Für die Gier oder die Begierde des Mannes gibt es auf der weiblichen Seite keine Korrelation. Meine Phantastereien über die angeschwärmten Frauen waren allesamt ziemlich absurd, und hatten mit den Mädels vermutlich nicht das Geringste zu tun. Ein einziger Blick reicht für ein Karussell von verträumten Vorstellungen. Ich habe mich selbst beschissen, und zwar gepflegt. Beim Sex passiert das in potenzierter Form, ganz nebenbei bemerkt.
Daß man auf die leider nur rudimentär vorhandene weibliche Sexualität der Frau eingeht, muß man wohl nicht in Seminaren lernen, sondern ergibt sich von alleine. Ihr Vergnügen ist Labsal und durchaus ermutigend und belebend. Das müßte allerdings jeder nach ein zwei Jährchen Praxis selbst merken.
Frauen haben häufig einen gewissen Widerwillen gegen die Eigenmächtigkeiten ihres Körpers, und zwar nicht nur aus verordneten Hemmungen heraus, sondern weil sie sich ausgeliefert fühlen. Das führt nicht selten dazu, daß Frauen ihren eigenen Orgasmus nicht sonderlich schätzen. Der ist ohnehin nur mit viel Zeit, Ruhe und Behutsamkeit zu erreichen, es müssen zahllose Bedingungen erfüllt sein, damit sie sich „fallen läßt“. Es ist immer eine Frage des körperlichen Vertrauens. Und das funktioniert völlig anders als geistiges Vertrauen oder Sympathie, auch wenn es kaum davon zu trennen ist. Das körperliche Vertrauen ist übrigens auch bei Männern keineswegs immer vorhanden, sondern muß von der Frau erweckt werden. Umgekehrt ist es weit schwieriger. Es ist wohl ein tief empfundenes Gefühl von Geborgenheit dazu notwenig. Genau das erreicht eine Frau im Nullkommagarnix bei einem Mann.
Freud war in seiner etwas prüden Zeit durchaus revolutionär, weil er festgestellt hat, daß es so etwas wie Sex tatsächlich gibt, aber eher ein phantasiebegabter Philosoph als ein Mediziner. Menschenkenntnis war auch nicht gerade sein Metier, was Thomas Mann oder Karl Kraus sehr hübsch in Worte gefaßt haben. Immerhin hat Freud unübliche Beobachtungen beschrieben und Worte und Regeln dafür gefunden. Lächerlich ist die Tatsache, daß seine Erklärungsmuster bis heute Bedeutung haben.
Die Frauen damals konnten nicht befragt werden, weil sie alles und jedes verschwiegen haben. Die äußere Fassade war vorgeschrieben, und die paßte nicht zu ihrem Inneren. Das Phänomen der fehlenden Ehrlichkeit in dieser Hinsicht ist uns erhalten geblieben, wobei Frau zuerst mal unehrlich ist zu sich selbst. Der äußerliche Schein ist kein Betrug, sondern der weit wirksamere Selbstbetrug. Die natürliche Empfindung ist dazu noch durch unzählige Sitten, Gebräuche, gesellschaftliche und religiöse Wertvorstellungen überlagert, ganz zu schweigen von so unheilbringenden Schriften wie Emma oder Brigitte, die eben nicht erklären, sondern verwirren. Man könnte sie leicht bösartig mit dem vergleichen, was die Pornographie für den Mann ist.

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