Forum: Blogs
Vorwürfe gegen Ikea: DDR-Zwangsarbeiter sollen Billy produziert haben
REUTERSDie schwedische Möbelhauskette Ikea will mit Hilfe der Stasi-Unterlagenbehörde klären, ob bei Auftragsarbeiten in der ehemaligen DDR politische Gefangene für Zwangsarbeit eingesetzt worden sind. Der schwedische Fernsehsender SVT will entsprechende Beweise gefunden haben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...830694,00.html
- #10 30.04.2012 19:12 von
- #11 30.04.2012 19:12 von
nene
..........
Schade, daß dieses traurige Thema auf diesen Randbereich reduziert wird. Denn DDR-Waren wurden in der BRD breit vertrieben, insbesondere die Versandhäuser wurden mit Textilien und Möbeln geradezu geflutet und alle freuten sich über die niedrigen Preise.
Aber die DDR brauchte Devisen und deswegen hatte der ganze geheime Export System, von durchaus normal bezahlten Arbeitnehmern bis hin zu Sträflingen, die diese Arbeiten absolvieren mußten.
rabenkräheGeändert von ( um Uhr)
Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen..... - #12 30.04.2012 19:24 von
- #13 30.04.2012 19:26 von
Das neue daran ist ja wohl weniger, das 'Billy' in DDR-Gefaengnissen zusammengeschraubt wurde, sondern das 'eventuell' politische Gefangene' daran beteiligt waren.
Hatten die auch 'nicht politische' Gefangene? Ich meine, in nennenswerter Zahl? Nach unserer Lesart waren doch knapp 17 Millionen politische Gefangene in der DDR, teils in Gefaengnissen, teils im offenem Strafvollzug, oder? - #14 30.04.2012 19:28 von
das kann nicht sein, die Ossis warn doch alle doff, sagten die Wessis und man hat nur Schrott hergestellt, den sie nach der Wende "entsorgt" haben, die guten Industriellen - da muss sich IKEA bestimmt irren. Küchenmöble aus Radeberg im Neckermann-.Katalog, Kaffeemaschinen, Toaster... na so was, da sind die Ossis doch nicht so bekloppt, wie der Saubermann aus der BRD - der vereinten Wirtschaftszone oder auch ein "Zoni"?
- #15 30.04.2012 19:46 von
45456456
Na ja, war nicht geheimer als vieles andere. Es wurde nicht an die große Glocke gehangen, aber es gab sehr begehrte sogenannte "Exportrückläufer" also das was Quelle nicht los wurde, ganz offiziell im Handel. Was haben wir uns aufgeregt über die Verschleuderung von Werten. Wenn ich daran denke, daß in dem Bereich gar nicht mehr von Gewinn, sondern von "Devisenrentbilität" gesprochen wurde. Und wenn mit dem Aufwand von 5 Ostmark eine D-Mark erwirtschaftet wurde war das gut. Vieles wurde auch einfach unter Wert verkauft. Da gab es die exzellente Glashütte Spezichron unter dem nichtsagenden Label Meister-Anker, die im Inland dringend benötigten Robotron K6311/12/13 gab es für Spottpreise als "Präsident-Drucker". Ein Problem der DDR war, daß der ständig kompensierte Minderwertigkeitskomplex verhinderte, daß da was anderes als me-to-Produkte raus kamen. Nein, nicht geheim, wusste jeder.
Aber das ist relativ normal, wenn man nicht Arbeit sowieso als Zwangsarbeit ansieht, ist die Tätigkeit in einer Exportfirma nicht verwerflich.
Aber die Beteiligung an Zwangsarbeit für, nach heutigem Rechtsverständnis, aber auch nach den damaligen Rechtsverständnis vieler DDR-Bürger, unrechtmäßig eingesperrte muß thematisiert werden. Schuld ist IKEA natürlich nur sehr indirekt. Da bei den Kosten für Häftlingsarbeit vermutlich die erhöhten Kosten für Bewachung mit angesetzt wurden, war das vermutlich auch nicht billiger. Ausserdem hatte IKEA gar keinen Zugriff auf einzeln verhandelte Preise einzelner Zulieferer, das machte ja zentral der Aussenhandel.
jedenfalls Respekt, daß IKEA nicht abwiegelt, das wäre in diesem Fall wirklich einfach, sondern die Sache ernst nimmt.
Wobei die IKEA-Aufträge ganz sicher nicht ursächlich für Haftstrafen waren, so war die DDR einfach nicht gestrickt. In der Großen Ruhmreichen war die Lage anders, da gab es zuweilen Planvorgaben für Verhaftungen.
Aber - #16 30.04.2012 19:52 von
- #17 30.04.2012 21:13 von
Nö, so kann man sich nicht rausreden. Wer Aufträge in den Ostblock vergeben hat und sich nicht einmal Gedanken macht, wenn diese von Gefangene ausgeführt wurden, dem ging ein einfach nur um den schnöden Mammon. Ist aber auch nichts anderes, wie Lidl oder KIK, deren Arbeiterinnen in Bangladesch nicht wirklich von dem Lohn leben können.
Klar redet da niemand von, weil es keine politischen Gefangenen sind. Wer gegen $ 130 verstößt, der begeht vielleicht aus seiner SIcht eine politisch motvierte Straftat, mehr nicht.In der BRD redet auch keiner von politischen Gefangenen, wenn die wegen Volksverhetzung u.ä. einsitzen. Wen der Vergleich stört, dann stört ihn eine hineininterpretierte Wertung - juristisch sieht der Sachverhalt gleich aus. - #18 30.04.2012 22:05 von
gerne zeuge
von 1983 bis 1984 kann ich bezeugen, das ich als politischer häftling in naumburg (ddr) genötigt wurde für ikea und quelle zu arbeiten. Mit vergitterten bussen wurden wir täglich in die sogenannte mewa eins bis mewa vier gebracht, werkshallen ohne fenster und unglaublichem lärm. Riesige stanzen von 1912, an denen jegliche sicherheit abgebaut wurde, weil die maschinen sonst die norm nicht schafften.
Wie uns ein zivilmeister verriet, war die häftlingsnorm die wir einhalten mussten um keine sanktionen zu bekommen, 250% der zivilnorm. Es gab maschinen die diese norm trotz pausenlosem durcharbeiten nicht schafften. Fiel man in "ungnade", setzten die schliesser einen ausschliesslich an diese maschinen, damit man die norm nicht schafft. Strafe war dann die streichung der einen stunde sprecherlaubniss im monat mit seinen angehörigen, oder schreibverbot ect.
Für ikea wurden dort büromöbel wie drehstühle hergestellt, die man im osten nie zu sehen bekam. Für quelle wurde spielzeug in akkord verpackt, was wir von den verpackungen her wussten, die mal versehentlich durch die werkshallen getragen wurden.
Weder quelle noch ikea haben sich je dafür entschuldigt, geschweige mich angemessen bezahlt. Damals war ich 22 jahre alt und bekam vierzehn monate knast, weil ich flugblätter gegen die nuklearrüstung in ost und west verfasst hatte. Nach zehn monaten kaufte mich der westen frei und rehabilitierte mein politisches urteil.
Wenn ihr zeugen sucht, stelle mich gerne zur verfügung. - #19 30.04.2012 22:08 von
Das gibt es heute noch im Raum Bielefeld
In Ostwestfalen/NRW gibt es die JVA Bielefeld mit ca.20 Aussenlagern(Boke,Herzebrock,Verl,...).Dort sind JVA-Insassen im sogenannten Offenen Vollzug untergebracht. Ich selbst durfte dort 2007 für 70€ im Monat(!) 8 Stunden täglich für einen bekannten Grossschlachthof in Harsewinkel arbeiten. Dann wurde ich an eine Baufirma vermittelt. Dort bekam ich 90€/Monat, sowie jeden Freitag von dem dortigen Chef 1 Päckchen Tabak.
Als ich mich weigerte, wieder in den Schlachthof zurückzukehren(20000 Schweine täglich) wurde mir der Wochenendausgang gestrichen(3Stunden Samstags in Delbrück,wow).
Als ich es mit dem dortigen JVA-Leiter dann endgültig versch.... hatte, bin ich lieber wieder freiwillig zurück in den geschlossenen Vollzug.Obwohl mir das meine Beurteilungen für weitere Lockerungen kaputt gemacht hat.
Ich hatte ihm übrigens gesagt, dass ich kein Zwangsarbeiter bin und dass mir bestimmt kein Beamter erklären muss, was Arbeiten ist(bin seit 25 Jahren berufstätig und habe leider einmal Mist gebaut).
Das ganze nennt sich dann Resozialisierungsmassnahme, worüber sich die ortsansässigen Firmen bestimmt freuen, weil sie billige Arbeitskräfte bekommen.
Darüber regt sich bloss niemand auf, weil Strafgefangene nun mal in Dtl keine Lobby haben und sowie selbst Schuld sind an ihrer Lage. (Das hat der durchschnittliche, unpolitische DDR-Bürger damals bestimmt auch gesagt.)
Unterlagen sind übrigens noch vorhanden, falls jemand meint, ich würde hier irgendwelche Stories erzählen.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

