REUTERSWie feiert und trauert man zugleich? Einen Tag nach Whitney Houstons Tod stellte sich das Problem bei der Verleihung der Grammys in Los Angeles. Der Spagat zwischen Pietät und Pop misslang den meisten Stars - mit zwei fulminanten Ausnahmen.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...814865,00.html
Bis auf die letzte Stunde habe ich die Show verfolgt und mein Eindruck war folgender.
Der Moderator am Anfang hat das sehr gut gemacht. Er war sehr souverän und konnte den Spagat zwischen Trauer und Show.
Ihn fand ich noch am Stärksten in der Show.
Musikalisch gesehen fand ich den Auftritt von Bruno Mars sehr gut und die Stimme von "Rolling in the Deep" oder wie immer auch das Lied heißt, fand ich auch ganz gut.
Dagegen hat die Darbietung von Jennifer Hudson komplett versagt.
Das lag aber nicht an Jennifer Hudson, sondern an Whitney, die einfach jeden auf den zweiten Platz mit diesem Lied platziert.
Es gab eben nun mal nur eine Whitney und was Jennifer Hudson da präsentiert hat war nur ein billiger Abklatsch dessen.
Das wurde einem in diesem Moment des Auftritts von Jennifer Hudson bewusst und somit hat sie als Negativbeispiel jedem im Saal gezeigt, was für eine großartige Stimme diese Welt verloren hat.
Ganz im Gegenteil. Die ist dramatisch effektiver als die der Autoindustrie. Von globalen Gesetzinitiativen wie ACTA ist mir in der Autoindustrie nichts bekannt, und das obwohl die hundert Mal so groß sind...
Urheberrechtsreform, erster, zweiter, dritter Korb. Leistungsschutzrechte, Three Strikes, ACTA, SOPA, PIPA, wir werden überschwemmt von einer wahren Flut von Sondergesetzen.
Wie viele soche Sondergesetze kennen Sie für die Autoindustrie?
Die Musikindustrie versucht gerade den Rechtsweg abzuschaffen. Internet-Zugangsprovider müssen dann der Musikindustrie über angebliche Rechtsverstöße direkt Meldung erstatten, die Musikindustrie kann dann ohne Richter dafür sorgen, dass einzelne Bürger von ihrem Grundrecht (!) auf Informationsfreiheit abgeschnitten werden. Und das alles ohne richterliche Kontrolle!
Was genau ist denn passiert? Ist die einzige Sängerin des Planeten, Anker der gesamten Musikindustrie, plötzlich und unerwartet auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus dem Leben gerissen worden? Oder wurde eine der Myriaden von Mitspieler-/innen im Entertainment-Business Opfer ihres selbstgewählten Lebensstils, lange nachdem sie ihren letzten nennenswerten Beitrag zu eben diesem Business abgeliefert hat? Hätte man die Grammys absagen sollen? Wenn Frau Houston einen Tag später gestorben wäre, hätte es im nächsten Jahr vielleicht für 20 Sekunden im "Die uns verlassen haben"-Clip gereicht. Möglicherweise ist der Artikel ja der seltsamen Vorstellung geschuldet, dass sich das musizierende Volk jeden Abend im "Popstars' Inn" trifft und sich ansonsten ständig gegenseitig zum Kaffeekränzchen besucht. Viele der Anwesenden dürften mit Whitney etwa soviel zu tun gehabt haben wie ich mit dem Hausmeister der örtlichen Sternwarte - nämlich nüscht...
Sehr geehrter Herr Pitzke,
es war sicher laut um Sie herum, im Staples Center in LA an jenem Abend, so daß man es Ihnen nachsehen möchte. Aber ich glaube, Sie haben sich verhört.
Es war nicht ein anklagendes, vorwurfsvolles "Oh Vater!", das der Moderator gen Himmel schickte, sondern ein vertrauensvolles, inniges "Unser Vater" - Our Father in Heaven, so habe ich es jedenfalls aufgenommen.
Und das ist - aus Sicht eines Christen - ein gewaltiger Unterschied. Drückt es doch die Gewißheit aus, daß wir - über die Grenzen dieses irdischen Daseins hinaus - in den Händen eines gütigen, liebevollen Vaters geborgen sind. Und daß der letzte Feind, der Tod, schon besiegt ist.
Und daher widerspreche ich Ihnen auch, wenn Sie dieses Gebet des "Rappers" als "platt" bezeichnen. Im Übrigen haben Sie es stark verkürzt wiedergegeben und mit Ihrem Sprung zur weiteren Begrüßung den Eindruck erweckt, das Gebet habe nur aus diesem einen Satz bestanden.
Herr Pitzke, das ist kein Qualitätsjournalismus.
Natürlich ist es sehr traurig, dass Whitney Houston gestorben ist, es ist immer traurig, wenn jemand stirbt.
Doch was mich, auf gut deutsch gesagt, richtig ankotzt, ist, dass nach dem Tod ein Künstler eine Art Held darstellt. Genauso war das auch mit Michael Jackson und Amy Winehouse:
Zu Lebzeiten belächelt, ausgelacht, nicht ernst genommen, als menschliche Wracks gesehen, Stimme verloren etc etc etc. Doch dann sterben sieund plötzlich sind es Legenden, die ein Zeitalter geprägt haben, Helden, die entgegen gesellschaftlicher Norm das getan haben, was sie für richtig hielten und mit ihrem Tod verdienen die Plattenfirmen Millionen.
Natürlich sind es alle großartige Künstler gewesen, daran besteht kein Zweifel!
Doch es stört mich, dass Künstler zu Lebzeiten nicht so gesehen werden, wie es nach ihrem Tod mit ihnen geschieht.
Und nur ganz kurz zum Thema Grammys:
Vielleicht wird ja dank Adele, Foo Fighters, etc der "wichtigste" Musikpreis ja wieder seiner eigentlichen Bedeutung treu. In den letzten Jahren haben Künstler wie Lady Gaga oder Beyonce damit überschüttet, die ja nichts anderes als Plastikmusik produzierten.