Der Umgang mit Joachim Gauck zeigt: Auch im Netz will richtig Zitieren gelernt sein. Schnell wurde aus dem Liebling ein Hassobjekt gemacht, basierend großteils auf verzerrten Zitaten. Das verstümmelte Zitat, eine Erfindung der Massenmedien, wird in den Sozialen Medien schlecht nachgeahmt.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...816601,00.html
Frage: Wie lange brauchen Foristen und Twitter-Jünger dafür? Tatsache ist: Die Leute haben eine Meinung. Unklar ist, wie gefestigt die Meinung ist. Beispiel:
Als vor 25 Jahren (ca,) die künstliche Befruchtung ("Retortenbaby") erstmals eingesetzt wurde, lehnten 70% der Befragten ab. Als die Befragten dann erfuhren, dass das Kind nicht im Reagenzglas heranwüchse, fanden 70% das Verfahren gut.
Umfragen (übrigens auchg zu Wahlen) dienen oft allein der Unterhaltung.
Naja viele der Zitate sind schon in arg fragwürdigem Zusammenhang dargestellt.
Klar hat er die Occupy-Bewegung, bzw. die Proteste als "unsäglich albern" dargestellt. Allerdings ist das eine Meinung mit der er nicht allein dasteht, Proteste ohne klare Aussagen bringen grundsätzlich an gewissen Stellen Probleme mit sich, so hat natürlich jeder die Proteste für sich gedeutet, da eine einheitliche Botschaft gefehlt hat. Allerdings hat er auch begrüßt das die Menschen auf die Straße gehen statt gemütlich zu Hause rumzusitzen und es sich gut gehen zu lassen.
Auch an seinen Aussagen zu Sarrazin kann ich wenig falsches Erkennen. Seine Thesen hat er ja nicht für gut befunden, sondern nur dass er das Thema angesprochen hat.
Fragwürdig ist vor allem, dass es die selbe Netzgemeinde ist die Gauck damals so hochgejubelt hat als er gegen Wulff angetreten ist.
Gauck ist bestimmt kein Heiland, aber ich sehe nichts was ihn total für diese Position disqualifiziert. Er scheint auf jedenfall kein Weltfremder Idealist zu sein, sondern ein Realist, einer der den Menschen sagt wie's nunmal ist. Er hat erlebt was in der DDR mit verstaatlichten Betrieben und Banken passiert ist... ich weiß nicht warum Leute immer glauben, dass der Staat da in irgendeiner Weise besser wirtschaften würde, als es Privatleute machen.
Auch das er Schröder dafür lobt die Agenda 2010 durchgesetzt zu haben. Sicherlich ist ein Beschneiden der Sozialleistungen immer ärgerlich, das Lob ist in einer Hinsicht angebracht. Vielleicht war es Schröder nicht bewusst, wahrscheinlich aber irgendwie schon, die Agenda hat ihm die Wiederwahl gekostet. Aus heutiger Sicht war das aber wahrscheinlich die einzig richtige Möglichkeit, denn es hat ordentlich Geld gespart, fragwürdig ob das sinnvoll eingesetzt wurde, aber ein Sozialsystem aufrechtzuerhalten was man nicht bezahlen kann ist Unsinn.
Natürlich kann sich die Nominierung Gaucks vor allem für Grüne und SPD noch zum Boomerang entwickeln. Als eher konservativer Pragmatiker wird er sicherlich viele Positionen von Rot-Grün nicht mittragen. Allerdings ist er nur Präsident, und da bezweifle ich dass man viele vernünftige Alternativen gefunden hätte, wobei ich mich über eine Frau in diesem Amt auch gefreut hätte... allerdings wenn Frau von der Leyen die einzige gewesen wäre, die dafür im Rennen war, dann doch lieber Gauck.
da fällt mir aber jetzt ein Stein vom Herzen. Fast wäre ich ja reingefallen, als ich mich tatsächlich auf die Berichte und die gute, verlässliche Recherche der großen Print- und Onlinemedien verlassen hatte. Ich entschuldige mich hiermit offiziell und Hr. Gauck hat nun auch meinen Segen als BP. Er ist ja glücklicherweise nicht für HartzIV und die Agenda 2010, er hat als Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR großes Verständnis für die Occupy Bewegung und deren Kritik am derzeitigen weltweiten Finanzsystem und dem Kapitalismus, der gerade dabei ist, die gesamte Welt an die Wand zu fahren und er hat Hr. Sarrazin's völlig unkonstruktive, abwertende Äußerungen niemals als mutig bezeichnet.
Ja, haben Sie etwa AUCH den Witz des Lincoln-Zitats verstanden? Ja, da gratuliere ich aber, Damit sind Sie zum Ironie-Versteher 2. Grades aufgestiegen. Nur weiter so, mit etwas üben schaffen Sie auch locker den 3. Grad.
"Mir reichen Glotze und die Bild zum Regieren," - Julius Cäsar. Aber man sieht wie weit er mit dieser Einstellung gekommen ist.
Kommt drauf an wie man diese verstehen will. Um es kurz zu formulieren, natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen (Zynismus off):
1.) Die Vorratsdatenspeicherung schränkt laut Gauck die Grundrechte "möglicherweise ein wenig", jedoch sei dies nicht der Anfang eines "Spitzelstaats".
2.) In der Diskussion fehlt im die "geduldige Benennung hinreichend überzeugender Gründe" für die VDS und ihre Verhältnismäßigkeit. Ohne eine überzeugende Begründung für die VDS, würde Gauck diese "als eine beginnende Gefahr dieses Sicherheitsmantras gegenüber der Freiheitsbotschaft" betrachten.
Zum einen widerspricht sich Gauck meiner Meinung nach, denn entweder ist die VDS eine mögliche Gefahr für unsere Freiheit (Punkt 2) oder eben nicht (Punkt 1). Zum anderen scheint er mit dieser Einschränkung unserer Grundrechte keinerlei Probleme zu haben, wenn der Staat diese entsprechend begründet.
Nun, aus Sicht der SED waren auch deren Maßnahmen gegen die Bürger "begründet". Aus Sicht der Sicherheitsorgane sind viele Einschränkungen unserer Grundrechte "begründet". Kann und darf man daher, wenn der Staat diese Einschnitte "begründet", diese befürworten? Diese kritiklose obrigkeitshörigkeit eines Bürgerrechtlers, der auch noch Bundespräsident werden soll, erschreckt mich.
Länsgt bekanntes Phenomen: Per Twitter wird von den Sektierern aufgerufen, auf "Nein" zu klicken. Da diese Umfragen kaum "normale" Teilnehmer haben, reichen 150 herangekarte User um das Ergebnis zu drehen.
Früher, vor Twitter, warteten Jusos auf Parteitagen bis 23:00 h, bis die arbeitende Bevölkerung im Bett war und beschloss dann die Abschaffung des Kapitalismus.
Wer nicht "von sich (selbst) überzeugt ist" kann auch nicht andere überzeugen.
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Zudem braucht es ein gewisses Maß an Eitelkeit, um sich auf eine Bühne zu stellen - sonst wird das nichts.
Würde Herr Gauck nicht in so altmodisch verschachtelten Sätzen reden, sondern lediglich in durch "und" verbundenen kurzen Hauptsätzen, wie z.B. Münthe, könnte ihm auch nicht passieren aus dem Zusammenhang gerissen zitiert zu werden. Selber schuld... ;-)
wurde hochgepuscht,
das steht für mich fest.
Und er spielt seine Rolle gerne,
steht gern im Rampenlicht und liebt gutes Essen.