Wewerka-Bildband: Wenn der Niger in die Nordsee mündet
Seine Stühle haben weiche Beine, zersägte Geldstücke fügte er mit einem Scharnier zusammen: Der Künstler Stefan Wewerka ist ein Meister schrägen Humors, wie ein neues Buch zeigt.
Eines soll man ihm lassen, der Typ ist genauso schräg wie seine krummen Hunde ...ähh seine Stühle meine ich. Stefan Wewerka war in den siebziger Jahren Professor an der Fachhochschule für Kunst und Design am Ubierring in Köln. Von dort kenne ich ihn als Lehrer, der jedermann mit seinem abstrusen, abgründigen Humor intellektuell die Beine wegzusäbeln wusste.
Raffte man sich dann von der ersten Überrumpelung auf, hatte er einem schon in ein kniffliges Fragen- und Antwortspiel verwickelt, sodass er sofort erahnte, wer ihm in Persona Sapiens gegenüber stand. Danach ging das Wortduell über in die große Schelte betreffend die herrschenden Zustände in der Kunst und im akademischen Lehrbetrieb im besonderen.
Stefan war immer ein Denker und Künstler des alten Schlags, der ohne Ideologie - im Gegensatz zu Beuys und anderen - jede Ordnung der Welt als ästhetische Unbeholfenheit zu deklarieren wusste. Hatte man als junger Kunststudent dies einmal begriffen, so wusste man, dass es die hehrste Aufgabe des Künstlers sei, alles partout in Frage zu stellen. Richtige Kunst kann also nur krumm sein, ähnlich wie es das halbvolle und ein halbleere Kölschglas als letzte Sinnfrage gibt.
Hoffen wir, dass wir alle ihm noch ein paar mal begegnen dürfen, ihm, dem krummen Hund in der Ubierschänke am Ubierring in Köln.