Also, wenn Herr Groß sagt: "Manche müssten sich damit zufriedengeben, dass sie nie zufrieden sein werden. Sie müssten über ihre Unzufriedenheit sogar glücklich sein.", dann hat er - im Gegensatz zu den meisten seiner Lehrer Zunft - ganz einfach kapiert, (1.) dass Menschen nun einmal nicht alle gleich sind, und (2.) dass Menschen, die anders sind, deshalb nicht unbedingt dümmer oder schlechter als die anderen sind, sondern nur eine ihrem besonderen Charakter angemessenere Ansprache und Förderung brauchen.
Und das zweite "also" ... wenn Wlada Kolosowa wirklich so viel Kaffee braucht, um durch den Tag zu kommen, und wenn sie sich wirklich ernsthaft fragt: "Wie kann er nur mit diesem Leben glücklich sein?" und wirklich nur ungläubig staunen kann: "Wie schafft er das, diese innere Ruhe, diese Zufriedenheit?", dann hat sie - im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Lehrer - eben noch nicht kapiert, dass es andere Menschen, welche eben ganz anders ticken als man selbst.
Und jener Stefan Groß hat auch hier recht. Solange jene anderen (ob Wlada wirklich dazugehört sei mal dahingestellt) sich an den Vorstellungen und Wünschen der Mehrheit ausrichtet, werden sie diesen Anforderungen ihr Leben lang hinterher hecheln. Oder wie er es so schön poetisch ausdrückt: "das Gefühl nicht loszuwerden, das Wettrennen gegen das Leben zu verlieren"
Wenn Wlada Kolosowa die von ihr in diesem SPON Artikel beschriebene Verständniskluft etwas verkleinern möchte, würde ich ihr empfehlen, zunächst einmal ganz unverbindlich diese beiden Bücher zu lesen:
"Eine andere Art, die Welt zu sehen" http://www.amazon.de/exec/obidos/ASI...ndesverbanelte
"Zwanghaft zerstreut" http://www.amazon.de/exec/obidos/ASI...ndesverbanelte
Und ansonsten. Wer das alles so weit im Griff hat wie Wlada, dem kann doch eigentlich kaum was passieren. Sei es, dass der sich sein Risiko, seine Herausforderung, die er/sie als Lebenselexier unbedingt braucht, in Form eines Lebenspartners aus einem anderen Kulturkreis holt. Oder indem er sich schließlich doch hohe Ziele setzt, die ganz aus seiner eigenen Neigung erwachsen, und nicht von außen mehr oder weniger aufgesetzt sind.
Und dann ... wird er/sie schließlich so ganz nebenbei erleben: (1) gerade die Hektik, verbissen auf dieses hohe Ziel hinzuarbeiten, schafft bei ihnen jene sonst doch so schwierige innere Ruhe, und (2) ausgerechnet das Erreichen des Zieles wird sie dann wahrscheinlich für eine Zeit depressiv werden lassen.

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