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Wenn Unternehmer sterben: Der letzte Makler

Wer macht weiter, wenn es einen Unternehmer nicht mehr gibt? Darüber denken Chefs selten nach. Jedes Jahr schließen rund 5000 deutsche Familienbetriebe, weil sie keinen Nachfolger finden. Bei Bestattern ist die Suche besonders schwierig, ihnen hilft Bestattermakler Stefan Schreyger.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...792843,00.html
  1. #1

    Ich grüsse Sie Frau Huber Part-1

    Sie haben in der Tat ein sehr, sehr wichtiges Thema angeschnitten, welches auch in den Medien sträflich vernachlässigt wird.
    Warum Sie sich aber eine solch` exotische Branche herausgesucht haben wird wohl Ihr Geheimnis bleiben.
    Schade, denn Sie hätten Recherchematerial für ein Buch der Größe eines Brockhauses sammeln können, hätten Sie sich auf einen irgendein geläufiges Handwerk konzentriert.
    Denn dieses Problem existiert überall.

    Lassen wir das.
    Ich bin Teilhaber eines Kleinunternehmens mit 62 Arbeitnehmern (davon bis zu 8 "Leiharbeitern" und 11 Teilzeitbeschäftigten) in der Gas-Wasser-Heizungsbranche.
    Zu dieser Teilhaberschaft bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen: Rein zufällig.
    Dem Senior sein Sohn und vermeintlicher Nachfolger verstarb völlig unerwartet und da stand er nun obwohl er auch aus gesundheitlichen Gründen sich in seinen wohlverdienten Ruhestand zurückziehen wollte.
    Seine damaligen Anfragen an Handwerkskammern in ganz Deutschland, Banken , Anwaltschaften, Unternehmerbörsen verliefen alle im Nirvana obwohl er es tatsächlich hartnäckig versuchte denn er wollte die damals knapp 20 Angestellten nicht auf die Strasse setzen (solche Leute gibt es noch ...).

    Meine Ankunft könnte eine Westernfilm bestens beschreiben:
    Ein Fremder kommt zufällig in einer einsamem Gegend durch ein Dorf und kommt in der einzigen Wirtschaft mit dem Senior ins Gespräch ...

    Das war vor 12 Jahren und schon damals machte ich dem Senior klar daß ich in wenigen Jahren diese Örtlichkeit wieder verlassen werde. Ich weiß daß er es hoffte daß meine Frau und ihre Kinder meinen "Wandertrieb" mich sesshaft machen würde aber dem ist nicht so.

    Als meine Familie und ich vor 2 Jahren die Vorabzusage für die Immigration nach Kanada bekamen (Stichtag 1.April 2012) fing ich an einen Nachfolger zu suchen:
    IHK, Banken, Anwaltschaften, Unternehmerbörsen.
    Es kam nichts zurück.
    Daraufhin schaltete ich in verschiedenen Zeitungen Anzeigen in ganz Deutschland und natürlich kamen verschiedene Anfragen. Das meiste allerdings waren Anwälte, Unternehmensberater und Banken die sich den inzwischen florienden Betrieb unter den Nagel reisen wollten.

    Niemand von diesen sogenannten Profis die mit ihren dicken Leasingfahrzeugen auf dem Parkplatz vorfuhren konnte mich (uns) überzeugen.
    Keine dieser "Profis" war daran interessiert den Betrieb weiterzuführen.
    Aber die Handwerkskammern waren diejenigen die mich am meisten enttäuschten.

    Anfragen von Privatpersonen waren ebenso traurig. Es gab vernünftige und ermutigende Personen allerdings sind meine Anforderungen klar umrissen:
    Schuldenfrei, Meisterbrief, polizeilich einwandfreies Führungszeugnis, maximal 45 Jahre alt und wenn möglich ein paar Mark auf dem Sparkonto. Weiter musste mir der Bewerber ein Konzept ,eine Geschäftsidee definieren können wie er oder sie den Betrieb steuern will.
    Das waren die Eckdaten.

    Schlußendlich fand unsere Ortsvorsteherin einen Kandidaten in 450Km Entfernung.
    Zufall. Reiner Zufall.
    Wir alle sind sehr glücklich einen Nachfolger für mich gefunden zu haben vorallem unser Dorf.

    Alle sogenannten Programme die angeboten werden sind nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt sind !
    Der Wille ist schon da aber wenn ich bei Handwerkskammer in XY oder der genössischen Bank in ABC zurückrief musste ich immer erst eine Zeitlang am Telefon warten und der relevante Mitarbeiter(in) wusste kaum etwas von der Angelegenheit und musste sich erst einarbeiten.
    Traurig.
  2. #2

    Ich grüsse Sie Frau Huber Part-2

    Wissen Sie wie es in Kanada abläuft ?
    Meine Familie und ich haben uns eine bestimmte Gegend in einer bestimmte Provinz ausgesucht. Mehrere (Kurz-)Urlaubsaufenthalte später fand ich eine Option für eine Geschäftspartnerschaft mit einem alteingesessenen Betrieb. Ich besuchte also das "Chamber of Commerce" um ein paar Fragen zu klären.
    Die Reaktion war umwerfend und peinlich zugleich:
    Ich saß noch nicht einmal richtig im Wartezimmer und der Bürgermeister und sein Vize kamen hereingestürzt und schüttelten mir den Arm wund.
    Erst 5 Stunden später wurde ich mit ebensoviel Händeschütteln und einer Rundfahrt mit dem Vizebürgermeister in der 18.000 Seelen Gemeinde wieder verabschiedet. Mir wurden beide Bankmanager, der Vorsitzende der Handelskammer,der Notar, die 5 Manager der grösseren Firmen persönlich vorgestellt. Später wurden uns die Schuldirektoren(innen), der Elternrat, der örtliche Polizeichef und der Chefarzt der örtlichern Klinik vorgestellt. Und seitdem bekomme ich und jedes Mitglied meiner Familie ein Grußkarte zum Geburtstag !

    Ich bin kein Millionär aber ich bringe es schon in den 6-stelligen Bereich (Einnahmen aus dem Hausverkauf mitgerechnet) und der Betrieb in dem ich quasi schon Teilhaber bin hat im Moment 8 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von <600.000 kanadischen Dollar.

    Ich bin wirklich nicht wichtig aber man lässt mich gut fühlen. Und das alles in der Provinz von BC welche Einwanderer gewohnt sind ...

    Mein Nachfolger:
    Nun, er musste insgesamt 14 mal vor Ort sein um erst die rechtlichen Dinge klären zu können. IHK, Banken machten es uns wirklich nicht leicht und versetzten uns auch einige Male.
    Anfragen von verschiedensten Instutitionen (deren Zusammenhang ich bis heute nicht begreife) wollten Tod und Teufel wissen.

    Maklern, Anwälten, Gerichten, Gesundheitsämtern, Innungen und Banken ist nichts zu schwer ...
  3. #3

    Solange für jedem Mist in diesem Land

    ein Meisterbrief benötigt wird - ein durchaus
    mittelalterliches Konzept -
    wird´s halt nichts mit der Zukunft.

    Gute Nacht.
  4. #4

    Tatsächlich ein Problem...

    Eine Börse, in welcher sich potentielle Nachfolger und Unternehmer auf der Suche nach Nachfolger treffen, wäre in der Tat nützlich.

    Ein einfaches Dispositiv (z.B 3 Monate unbezshltes Trainee-Programm) könnte Abwickler erkennen und ausschalten.

    Meine (schlechte) Lösung war eine Ankündigung der Betriebsschliessung innert 5 Jahren und der schrittweise Abbau/Outsourcing der Aufträge. Platzierung der Mitarbeiter zusammen mit Aufträgen in Partnerbetrieben.

    Mein persönliches Ideal ist allerdings ein Buyout der Mitarbeiter des Betriebes.
  5. #5

    Hold Your Fire

    Ich kenne allerdings auch die Gegenbeispiele. Schlecht geführte Betriebe mit jeder Menge Leichen im Keller. Um Fünf vor Zwölf macht man sich halbherzig Gedanken um die Nachfolge, weil man lebt ja ewig.

    Ach ja, und ein paar Millionen müssen's aber sein...

    Ansonsten kann ich für einen schnellen Überblick mal die Unternehmensbörse der örtlichen IHK empfehlen.
  6. #6

    Die Hürden erfolgreicher Unternehmsnnachfolge

    Ich kann aus Beratersicht folgendes bestätigen:
    - zu wenig Unternehmer sind auf den Ernstfall vorbereitet bzw. haben eine Vorstellung davon, dass ein Verkauf innerhalb von ein paar Monaten seriös kaum möglich ist.
    - Unternehmensnachfolge kostet Zeit und Geld. Wobei seriöse Unterstützer bzw. Berater die Arbeitsleistung entweder nur beim Erreichen vorher definierter Leistungen bzw. den Großteil erfolgsabhängig bei erfolgreicher Übergabe/Verkauf vergütet bekommen.
    - es ist schon eine Herausforderung, die formalen Anforderungen zu bewältigen. Aber genauso hartnäckig sind oft die mentalen Blockaden (und wir haben bei einem Netzwerk von über 100 KMU-Spezialisten und einer entsprechenden Internetplattform für Angebote/Gesuche für Unternehmensnachfolge schon ziemlich viel erlebt).

    Ich wünsche nur jedem Unternehmer, dass er/sie die Nachfolge noch bewußt vorbereiten kann und mittels des "Notfallkoffers" dafür schon mal etwas Vorarbeit leistet.
  7. #7

    na, na...

    Zitat von HappyLuckyStrike Beitrag anzeigen
    ein Meisterbrief benötigt wird - ein durchaus
    mittelalterliches Konzept -
    wird´s halt nichts mit der Zukunft.

    Gute Nacht.
    zu dem Konzept mag man stehen wie man will, aber ein deutscher Meisterbrief öffnete einem lange Zeit im Ausland Tür und Tor.
  8. #8

    Wirklich interessanter Aspekt

    den der Artikel hier aufgreift, leider hat die Autorin sich (bewusst ?) eine exotische Branche ausgesucht.

    Die wenigsten Unternehmer machen sich klar, dass ein pot. Nachfolger u.U. Jahre braucht um sich einzuarbeiten. Was ist denn ein KMU ? In den meisten Fällen ein vom Eigentümer aufgebauter Laden, direkt auf ihn zugeschnitten mit einem über Jahre und Jahrzehnte gewachsenem Beziehungsgeflecht zu max. einem dutzend Stammkunden und einem Haufen Kleinvieh. Solch ein Beziehungsgeflecht kann man nicht mal eben so hoppla-hop übernehmen bzw. kaufen. Stirbt der Unternehmer, stirbt meistens auch das Unternehmen - es sei denn der Nachfolger ist über Jahre aufgebaut worden. Ansonsten übernimmt man eine leere Hülle mit einem Haufen Maschinen, Hallen und Mitarbeitern, die man nicht kennt und einschätzen kann. Wenn dann den Mitarbeitern die Nase des neuen Chefs nicht passt, sind die Besten sofort weg und man verliert noch mehr Beziehungskapital weil diese Mitarbeiter bei der Konkurrenz die alten Kontakte weiterpflegen.
  9. #9

    Altgeselle statt Erbe

    Zitat von newliberal Beitrag anzeigen
    den der Artikel hier aufgreift, leider hat die Autorin sich (bewusst ?) eine exotische Branche ausgesucht.

    Die wenigsten Unternehmer machen sich klar, dass ein pot. Nachfolger u.U. Jahre braucht um sich einzuarbeiten. Was ist denn ein KMU ? In den meisten Fällen ein vom Eigentümer aufgebauter Laden, direkt auf ihn zugeschnitten mit einem über Jahre und Jahrzehnte gewachsenem Beziehungsgeflecht zu max. einem dutzend Stammkunden und einem Haufen Kleinvieh. Solch ein Beziehungsgeflecht kann man nicht mal eben so hoppla-hop übernehmen bzw. kaufen. Stirbt der Unternehmer, stirbt meistens auch das Unternehmen - es sei denn der Nachfolger ist über Jahre aufgebaut worden. Ansonsten übernimmt man eine leere Hülle mit einem Haufen Maschinen, Hallen und Mitarbeitern, die man nicht kennt und einschätzen kann. Wenn dann den Mitarbeitern die Nase des neuen Chefs nicht passt, sind die Besten sofort weg und man verliert noch mehr Beziehungskapital weil diese Mitarbeiter bei der Konkurrenz die alten Kontakte weiterpflegen.
    Ein Unternehmer sollte, wenn es in der eigenen Familie keinen Erben gibt, einen oder mehrere Mitarbeiter zu potentiellen Nachfolgern aufbauen (Meisterausbildung von bewährten Altgesellen, Einbeziehung in die Leitungsaufgaben), damit auf diese Art eine interne Nachfolge gesichert wird.


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