APEr gilt als radikalliberal, seine Sozialkürzungspläne für Alte und Arme sind hoch umstritten: Paul Ryan, frisch gekürter Vize-Kandidat des Republikaners Mitt Romney, bietet dem Team vom Barack Obama viele Angriffsflächen. Der US-Präsident hat die Ernennung nun erstmals selbst kommentiert.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...849665,00.html
Liberal in den USA meint schon noch etwas anderes als liberal in Deutschland. Ist aber durchaus interessant, dass es mittlerweile auf beiden Seiten des Atlantiks tatsächlich eher ein Schimpfwort ist.
Das ist eine Wortschöpfung, die SPON wohl exklusiv hat. Und ja, dass soll definitiv zum negativ besetzten Kampfbegriff aufgebaut werden.
Was ja wohl der Sinn der Sache ist
In den USA ist ein Liberaler derjenige, der den Märkten freien Lauf lässt und dafür ist, dass alle Waffen tragen dürfen. Ein Sozialist oder Kommunist ist dagegen einer, der genau das verhindern will. Ryan biedert sich beim weit rechten Flügel an (right wing -> next step tea party) und ist somit ein Radikal-Liberaler. Soweit ist die Formulierung schon in Ordnung.
Der Himmel mag verstehen, wieso sich Menschen in diesem zutiefst ideologisch zerrissenen Land um den Posten des Dummy bewerben.
Die erste Amtszeit von Obama hat auf jeden Fall die Mär vom "mächtigsten Mann der Welt" als Fata Morgana entlarvt.
"Liberal" zu sein gilt konservativen Amerikanern als Schimpfwort für Anhänger eines "Wohlfahrtsstaates" (nord)-europäischen Zuschnitts. Dagegen sind "libertäre" und "Anarcho-Kapitalisten" für "free enterprise", d.h. einer Marktwirtschaft ohne Adjektive. Das ist Ausfluss des Gründungsmythos der USA, bei dem sich Individuen ihre Unabhängigkeit von einer Zentralgewalt (Staat) erkämpfen. In Deutschland z.B. sind "Liberale" in der Regel Anhänger einer "Sozialen Marktwirtschaft" (wie groß oder klein man das Wort "Sozial" dabei schreibt ist natürlich für die reale Politikgestaltung nicht ganz unwichtig), d.h. für möglichst freie Marktpreisbildung aber mit sozialpolitischen Ausgleich, damit z.B. auch Arme wenigstens Ansatzweise am sozialen Leben teilnemen können und somit "Freiheitsgrade" generiert werden. Für amerikanische "Libertäre" sind das natürlich nicht zu verstehende Kategorien. Daher fuhr Guido Westerwelle vor der letzten amerikanischen Präsidentenwahl als FDP-Vorsitzender natürlich selbstverständlich zum Parteitag der "Demokraten" und nicht der "Republikaner".
Ryan ist kein "Sparpolitiker" - er ist ein politischer Aktivist, der zwar die Sozialausgaben kürzen will, aber im Gegenzug die Steuerbelastung der Reichen und Superreichen senken und die Militärausgaben massiv erhöhen will. Zwar soll sich das Defizit bis 2040 ausgleichen, doch nur, weil er völlig phantastische Annahmen zum Wachstum einsetzt.
dr.-pangloss hats schon ziemlich genau beschrieben, aber noch mal deutlicher: mit "liberal" meinen die Amis generell die "Linken", Marktkritischen. Und der größtmögliche Gegensatz zum "liberal" über das politische Spektrum hinweg ist der "libertarian", obgleich wir Letzteren bei uns als Steigerung von "liberal" verstehen. Das ist übrigens eine US-amerikanische Spezialität, in England meint man mit politisch liberal auch marktliberal wie bei uns.
Das kommt daher, dass man "Linken" in den USA vor allem auch im Bereich der Gesellschaftspolitik und Sexualethik automatisch liberale Positionen zuschreibt. US-Libertäre teilen diese Auffassungen zwar oft, müssen aber mit dem Bekenntnis dazu vorsichtig sein, weil sie damit leicht Wähler aus dem konservativen Spektrum, mit denen sie eigentlich nur einen Teil ihrer Positionen gemeinsam haben, verprellen.