Web und Datenschutz: Hilf Dir selbst und halte dicht

Datenmissbrauch, Lecks und*Schlamperei sind fast zum täglichen Normalfall geworden.*Aber darf man*deshalb*das Recht auf Privatsphäre zum überholten Relikt erklären? Auf keinen Fall, meint Frank Patalong: Nur der Schutz persönlicher Daten garantiert den Fortbestand der mündigen Gesellschaft.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...761844,00.html
  1. #20

    Ganz einfach:

    Ein guter Beitrag!
  2. #21

    (Ver)wehren wir uns!

    Als jemand, der in dem größten Marktforschungsunternehmen Deutschlands jedwede Arten digitalen Ursprungs erfasst und auswertet, kann ich Ihrem Aufruf nur ZUSTIMMEN. Unsere Grundrechte von Freiheit und Privatsphäre werden laufend digital unterwandert - wir brauchen mündige Bürger, die sich dagegen (ver)wehren und keine zahmen Konsumlämmer. WEITER SO!
    p.s.: Ich hänge meinen Job (nicht zuletzt) deswegen an den Nagel.
  3. #22

    Rückzug

    Prima Artikel, stellt alle wichtigen Argumente für eine Privatsphäre glänzend zusammen!
    Ich bin bereits dabei, die Konsequenzen zu ziehen. Ich halte mich von allen sozialen Netzwerken wie Facebook und Konsorti fern. Bazahlung im Internet mache ich nur per Einzugsermächtigung oder paypal. Meine private Homepage habe ich schon abgeschaltet.
    Das Internet ist derzeit die Kriminalitätszone Nr. eins. Das nächste Angriffsziel für kriminelle Hacker zeichnet sich aber schon ab: Smartphones.
    Frau Schramm ist eine typische Vertreterin der Generation "jung und dumm". Erinnert mich an die Euphoriker an den Finanzbörsen im Jahre 2000, kurz vor dem Platzen der Internetblase.
  4. #23

    Oder kehre das Prinzip um ...

    Ich praktiziere das gegenteilige Prinzip, ich flute die Epigonen der Blockwarte mit mehr Informationen über mich als sie verarbeiten können.

    Erster Selbstversuch war die Erfassung aller jemals gelesener und verworfener Bücher, Filme und Musiktitel bei Amazon. Nach über 5000 Einträgen hat das System begonnen Vorschläge nur noch nach den letzten zehn betrachteten Produkten und den letzten hundert Einträgen auszuwerfen. Anscheinend gibt es in diesem Bereich eine Schwelle an der der Algorithmus überladen wird.

    Der nächste Schritt ist gerade die Übernahme dieser Infos als Like-Liste in Facebook. Mal sehen wann hier der Overload einsetzt. Bei den Freundschaftsvorschlägen hat es schon angefangen, da gibt es zu 90% schon keine Verbindung mehr zum privaten oder beruflichen Umfeld oder zu den FreundInnen und FreundInnen von FreundInnen.

    Auch die dahinterstehende werbetreibende Industrie hat inzwischen Probleme mit der Analyse, jedenfalls lässt der Umstand, dass mir Windelmuster, Prospekte für Kreuzfahrten mit homosexueller Klientel, Aboangebote für romantische Historienromane und französische Rotweinsortimente zugehen an der künstlichen Intelligenz der Auswertungssysteme zweifeln. Ich bin kein schwangerer Schwuler, der bei Rotwein Diana Gabaldon liest. Allein die Muster von Menstruationsbinden haben sich als praktisch erwiesen, mit einem Gummi um die Dose gespannt waren sie beim Streichen ein effektiver Tropfschutz, gekauft habe ich trotzdem keine.

    Die Handyvorratsdatenspeicherung erfreue ich auch mit dem gelegentlichen Versenden eines frisch geladenen alten Benq-Prepaid-Handy, das bereits in Norwegen und Kenia war, mangels der Existenz des Empfängers kam es bis jetzt immer zurück. Vielleicht war ich aber persönlich dort und mein anderes Handy wurde von jemand anders durch Deutschland bewegt?

    Post-Privacy heißt eben auch, dass die Daten nicht mehr sicher und zuverlässig sind. Dass persönliche Nachrichten nach dem Prinzip der klassischen Postkarte erfolgen und nicht als versiegeltes Schreiben angesehen werden. Mitlesen ist berücksichtigt und die eigentliche Nachricht steht für den tatsächlichen Empfänger zwischen den Zeilen oder steckt im Bildmotiv auf der anderen Seite.
  5. #24

    Die falsche Diskussion

    Lieber Frank Patalong,

    Erregung ob der wenig innovativen Naivität der postprivacy-Protagonisten in allen Ehren, aber besser wäre ein Diskurs über die Definition, das Verständnis und die gleichwertige Verteidigung der öffentlichen Bereiche des Datenmeeres Internet.

    Nur wenn ich weiss in welchen digitalen Daten-Räumen ein gemeinschaftliches Arbeiten und Leben durch gemeinsam gefundene Freiheiten und Regeln möglich ist, kann ich das private digitale Wohnzimmer glaubwürdig verteidigen.

    Ich halte es für typisch deutsch, dass die öffentlichen sowie die selbsterklärten Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit nur wortstark sind, wenn es um ersteren geht.
    Ein paar feierliche Worte der Betroffenheit zum fünfjährigen Versagens trotz eines Informationsfreiheitsgesetzes sind ein Hohn.

    Wer sich nicht der wichtigsten dialektischen Herausforderung des Webs, dem Umgang mit den Daten, stellt, muss sich nicht wundern, wenn einige versuchen, mit unreflektierten Forderungen, brachiale Lösungen zu finden.


    Mit besten Grüssen

    Jens Best
  6. #25

    Jeder muss es doch selbst wissen

    Wer Anonym leben sollte einfach seine Daten nicht preisgeben, ist doch ganz einfach. Wer kann seine Daten besser schützen als man selbst. Wenn ich Facebook auf den Gefällt mir Button klicke oder Bilder hochlade sollte doch genau wissen worauf man sich eingelassen hat. Man erkennt doch die AGB und Nutzungsbedingungen an. Aber gelesen hat sie keiner und wenn dann das Bild von der Sauforgie am Wochenende überall zu sehen ist, selber Schuld.

    Das Hacker sich Zugang zu Sony´s Playstation Network geschaffen haben oder bei Facebook Sicherheitslücken aufgetaucht sind ist doch nur allzu verständlich, Menschen machen Fehler!!!!

    Was mir in dem Beitrag allerdings fehlt sind solche Punktesammelsystem wie Payback usw. Wer Punkte oder ähnliches sammelt und zusätzlich mit EC oder Kreditkarte bezahlt liefert den Unternehmen doch auch schon jede Menge private Daten und da hab ich als Endverbraucher keinen Einfluss mehr was mit den Daten passiert. Bei Xing, Facebook usw. kann ich zumindest noch selbstbestimmen was preisgeben möchte.
  7. #26

    Immer wieder

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Datenmissbrauch, Lecks und*Schlamperei sind fast zum täglichen Normalfall geworden.*Aber darf man*deshalb*das Recht auf Privatsphäre zum überholten Relikt erklären? Auf keinen Fall, meint Frank Patalong: Nur der Schutz persönlicher Daten garantiert den Fortbestand der mündigen Gesellschaft.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...761844,00.html
    Nun regen wir uns schon wieder auf und merken dabei nicht, dass es keinen Datenschutz gibt. Der wurde bereits vor 16 Jahren aufgehoben.

    Und wer glaubt, dass seine Daten, wo auch immer sie verarbeitet werden geschützt sind ist naiv. Daten sind nicht geschützt, denn getratscht wird überall.
  8. #27

    Es fehlen die Regeln was privat ist und die Konsequenzen bei Missbrauch

    Ich bin weder für die Fraktion, die meint, alles vogelfrei erklären zu müssen, weil es eine Technologie zulässt noch, die Grenzen so eng zu setzen, das wir uns zu Tode reglementieren.
    Was uns fehlt, sind die eindeutigen Grenzen. Also Dinge, die verboten sind, zu erfassen und dass es dafür auch tatsächlich eine Verfolgung gibt.

    Innerhalb dieses Kanons kann der einzelne Mensch dann entscheiden, was er zusätzlich für die Allgemeinheit freigeben möchte. Diese Daten dürfen dann auch frei verwendet werden. Gleiches gilt, wenn sich jemand bei Facebook prostituiert und z.B. seine sexuellen Vorlieben meint, preisgeben zu müssen. Das sollte in der Verantwortung jedes einzelnen liegen.
    Andererseits wüßte ich nicht, warum es z.B. sinnvoll sein sollte, Häuserfassaden zu verpixeln. Hier sind wir speziell in Deutschland geradezu hysterisch. Wenn ich an dem Gebäude vorbei gehe, dann sehe ich es ja auch nicht verpixelt. Eine Diskussion, die ich gar nicht nachvollziehen konnte.

    Es gibt aber Dinge, die wirklich keinem etwas angehen. Und diese sollten endlich einmal definiert und als Gesetz verankert werden. Und natürlich sollten sie strafrechtlich verfolgt werden. Was ich auch nicht verstehe, ist die ungefragte Weitergabe von Daten an Dritte ohne meiner Zustimmung. Hier ist z.B. das Zauberwort GEZ gefallen. Die Verbindung ist ganz klar: Telekom verdient Geld indem sie Daten weitergibt. Das sind z.B. Geschäftspraktiken, die eindeutig verboten gehören. Gleiches gilt für den Datendiebstahl: Bisher wird außer einer Meldepflicht keine Strafe seitens des Gesetzgebers verhängt. Hier hinken wir nach.

    Es liegt in der Natur der Dinge, dass wir sensible Daten zur Verfügung stellen müssen, z.B. beim Arzt. Der braucht die, aber sicher nicht der Apotherverband, der diese dann verwendet, um seine neuesten Mittelchen anzupreisen. Ich denke, viele Mitarbeiter bei unserem Gesetzgeber sind einfach noch nicht in der digitalen Welt angekommen. Und das führt zu Mißbrauch und verärgert die einzelnen Menschen zu Recht. Hier besteht großer Handlungsbedarf.
  9. #28

    Weit am Problem vorbei .....

    Zitat von Paolo Beitrag anzeigen
    Mehr davon, Herr Patalong!
    Die Garde derer, die da schwadronieren und verkünden, dass sie ja nichts zu verbergen haben, werden sehr schnell von der Realität eingeholt, dass das Wissen selbst harmloser Dinge entmündigt. Hier ein Beispiel aus der STASI-Zeit der DDR zum Verständnis, was ich meine:
    Da das Aufgeben der Privatsphäre selbstverständlich auch den bei Ihnen angsprochenen Stasi-Mitarbeiter getroffen hätte, wären die Fronten relativ schnell recht klar geworden. Ausforschungsmöglichkeit auf der einen Seite, Geheimniskrämerei auf der anderen Seite ist ja gerade das Problem.
    Deshalb der Vorschlag, dass Staat UND Bürger GLEICHERMAßEN transparent sind. Denn dass beider gleichermaßen intransparent sind, hat wohl nicht richtig funktionert.
  10. #29

    Unterhaltsam...

    Zitat von avollmer Beitrag anzeigen
    Ich praktiziere das gegenteilige Prinzip, ich flute die Epigonen der Blockwarte mit mehr Informationen über mich als sie verarbeiten können.
    ....
    Alles sehr unterhaltsam, danke für die Tipps! Leider machen das 99,99% der Leute nicht, weswegen die Effektivität genannter Datensammler durch Ihre Ausnahme kaum leidet.

    Selbst Ihre "wahren" Daten finden noch in deren Datenbanken, weil irgendein Depp Bilder und Berichte ins Netz stellen wird, in denen Sie vorkommen. Picasa hat schon Gesichtserkennung, die Technologie ist Google also zugänglich.