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Vorgefiltertes Netz: Wie Facebooks nette Welt uns entmündigt

DPAFacebook, Twitter, Google+: Die Filter-Mechanismen der sozialen Netzwerke blenden Themen unserer Gesellschaft aus, die wichtig, aber zu komplex für schnelle, eindeutige emotionale Reaktionen sind. Dieses Phänomen bedroht den politischen Prozess.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...814046,00.html
  1. #10

    'entmuendigung'

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Facebook, Twitter, Google+: Die Filter-Mechanismen der sozialen Netzwerke blenden Themen unserer Gesellschaft aus, die wichtig, aber zu komplex für schnelle, eindeutige emotionale Reaktionen sind. Dieses Phänomen bedroht den politischen Prozess.

    Vorgefiltertes Netz: Wie Facebooks nette Welt uns entmündigt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    es gab eine zeit, in der die themen und der inhalt des 'oeffentlichen diskurses' ausschliesslich von einer kleinen gruppe von redakteuren diktiert wurde (die zudem direkte wirtschaftliche interessen bzgl. dieses diskurses und z.b. seiner werbefinanzierung haben).

    zu diesem diskurs tritt jetzt ein zweiter halb-oeffentlicher hinzu, indem freunde, bekannte und kollegen sich ueber frei gewaehlte themen frei austauschen und auch auf beitraege dritter aufmerksam machen koennen.
    das zu einer 'entmuendigung' umzudeuten ist, aeh - gewagt.

    jegliche beschneidung - sowohl der themen als der gespraechspartner - ist selbst gewaehlt. ich bezweifle, dass die neigung sich dabei an eher bekanntes zu halten so neu ist. der analoge stammtisch in der kneipe um die ecke, die diskussionsrunde des asta, der parteitag etc., etc. - nichts davon hat sich jemals durch meinungsvielfalt hervorgetan. und das (ausgerechnet) redaktionell geleitete medien sich durch ihre buntheit hervortun, halte ich auch fuer eine steile these. der taz-leser wirft in der regel doch keinen blick in die faz und umgekehrt. und waehlt so eine bestaetigungsspirale gleich derjenigen, die wir in unserem stromlinienfoermigen sozialen umfeld finden.

    und das traditionelle medien in der themenauswahl mutiger oder relevazorientierter sind, waere auch erst zu zeigen. vorausgesetzt obdachlosigkeit ist tatsaechlich ein unterrepraesentiertes thema in sozialen netzwerken (ist es das? woher weiss der autor das? wie repraesentiert sollte es seiner meinung nach sein?) - wie haeufig war es titelthema z.B. des spiegels?
    und abschliessend: waere der faire vergleich zwischen redaktionell bearbeiteten medien und sozialen netzwerken nicht der innerhalb digitaler formate?
    ausgerechnet in spiegel online ein lamento ueber emotionalitaet als kriterium in der themenauswahl zu lesen ist schon bizarr.
    kulturpessimismus als selbstzweck ist doch doof.
  2. #11

    Böses Facebook

    Der Artikel scheint mir etwas an den Haaren herbei gezogen und leicht paranoid. In den 70ern hat die Zwangsinformation doch nur funktioniert, weil der Bürger mit 3 TV-Programmen leben musste. Da war die Chance einfach höher, dass er mal bei der Tagesschau hängen blieb - am Kiosk konnte er sich aber auch schon entscheiden, ob nun ein Comic Heft oder die SZ gekauft wird. Seit vielen Jahren ist es doch völlig einfach den Problemen dieser Welt aus dem Wege zu gehen, dieses Fakt kann man Facebook nicht zuschreiben - im Gegenteil: ich habe nun die Möglichkeit mein Unterhaltungsbedürfnis mit Informations-Streams anzureichern, ob diese streams nun vom Spiegel, von der Bunten, einer Hilfsorganisation oder von Abgeordneten des Bundestags abonniert werden ist doch jedem selbst überlassen. Ich belasse in meinem Freundeskreis z. B. sehr bewußt einen sehr engagierten Abgeordneten der Linken, der mich zuweilen mit seinen Thesen nervt, aber so habe ich direkte Einsicht in das Denken dieser Partei. Man sollte die User nicht für dümmer halten als sie sind, natürlich wäre es besser den "Like" button z. B. "Interessant" zu nennen, aber ich denke er wird vielfach auch schon so genutzt.
  3. #12

    emotionale Welt

    Spon sollte sich lieber an die eigene Nase fassen:

    Besonders emotionale Geschichten gedeihen in der Filter Bubble. Eine Studie der Wharton School, die sich die am häufigsten weitergeleiteten Nachrichten auf der "New York Times"-Liste angesehen hat, ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Geschichten, die starke Gefühle wecken - Schrecken, Angst, Wut, Freude -, am ehesten weitergegeben werden. Wenn das Fernsehen uns eine "gemeine Welt" gibt, schenkt uns die Filter Bubble eine "emotionale Welt".
    Tja, die Fotos auf Spons Hauptseite werden auch immer grösser, Text und Bild versuchen immer stärker zu emotionalisieren. Und wie sieht es mit der Berichterstattung aus? Die Themen folgen nur noch dem Mainstream, über reale Probleme in dieser Welt (Dritte-Welt) wird kaum berichtet, dafür umso mehr über Facebook und Co. Dem Leser wird so eine extrem verzerrte Welt dargeboten.
  4. #13

    Zitat von pepito_sbazzeguti Beitrag anzeigen
    Was ich mich immer wieder frage: Wird jemand gezwungen, sich bei diesem Stuss anzumelden?
    Oder in dem Kontext treffender gefragt: Sich darauf zu beschränken? Der Artikel suggeriert ja geradezu, dass das Internet plötzlich auf Facebook eingedampft wurde und es keine anderen Wege mehr zu Informationen gäbe. Was natürlich Quatsch ist.

    Wer ein ernsthaftes Interesse an manchen Dingen hat wird sich kaum auf ein Social Network beschränken, um dieses zu befriedigen. Im Gegenteil, jedem halbwegs gebildeten Menschen ist doch klar, dass die durchschnittliche Qualität von Informationsverbreitung auf einem Kanal wie Facebook dem der guten alten Rundmail entspricht: Primär lustige Bildchen, seichte Witze und etwas Tierschutz-Agitprop. Je nach "Freundeskreis" verirrt sich natürlich auch mal was interessantes darunter. So oder so hindert einem das nicht im geringsten, sich weiterhin auf News-Seiten, Blogs und Co. zu informieren.

    Deshalb ist die Prämisse des Artikels doch letztlich verkehrt: Man wurde noch nie einfach so passiv mit interessanten Themen jenseits des Infotainment-Mainstreams gefüttert. Das musste man immer aktiv suchen. Wenn der eigene Horizont aber bei RTL aufhört und sich auch die "realen" Freunde nur übers Dschungelcamp unterhalten dringt mit oder ohne Facebook nichts in die "Filter-Bubble" ein. Und selbst wenn, dann besteht halt schlicht kein Interesse..
  5. #14

    Meinungsbildung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Während wir uns früher auf menschliche Redakteure verließen, die uns auf diese wesentlichen Probleme aufmerksam machten, sinkt deren Einfluss immer mehr.
    Auch wenn ich diese Sichtweise aus der Richtung eines Printmediums verstehen kann, sieht die Realität inzwischen doch ein bisschen anders aus.
    Heute ist die Vorfilterung für manche Facebook, gestern wars der Bildzeitungsredakteur. Da kann man jetzt herrlich drüber streiten was besser/schlechter ist.

    Fakt ist, auch die Filterung der Printmedien versagt in manchen Themenbereichen ziemlich kläglich. Nur mal als Beispiel, wenn man sieht wie lange ACTA schon in diversen blogs und Newsaggratoren diskutiert wird und wann die klassischen Medien mit der Berichterstattung begonnen haben erkennt man schnell, auch da liegt einiges im Argen. Skandale werden immer seltener von investigativem Journalismus und immer häufiger von bloggern aufgedeckt.

    Ich sehe Facebook daher nicht als neue Gefahr, sie substituiert nur das alte Problem. Wer früher nur Bildzeitung gelesen hat war nicht ausreichend informiert, so wie man heute nicht ausreichend informiert ist wenn man seine Weltsicht ausschliesslich aus Facebook bezieht.
    Ein bisschen Eigeninitative zur Meinungsbildung muss sein, die Hürden heute zu vielschichtiger Information sind aber deutlich niedriger wie noch vor 20 Jahren. Und das ist durchaus positiv zu sehen.
  6. #15

    Noch nicht

    Zitat von pepito_sbazzeguti Beitrag anzeigen
    Was ich mich immer wieder frage: Wird jemand gezwungen, sich bei diesem Stuss anzumelden?
    Noch nicht.
  7. #16

    titel

    Zitat von xjazz Beitrag anzeigen
    Der Artikel scheint mir etwas an den Haaren herbei gezogen und leicht paranoid.
    Nun ja. Ich glaube auch, dass 90% der Internet-Nutzer die vielfältigen Informationsmöglichkeiten tatsächlich nur dazu nutzen, dass eigene Weltbild zu untermauern. Man liest zwar 100 Blogs (mehr oder weniger), aber nur "Gleichgesinntes". Da ist man auch schön unter sich. Wirklich ergebnisoffenes Recherchieren oder "Meinung bilden" ist aber eher eine Frage der Geisteshaltung und nicht der Technik. Das tun - damals wie heute - wohl wirklich nur die wenigsten. Richtig ist aber, dass man das heutzutage dank Filtertechniken etc. noch viel weniger merkt. Dazu gab es ja auch schonmal eine Kolumne von Sascha Lobo (Hurra, die ganze Welt ist meiner Meinung - oder so ähnlich...).
  8. #17

    Zeitschriften und Leserbriefe

    Ich weiß momentan auch noch nicht, ob ich das mit der eingeschränkten Sichtweise so verurteilen soll.

    Oft lese ich die Kommentare der Leser bei SPON, FAZ und Zeit. Dabei ist mir aufgefallen, dass hierbei besonders die Kritiker sich zu Wort melden.

    Neuestes Beispiel war für mich Gauck.
    Bei der ersten Nominierung waren die Leserbriefschreiber überwiegend pro Gauck.
    Jetzt, bei der 2 Kür, kommen auf einmal sehr viele Kritiker von Gauck "aus der Versenkung":
    Für mich heißt das, dass sie "aktive", weil schreibende Leserschaft, sich meistens aus Kritikern der Artikel rekrutiert.
    Eine representative Meinung kommt hier auch nie zustande.
  9. #18

    Wenn jemand tatsächlich sein Weltbild aus Gesichtsbuch, Twitter und co. ziehen sollte, ist dieser Person sowieso nicht mehr zu helfen.
    Ich fühle mich durch Gesichtsbuch nicht entmündigt, ebensowenig durch Twitter. Einfach deswegen, weil ich diesen Unsinn nicht nutze.
    Sowohl das Internet als auch die "reale" Welt bieten zahllose Möglichkeiten zur Information. Man muss diese lediglich nutzen.
    Es wundert mich nur, dass auch SPON scheinbar auf diesen Zug aufgesprungen ist und diesen ganzen Blödsinn fest in die eigene Seite integriert hat.
  10. #19

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Facebook, Twitter, Google+: Die Filter-Mechanismen der sozialen Netzwerke blenden Themen unserer Gesellschaft aus, die wichtig, aber zu komplex für schnelle, eindeutige emotionale Reaktionen sind. Dieses Phänomen bedroht den politischen Prozess.

    Vorgefiltertes Netz: Wie Facebooks nette Welt uns entmündigt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    Wer seinen Facebook-Account noch nicht gelöscht (bzw. deaktiviert, denn Löschen geht nicht) hat, ist selbst Schuld. Früher oder später wird den Millionen Usern hoffentlich klar werden, wie künstlich und lächerlich es ist, mit hunderten "Freunden" "in Kontakt" sein zu wollen. Dann werden sich die Menschen wieder auf natürlich Formen "sozialer Netzwerke" besinnen und Kontakt mit den wahren Freunden pflegen. E-Mail, Telefon, Skype usw. machen Facebook überflüssig.


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