dass das "Regime" Assads bis vor 15 Monaten durchaus auf dem richtigen Weg war. Assad hätte der Atatürk Syriens sein können, wenn er sich an die Spitze der Bewegung gesetzt hätte. Seine Entscheidung, in der heute bekannten Form auf die Proteste zu reagieren, habe ich absolut nicht erwartet. Und so war auch für alle anderen im System nicht vorhersehbar, was sich in den letzten Monaten herausgestellt hat. Syrien war reif für mehr Demokratie. Es wurden unter Assad bereits so viele korrupte Beamte ausgetauscht und Projekte initiiert, dass er hätte glaubwürdig sein können, wenn er die Protestbewegung genutzt hätte um seinen Reden die Taten und Durchsetzung folgen zu lassen und die Reformen beschleunigt hätte.
Es ist kein Widerspruch, wenn Leute einerseits im Staat 32 Jahre Funktionen inne hatten, gewiss auch Opportunisten waren, aber im Rahmen eines normal entwickelten Gewissens ihr Mitmachen verantworten konnten, und jetzt halt nicht mehr. Die Pauschalisierungen, wonach Assad schon immer ein Schuft gewesen sei, gehen an den Realitäten im Land vorbei. Selbst heute ist eine Beurteilung schwierig, weil seine tatsächliche Position im System immer unklar war.
Präsident oder Marionette? Die Frage gab es auch vor 4 Jahren schon. Aber es ist 20.000 Tote und 100.000 Gefolterte zu spät, als das er noch ein Atatürk werden könnte. Er hat seinen Kredit verspielt.