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Vorwürfe gegen Marseille-Kliniken: AOK prüft Betrug bei Pflegeleistungen

dapdDie AOK Sachsen-Anhalt prüft, ob Hilfskräfte in einem Heim der Marseille-Kliniken Pflegeaufgaben übernommen haben, die eigentlich von Fachpersonal hätten durchgeführt werden müssen - und die dann falsch abgerechnet worden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...828243,00.html
  1. #1

    Privatisierung

    Was haben sich die Krankenkassen erwartet?
    Natürlich wird gelogen und betrogen, so gut wie es eben geht.

    Die Pflegefirmen wollen nur das Beste für ihre Klienten.
    Und das ist eben keine optimale Pflege sondern der größtmögliche monitäre Gewinn.

    Aber .. die san ja ausm Osten ...
  2. #2

    Das ist die Realität...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die AOK Sachsen-Anhalt prüft, ob Hilfskräfte in einem Heim der Marseille-Kliniken Pflegeaufgaben übernommen haben, die eigentlich von Fachpersonal hätten durchgeführt werden müssen - und die dann falsch abgerechnet worden.

    Vorwürfe gegen Marseille-Kliniken: AOK prüft Betrug bei Pflegeleistungen - SPIEGEL ONLINE
    Dann schauen wir uns halt mal den Ablauf einer Frühschicht auf einer Dementenstation mit ca. 40 Bewohnern an:

    Wenn es gut läuft haben wir 5 Pflegekräfte zur Verfügung (eher 4,5, eine geht um 10). Normalerweise waren wir zu viert. Davon ist eine Fachkraft (die Schichtleitung) und 3 Hilfskräfte. Die Bewohner werden unter den Mitarbeitern aufgeteilt und um 6.30 geht die Grundpflege los.
    Jeder hat ca 10 Bewohner bis zum Frühstück zu waschen. Davon sind auch 1-2 zu duschen. Frühstück gibts um 9, bis dahin sollte man durch sein mit der Pflege.
    Auch die Fachkraft muss Bewohner pflegen. ALlerdings muss sie auch noch Medis richten, ans Telefon gehen, evtl. Arztbesuche begleiten usw.
    Und jetzt soll ich mitten in der Grundpflege rausgehen und die Fachkraft holen, damit sie meinem Bewohner die Kompressionsstrümpfe anzieht. Das klappt in der Realität nie. SOll sie ihren Bewohner in der Dusche sitzen lassen?

    Und das Medi verteilen. Ich reiche einem Bw im Zimmer sein Frühstück. Dabei muss ich ihm auch seine Medis geben. WIder kann ich die Fachkraft nicht von ihrer Arbeit einfach wegholen. Sie sitzt ja auch nicht faul herum.

    Und dann kommt die Krux. Wenn ich das abzeichne steigt der MDK uns aufs Dach. Wenn sie das abzeichnet ist es gelogen. Und jetzt?

    Es ist eine einzige Rennerei und dabei wollen wir ja für die Bewohner da sein. Die einzige Lösung wäre eine bessere Personalaustattung. Dafür gibts kein Geld.

    Aber es wird eh noch sschlimmer in der Pflege werden. Und wir alle werden alt.

    Viel Spass ...
  3. #3

    Natürlich reizen die an legalen und illegalen Mitteln aus, was geht, um den größtmöglichen Gewinn abzuzocken.

    Ich habe Kontakte zu Pflegekräften in einigen Heimen, und überall wird getrickst und betrogen. Wenn ich dann höre, dass die Kontrollen des medizinischen Dienstes mit vorheriger Anmeldung UND sogar noch mit Nennung der zu prüfenden Bewohnerakten erfolgen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Da weiß die Heimleitung eine Woche vorher, dass eine Prüfung der Personen A, B und C erfolgt. Also werden die Unterlagen genommen und Einträge zu (nicht erbrachten) Pflegeleistungen hineingeschummelt, damit alles gut aussieht. Die entsprechenden Zimmer werden auf Vordermann gebracht, so dass alles blitzt und glänzt.

    Danach hat man dann wieder einige Zeit Ruhe und kann die Leistungen nach Lust und Laune abrechnen.
    Wieso hier nicht unangemeldet und mit zufälliger Stichprobe vor Ort agiert wird, kann ich nicht nachvollziehen.
    Dies betrifft zwar sicherlich nicht alle Heime, insbesondere gemeinnützige Wohngruppen verhalten sich besser. Aber viel zu oft geht es nur danach, so wenig auszugeben wie möglich, um maximalen Gewinn zu erwirtschaften. Leider ist die Kontrolle der zu erbringenden Mindestleistungen eine absolute Katastrophe.

    Aber das betrifft ja nicht nur Pflege und Gesundheit, sondern auch Lebensmittelindustrie und viele andere Bereiche :-(
  4. #4

    Geld bleibt bei den Versicherungen

    Die Krankenkassen bestimmen den Kostensatz.
    Die Krankenkassen behalten das meiste Geld für sich.
    Die Krankenkassen bezahlen ihren Angestellten weit mehr, als die ausführende Pflegekraft am Patienten die eine weit verantwortungsvollere Aufgabe hat.

    Jeder Müllmann (geniesst bei mir höchstes Ansehen) bekommt mehr Lohn als eine Krankenschwester und nein die meisten Pflegeheime haben keinen Tarifvertrag der sich am Öffentlichen Dienst orientiert.
    Sie könnten es auch nicht weil siehe oben (Punkt 1)

    Ich dachte immer die Nachfrage bestimmt den Preis.
    Aber stimmt, ich habs vergessen. Wir leben nur in manchen Bereichen (Versicherungen/Banken) in einem Kapitalismus.

    Entschuldigung hab die Bankenrettung vergessen. Also da auch nix mit Kapitalismus. Geld gibts nur für die, die Geld haben.
    Das hat schon mein Opa gesagt ....
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die AOK Sachsen-Anhalt prüft, ob Hilfskräfte in einem Heim der Marseille-Kliniken Pflegeaufgaben übernommen haben, die eigentlich von Fachpersonal hätten durchgeführt werden müssen - und die dann falsch abgerechnet worden.

    Vorwürfe gegen Marseille-Kliniken: AOK prüft Betrug bei Pflegeleistungen - SPIEGEL ONLINE
    "Wer hat das mit der Überweisung an den MDK-Gutachter versaut?!!!1elf"


    Nee, mal im Ernst. In welchem Pflegeheim werden keine Aufgaben rechtswidrig deligiert? Wollen die Kassen das wirklich finanzieren, was sie hier fordern? Als examinierte und in der akademisierung befindliche Pflegekraft fände ich es persönlich gut. Aber alle wissen doch wie die Realität aussieht, nur die AOK tut so als würde sie plötzlich einen enormen Skandal aufdecken.

    Macht euch lieber mal Gedanken darüber, dass in manchen Kliniken ärztliche Aufgaben ans Pflegepersonal übertragen werden. Dass das Pflegepersonal auf Intensivstationen in der Provinz selbstständig das Beatmungsgerät einstellt, ohne einen Arzt zu holen, und ohne entsprechende Zusatzqualifikation (Atemtherapeut).

    Dem Pflegepersonal werden diese Aufgabe aufgedrückt, manche junge Kollegen sind sogar stolz darauf, wenn sie immer mehr ärztliche Aufgaben übernehmen können. Andererseits bekommen wir dafür kein bißchen mehr Lohn, und bei manchen Sachen sind wir auch kaum noch haftungsrechtlich geschützt, weil es schwer fällt die Qualifikation für diese Sache nachzuweisen, oder entsprechendes Weiterbildungszertifikat. Mehr Verantwortung, größere rechtliche Gefahr für einen selbst, falls doch mal was passiert, und Fehler können immer passieren, kein Mensch ist ein Roboter, und effektiv kein bißchen mehr Gehalt.

    Je länger ich den Job mache, desto weniger giere ich danach Aufgaben zu machen, die eigentlich in den Arztbereich fallen, und bin froh wenn ich sagen kann: "deine Aufgabe", und mich um meine Sachen kümmere.

    Und genauso sollten die Hilfskräfte eine Grundhaltung entwickeln und sagen: "Grundpflege, dafür hab ich ne Ausbildung, aber wenn ich Tabletten reiche, oder den Blutzucker messe, dafür kann ich keine Ausbildung nachweisen, und selbst wenn ich das kann, es kann immer was schiefgehen, und angenommen ein Angehöriger der klagewillig ist, beobachtet das, da hab ich ein riesen Problem. Ich würde das lieber nicht machen."

    Examinierte Pflegekräfte stehen nicht mit einem Bein im Knast, für einen normalen Kunstfehler, wenn sie nicht grob fahrlässig handeln, und eine Ausbildung nachweisen können, also dass sie die fachliche Befähigung hatten.

    Ich denke, sobald die 68er Generation in großem Maß pflegebedürftig werden, werden wir wesentlich selbstbewusstere, anspruchsvollere Kunden bekommen.
  6. #6

    Zitat von hotzenplotz5 Beitrag anzeigen
    Jeder Müllmann (geniesst bei mir höchstes Ansehen) bekommt mehr Lohn als eine Krankenschwester und nein die meisten Pflegeheime haben keinen Tarifvertrag der sich am Öffentlichen Dienst orientiert.
    Sie könnten es auch nicht weil siehe oben (Punkt 1)
    Sie müssen das differenziert betrachten. Die Gehälter in der Pflege für die examinierten Kräfte steigen. In Funktionsbereichen (OP,Intensivstation,Herzkatheterlabor) sind die Kräfte so rar, dass man schon sehr gute Löhne raushandeln kann. Ich kann mich als Pfleger auf einer Intensivstation nicht beschweren, es ist im Moment ein Arbeitnehmer-Markt (Deutsches Ärzteblatt: Tarifabschluss fr das Uniklinikum Leipzig).

    Dadurch dass ich keine unbezahlten Überstunden machen muss, wirklich nur 30h die Woche, und viel steuer- und sozialabgabenfreie Nacht- und Sonntagsschichten, hab ich effektiv ca. den gleichen, bzw. leicht höheren Netto- Stundenlohn wie ein Assistenzarzt. Er bekommt am Monatsende mehr, hat aber auch eine 50-60h-Woche und mehr Verantwortung.

    Den Job in einem Pflegeheim oder auf einer Normalstation würde ich aber für die Kohle nicht mehr machen wollen. Die finden aber auch immer weniger Personal.
  7. #7

    Und zum Thema Tablettenreichen: manchmal ordnen Ärzte wirklich hochgefährliche Kombinationen an. Wir staunen da manchmal im KKH ob die ihre Patienten umbringen wollen.
    Falicard/Verapamil in Kombination mit einem hochdosierten Beta-Blocker (Metoprolol/Beloc) bei einem Patient mit fortschreitender Niereninsuffiziens.

    Von einer examinierten Pflegekraft wird z.B. erwartet, dass sie unsinnige oder gefährliche Anordnungen erkennt, und diese erstmal nicht ausführt und beim Arzt nachhakt. Eine examinierte Pflegekraft darf sogar, wenn sie der Meinung ist, eine Maßnahme ist wieder alle ärztliche Kunst, die Ausführung der Maßnahme verweigern, und das Medikament dem Arzt selbst in die Hand drücken und sagen: du darfst es geben. (Remonstrationsrecht)

    Man muss immer bedenken, selbst Tabletten stellen und dem Patienten anreichen, ist prinzipiell eine ärztliche Tätigkeit. Die wurde ans examinierte Personal deligiert, Vorraussetzung ist aber dass man sich mit den Medikamenten auskennt. Das einfach weiter zu deligieren an Hilfskräfte ist nicht rechtens. Und jede Hilfskraft sollte sich mal überlegen was sie da macht, ob sie gefährliche Wechselwirkungen erkennen könnte.
  8. #8

    Zitat von Ingmar E. Beitrag anzeigen
    Sie müssen das differenziert betrachten. Die Gehälter in der Pflege für die examinierten Kräfte steigen. In Funktionsbereichen (OP,Intensivstation,Herzkatheterlabor) sind die Kräfte so rar, dass man schon sehr gute Löhne raushandeln kann.
    Darf ich mal fragen in was für einem Haus sie arbeiten? Rund um meine Stadt gibt es neben der Uniklinik fast nur Häuser mit kirchlichem Träger. Ich habe selbst nicht in der Funktion gearbeitet. Aber persönliche, erhandelte Stundenlöhne sind mir bisher neu.
    Einzig das "Rauskaufen" aus laufenden Verpflichtungen durch Fachweiterbildungen war mir bisher bekannt.

    Vielleicht sollte ich mal über einen Ortswechsel nachdenken. ;-)
  9. #9

    Zitat von miruwa Beitrag anzeigen
    Darf ich mal fragen in was für einem Haus sie arbeiten?
    Für mich gilt der Tarifabschluss, den ich verlinkt hatte. ;)

    Persönliches Verhandeln ist immer da möglich, wo es keinen Haustarifvertrag gibt und wo nicht TV-ÖD oder TV-L gilt.
    Aber auch wo die gelten, kann man durchaus verhandeln, in welcher Entgeltgruppe man einsortiert wird. Üblichweise wird man in Funktionsbereichen eine oder zwei Entgeltgruppen über Normalstation liegen.


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