Najaaaa ... niemand hat die beiden gezwungen. Es hätte auch eine Ampel oder Jamaika werden können, aber man wollte ja nicht. Also hat der Wähler genau das bekommen, das er sich NICHT gewünscht hat, die Große Koalition.
Die "Ähnlichkeit" der beiden Parteien hat aber absolut nichts mit der GroKo zu tun, will ich meinen. Als der große Genosse mit der ruhigen Hand 7 Jahre lang Rot-Grün geführt hat, hatte ich durchaus regelmäßig den Eindruck, von rot angestrichenen CDUlern regiert zu werden. Es gibt da einfach ein paar Dinge, die passen nicht wirklich zur SPD. Zum Beispiel die Anfänge von dem, was heute Schäuble fortsetzt, dem Abbau des Rechtsstaates. Oder die Einführung von Hartz-IV und damit die Abkehr vom Sozialstaat.
Wenn ich heute die GroKo sehe, sehe ich zwar zwei verschiedene Farben, aber nicht wirklich zwei verschiedene Parteien. Beide wollen die neue "Mitte" sein, doch tatsächlich sind beide beträchtlich nach "rechts" abgedriftet. Ist für die CDU besonders kritisch, da sie ohnehin noch nie Mitte war sondern schon immer rechts davon gesessen hat. Zusätzlich zum Konservatismus kommen jetzt noch gewisse "reaktionäre" Gedanken, man will das Rad der Zeit in gewissen Dingen zurückdrehen. Zum Beispiel eben was den Rechtsstaat betrifft. Oder das Internet.
Die SPD dagegen ist eigentlich kurz davor, zerrissen zu werden. Da gibts den linken Flügel, der bestenfalls links der Mitte heranrutschen würde, aber keinesfalls AUF der Mitte sitzen möchte. Und dann gibts noch eben den rechten Flügel, der die Mitte allerdings schon verfehlt hat und nun auf den Plätzen sitzt, die früher mal "CDU-Hintern" ausgefüllt haben. Dazwischen ist eine sehr, sehr schwache mittlere Schicht, die alles irgendwie noch zusammenhält, aber glücklich ist in der SPD niemand über die aktuelle Situation.
Ich will gewiss nicht die SPD tiefrot sehen. Rationalismus sollte schon noch Teil der Partei sein, die nicht ernstzunehmenden Kapriolen der Linken sollten besser eine Ausnahmeerscheinung bleiben. Aber mir wäre es lieber, wenn sich die SPD klar zu "Links" von der Mitte bekennt und das große Experiment abbläst. Die Mitte, das ist einfach nichts bestimmbares, das ist prinzipienloses Wischiwaschi ohne Kontur oder Konsistenz. Beck ist da als absolut durchschnittlicher Politiker, der nur als zweite Wahl in die Position gekommen ist, die er jetzt innehat, praktisch das personifizierte Problem der SPD: Nix ganzes und nix halbes und schön undifferenziert. Das ist nicht wirklich als vorteilhaft zu bewerten.
Was die CDU angeht, sehe ich nur dahingehend eine Hoffnung, wenn Kaliber wie Koch, Schäuble & co in den Ruhestand gehen.



