Es ist nicht nur Bachmann. Es ist ein intellektueller Flachmann, der aus dem Artikel spricht. Dazu passt auch der SPIEGEL-Artikel "Freudlose Clowns", 35/11, Seite 98. Aus dessen Inhalt ist wesentlich mehr abzuleiten.
Die bisher erkennbaren 15 republikanischen Herausforderer, von denen einige als TOP-Favoriten gelten, würden in früheren Zeiten als vollkommen ungeeignet gelten. (SPIEGEL 35/11, S. 99) Bereits 2007/08 zeigte die Kandidatenkür der Republikaner, dass sie erhebliche Mühe hatten, repräsentative Kandidaten zu benennen. Auch jetzt wieder ein ähnliches Bild. Ob Vertreter der nationalistischen Tea-Party-Bewegung oder über jeden Zweifel erleuchtete Evangelikale, das bisherige Jammerbild der Kandidaten ist bezeichnend. Die Demokraten haben Obama mit einer Zustimmung von noch 39 %. Sieht es dahinter mit der Kandidatenqualität wesentlich besser aus als bei den Republikanern?
Einer der 15 ist als Favorit auch Mitt Romney. Ein ehemaliger Gouverneur von Massachusetts. Er trat auch 2008 an und gilt als langweilig, kalt, besserwisserisch und opportunistisch. Ein ernsthafter Bewerber ist auch der texanische Gouverneur Rick Perry. Noch vor 2 Jahren schlug er vor, Texas von den USA zu lösen. Gerne würde er in den offiziellen Schullehrplänen die biblische Schöpfungsgeschichte als naturwissenschaftliche Realität verankern. Michele Bachmann, ebenfalls eine aussichtsreiche Kandidatin, ist auch nach einer Vergewaltigung gegen jede Abtreibung. Sie sperrte sich in der dramatischen Haushaltsdebatte (Ende Juli) gegen jeden Kompromiss. Sie verhielt sich wenig staatsmännisch und mißbraucht jetzt noch die göttliche Gewalt im Wahlkampf. Und da ist noch Sarah Palin, die sich wohl auch für 2012 als Kandidatin erklären wird. Sie führte 2008 einen kläglich missglückten Wahlkampf als Vizepräsidentschaftskandidatin von John McCain. Als Gouverneurin von Alaska trat sie zurück. Obwohl die Liste ihrer Peinlichkeiten legendär ist, wird gemutmaßt, dass ihre Unwissenheit die Sympathien noch erhöhen könnte. Und diese Annahme offenbart ein Kardinalproblem der Demokratie. Denn inzwischen besteht die Gefahr, dass nicht Kompetenz, Wissen und Erfahrung, sondern Unbekümmertheit und pure rücksichtslose Überzeugung in einem Wahlkampf entscheidend werden. Ganz so, wie es uns auch der allgegenwärtige TV-Trash vorgaukelt. Ist es tatsächlich so, dass inzwischen in den USA nur dann ein Kandidat als volksnah und wählbar gelten kann, der nicht viel mehr weis als die, die ihn als Ihresgleichen zu wählen bereit sind? Frei nach dem Motto, ich kann zwar nur bis 10 zählen, aber wer mein Freund sein will, der sollte auch nur bis maximal 11 zählen können. Damit wäre dann Jeder, der mehr weis als seine Wähler bereits sind zu begreifen, oder mangels allgemeiner Bildung können, nicht mehr vermittelbar. Das wäre dann eine Palin-Doktrin. Wenn die Meldungen und Kommentare, die wir in den vergangenen Monaten und Jahren über die USA erhielten, stimmen, wonach das Wissen der dortigen politischen Entscheidungsträger nach unseren Maßstäben nicht ausreichend sein könnte, um als Weltmacht weitreichende Perspektiven zu gestalten, was haben wir dann künftig zu erwarten?
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