten ihn lange für einen mehr oder weniger verkappten Nazi, bis wir dann den Nationalsozialismus, angefüttert mit seinen eigenen Erfahrungen, durchnahmen und erkennen mussten, dass es einen himmelweiten Unterschied zwischen engstirnig-konservativ und diktatorisch-nationalsozialistisch gibt. Selbst eine aktive Juso-Funktionärin unter uns schloss ihren Frieden mit dem Mann, den sie vorher gerne bis aufs Blut gereizt hatte.
Ich würde gerne meinen linksaktivistischen Biologielehrer wiedersehen, der mich bis zum Abitur begleitet hat. Äußerlich damals in allem ein wirklicher Vorzeigelinker, war er innerlich einfach ein superfeiner Kerl mit wirklich guten Lehrfähigkeiten. Und Politik hat er immer strikt aus seinem Unterricht herausgehalten, selbst wenn es um Ökologie, die er uns sehr sachlich näher brachte, ging. Nachmittags ging er dann zu Antiatomkraftdemos oder ähnlichem, uns hat er damit nie zu beeinflussen versucht. Gegen Mitgehen hatte er natürlich nichts. Am Ende der Schulzeit war ich eher konservativ eingestellt, aber er kam zu mir, schlug mir auf die Schulter, nannte mir seinen Vornamen und sagte: "Du bist jetzt erwachsen, und ich heiße <soundso>."
Ich würde gerne meinen PW-Lehrer wiedersehen, der uns, als wir im Semester "Systemvergleich Bundesrepublik - DDR" anfangs wie die Geier über die DDR herfielen, sofort zur Mäßigung aufrief. Er zeigte uns ein virtuelles Stoppschild und lehrte uns, worin das eigentliche Selbstverständnis der DDR lag. Ich habe selten ein so spannendes Semester erlebt, und er hat mir beigebracht, zunächst auch Sichtweisen einer anderen Seite zu begreifen zu versuchen, ehe man wirklich seine eigene Meinung bildet, ohne dass sie bereits unverrückbar feststeht. Am Ende fragte er mich, ob sich meine Einstellung zur DDR geändert hätte, und ich sagte: "Nein. Aber heute kann ich es endlich sachlich fundiert begründen."
Und da gibt es noch viel mehr: Meine Chemielehrerin, die mir naturwissenschaftliches Studieren näher brachte, meine Lateinlehrer, die fast alle echt gute harte Knochen waren und und und...
Ich vermisse die Schulzeit nicht, und ich werde auch nicht wehmütig. Schlecht war meine Schulzeit aber wirklich nicht. Teilweise erkennt man das aber erst Jahre später.
Und das schönste ist, Sie merken es nicht einmal. Wie war das noch mal mit dem Splitter und dem Balken? Wer sagte das noch mal?
"Wenn du den Balken aus deinem Auge gezogen hast, dann wirst du klar genug sehen; um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen."
Wie tief muss man sinken, um Menschen, die nur etwas anders fühlen, denken und handeln als man selbst, so abfällig abzuqualifizieren? Mit Recht bemerken Sie, dass Wlada Schwierigkeiten hat, sich in die (Gedanken- und Gefühls-)Welt ihres Ex-Lehrers einzufühlen. Aber genau das weiß sie selbst und sie begibt sich auf die Suche nach der Ursache.
Und was machen Sie? Sie können sich in Wlada ja noch weniger einfühlen und noch weniger eindenken als sie in ihren Ex-Lehrer! Und Ihre Konsequenz? Nicht etwa sich Gedanken über den Grund dieser Tatsache zu machen, sondern Sie erklären Wlada einfach für "reif für die Couch". An "Narzissmus" wohl kaum noch zu überbieten.
Was ist es eigentlich, das es für viele so unmöglich macht, andere Menschen einfach nur anders sein lassen zu können?
Das sind die mit der Tatze vorne links oder die mit dem Bogen hinten rechts. Für Outdoor werden die meist nur in der Fußgängerzone von der Bildungsschicht getragen, welche damit ihre Gruppenzugehörigkeit demonstriert. Die Gruppe derer die niemals alternativ war, aber eine Art Sympathie für die gemäßigten Umwelt- und Gerechtigkeitskämpfer hegen.