Forum


 

Whitney Houstons Gesangstalent: Diese Stimme gab's nur einmal

APSelbst mittelmäßigen Songs entlockte sie Euphorie, Leidenschaft und Spannung: Das größte Talent von Whitney Houston war ihre einmalige Stimme, die eine ganze Generation von Sängerinnen inspirierte. Doch in den letzten Jahren ihrer Karriere ging sie wenig pfleglich mit der Gabe um.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...814810,00.html
  1. #70

    Wir hatten gerade Abitur gemacht und jede Menge Freizeit. Nach dem Abi gleich ins Studium oder zum Bund? – Für uns keine besonders drängenden Optionen, tolerante Elternhäusern finanzierten eine monatelange, bei einigen jahrelange, recht heitere Herumhängerei. Das war nicht ungewöhnlich Mitte der 80er Jahre; ich vermute, heute ist das nicht mehr so.

    Und Whitney paßte da irgendwie rein, als ferne, aus unserem kleinen, albernen Kiffer-Universum nicht erreichbare Prinzessin. Was war die süß! Und welch überirdisch perfekter Gesang! Wir dachten: Besser geht's nicht. Und das stimmte ja auch. Ein Talent wie Whitney, das sich ganz auf ihre Stimme verlassen konnte, ist seit jenen Tagen nicht mehr aufgetaucht; heutzutage haben wir es eher mit Tanzdarbietungen zu tun, scheint mir, die Musik ist nurmehr Kulisse. Insofern hat die Welt sich wirklich gewandelt; es war nicht alles besser früher, aber auch nicht alles schlechter.

    Keiner von uns war ausgesprochener »Whitney-Fan«. Aber sie genoß nicht nur Respekt, sie hatte eine gewisse Macht über uns. Jedenfalls war »Savin All My Love For You« ein Song, der schon beim ersten Hören die Notwendigkeit unterstrich, sich augenblicklich zu verlieben; Pech, wenn dann gerade keine Herzensdame zum Anbeten zu finden war, oder womöglich die falsche. Whitney war ein Kuss aus Neverland, ein zärtliches Flüstern im Traum, eine geniale Vision – weil sie so unerfüllbar war, jedenfalls kam es uns so vor in Hamburg-Niendorf. Als dann Jahrzehnte später durch die Medien ging, daß ausgerechnet Jacko einen Kumpel in einem der spießigsten Stadtteile der verschlafenen Elb-Metropole hatte, wurde mir etwas mulmig: Wenn Michael Jackson ganz real im Garstedter Weg rumhängt, in einem jener charakterlosen Einfamilienhäuser, in denen fast jeder von uns groß geworden war, dann wird Whitney möglicherweise nie so herrlich unerreichbar gewesen sein, wie wir uns das damals so bequem ausgemalt hatten! Ich muß die Geschichte meiner Jugend umschreiben, oder was!? Hätte ich intensiver träumen sollen? Da erzähle mir doch einer, das Surreale sei niemals ironisch ...

    Als Anfang der Neunziger – Whitney war schon nicht mehr süß, sondern jetzt Diva – der Filmsong aus dem bekloppten Costner-Streifen ganz gehörig nervte, weil er die Rotation im Radio einfach nicht verlassen wollte, war Whitney entzaubert. Nervensäge, blöder Film, blödes Alles.

    Danach war sie für mich eigentlich weg. So, wie man einen wunderschönen Traum einfach so und für immer vergißt. Kein Verlust, nicht einmal die Frage nach ihr blieb. Und nun ist sie so plötzlich wieder da, weil sie tot ist. Hätte ich ihr nicht zugetraut, so einen Coup, und schon gar nicht gewünscht. Wär sie doch nur beim Singen geblieben.

    R.I.P.
  2. #71

    Zitat von MashMashMusic Beitrag anzeigen
    Ich mag dieses Niedermachen von Unterhaltungsmusik nicht sonderlich (gilt auch für Filme in dem Bereich, nebenbei). Natürlich dient das alles letztendlich dem Zweck, Geld zu verdienen, aber auch ein Jazzmusiker muss Miete bezahlen und seine Familie ernähren.

    Auch die Lieder bzw. die Kompositionen an sich sind großteils bemerkenswert und heben sich sicherlich von den ganzen Einheitsproduktionen ab, die in der Tat nichts besonders sind. Für Houston haben einige der größten Leute in dem Bereich geschrieben.
    Ja was denn nun? Es soll auf der einen Seite nicht primitiv sein, aber auf der anderen müssen auch Jazzer so etwas machen, um Geld zu verdienen....
    Sie sollten sich für eine Aussage entscheiden.

    Zugegeben, ich finde "I wanna dance with somebody" ganz gut, aber sicher nicht bemerkenswert. Wer aber solche hohlen Schmachtfetzen wie "I will always love you" verbreitet, macht sich der akustischen Umweltverschmutzung schuldig - wie 99% der sog. Unterhaltungsmusik (der Filmbranche sowieso).

    Ich bin es als Musiker einfach leid, ständig den sog. "unterschiedlichen Geschmack" als nicht verhandelbare Größe tolerieren zu sollen oder in einer Art political correctness darüber hinwegzusehen, dass es in diesem Bereich wirklich ausschließlich um´s Geld geht.
    Ich habe schon sog. Stars hinter der Bühne erlebt, die sich über die Dummheit ihres Publikums schlichtweg amüsiert haben.

    Man mag das alles als Jazzer entspannter sehen, als sog. Klassiker hat man in der Regel noch Ideale.
  3. #72

    Guter Artikel über Withneys Stimme, aber...

    ...leider immer wieder dasselbe stupide 80er-Jahre-Bashing, mit dem sich der SPIEGEL immer noch einreiht bei Kohls "Geistig-moralische-Wende" genanntem Anti-Liberalismus, den er letztlich erst nach seiner korrupten Wiedervereinigung bekommen hat.

    "Der synthetische Pop der Achtziger bedeutete letztlich den Triumph von Technologie und Telekommunikation über so abgehalfterte Konzepte wie Tradition oder gar Authentizität" oder "das ebenso hedonistische wie leere Repertoire der ewigen achtziger Jahre" sind schon lächerlich wirkende Formulierungen in einer Zeit, in welcher der Welt berühmtester Pop-Star Lady Gaga heißt, mal abgesehen davon, daß Arno Frank damit im Stil der Kolumne eines damaligen Zeitgeist-Magazins mit dem Titel "100 Zeilen Haß" steckengeblieben ist.

    Sicherlich gab es auch viel Schrott in der Vielfalt der 80er, und mit "I Wanna Dance With Somebody", sowie diesem im Video inszenierten Schnippsen mit der ganzen Hand hatte Withney ebenso albern angefangen, wie Madonna beim Rumhopsen zu "Holiday", aber beide haben es trotzdem noch geschafft, sich zu entwickeln, und diese Möglichkeit war die eigentliche Qualität der 80er. Möglicherweise hätte auch Withney Houston noch einmal die Kurve bekommen, wenn es auf dieser Welt nicht diese perverse Rückentwicklung gegeben hätte, die insbesondere mit Namen wie Bush oder Putin verbunden ist. Immerhin hat sie mit ihrem vermeintlichen Comeback noch eine Abschieds-Tour durchgezogen, und das ist nach allem noch eine beachtliche Leistung des "80er-Jahre-Hedonismus".

    Annie Lennox hatte übrigens in den 80ern sogleich stark angefangen und würde heute ebenso kaputtgemobbt werden wie Amy Winehouse.
  4. #73

    Böser Fehler...

    Zitat von postnational Beitrag anzeigen
    Withney Houston
    Sorry for this, Whitney.








TOP



TOP