Es ist bezeichnend, dass kaum oder wenig über Ursachen von Gewalt nachgedacht wird. Viel zu häufig wird Gewalt nur im Kontext der spezifischen Situation betrachtet. Aber spezifische Situationen bieten keine Erklärung für langfristige Trends im Verhalten.
Aus der Sicht der Psychologie gibt es im Grunde nur zwei große Ursachengruppen für Gewalt: Man könnte sie Angst-Aggression und Macht-Aggression nennen. Je unsicherer die Lebensentwürfe in einer Gesellschaft werden, je bedrohter die eigene Zukunft empfunden wird, desto mehr steigt die Bereitschaft für Angst-Aggression in einer Gesellschaft. Je mehr Macht und Ohnmacht in einer Gesellschaft auseinanderdriftet, je größer die Gruppen der Abgehängten, der Abgelehnten oder Ungehörten in einer Gesellschaft werden, desto mehr steigt die Bereitschaft für Macht-Aggression in einer Gesellschaft.
Beide Trends haben ihre Wurzeln in realen Veränderungen der deutschen Gesellschaft in den letzten Jahren, für die überwiegend die Politik die Verantwortung trägt. Die Ordnungshüter als Repräsentanten des Staates vor Ort sind dabei lediglich die leidtragenden Sündenböcke.
Jeder Halbgebildete erkennt diese Zusammenhänge schon bei einem kurzen Blick in die Menschheitsgeschichte. Es wird höchste Zeit, dass die Politik ihre Verantwortung erkennt und die richtigen Schlüsse daraus zieht.



