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Wanderung zur "Wand": Haushofers Hütte

StudiocanalUnwirkliche Wälder, dunkle Täler und eine einsame Jagdhütte: In den Bergen Oberösterreichs ist Marlen Haushofers Roman "Die Wand" entstanden. Eine unsichtbare Barriere finden Wanderer hier nicht - dafür aber einen grimmigen Bär mit Brille.

http://www.spiegel.de/reise/europa/d...-a-861596.html
  1. #1

    Stille

    Martina Gedeck spielt "die Frau" kongenial und glaubwürdig, sie trägt den Film ganz und gar, mit Luchs natürlich, dem Hund. Sie ist wirklich sehr gut.
    Ich hätte mir aber doch eine unbekannte Schauspielerin gewünscht, denn die Frau im Buch ist anonym, ist eine starke Frau an sich, das Prinzip Weiblichkeit.
    Das Buch steht für sich, die kreatürliche Natur im langsamen Werden und Vergehen wird in angemessenem Entwicklungstempo beschrieben. Die schmerzhafte mühsame Aneignung alter Überlebenstechniken, der Einbruch des zerstörerischen Mann-Prinzips und die langsame Auflösung des kulturell geprägten Ichs in die Archaik sind wunderbar eindrucksvoll festgehalten. Die Geschichte entfaltet sich gemächlich.

    Nun ist "die Frau" Martina Gedeck und der Film ihrer. Sie spricht ständig, was der Stille zuwiderläuft. Der Zuschauer fordert halt Erklärungen, so ist das mit Literaturverfilmungen und mindert den Charme der jeweiligen Genres nicht. Beide stehen für sich. Das Buch zu lesen sei aber trotzdem noch einmal anempfohlen.
  2. #2

    Emanzipation

    Zitat von erlenstein Beitrag anzeigen
    Martina Gedeck spielt "die Frau" kongenial und glaubwürdig, sie trägt den Film ganz und gar, mit Luchs natürlich, dem Hund. Sie ist wirklich sehr gut.
    Ich hätte mir aber doch eine unbekannte Schauspielerin gewünscht, denn die Frau im Buch ist anonym, ist eine starke Frau an sich, das Prinzip Weiblichkeit.
    Das Buch steht für sich, die kreatürliche Natur im langsamen Werden und Vergehen wird in angemessenem Entwicklungstempo beschrieben. Die schmerzhafte mühsame Aneignung alter Überlebenstechniken, der Einbruch des zerstörerischen Mann-Prinzips und die langsame Auflösung des kulturell geprägten Ichs in die Archaik sind wunderbar eindrucksvoll festgehalten. Die Geschichte entfaltet sich gemächlich.

    Nun ist "die Frau" Martina Gedeck und der Film ihrer. Sie spricht ständig, was der Stille zuwiderläuft. Der Zuschauer fordert halt Erklärungen, so ist das mit Literaturverfilmungen und mindert den Charme der jeweiligen Genres nicht. Beide stehen für sich. Das Buch zu lesen sei aber trotzdem noch einmal anempfohlen.

    Ohne Mann gibt's auch keine Frau !
  3. #3

    kalter Krieg

    Zitat von zufriedener_single Beitrag anzeigen
    Ohne Mann gibt's auch keine Frau !
    Behauptet Haushofer das Gegenteil? Oder ich.

    Aber der Einbruch der Gewalt durch den Mann, das Töten des Stiers und des Hundes beraubt auch die Frau ihrer Überlebensmöglichkeiten. Den jungen Stier hatte sie insgeheim ja schon als möglichen Besamer ihrer Kuh Bella angedacht, der noch fruchtbaren und milchspendenden Kreatur. Luchs war ihr neben seiner Hundetreue auch die große Hilfe beim Jagen. Ihre Vereinsamung wird noch größer, ihr eigenes Ende rückt näher.
    1963 geschrieben, reflektiert der Roman sicher auch die bleierne Zeit der 50er, den kalten Krieg, die Rückdrängung der Frau an den Herd, deren Depressionen.
  4. #4

    optional

    Ich glaube nicht, dass Haushofer einen "feministischen" Roman schreiben wollte und die "bleinerne Zeit" der 50ger reflektiert. Eher ist der Roman eine Möglichkeit für sie, anhand des Gedankenspiels über das Weltende sich mit ihrer eigenen Krankheit auseinander zu setzen, die sie von anderen trennt, die anfänglichen Versuche, zu hoffen und mit der Diagnose fertig zu werden, die allmähliche Hoffnungslosigkeit, die im Tod des Stiers und des Hundes in eine Symbolsprache gesetzt wird. Alle Schriftsteller, die wirklich gut schreiben, schreiben immer nur ihre eigene Geschichte.
  5. #5

    Entfremdung

    Zitat von karinreske Beitrag anzeigen
    Ich glaube nicht, dass Haushofer einen "feministischen" Roman schreiben wollte und die "bleinerne Zeit" der 50ger reflektiert. Eher ist der Roman eine Möglichkeit für sie, anhand des Gedankenspiels über das Weltende sich mit ihrer eigenen Krankheit auseinander zu setzen, die sie von anderen trennt, die anfänglichen Versuche, zu hoffen und mit der Diagnose fertig zu werden, die allmähliche Hoffnungslosigkeit, die im Tod des Stiers und des Hundes in eine Symbolsprache gesetzt wird. Alle Schriftsteller, die wirklich gut schreiben, schreiben immer nur ihre eigene Geschichte.
    Marlen Haushofers letztendlich tödlicher Krebs kam erst 1966, "Die Wand" wurde 1963 veröffentlicht. Insofern ist Ihre Interpretation gut gemeint, aber nicht schlüssig.
    Der Roman wird zur "präfeministischen" Literatur gezählt. Haushofer war der Zeit voraus. Ihre eigene Geschichte war die einer Schriftstellerin, die sich sehr wohl ans Heim und die Küche gefesselt fühlte und unter Depressionen litt. Die Wand symbolisierte auch die gefühlte eigene Entfremdung zu anderen Menschen. Inspiriert wurde sie von dem utopischen Roman "Die Glasglocke".








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