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Warteschleife: Schluss mit dem Verständnis!

Ob verspäteter Flieger oder kaputte Klimaanlage - deutsche Firmen bitten ihre Kunden nach Patzern und Pannen stets um "Verständnis". Nur das eigentlich angemessene Wort "Entschuldigung" kommt ihnen fast nie über die Lippen. Tom König hat das satt - und fordert Abbitte.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/ser...767997,00.html
  1. #60

    Wieder diese...

    Zitat von Emmi Beitrag anzeigen
    Wenn wir schon so auf dem Unterschied zwischen der Bitte um Verständnis und der um Entschuldigung herumreiten, sollten wir auch beachten, dass "um Entschuldigung bitten" und "Entschuldigen" zwei verschiedene Sachen sind.
    Wenn ich Schuld auf mich geladen habe, kann ich denjenigen, dem gegenüber ich das getan habe, um Entschuldigung bitten. Aber ich kann mich nicht "Entschuldigen", also selbstherrlich die Sache für erledigt erklären. Das kann wiederum nur mein "Gläubiger", also der, dem ich etwas schulde.
    Die Phrase "Ich entschuldige mich!" ist demnach sinnleer und wirkungslos.

    mfg

    Emmi
    ...gefühllosen unkreativen, da kann ja aus der Welt nichts besseres werden, dem gesellschaftlichem wie dem sozialem Leben so klug gegenüberstehen.
  2. #61

    Da gebe ich Ihnen völlig Recht,...

    Zitat von hman2 Beitrag anzeigen
    Und trotzdem käme es nicht schlecht, wenn wenigstens mal jemand einen Kotau machen würde für die Katastrophe von Duisburg...
    ...dem Deutschen insgesamt, nicht nur den Firmen und Behörden, fehlt das Maß des Annehmens und Gebens des Entschuldigen.
  3. #62

    Generell gilt...

    Wer mich um Verständnis bittet, bekommt so viel Verständnis wie er selber in Zweifelsfällen für mich oder andere aufbringt. Egal ob ich als Kunde auftrete(vulgo Dienstleister) oder als Auftraggeber(vulgo: Kunde).

    Oder: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

    Und unter diesen Bedingungen empfinde ich das Ansinnen, der Bahn, ihr menschliche Fehlbarkeit nachzusehen, als stets aufs neue empörende Frechheit.

    Schon mal erlebt, wie Kunden mit zuggebundenem Ticket im falschen Zug freundlich befördert wurden, nachdem Sie sich für das Verständnis der Bahn bedankt haben? Oder darum sogar baten?

    Mal erlebt was so passieren kann, wenn das Schuld der Bahn war, sich der Kunde aber im Vorzug nichts schriftliches hat geben lassen?

    Schon mal vom Umgang mit den eigenen Mitarbeitern gehört?
  4. #63

    Umgangsformen

    Zitat von masshole Beitrag anzeigen
    Wenn Sie kulturell so dermassen engstirnig sind, warum reisen Sie dann ueberhaupt? Mir geht der Mangel an elementaren Umgangsformen in Deutschland auch auf den Senkel, aber wenn dann mal wieder da hin muss beschwere ich mich auch nicht - ist halt so.
    Engstirnig weil man nicht alles toll findet?

    Durch Ihre Wortwahl ("auf den Senkel") und ihren schroffen Beitrag (der nicht gerade subtil ist und auf plumpe Art alberne Anmaßungen impliziert, gehe ich einfach mal davon aus, dass Sie nicht gerade ein Muster an

    "elementaren Umgangsformen" sind? Dann sind Sie ja - nach Ihrer eigenen Auffassung - genau Richtig in diesem Land und gehen sich selber "auf den Senkel"???
  5. #64

    Null Fehler - sonst Haue!

    Eigentlich sagt der Beitrag doch schon alles. Aus Angst einen Fehler einzugestehen, lavriert man sich darum herum. Und dankt für das Verständnis. Denn dann ist die Verspätung ja kein Fehler - sondern der Andere war einverstanden.

    Ehrlicherweise gibt es aber auch wirklich Personengruppen, die bei jedem Fehler dann gleich zum Anwalt rennen und jede noch so klitzekleine Äusserung als "Beweis" anführen. Rechtschutz Vers. macht es möglich. Auch wenn es schlussendlich jur. gut ausgeht - es macht Arbeit und verursacht Kosten. Also: Fehler gibt es nicht. Im Vorfeld wegbügeln. Gehört alles zum großen Plan.
  6. #65

    Anderswo ist natürlich wieder alles besser

    Zitat von Tom König
    Man kann nur hoffen, dass deutsche Firmen diese Geisteshaltung irgendwann von den Briten, US-Amerikanern und Franzosen übernehmen - und nicht umgekehrt.
    Ein deutscher "Journalist" beschwert sich also, dass man sich in Deutschland nicht so schön entschuldigen kann wie z.B. in Frankreich. Sehr interessant. Mal sehen, ob französische Journalisten auch etwas finden, was sie an ihrem Land stört und was vielleicht in Deutschland besser läuft. Ah, das ist ja schon ein Beitrag:

    Zitat von Cécile Calla, SPON 17.5.2011
    Neidischer Blick auf Deutschland

    Es vergeht zurzeit keine Woche, ohne dass Frankreich sich mit dem großen deutschen Nachbarn vergleicht - und dessen wirtschaftliche Erfolge preist.

    Die Arbeitslosenquote ist in Frankreich mit 9,5 Prozent um rund drei Prozentpunkte höher als in Deutschland; bei den unter 25-Jährigen ist sie fast dreimal so hoch. Das Staatsdefizit war 2010 zweimal so hoch, und der Fehlbetrag im Außenhandel steht in eklatantem Gegensatz zu den deutschen Überschüssen. Der Anteil Frankreichs am Welthandel ist binnen 15 Jahren von 5,8 auf 3,8 Prozent gesunken, während die Deutschen ihre Position halten konnten.

    Im Frühjahr 2010 beschwerte sich die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde noch über die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre und die Exportkraft Deutschlands. Heute lobt man in Paris das deutsche Wirtschaftsmodell und bemüht sich, das Defizit abzubauen. Paris möchte sogar vom deutschen Steuersystem lernen - vor kurzem hat es der Rechnungshof sogar als vorbildlich empfohlen.
    Das sind doch alles Argumente dafür, "dass deutsche Firmen diese Geisteshaltung [...] von den [...] Franzosen übernehmen - und nicht umgekehrt."

    Danke Herr König für Ihren tollen Beitrag.
  7. #66

    Inflation der Wörter

    Ob nun Entschuldigung oder Verständnis,am Ende frage ich mich, wie ernst letztlich solche Begriffe noch gemeint sind. Die Mitarbeiter eines Discounters sah ich kürzlich mit einem T-Shirt: Ich bin freundlich. Die sind auch nicht freundlich wegen mir,sondern weil der Konzern das vorschreibt. Und wenn ich in einem Markt an der Kasse bin, sagt die Verkäuferin pflichtgemäß Guten Tag, ohne mich überhaupt wahrzunehmen, sie fragt, ob alles in Ordnung war (und wenn nicht?) und jeder sagt gehorsam ja und sie wünscht mir natürlich noch einen schönen Tag. Bei Feiertagen werden die Sätze noch länger, alles automatisch. So automatisch, dass man sich den Spaß machen kann, jetzt im Sommer schöne Weihnachten zu wünschen. Wetten, dass dann "Danke gleichfalls" kommt? Trotzdem hat mir in dieser Woche ein Versender auf die Reklamation eine Entschuldigung geschickt und vorsichtshalber noch die Bitte um Verständnis nachgeschoben. Die Entschuldigung ist mit einem kulanten Umtausch gekoppelt, wofür ich Verständnis haben soll, weiß ich nicht. Ich schließe daraus: wer weiß denn überhaupt, was wann angemessen ist?
  8. #67

    Ich gebe keinen Titel mehr an

    Der Autor hat mit diesem Artikel endgültig bewiesen, das er ein nörgeliger Besserwisser ist, der selber eigentlich gar nichts vernünftig hinbekommt (und das in früheren Artikeln auch noch stolz betont hat mit seiner ausdrücklichen Nennung seines akademischen Grades als "Sozialwissenschaftler"), von anderen aber erwartet das sie Kopfstände machen um ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen, und zwar möglichst schnell und preiswert.

    Soll ne WG mit Lührssen aufmachen, da können sie sich dann von morgens bis abends über die Servicewüste D aufregen...
  9. #68

    Die Bitte um Entschuldigung hilft zwar auch nicht...

    ...aber sie treibt einen wenigstens nicht so auf die Palme wie diese unsägliche "Bitte um Verständnis". Gerade bei der Bahn ist es jeden Tag von neuem ein Ärgernis.

    Jeden konkreten Grund hat man durch die stromlinienförmige Nullbegründung "wegen Verzögerungen im Betriebsablauf" ersetzt. Aha. Der Betriebsablauf ist also wegen Verzögerungen im Betriebsablauf verzögert! Wer hätte das gedacht. -- Als weiterer Kracher für die unterbeschäftigten Lachmuskeln kam noch "wegen hoher Streckenauslastung" hinzu. Als gäbe es bei der Bahn einen unerwartet hohen Urlaubs-Reiseverkehr und als ginge es nicht schlicht drum, seine Züge nach Fahrplan auf die Strecke zu bringen. Und als Krönung - falls denn überhaupt eine Ansage erfolgt - bittet man für das tägliche Mißmanagement und die tägliche Unfähigkeit, seinen Job vernünftig zu erledigen, und den täglichen Diebstahl an Lebenszeit "um Verständnis".

    Nein, habe ich nicht. Gar keins. Und ich bin eigentlich auch nicht mehr bereit, das zu entschuldigen. Irgendwann sollte man seinen Mist auf die Reihe kriegen. Aber eine Bitte darum wäre ein Zeichen der Einsicht, daß man gerade eine nicht so gute Leistung abliefert.
  10. #69

    Noch nicht im Web 2.0 Zeitalter angekommen

    Die vielen Unternehmen, die sich so verhalten, sind noch nicht im Web 2.0-Zeitalter angekommen, wo die Kunden ihren Unmut und ihre negativen Erfahrungen in den zahlreichen Bewertungs- und Meinungsportalen sowie Blogs publizieren. Mittelfristig dürfte sich dieses Verhalten jedoch negativ auf die Marktchancen auswirken, da immer mehr Interessenten vor der Kaufentscheidung das Web nach Meinungen und Erfahrungsberichten durchsuchen. Sogar internet-affine Unternehmen leisten sich solche Fauxpas, wie mein aktueller Erfahrungsbericht über den Internetprovider 1&1 zeigt: http://www.webmasters.de/blog/erfahr...1-marcel-davis








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