Verstehen Sie Haas? Viagra für die erotische Literatur
Ausgerechnet aus der Schweiz erreicht uns der Mahnruf: Die erotische Literatur der Deutschen ist am Ende! Zu angepasst, zu verlogen, zu narzisstisch. Lassen wir das auf uns sitzen? Natürlich nicht. Ein Ratgeber für schamlose Autoren.
Wofür brauchen wir all diese detailversessenen Sexszenen in den Filmen und Büchern überhaupt? Die wenigsten Autoren können gut über Sex schreiben. Miller konnte es, Djian auch, Roth ebenfalls, wie man hört -- na gut. Bei Bukowski wurde es schnell schmierig.
Mich nervt dieses angeblich so fortschrittliche und aufgeklärte Getue eher. Heute bin ich froh, wenn ein Autor mal weiß, wo er einen Absatz lassen kann, oder wenn einem Regissseur bekannt ist, wie man einen gekonnten Schnitt setzt. Manchmal sagt das Nichts eben mehr als tausend Worte.
Selten so einen pseudo-intellektuellen Schwachsinn gelesen.
Der Autor sollte vielleicht mal wie zu Zeiten der chinesischen Kulturrevolution auf die Felder gehen und Spargelstechen oder Erdbeeren ernten helfen bevor er seine kostbare Lebenszeit mit so einem Unsinn vergeudet.
Wenn eine deutsche Autorin in einer internationalen, deutschsprachigen Zeitung, die zufällligerweise in der Schweiz erscheint, eine Kritik an zeitgenössischer deutscher Literatur veröffentlicht, dann prangern sie das als Angriff aus der Schweiz an. Was soll das? Wollen sie mal wieder an irgendwelchen Ressentiments rütteln?
Na, das ist mal wieder so ein typischer SPIEGEL- bzw. Haas-Diskurs, der da losgetreten werden soll. Im Prinzip so uninteressant wie ein Huhn bei Eierlegen, aber quasi mal wieder archetypisch für die Kniffe der Online-Meinungsführerschaft: Konstruktion von tumben Feindbildern und Verknappung auf Allgemeinplätze - die Schweiz vs Deutschland und mal wieder die Roche. Aber da ich hier nicht anderes kann, als meinen Senf dazu geben: Nach den 11000 Ruten von Guillaume Apolinaire muss in Sachen Untenrum kaum noch was geschrieben werden, Roche, Strunk: Nachsitzen! Einzig Jan Off ist es in seiner Erzählung Unzucht gelungen, dieses uralte Menschheitsmotiv ohne nennenswerte Reibungsverluste in die Jetztzeit zu transportieren. Dafür gebührt ihm ein Ehrenplatz im Olymp der literarischen Erotiker - und wenn es denn sein soll: Soll doch die Schweiz Unzucht flächendeckend lesen, dann brennen in Züri vielleicht nicht nur die Barrikaden.
Als Vehikel dient uns hier eine der schönsten Sprachendes Globus, warum gehen wir also so zögerlich mit ihr um ?Auf welche Moral soll hier Rücksicht genommen werden, die
"Gesellschaft" ist doch schon gekippt, man erhebe seinintelektuelles Köpfchen , reibe die von durchschnittlicher
Lektüre geröteten Augen und sehe in das wilde bunte Lebendes "New Millenium" und frage sich wo denn die Junge
Generation der Schriftsteller bleibt die den Sex in neueWorte kleidet.
Vielleicht liegt es ja daran das mit Miller und Bukowsky
alles schon gesagt sei , oder das Neue Klima für die Neue Kunst einfach noch nicht geschaffen ist.
Wenn die Krise uns geschliffen hat wird sich sicher auch die
Literatur dazu finden.
Verstehen tue ich Haas schon, beschränkt sich mein Eros allerdings seit einiger Zeit auf sportliches Lagenschwimmen.
Das soll es nämlich auch geben, das oversext zum Gähnen reizt.
Oder ein Amarenabecher tut's ebenfalls und ist auf jedenfall safe. Roches Selbstbespiegelung hab ich mir gar nicht mehr angetan, da manische Fixierung auf's eigene Feuchtgebiet überhaupt nicht mein Ding ist.
Vielleicht versuchens Sie's mal mit der liebe Rosenfinger aus der Epoche des Jugendstils amüsant verschobene Jungmädchenphantasien. Denn humorvoll sexy ist seit Woody Allen wohl wirklich ero-tisch.
... atmet dieser Artikel und sein Sujet. Da wird etwas zum Ärgernis, dessen zu bedürfen schon ein Ärgerniss ist. Macht erotische Literatur doch nur Sinn, wenn man der realen Erotik mangelt. Kommt ein solches Thema nur in den Fokus von Haas und seinen(?) Schweizern wenn diese des Besseren bedürfen oder ist es Langeweile der anderen Art, die den Blick hier lenkt?
Meine Person wartet darauf, dass der Kuchen aus dem heissen Ofen abkühlt, der Kaffee duftet schon, die Schläge des Schneebesens verheissen frische Schlagsahne, da mangelt es nicht an erotischen Gedanken. Auch nicht an guter oder schlechter erotischer Literatur.
Denen, die keine Verheissung realer Freuden haben, denen ist allerdings Literatur und Film von erbauender Art zu wünschen. Keine Darstellung schneller, hastiger Anstrengung von Muskeln, bar jeder sensuellen Erleuchtung und Erhöhung. Da ist das allgemeine Niveau noch weit von asiatischer Literatur vergangener Jahrhunderte entfernt, letzte Innovationen wie die gezeichneten Erotika von Crepax auch schon jahre her und der Bildorkan der Hentai auch nur Kanonenschüsse auf Spatzen.
Aber es stimmt, wo bleibt der Zeitgeist für den erotischen Feingeist?