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Wiedersehen mit dem Lehrer: Bringen Sie mir bei, zufrieden zu sein!

Früher war Wlada Kolosowa ein bisschen in ihren Lehrer verliebt, später fand sie seine Outdoor-Jacken peinlich und sein Leben öde. Heute bewundert sie Herrn Groß, weil er angekommen ist und*nicht mehr sucht. Ein Besuch beim Ex-Lehrer: Wie gelingt es bloß, in Würde vernünftig zu werden?

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...730058,00.html
  1. #40

    Menschen sind nun mal nicht alle gleich

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Früher war Wlada Kolosowa ein bisschen in ihren Lehrer verliebt, später fand sie seine Outdoor-Jacken peinlich und sein Leben öde. Heute bewundert sie Herrn Groß, weil er angekommen ist und*nicht mehr sucht. Ein Besuch beim Ex-Lehrer: Wie gelingt es bloß, in Würde vernünftig zu werden?
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...730058,00.html
    Also, wenn Herr Groß sagt: "Manche müssten sich damit zufriedengeben, dass sie nie zufrieden sein werden. Sie müssten über ihre Unzufriedenheit sogar glücklich sein.", dann hat er - im Gegensatz zu den meisten seiner Lehrer Zunft - ganz einfach kapiert, (1.) dass Menschen nun einmal nicht alle gleich sind, und (2.) dass Menschen, die anders sind, deshalb nicht unbedingt dümmer oder schlechter als die anderen sind, sondern nur eine ihrem besonderen Charakter angemessenere Ansprache und Förderung brauchen.

    Und das zweite "also" ... wenn Wlada Kolosowa wirklich so viel Kaffee braucht, um durch den Tag zu kommen, und wenn sie sich wirklich ernsthaft fragt: "Wie kann er nur mit diesem Leben glücklich sein?" und wirklich nur ungläubig staunen kann: "Wie schafft er das, diese innere Ruhe, diese Zufriedenheit?", dann hat sie - im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Lehrer - eben noch nicht kapiert, dass es andere Menschen, welche eben ganz anders ticken als man selbst.

    Und jener Stefan Groß hat auch hier recht. Solange jene anderen (ob Wlada wirklich dazugehört sei mal dahingestellt) sich an den Vorstellungen und Wünschen der Mehrheit ausrichtet, werden sie diesen Anforderungen ihr Leben lang hinterher hecheln. Oder wie er es so schön poetisch ausdrückt: "das Gefühl nicht loszuwerden, das Wettrennen gegen das Leben zu verlieren"

    Wenn Wlada Kolosowa die von ihr in diesem SPON Artikel beschriebene Verständniskluft etwas verkleinern möchte, würde ich ihr empfehlen, zunächst einmal ganz unverbindlich diese beiden Bücher zu lesen:
    "Eine andere Art, die Welt zu sehen" http://www.amazon.de/exec/obidos/ASI...ndesverbanelte
    "Zwanghaft zerstreut" http://www.amazon.de/exec/obidos/ASI...ndesverbanelte

    Und ansonsten. Wer das alles so weit im Griff hat wie Wlada, dem kann doch eigentlich kaum was passieren. Sei es, dass der sich sein Risiko, seine Herausforderung, die er/sie als Lebenselexier unbedingt braucht, in Form eines Lebenspartners aus einem anderen Kulturkreis holt. Oder indem er sich schließlich doch hohe Ziele setzt, die ganz aus seiner eigenen Neigung erwachsen, und nicht von außen mehr oder weniger aufgesetzt sind.

    Und dann ... wird er/sie schließlich so ganz nebenbei erleben: (1) gerade die Hektik, verbissen auf dieses hohe Ziel hinzuarbeiten, schafft bei ihnen jene sonst doch so schwierige innere Ruhe, und (2) ausgerechnet das Erreichen des Zieles wird sie dann wahrscheinlich für eine Zeit depressiv werden lassen.
  2. #41

    emotionaler Draht

    Zitat von kamii Beitrag anzeigen
    So frei der Artikel auch geschrieben ist... nachvollziehen kann ich das Ganze nicht. Ich glaube, das letzte Mal, als ich einen Lehrer als höheres Wesen betrachtete, war in der Grundschule.

    Erst vor wenigen .......
    Mein Gott. Lesen Sie doch mal etwas zwischen den Zeilen: Sie hatte einen emotionalen Draht zum Lehrer. Und für sie war das enorm wichtig. Und deshalb hat sie auch Jahre später noch diesen Draht zu ihm.
    Sie tun ja gerade so, als ob solche Emotionen etwas verwerfliches seien.

    Mein Vater war auch Lehrer, 40 jahre lang. Und auch er bekam immer mal wieder Besuch seiner alten Schüler, manchmal gar nach Jahrzehnten. Und seine Feststellung war: "Die ehemaligen Schüler, die mich später besucht haben, das waren nie die guten Schüler, sondern stets die allergrößten Rabauken." Darüber sollte man mal nachdenken.
  3. #42

    Glücklicher Lehrer? Nein, glückliche Kinder.

    Zitat von hilfloser Beitrag anzeigen
    Der Lehrer kann sich der Lehrer schätzen der solche Schüler hat! Schauen sie sich um wies heutzutage in den allermeisten Schulen aussieht. Der Artikel ist Gut aber etwas Weltfremd. Die überwiegende Realität in Deutschen Schulen ist eine gänzlich andere. Die Schüler verweigern sich dem Lehrer und der Lehrer verweigert sich den Schülern.
    Ja warum wohl? Und warum war es hier anders. Gut, Ihre Antwort ist klar: "Es sind die Kinder."

    In dem Artikel wird doch aber sehr klar geschildert, dass diese Zuneigung der Kinder zu ihm nicht vom Himmel gefallen ist, sondern er sich diese durch seine Haltung ihnen gegenüber erworben hat: "Stefan gab jedem das Gefühl, dass wir, was immer wir wollen, auch schaffen können. Dass in jedem von uns etwas Großes keimt."

    Mit der unmittelbaren Folge dieser von ihm offenbar gelebten Haltung: "Die Jungs schwänzten seine Stunden viel seltener als andere.". Ja, andere sind da schnell mit dem Ruf nach der Polizei zur Hand. Mit dem Erfolg, dass diese Kinder noch mehr in eine Verweigerungshaltung hineingetrieben werden und schließlich fliegen. Was danach kommt - meist der Griff zu Alkohol und Drogen - sieht man ja nicht mehr.

    Für die 'rechten' Lehrer sind dann die Eltern schuld, für die 'linken' die Gesellschaft. Aber man selbst? Konnte doch eigentlich gar nichts anderes machen, oder? Man ist ja schließlich auch für die (Karriere?) der 30 anderen Kinder verantwortlich? Oder? Wie schön, dass es auch Lehrer gibt, die das anders sehen, und dementsprechend auch anders handeln. Dieser Stefan Groß hat das Denkmal, dass ihm Wlada Kolosowa hier setzt, sehr wohl verdient!
  4. #43

    Ist er wirklich glücklich?

    Sehr gut geschriebener Artikel, vor allem eine sehr interessante Frage, die mich auch beschäftigt.

    Das Besondere an dem "Herrn Groß" ist ja wohl, dass er sozusagen beide Welten kennt und sich bewusst für das "spießige" Leben entschieden hat. Nach dem Studium von 3 Fächern, Auslandsreisen, Buchprojekten... ist er offensichtlich glücklich mit einem Leben, das er vermutlich vor einigen Jahren noch selbst als langweilig bezeichnet hätte.
    Der Artikel impliziert, dass dies uns allen womöglich eines Tages so gehen wird. Womöglich sogar, dass dies der einzig richtige Weg ist und das Streben nach "mehr" am Ende immer zum Scheitern verurteilt ist.
    Ist dies wirklich so? Erwacht in uns allen irgendwann das Bedürfnis nach Reihenhaus im Grünen, geordnetem Beamtenjob und Familienzuwachs? Statt Großstadtflair, Spielen mit den Karriereoptionen und wilden Partys?

    Die eigentliche Frage, die ich mir stelle (gerade auch in der Hinsicht, dass der Lehrer den Schülern stets ihre Möglichkeiten vor Augen führt):

    Ist der Lehrer wirklich zufrieden mit diesem Leben oder tut er nur so? Manche Leute können sich da ja gut verstellen und sind immer gut drauf, obwohl im Kern unzufrieden. Macht ihn dieses Leben wirklich glücklich oder will er es uns nur weismachen? Und was waren die wahren Gründe dafür, wieso er sich gegen sein "aufregendes" und für ein "spießiges" Leben entschieden hat? Geldsorgen, Liebe, der Traum vom Halbtagsjob mit gutem Verdienst, die Tatsache, dass man auch als Akademiker irgendwann in einengenden, stressigen Berufswegen landet? Desillusionierung, die Erkenntnis, dass man eben doch nur mittelmäßig und nicht zu Höherem berufen ist?
  5. #44

    Zitat von fpa Beitrag anzeigen
    Mein Gott. Lesen Sie doch mal etwas zwischen den Zeilen: Sie hatte einen emotionalen Draht zum Lehrer.
    Das ist ja schön für sie, aber wie gesagt: ich kann das nicht nachvollziehen, daher berührt mich der Artikel nicht sonderlich und regt mich auch nicht zum Suchen nach Informationen zwischen den Zeilen an.

    (Liegt in meinem Fall aber auch eher daran, dass ich meinen Weg nicht wegen, sondern trotz meiner Lehrer gegangen bin; abgesehen von dem einen Genannten, aber das war eben nicht mehr als "Studier halt das da")
  6. #45

    Was ist Glück und Zufriedenheit?

    Zitat von meerkatzeM Beitrag anzeigen
    Ist der Lehrer wirklich zufrieden mit diesem Leben oder tut er nur so? Macht ihn dieses Leben wirklich glücklich oder will er es uns nur weismachen?
    Ich sehe keinen Grund zum Zweifel. Und ich denke auch, dass Wlada Kolosowa sehr wohl so feinfühlig ist, bei einem Menschen, der ihr durchaus etwas bedeutet, zu merken, ob etwas vorgespielt ist oder echt.

    Aber was ist Glück? Nein, nicht philosophisch, nicht religiös, sondern was ist das Gefühl von Glück im bioloischen Sinne? Ganz schnöde: Der Verfügbarkeit bestimmter Endomorphine. Der, der sie von Geburt an reichlich hat, schätze sich glücklich, denn sein Verdienst daran ist schlichtweg gleich Null. Andere - und das ist wohl die große Mehrheit - finden Wege, sodass ihr Körper wenigsten ab und an genügend davon ausschüttet. Wieder andere leiden einen permanenten Mangel daran, und bei ihnen liegt es nahe, dagegen per Morphinen von außen etwas nachzuhelfen.

    Mit dem gefühl der Zufriedenheit ist es ähnlich, nur dass es wohl ein paar andere Substanzen sind, die dort in ein gesundes Gleichgewicht gebracht werden müssten. Aber im Gegensatz zum "Solo" beim Glück ist es wohl mehr ein Konzert von Neurotranmittern, welches zu echter Zufriedenheit führt. Und mit Drogen ist das selbst für kurze Zeit kaum künstlich herzustellen - im Gegensatz eben zu Glücksgefühlen.

    Das gescheiteste ist wahrscheinlich, das positivste daraus zu machen, und gerade den enormen Antrieb, der aus der ständigen Unzufriedenheit herrührt, zu nutzen - selbst wenn er sie immer wieder in Anpassungs-Konflikte mit ihrer Umwelt führt. Die meisten machen es allerdings anders. Sie kiffen sich den Antrieb weg. Damit werden sie aber nicht zufrieden, sondern vergessen lediglich ihre Unzufriedenheit für eine Weile.

    Stichworte: "Belohnungssystem" und "Streßverarbeitungssystem". Das ist das Feld, auf dem Gefühle wie Glück und Zufriedenheit wachsen. Und auf diesem Feld sind die Vorraussetzungen unter den Menschen so unterschiedlich wie bei der Intelligenz, und so individuell wie bei Netzhaut und Fingerabdruck. Und daher kann die eigene Erfahrung bestenfalls ein Vorschlag für andere sein, aber niemals eine Regel. Wichtiger ist es, den anderen zu helfen, dass ein jeder - und zar auch gerade die, die ganz anders sind als man selbst, oder gar ein ganz anderes Lebenskonzept haben - aus seinen (individuellen!) Möglichkeiten das beste für sich in Sachen Glück und Zufriedenheit machen kann.
  7. #46

    Narzisstisch bis zum Anschlag

    Guten Abend,

    auch wenn die Autorin einen Nerv getroffen haben mag - für mich ist das bestenfalls autotherapeutisches Gesülze!

    Wenn alles, was die eigene Geltungs- und Erlebnissucht nicht zu befriedigen vermag, als asketische Entsagung gedeutet oder gar unter den Verdacht der "Feigheit" gestellt wird, lässt das auf eine zutiefst problematische Persönlichkeitsstruktur schließen.
    Frau K. sollte ihre durchaus vorhandene Gabe zur Selbstreflexion besser nutzen, als sich ein publizistisches Forum für ihr aufgeblasenes, postpubertäres Selbstmitleid zu suchen, und solche Selbst-Gespräche vom Wohnzimmer ihres gefallenen Idols auf die Couch eines guten Psychotherapeuten verlegen.
  8. #47

    Manche werde es nie lernen

    Zitat von meerkatzeM Beitrag anzeigen
    Das Besondere an dem "Herrn Groß" ist ja wohl, dass er sozusagen beide Welten kennt und sich bewusst für das "spießige" Leben entschieden hat. Nach dem Studium von 3 Fächern, Auslandsreisen, Buchprojekten... ist er offensichtlich glücklich mit einem Leben, das er vermutlich vor einigen Jahren noch selbst als langweilig bezeichnet hätte.
    Der Artikel impliziert, dass dies uns allen womöglich eines Tages so gehen wird. Womöglich sogar, dass dies der einzig richtige Weg ist und das Streben nach "mehr" am Ende immer zum Scheitern verurteilt ist.
    Ist dies wirklich so? Erwacht in uns allen irgendwann das Bedürfnis nach Reihenhaus im Grünen, geordnetem Beamtenjob und Familienzuwachs? Statt Großstadtflair, Spielen mit den Karriereoptionen und wilden Partys?
    Nein, zum Glück wollen nicht alle ein Reihenhaus im Grünen. Es kommt auf die eigene Sozialisierung an, die Wertvorstellungen und auch Abneigungen. Vielleicht auch Genetik?

    Manche Menschen sind immer unzufrieden, egal was sie tun. Vermutlich spielen auch die Medien eine große Rolle, die der Welt vorgaukeln, dass man alles haben kann - mit ein bißchen Glück und den richtigen Accessoires.

    Lustig finde ich die Leute, die übermäßige Angst davor haben spießig zu sein und versuchen ewig jung zu sein. Bei denen auch 20 Jahre nach Studienende eine Party noch so abläuft wie im Studentenwohnheim, die nur aus Imagegründen niemals Urlaub im Allgäu machen würden. Es erscheint mir albern und gleichzeitig traurig, wenn Menschen so im Gestern verharren. Warum ist es schlimm älter zu werden und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen?

    M.E. muss man nicht alles haben und können, aber man sollte die Fähigkeit haben Positives zu entdecken. Auch an einem absolut nervigen Tag mit Eisregen und dummen Kollegen ist irgendwas positives passiert über das man sich freuen oder zufrieden sein kann.

    Natürlich gäbe es ohne Unzufriedenheit keinen Fortschritt und wir würden immer noch in Höhlen hausen wenn es nicht jemanden die Tatsache gestört hätte, dass es kalt und zugig ist. Das ist ok solange diese Menschen nicht jammern, sondern versuchen eine Änderung zu erreichen.
  9. #48

    Würde ist ein Konjunktiv

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie gelingt es bloß, in Würde vernünftig zu werden?
    Heute gelingt es praktisch nicht mehr, dank Fratzbook, DoofiVZ
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33952/1.html
    und dem sich immer schneller drehenden Hamsterrad aus WachstumZeitgeistModeBeautyStylingWellness.

    Trotzdem wünsche ich der Autorin viel Erfolg bei ihrer Suche nach Vernunft. Vielleicht findet sie ja doch noch irgendwo einen Restbestand, den meine Generation nicht verbraucht hat.
  10. #49

    Schöner Text

    Auch wenn ich nie in meine Deutschlehrerin verknallt war, habe ich mich doch im Text wiedererkannt.
    Er beschreibt sehr schön die Entwicklung, die viele junge Menschen heute durchmachen: nach dem Abitur raus in die Welt, viel erleben und irgendwann keimt dann doch wieder der Wunsch nach ein bisschen mehr "Spießbürgertum" auf.

    Ich habe es selbst erlebt (auch wenn das Reihenhaus im Grünen eher keine Option ist) und auch im Freundeskreis war es immer wieder ein Thema.
    Mit 18 glaubt man, die ganze Welt stehe offen, endlich kann man alle Freiheiten geniessen. Für mich wurde diese Freiheit irgendwann langweilig: ich habe mich danach gesehnt, auch mal irgendwo zu bleiben, einen Ort zu haben, der "meiner" ist und nicht nur die Reisetasche zu haben, mit der bald die nächste Großstadt erobert wird.








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