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Wahl in Venezuela: Der schwerste Kampf des Caudillo

AFPHugo Chávez regiert Venezuela wie seine private Hacienda - doch damit könnte es bald vorbei sein. Henrique Capriles Redonski schickt sich an, ihm bei der Wahl am Sonntag die Macht zu entreißen. Für den Fall einer Niederlage prophezeit Chávez einen Bürgerkrieg.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-859186.html
  1. #1

    Recht guter Artikel

    Muss ein verhaltenes Lob aussprechen, der Artikel ist recht ausgewogen ausgefallen.

    Kleine Korrektur: Radonski statt Redonski.
  2. #2

    guter Artikel

    Zitat von Bill G. der 2.0te Beitrag anzeigen
    Muss ein verhaltenes Lob aussprechen, der Artikel ist recht ausgewogen ausgefallen.

    Kleine Korrektur: Radonski statt Redonski.
    Nach einigen Fehlinformationen im Spiegel endlich mal eine annähernd korrekte Betrachtung der Situation in Venezuela.
    Man vergass allerdings bei dem Beitrag dass der Führer das Land in unheimlich hohe In-und Auslandsschulden getrieben hat und wenn man den öffentlichen Kontoauszügen nur in den USA von den sogenannten Sozialisten sieht weiss man wo das Geld geblieben ist.
  3. #3

    Kein Diktator?

    Der Putschversuch 1992 und die Manipulationen bei späteren Wahlen und dem Referendum zu unbegrenzten Wiederwahl sprechen eine andere Sprache. An Chavez Händen klebt Blut, die hohe Kriminalität im Land ist seinen Vorbild geschuldet. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.
  4. #4

    Als Venezolaner

    kann ich dies sagen: Chávez hat mehr als einmal gesagt, dass wenn er verlieren würde, ein Bürgerkrieg kommt.
    Er bezieht sich auf die Oppositionellen als "Majunches", was in Slang in Venezuela die Unterlegenen oder Nichtsnutze bedeutet, die "vernichtet werden müssen".
    Sein Bruder, Adán Chávez, sagte, dass wenn die Wahlen nicht helfen, man Gewalt benutzen muss.
    Chávez bleibt bei vielen noch populär, weil die Erdölpreise 10 höher sind als zu seinem Amtsantritt...und Erdölpreise werden durch den Weltmarkt bestimmt.
    Erdölpreise waren das Alpha und Omega in Venezuela. Wir haben seitdem immer höhere Erdölpreise als je zuvor.

    Trotztdem ist die ohnehin schon grosse Korruption so schrecklich geworden, dass Chávez immer höhere Erdölpreise nötig hat, um dieselben chinesische Geräte und ausländische Lebensmittel billig zu verteilen. Und das ist nötig: das Land produziert immer weniger.
    Einige Präsidenten in der Region haben vielleicht ein Interesse daran, dass der Militärführer in Venezuela am Amt bleibt nur, weil mit ihm alle Länder der Region satte Handelsüberschüsse haben. Vor Chávez hatte Venezuela selbst einen leichten Überschuss mit Brasilien, nun importiert Venezuela 5 mal mehr aus Brasilien als es dahin exportiert. In den Neunziger war Erdöl für 80% der Exporte verantwortlich, nun über 97%. Putin wäre auch unglücklich, wenn Chávez verlieren würde: In den letzten 8 Jahren hat Venezuela über 9 Milliarden Dollar in Waffen von Russland gekauft, meistens Flugzeuge und Panzer.

    Gehen Sie zum Site des von der Regierung dominierten Wahlrates Venezuelas (CNE Venezuela suchen) und geben Sie in CI die Identitätsnummer 19777306. Dann 19777305. Es handelt sich um Personen mit demselben Namen - angeblich, aber auch am selben Tag geboren, wie die Daten bei Analyse der Opposition herausgaben. Auf Spanisch haben wir zwei Vor und zwei Nachnamen...Wiederholungen wie diese gibt es 40000. Die sind aber nur die Spitze des Eisbergs bei den Einträgen der Wähler. Wie auch immer...
    Die Mordrate in Venezuela 1998 war 19. Nun ist sie über 65, während die in Kolumbien und Brasilien früher höher waren als in Venezuela und nun niedriger.
    Capriles, der bis jetzt Gouverneur in Miranda war, hat seinen Bundesstaat an der PISA-Studie teilnehmen lassen, die einzige Region Venezuelas, die das tut. Chávez weigert sich, das für Venezuela zuzulassen, denn er zieht es vor, Märchen über Bildung in Venezuela zu erzählen.
    Analphabetismus haben wir immer noch, wie die Zahlen der INE beweisen und kaum weniger als vor 14 Jahren, als wir 7% Analphabeten hatten und 50% von ihnen über 60 Jahre alt waren.
    Ich schreibe etwas darüber, manchmal auch auf Deutsch, unter
    http://venezuela-europa.blogspot.com
  5. #5

    Zitat von Bill G. der 2.0te Beitrag anzeigen
    Muss ein verhaltenes Lob aussprechen, der Artikel ist recht ausgewogen ausgefallen.

    Kleine Korrektur: Radonski statt Redonski.
    naja, geht so.
    es ist ja kein geheimnis, dass die herrschenden des westens lieber den oppositionskandidaten an der macht sehen würden. sie waren es auch, die 2002 den putsch gegen chavez ins rollen brachten. warum, weil chavez begonnen hatte venezolanisches öl dem volk zurückzugeben und zu verstaatlichen. damit hat er natürlich den wunden punkt der amis etc. getroffen. es kann ja auch nicht sein, dass das schöne öl dem venezolanischen volk zugute kommt und der profit nicht in die taschen der westlichen konzerne wandert.
    mit der wahl von chavez wurde ein jahrhunderte lange zeit der gewalt und unterdrückung beendet. was chavez in dieser zeit geschafft hat und für die mehrheit des volkes und insbesondere der indigenen bevölkerung geleistet hat, wäre mit einer regierung die aus statthaltern des westens besteht nie und nimmer passiert, im gegenteil. das noch einiges im kampf gegen armut etc. zu tun ist ist nicht zu bezweifeln. mit dem kandidaten der opposition wird das jedoch nicht getan werden.
  6. #6

    Die Wahl in Venezuela

    ist international von größerer Bedeutung als die Wahl im November um den US-amerikanischen Präsidenten, auch wenn sie nicht dieses Medienecho findet.
    Für Chavez scheint es mir auch eher ein nachteil zu sein, dass aktuell ein eher verhaltener us-amerikanischer Wahlkampf zwischen zwei Moderaten stattfindet. So taugt die USA schlecht als Feindbild, und die Innenpolitik wird selbstverständlich den Ausschlag geben.
    Da hofft dann die ehemalige Mittelschicht auf eine Wende, damit sich im Land wieder etwas bewegt.
    Was hier zusammengebrochen ist in den letzten ca. 20 Jahren ist wirklich schade und ärgerlich. Venezuela war immerhin das Vorzeigeland Südamerikas für viele Jahre in dem es zwar auch sehr viel Armut aber eine Mittelschicht gab, die - wenn auch in maßloser Arroganz - für die Armen etwas getan hat. Das waren zumindest immer meine Eindrücke und die meiner dort ansässigen Verwandtschaft.
    Zerbrochen ist Venezuela nicht mit Chavez, sondern mit Perez. Chavez wurde als Heilsbringer von den Armen gewählt, nachdem Perez die Gesellschaft gespalten hat.
    Nur hat Chavez aus Venezuela eine Art zweites Kuba gemacht, welches trotz der riesigen Bodenschätze nun selbst Versorgungsprobleme hat.
    Sollte Radonski die Wahl gewinnen, wird es wohl einen Aufschwung geben, weil dann wieder im Land investiert werden würde. Aber die Spaltung der Gesellschaft würde das wohl kaum aufhalten.
    Venezuela kam einem früher - zumindest in den Städten - wie eine riesige Telenovela vor. Ob die Leichtigkeit zurück kehrt, lässt sich schwer sagen.
    Es wäre zu hoffen, dass Radonski tatsächlich seine Versprechen einhält, dann wäre sein Wahlsieg sicherlich für das Land die best mögliche Lösung - oder besser: die am wenigsten schlechte.
  7. #7

    Xxx

    Zitat von bicho Beitrag anzeigen
    Nach einigen Fehlinformationen im Spiegel endlich mal eine annähernd korrekte Betrachtung der Situation in Venezuela.
    Man vergass allerdings bei dem Beitrag dass der Führer das Land in unheimlich hohe In-und Auslandsschulden getrieben hat und wenn man den öffentlichen Kontoauszügen nur in den USA von den sogenannten Sozialisten sieht weiss man wo das Geld geblieben ist.
    In der deutschen Presse findet man selten eine objektive Berichterstattung über Venezuela. Also, Glückwünsche für den SPIEGEL:

    Sollte Capriles heute gewinnen, so hat er keinerlei Chance auch wirklich zu regieren. Das Geld ist weg und alle Institutionen - vom Parlament bis hin zum Obersten Gericht - sind in den Händen von Hugo.
    Darüber hinaus hat Capriles versprochen, versprochen, versprochen, was er mit Sicherheit nicht halten kann. Sollte er heute gewinnen,
    in 3 Jahren - nach der Hälfte der Amtszeit - kommt die Abwahl ( Revocatorio ) und Hugo ist zurück.
  8. #8

    In Brasilien wird Heute auch gewählt ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hugo Chávez regiert Venezuela wie seine private Hacienda - doch damit könnte es bald vorbei sein. Henrique Capriles Redonski schickt sich an, ihm bei der Wahl am Sonntag die Macht zu entreißen. Für den Fall einer Niederlage prophezeit Chávez einen Bürgerkrieg.

    Wahl in Venezuela: Chávez droht Niederlage gegen Capriles - SPIEGEL ONLINE
    Henrique Capriles Radonski ist der Abkömmling zweier steinreicher Familien, der Capriles und der Radonskis, die Teil der Oligarchien Venezuelas sind. Der Kandidat der MUD ist der Kandidat dieser Oligarchien und der Interessen der USA in Venezuela, ist von da auch massiv propagandistisch unterstützt worden.

    Im Wahlkampf gibt er sich sozialer als Chávez, alles was früher unerbittlich bekämpft wurde, die Missiones, die Verwendung des Superavit der PDVSA für soziale Zwecke wie den Wohnungsbau ist nun auch Programm von Capriles Radonski.

    Sollte Capriles Radonski als Präsident gewählt werden wird das Superavit der PDVSA wie vor 1999 an die "amigos" verteilt, je nach dem wieviel Einfluss die einzelnen Gruppen aufbieten können.

    Kenne Venezuela gut vor 1999 und danach. Vor 1999 war Venezuela ein trosloses Land mit überwiegend verelendeten Bewohnern und einer dünnen superreichen Oligarchie, die alles beherrschte und hinter hohen Sicherheitsmauern lebte.

    In den ersten Regierungsjahren von Chávez gab es tatsächlich eine Aufbruchs- und Hoffnungsstimmung trotz massiven Boykotts der wichtigen Mittelschicht, die eine Schlüsselstellung in der Versorgung der Bevölkerung hatte was Gewerbe, medizinische Versorgung und Bildung betraf. Diese Schichten dünkten sich immer was Besseres als die, welche politisch durch Chávez vertreten wurde, ein altes koloniales Erbe.

    Einer der Hauptgründe der jetzigen Situation, der überbordenden Slumsiedlungen an den Rändern der Grossstädte, kein Spezifikum Venezuelas, könnte Chávez die Wiederwahl kosten. Wenn es so sein sollte, wenn auch schmerzlich, so dann auch gerecht.

    Nicht nur Chávez, auch Lula, haben eine Chance verpasst, massiv zu versuchen grosse Teile der Bevölkerung, die noch vor 12 Jahren auf dem Lande lebten dort zu halten und zu fixieren. Die Programme, Pläne und die Mittel gab es dazu. Es fehlte der politische Wille sich gegen interne und externe Widerstände durchzusetzen, die Kartelle der Mächtigen in die Schranken zu weisen, Händler, Logistik, Kreditwesen, Bereitstellung von Infrastruktur, wie Elektrizität, Transport, Krankenversorgung, Bildung usw.

    Meine Frau, die im Norden Brasiliens lebt, 30 Jahre lang für diese Ziele gearbeitet hat immer "militante" des PT später der PSOE war, mir Vorgestern erklärte, dass sie Heute in das Fischerdorf ihrer Vorfahren reisen würde, weil sie nicht an der Wahl Teilnehmen würde, vollkommen desillusioniert von Korruption und Misswirtschaft. Ach ja, in Brasilien wird heute auch gewählt. Interessiert niemanden mehr, wen man auch wählt, es kommt immer dasselbe dabei raus.
  9. #9

    Erdölpreis, Erdölpreis

    Das fühlt Ihre Deutsche kaum. Der Erdölpreis ist der Grund, warum der Caudillo noch da ist. Dennoch: sein Kumpel Ramírez, Präsident der Erdölgesellschaft, hat Freunde von ihm als Vermittler für das Mieten einer Bohrinsel benutzt, die Aban Pearl. Diese Freunde haben Venezuela die Insel für das Doppelte vermietet, was der Marktpreis sagt. Damit musste mein Land - also auch all die Armen - 500 Millionen Dollar mehr bezahlen. Das ist nur ein Beispiel von Tausenden. Wenn ein Fass Erdöl für mehr als $50 verkauft wird, schickt Chávez das an FONDEN, Fonds für die nachhaltige Entwicklung. Das Geld kann er ohne jegliche Kontrolle der Nationalversammlung verwendet. Unter anderen hat er damit Milliarden Dollar an Russland für Waffen gegeben. Das steht sogar in offiziellen Seiten der russischen Banken online - Geld der nachhaltigen Entwicklung für Waffen. Das Geld wird auch für Projekte der Chavez-Familie und ihrer Freunde gegeben. Das Volk kriegt die Almosen. Nur sind diese Almosen grösser als zu den Zeiten als der Erdölpreis zwischen 9 und 14 Dollar schwankte, nämlich in den 10 Jahren vor seinem Amtsantritt.


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