Vierergipfel in Rom: Drei gegen Deutschland

AFPItaliens Regierungschef Monti beschwört den Vierer-Gipfel in Rom als "letzte Chance für Europa". Kanzlerin Merkel und ihre Kollegen aus Italien, Frankreich und Spanien müssen Euro-Land wieder auf Kurs bringen. Doch sie sind zerstritten. Wird der ESM künftig Anleihen von Krisenstaaten aufkaufen?

http://www.spiegel.de/politik/auslan...840240,00.html
  1. #180

    Bitte sehr, ein Vorschlag

    Zitat von blackkwood Beitrag anzeigen
    Was schlagen Sie denn stattdessen vor?
    Noch mehr Schulden zu Lasten der nächsten Generation(en)?
    Ich bin kein Wirtschaftsexperte, deswegen halte ich mich da an die Ökonomen meines Vertrauens, die haben z. B. die miserablen Ergebnisse der stupiden Austeritätspolitik von Anfang an vorausgesagt. Einer von ihnen ist Jens Berger von den NachDenkSeiten – Die kritische Website, der hat bereits im November 2011 in einem Artikel gefordert, dass die EZB zu einem „Lender of Last Resort“ werden muss.

    Sein Modell sieht folgendermaßen aus:

    1. Die EZB kauft den Eurostaaten ihre Anleihen mit einem vorher festgelegten pauschalen Zins ab, der je nach Laufzeit variiert. In unserem Beispiel soll dieser Zins bei 2,5% liegen.

    2. Ein Mechanismus muss festlegen, wie viele Anleihen die Staaten pro Jahr an die EZB verkaufen dürfen. Es wäre beispielsweise möglich, dass über gestaffelte Zinskonditionen ein „künstlicher Markteffekt“ implementiert wird. Wer beispielsweise mehr als 3% Neuverschuldung aufnehmen will, müsste dann nicht 2,5%, sondern z.B. 5% für die Papiere bezahlen, die oberhalb des Grenzwertes liegen. Damit wäre der grassierenden Angst vor dem hemmungslosen Gelddrucken und einer hohen Inflation der Boden entzogen.

    3. Die EZB haftet für die Rückzahlung der Schulden und gibt Eurobonds in Höhe der von ihr vergebenen Staatskredite aus.

    4. Der Zins dieser Eurobonds sollte merklich niedriger sein als der Zins, den die Staaten bei der EZB zahlen – in unserem Beispiel soll er bei 1,25% (dem Leitzins) liegen. Zu diesem relativ niedrigen Zins können dann Investoren ausfallsichere Papiere erwerben. Dass 1,25% durchaus konkurrenzfähig sind, zeigt der Markt für amerikanische, deutsche und japanische Staatsanleihen, die aufgrund ihrer hohen Bonität zu ähnlichen Konditionen gehandelt werden.

    5. Am Ende der Kreditkette macht die EZB einen Zinsgewinn, da die Zinsen, die sie von den Staaten nimmt (2,5%) höher sind, als die Zinsen, die sie den Investoren der Eurobonds (1,25%) zahlt. Diese Gewinne werden in ein Sondervermögen überführt, mit dem – nach einem zuvor festgelegten Schlüssel – die bestehende Verschuldung der Staaten abgebaut wird.

    6. Bei der momentanen Gesamtverschuldung von sieben Billionen Euro läge der Gewinn der EZB (die Zinsdifferenz zwischen 2,5% und 1,25%) bei 87,5 Mrd. Euro pro Jahr. Sollten die Finanzmärkte das Volumen der zur Verfügung stehenden Eurobonds nicht voll ausschöpfen, läge der Gewinn sogar noch höher.
  2. #181

    Luther

    Zitat von nixus_minimax Beitrag anzeigen
    Es verwundert mich immer wieder wie verbissen hierzulande eine Idee verteidigt wird auch wenn Sie doch offensichtlich nicht funktioniert, alle andern um uns herum sagen das Sie falsch ist und bei nüchterner Betrachtung nicht funktionieren kann. Dies ist scheinbar absolut kein....
    Diese weit verbreitete Mentalität in D. hat vielleicht was mit der protestantischen Arbeitsethik zu tun, oder mit dem protestantischen Masochismus. Wir haben gesündigt, wir müssen Buße tun, es muss schmerzen, damit es wieder besser werden kann. Da hat uns Luther was Schönes eingebrockt!
  3. #182

    Politik hat versagt

    Zitat von symolan Beitrag anzeigen
    Die Frau Merkel ist nicht zu beneiden. In meinen Augen hat sie derzeit den schwierigsten Job der Welt inne. Schlussendlich hängt von ihr wesentlich ab, wie sich Europa in Zukunft entwickelt.

    Soll sie einfach Blankoschecks sprechen mit dem Risiko, dass irgendwann in Zukunft auch Deutschland pleite ist (und dem noch grösseren Risiko ihre Wahlchancen zu gefährden).

    Oder soll sie möglichst hart bleiben, mit dem Risiko, dass aus einem Notfall heraus alles zusammenkracht?
    Die Politik hat schon in der Vergangenheit versagt, denn man hat nichts, oder viel zu wenig unternommen um die EU auf wirtschaftlich starke Beine zu stellen.
    So ist nur ein Leuchturm entstanden und der muss dann auch für viel finanziellen Sorgen herhalten.
    Die Politik hätte viel mehr Initiative zeigen müssen und Druck ausüben sollen, so das in vielen anderen Ländern auch ein wirtschaftliches Wachstum in Gange gekommen wäre, aber dafür hatten die EU Politiker nicht die Ausdauer.
    Nur wer wirtschaftlich stark ist, der kann auch seine Finanzen in Ordnung bringen, wobei das aber nicht immer funktioniert.
    Auch wir in Deutschland haben schon viel zu hohe Schulden angehäuft und auch wir werden sie nie zurückzahlen können, so dass auch bei uns nicht alles auf Dauer gut gehnen kann.
    Man muss nicht nur über die jetzige Situation reden, sondern Politikern die Frage stellen, wie so haben sie es dazu kommen lassen?
    Ja ist auch das die Politik keine neuen Arbeistplätze schafft, aber sie kann den Anstoß und die richtigen Voraussetzungen dafür geben.
  4. #183

    Nicht shlecht,

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Ich bin kein Wirtschaftsexperte, deswegen halte ich mich da an die Ökonomen meines Vertrauens, die haben z. B. die miserablen Ergebnisse der stupiden Austeritätspolitik von Anfang an vorausgesagt. Einer von ihnen ist Jens Berger von den NachDenkSeiten – Die kritische Website, der hat bereits im November 2011 in einem Artikel gefordert, dass die EZB zu einem „Lender of Last Resort“ werden muss.

    Sein Modell sieht folgendermaßen aus:

    1. Die EZB kauft den Eurostaaten ihre Anleihen mit einem vorher festgelegten pauschalen Zins ab, der je nach Laufzeit variiert. In unserem Beispiel soll dieser Zins bei 2,5% liegen.

    2. Ein Mechanismus muss festlegen, wie viele Anleihen die Staaten pro Jahr an die EZB verkaufen dürfen. Es wäre beispielsweise möglich, dass über gestaffelte Zinskonditionen ein „künstlicher Markteffekt“ implementiert wird. Wer beispielsweise mehr als 3% Neuverschuldung aufnehmen will, müsste dann nicht 2,5%, sondern z.B. 5% für die Papiere bezahlen, die oberhalb des Grenzwertes liegen. Damit wäre der grassierenden Angst vor dem hemmungslosen Gelddrucken und einer hohen Inflation der Boden entzogen.

    3. Die EZB haftet für die Rückzahlung der Schulden und gibt Eurobonds in Höhe der von ihr vergebenen Staatskredite aus.

    4. Der Zins dieser Eurobonds sollte merklich niedriger sein als der Zins, den die Staaten bei der EZB zahlen – in unserem Beispiel soll er bei 1,25% (dem Leitzins) liegen. Zu diesem relativ niedrigen Zins können dann Investoren ausfallsichere Papiere erwerben. Dass 1,25% durchaus konkurrenzfähig sind, zeigt der Markt für amerikanische, deutsche und japanische Staatsanleihen, die aufgrund ihrer hohen Bonität zu ähnlichen Konditionen gehandelt werden.

    5. Am Ende der Kreditkette macht die EZB einen Zinsgewinn, da die Zinsen, die sie von den Staaten nimmt (2,5%) höher sind, als die Zinsen, die sie den Investoren der Eurobonds (1,25%) zahlt. Diese Gewinne werden in ein Sondervermögen überführt, mit dem – nach einem zuvor festgelegten Schlüssel – die bestehende Verschuldung der Staaten abgebaut wird.

    6. Bei der momentanen Gesamtverschuldung von sieben Billionen Euro läge der Gewinn der EZB (die Zinsdifferenz zwischen 2,5% und 1,25%) bei 87,5 Mrd. Euro pro Jahr. Sollten die Finanzmärkte das Volumen der zur Verfügung stehenden Eurobonds nicht voll ausschöpfen, läge der Gewinn sogar noch höher.
    in der Tat, so könnte der Krisenausgang gefunden werden.
  5. #184

    Der gemeine Deutsche arbeitet doch gern

    Zitat von freesprit Beitrag anzeigen
    Sie haben recht: Es ist bescheuert und unsolidarisch nicht mehr auszugeben, als man einnimmt.
    Das hat der deutsche Steuerzahler davon : Rödeln bis die Schwarte kracht, ( oder das Herz ) und der Club-Med macht sich 'nen guten Lenz und fährt Q7, oder Cayenne.
    Tja, hätten wir uns auch mind. 10% Einkommenserhöhung gegönnt, ginge es uns allen besser und diese Schmarotzer würden nicht an unserer Tür klingeln, weil : 'nem nackten Neger, kannst du nicht in die Tasche fassen.
    Na, immerhin haben die Griechen mit ihrem Konsum deutsche Arbeitsplätze gesichert, besonders in der Rüstungsindustrie. Und der Deutsche arbeitet doch gern, was soll er denn sonst schon machen – Savoir-vivre, nicht doch, höchstens Urlaub auf dem Teutonengrill.
  6. #185

    Klingt charmant

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    ...
    Sein Modell sieht folgendermaßen aus:

    1. Die EZB kauft den Eurostaaten ihre Anleihen mit einem vorher festgelegten pauschalen Zins ab, der je nach Laufzeit variiert. In unserem Beispiel soll dieser Zins bei 2,5% liegen.

    2. Ein Mechanismus muss festlegen, wie viele Anleihen die Staaten pro Jahr an die EZB verkaufen dürfen. ...


    3. Die EZB haftet für die Rückzahlung der Schulden und gibt Eurobonds in Höhe der von ihr vergebenen Staatskredite aus.

    4. Der Zins dieser Eurobonds sollte merklich niedriger sein als der Zins, den die Staaten bei der EZB zahlen – in unserem Beispiel soll er bei 1,25% (dem Leitzins) liegen. Zu diesem relativ niedrigen Zins können dann Investoren ausfallsichere Papiere erwerben. Dass 1,25% durchaus konkurrenzfähig sind, zeigt der Markt für amerikanische, deutsche und japanische Staatsanleihen, die aufgrund ihrer hohen Bonität zu ähnlichen Konditionen gehandelt werden.

    5. Am Ende der Kreditkette macht die EZB einen Zinsgewinn, da die Zinsen, die sie von den Staaten nimmt (2,5%) höher sind, als die Zinsen, die sie den Investoren der Eurobonds (1,25%) zahlt. Diese Gewinne werden ...

    6. Bei der momentanen Gesamtverschuldung von sieben Billionen Euro läge der Gewinn der EZB (die Zinsdifferenz zwischen 2,5% und 1,25%) bei 87,5 Mrd. Euro pro Jahr. Sollten die Finanzmärkte das Volumen der zur Verfügung stehenden Eurobonds nicht voll ausschöpfen, läge der Gewinn sogar noch höher.
    Klingt zwar charmant und zunächst auch logisch - aber nur auf den ersten Blick.
    Bei näherem Hinsehen aber enpuppt sich bereits die Grundvoraussetzung für dieses Konstrukt als schlicht falsch:

    Denn wenn die EZB Anleihen kaufen soll, dann braucht sie dazu (zusätzliches) Geld. Da sie aber kein eigenes hat, kann sie sich nur auf 2 Arten welches beschaffen:
    1. Sie weitet die Geldmenge aus (Druckmaschinen anwerfen!), was früher oder später zwangsläufig zu einer spürbaren Steigerung der Inflationsrate führen dürfte.
    2. Die Mitgliedsstaaten müssen der EZB zusätzliches Geld geben.Und da diese das nicht auf Pump machen sollen/dürfen wird es zwangsläufig nur über Steuererhöhungen möglich sein.

    Beides aber führt dazu, dass letztendlich der Bürger die Zeche zu zahlen hat.

    Hinzu kommt:
    Wohin es führt, wenn Staaten oder Institutionen (wie die EZB) versuchen, gegen die realistische Einschätzung der Märkte ein "künstliches" Zinsniveau zu schaffen, das konnten wir ja bereits in den letzten Jahren eindrucksvoll beobachten.
    So lange es billiges Geld gibt, besteht für die Schuldnerländer keinerlei Veranlassung zu Reformen, zum Sparen oder gar zum Schuldenabbau!
    So lange es billiges Geld gibt, gilt vielmehr weiterhin die Devise:
    Munter vorwärts beim Konsum wie bisher - kostet ja (so gut wie) nix!

    Nein, nein, so kann es nicht funktionieren:
    Hohe (Markt-) Zinsen und die Aussicht, zahlungsunfähig zu werden, sind die einzige Möglichkeit, die unverantwortlichen Politiker in den Schuldenländern zu disziplinieren!

    Und wenn nicht, dann nicht - dann aber bitte mit aller Konsequenz:
    Wer pleite ist, soll dann auch in die Pleite gehen und sehen, wie er damit klar kommt!
    Das gilt für jeden Mittelständler - wieso sollte es dann nicht auch für Banken und Staaten gelten?

    Wenn die ganzen Eingriffe von Anfang an unterblieben wären, hätte der Markt das alles längst geregelt, und wir wären bereits ein gutes Stück weiter!
  7. #186

    Wohl ueberholt, aber da es gestern nicht akzeptiert wurde,...!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Berliner Nein stand gewissermaßen für "Das Beste für alle!". Dumm nur, dass das heute viele nicht mehr glauben wollen.[...] Wer so massiv Sparen und Kürzen muss, dass seine Wirtschaft weg bricht, kommt aus dem Schuldensumpf nicht heraus. Er rutscht tiefer hinein, lautet die Überzeugung der Merkel-Gegner. Angela Merkel wird nach Überzeugung ihrer Kritiker "einknicken" müssen. [/url]
    Ist doch nicht unser Problem, was andere angenehmeres glauben wollen!
    Sollte es zumindest nicht sein, als Onkel/Tante mit dem Portemonaie!

    Aber darauf, das sie endlich einknickt, hoffe ich auch. Das sie naemlich genug hat, Deutschland vom Stamme der Nimm aussaugen und Untergangsreif schiessen zu lassen, so ganz ohne Krieg!
    Das sie endlich einknickt, und die DM, die hoffentlich schon fertig gedruckt irgendwo herumliegen, von heute auf morgen als Zahlungsmittel in D. einfuehrt! Und Konten nur fuer in Deutschland registrierte in DM umstellen lasesst! Alle Auslaender behalten automatisch Euro, DM gibt es bis auf weiteres fuer diese nur am Automaten! Dann koennten die ganzen gefluechteten Euros, aus den 'Krisenlaendern' einfachst dorthin zurueckueberwiesen werden. Ist ja eh kaum noch 'was wert, ueber kurz oder lang!
  8. #187

    Der "freie Markt"

    Zitat von blackkwood Beitrag anzeigen
    [...]
    Beides aber führt dazu, dass letztendlich der Bürger die Zeche zu zahlen hat.
    Wer müsste denn Ihre Marktgläubigkeit ausbaden, doch auch die Bürger durch Arbeitslosigkeit, Not und Elend. Zu welchen Ergebnissen Ihre „Schocktherapie“ führt, kann man in GR besichtigen.

    Hinzu kommt:
    Wohin es führt, wenn Staaten oder Institutionen (wie die EZB) versuchen, gegen die realistische Einschätzung der Märkte [...]
    Der Witz des Jahres, die übergeschnappten „Märkte“ haben angeblich eine „realistische Einschätzung“ der Lage. Gibt es für Sie eigentlich noch ein Leben jenseits der „Märkte“?

    [...]
    Wenn die ganzen Eingriffe von Anfang an unterblieben wären, hätte der Markt das alles längst geregelt, und wir wären bereits ein gutes Stück weiter!
    Dieses naive Vertrauen in die Marktkräfte haut mir die Füße weg. Da wurde in den letzten Jahrzehnten in exzessiver Weise der heiligen Dreifaltigkeit des freien Marktes geräuchert - Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung. Die Ergebnisse dieser naiven Marktideologie liegen vor aller Augen, und Sie reden hier tatsächlich weiterhin dem „freien Markt“ das Wort.

    Natürlich, die „Idealform“ des freien Marktes wurde noch nicht erreicht. Aber da muss ich Ihnen eine niederschmetternde Nachricht überbringen, diese „Idealform“ wird es nie geben, sie ist eine Chimäre, sie hat nämlich einen mächtigen Gegner: die Wirklichkeit!