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Versagen der Uni-Ökonomen: Warum bringt uns keiner Krise bei?

Der Markt wird's schon richten: Während*ganze Staaten taumeln, lehren die Volkswirtschaftler unverdrossen ihre überkommenen Theorien. Jetzt rütteln Studenten die alte Professoren-Garde wach - und organisieren sich ihre Seminare zu Krise und Wirtschaftsethik selbst.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...803953,00.html
  1. #110

    Zitat von mibarina Beitrag anzeigen
    Das ist so nicht richtig. Die Finanzderivate, mit denen alles losging, wurden nicht von der Politik gemacht. Die Politik hat falsche Anreize gesetzt - das schon. Aber dass toxische Finanzprodukte geschaffen und verbreitet wurden und die (eigentlich selbstverständlichen) Risikoanalysen unterblieben oder nicht beachtet wurden, hat die Politik nicht zu verantworten. Nich einmal die Bush-Administration.

    Auch in anderen Lebensbereichen akzeptieren wir nicht, wenn "die Umstände" (hier politische Anreizsetzungen) für eigenes (Fehl-)Verhalten verantwortlich gemacht werden.
    Zugeben. Aber was würde denn jeder normale Mensch ( Banker ) machen, wenn die politische Vorgabe lautet, jedem Ami sein Heimchen, gleichzeitig Basel II aber sagt: Bis hierhin und nicht weiter, und dann zwei staatliche Banken und eine staatliche Versicherung kommt, und sagt: Nimms aus deinem Risikoportfolio, ich sichere es ab, dann kannst du weiter das machen, was Papa Staat dir sagt?

    Denn eine gebündelte Kreditverbriefung ist nix neues und nix verwerfliches. Ohne das würde in D nicht ein Großkredit als Konsortialkredit zustande kommen, geschweige denn der kleine Handwerker überhaupt einen Penny von der Bank bekommen. Genau das gleiche, was die US Banken gemacht haben, macht jede Sparkasse jeden Tag, die Ausgabe von Pfandbriefen.

    Nur, dass das ganze in den USA ein bischen andere Dimensionen angenommen hat, bei der Bonitätsbewertung immer nur die aktuellen Verkehrswerte der Immobilien angesetzt wurden, anstelle das sich ankündigende Platzen der Immobilienblase mit einzukalkulien, dass die Ratingagenturen ( übrigens streng nach Vorschrift ) diese Fehler wiederholt haben und dann noch quasi ein einziger Versicherer die CDS der Briefe rückdeckt, und das alles mit viel viel Staatsunterstützung, dann sehe ich zumindest nicht die alleinige Schuld bei den Banken.

    Das ist doch das Hauptproblem. Seit der Bankenkrise macht man einen durchgeknallten Finanzkapitalismus für alles Böse in dieser Welt verantwortlich. Die Bevölkerung begreift die Zusammenhänge nicht und lässt sich lieber von Laberköppen einlullen die irgendwas vom Geld- und Schuldsystem faseln. Und die Politiker waschen die Hände in Unschuld, entweder weil sie sich den Ast lachen, dass sie so leicht aus der Chausse rauskommen ( USA ) oder weil sie gar nicht begreifen, was sie selbst angerichtet haben ( speziell D ).

    Und damit sind wir wieder beim Schluss meines letzten Beitrages. So einen abgedrehten Mist, wie ihn unsere Politiker seit Jahrzehnten fabrizieren, gibt KEINE Wirtschaftstheorie der Welt her. Warum also die Theorien in Frage stellen?
  2. #111

    Zitat von cato. Beitrag anzeigen
    Wenn man jetzt den Markt und nicht den staatlichen Eingriff in Frage stellt, macht man das genau falsche und wird immer nur neue Spekulationsblasen erzeugen. Deren Platzten immer verheerendere Wirkungen zeigen wird und deren Schaden mit einer neuen Spekulationsblase gemildert werden soll ... ein Teufelskreis.
    Wohin ihre Selbstreinigung des Marktes mit Massenarbeitsloigkeit führt, können sie anhand der Geschichte nachvollziehen. Ich empfehle das Auge auf den Zeitraum von Mitte der 20er bis Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts zu werfen. Ist das ihr Plan für die nächsten 20 Jahre?

    Wir werden zwar sicher keinen Hitler und keinen Stalin mehr bekommen, aber andere Verrückte werden in dem dann entstehenden Chaos ihre Chance wittern und ein paar neue Gruselgeschichten ins geschichtsbuch schreiben.

    Fakt ist, Massenarbeitsolsigkeit führt Gewalt und zu politischer Instabilität, der Ausgang ist kaum berechenbar. Aber wahrscheinlich betrachten Sie Krieg insgeheim als notwendig, weil danach eine neue Wachstumsspirale beginnen kann.
  3. #112

    Zitat von duschinabuschi Beitrag anzeigen
    Ja, die Theorien, die sind alle schön und richtig! Es hält sich nur keiner dran. Merken Sie was? Theorien sind dazu da, Wirklichkeit abzubilden, und das tun sie offenbar nicht. Es liegt an der Schwäche der Theorie. Die Welt macht, was sie will, völlig egal, wie "schön" eine Theorie ist.
    100 % richtig. Aber was eben gar nicht geht, ist während eines Abschwunges nach Keynes zu schreien und antizyklische Wirtschaftspolitik verlangen und sobald es wieder gut geht die Umverteilungsmaschine anzuwerfen und "auch mal was vom Kuchen haben wollen".

    Sie können kostante Wirtschaftspolitik betreiben, oder antizyklisch. Beides ist in verschiedenen Theorien abgebildet und beides hat seine Berechtigung. Aber sich die Rosinen aus jeder Theorie picken und dann kräftig würfeln, geht eben nicht. Auch wenn die Lafos dieser Welt was anderes sagen.

    Denn nicht Keynes hat verloren, sondern der Missbrauch seiner Theorie.
  4. #113

    *

    Zitat von Trouby Beitrag anzeigen
    Volkswirte wollen gar nicht in die Zukunft schauen. Das ist nicht das Thema der Forschungsarbeiten in diesem Bereich. Das wurde an unserem Institut noch als Glaskugelleserei verspottet.
    Aber natürlich wollen sie das. Das ist doch der ganze Sinn von mathematischen Modellen und Simulationen überhaupt. Termingeschäfte, "Futures", die Kreditwirtschaft, die gesamte Spekulation ist immer eine Wette auf die Zukunft. Aktienkurse werden prognostiziert. Kredite werden gewährt aufgrund von Zukunftsprognosen. Die Zukunft ist zentral in ökonomischen Modellen.
  5. #114

    ignoranter Elfenbeinturm

    Markttheorien sind Modelle, die kriminelle Energie (z.B. Bilanzfälschung bei ENRON), Nepp (Sub-Prime-Papiere) und Zockerei (Termingeschäfte mit Waren, die weit über dem realwirtschaftlichen Volumen liegen). einfach ausblenden. Sie berücksichtigen die sogenannte Markt-Psychologie unzureichend oder gar nicht.

    Ökonomen, die ihre Prognosen auf solche Modelle gründen, müssen scheitern. Wann hat eigentlich zum letzten Mal ein Wirtschaftsinstitut richtig mit einer Prognose gelegen? Nach wenigen Monaten werden Prognosen korrigiert, um dann auch in der korrigierten Form nicht einzutreffen. Mit Würfeln würde man vermutlich eine höhere Trefferquote erreichen, billiger auf jeden Fall.

    Albern sind auch die Prognosen, die in Asien und dabei besonders China eine lineare Steigerung der Wirtschaftsdaten vorhersagen. Umweltschäden und eine demographische Entwicklung, die deutlich schlimmer als die deutsche ist, werden bei diesen Prognosen einfach ausgeblendet. China wird diese Dekade noch rasant wachsen und dann ist allein schon auf Grund der dann erreichten Wirtschaftskraft mathematisch Schluß mit hohen Steigerungen. Dann wird China darum kämpfen müssen, das erreichte Niveau zu halten.
  6. #115

    "freier Markt", ein Mythos

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Markt wird's schon richten: Während*ganze Staaten taumeln, lehren die Volkswirtschaftler unverdrossen ihre überkommenen Theorien. Jetzt rütteln Studenten die alte Professoren-Garde wach - und organisieren sich ihre Seminare zu Krise und Wirtschaftsethik selbst.

    Versagen der Uni-Ökonomen: Warum bringt uns keiner Krise bei? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Der "freie Markt" ist wohl einer der größten Mythen der VWL und der öffentlichen Diskussion. Jeder Markt braucht Rahmenbedingungen (Regeln, Rechtssprechung, Sicherheit, Zugangsregelungen, etc.). Es braucht also immer eine mehr oder weniger große Unfreiheit. Und diese Rahmenbedingungen werden mit zunehmender Komplexität für einen immer geringeren Anteil von Marktteilnehmern optimiert.

    Tatsache ist, dass nicht gewollt ist, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer die Zusammenhänge durchschaut. Wo gibt es denn das Schulfach "Ökonomie"? Wie kann es sein, dass z.B. der Begriff "Geldillusion" ein stehender Begriff in der VWL ist, aber kein Curriculum es zur Aufgabe macht, diese bevölkerungsweite Fehleinschätzung auszumerzen?

    Die Deutschen sind mit ihren Regierungen (und ihren Gewerkschaften) zufrieden, trotz realem Einkommensverlust seit Jahren, parallel zu immer größeren Gewinnen und Vermögenszuwächsen bei den Reichen. Das ist nur aufgrund von Unwissenheit, Fehlinformation und typisch deutscher Obrigkeitshörigkeit erklärbar.

    A.Storz
  7. #116

    *

    Zitat von DMenakker Beitrag anzeigen
    Und damit sind wir wieder beim Schluss meines letzten Beitrages. So einen abgedrehten Mist, wie ihn unsere Politiker seit Jahrzehnten fabrizieren, gibt KEINE Wirtschaftstheorie der Welt her. Warum also die Theorien in Frage stellen?
    Vielleicht, weil eine Theorie, die eine Realität beschreiben soll, sich auch mit abgedrehtem, aber ganz realem Mist auseinandersetzen muss?
  8. #117

    cra

    Zitat von Gerdtrader50 Beitrag anzeigen
    Das Übel begann, grob gesagt, mit Clinton, welcher von den keynesianischen Massnahmen Reagans noch profitieren konnte und die US-Staatsverschuldung(Neuverschuldung) wurde gegen Null gefahren. Dann hat Clinton an seine Hypothekenbanken Freddy Mac und FannyMae den Wunsch geäussert, man möge jedem Amerikaner helfen, ein Haus zu kaufen.
    Auch bei der eintausendsten Wiederholung wird die rechte Dochstoßlegende vom bösen Community Reinvestment Act nicht wahrer. Das Gesetz ist auch nicht unter Clinton verabschiedet worden, es ist existiert bereits seit 1977. Darüber hinaus sind die unter CRA abgeschlossen Kredite besser geprüft worden.

    ist alles schon tausendmal gesagt worden:
    Community Reinvestment Act had nothing to do with subprime crisis
  9. #118

    Zitat von duschinabuschi Beitrag anzeigen
    Aber natürlich wollen sie das. Das ist doch der ganze Sinn von mathematischen Modellen und Simulationen überhaupt. Termingeschäfte, "Futures", die Kreditwirtschaft, die gesamte Spekulation ist immer eine Wette auf die Zukunft. Aktienkurse werden prognostiziert. Kredite werden gewährt aufgrund von Zukunftsprognosen. Die Zukunft ist zentral in ökonomischen Modellen.
    Wir reden doch nicht Prognosen, die die Kreditwirtschaft erstellt, sondern von Wissenschaft, oder? Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.
  10. #119

    Zitat von albrechtstorz Beitrag anzeigen
    Der "freie Markt" ist wohl einer der größten Mythen der VWL und der öffentlichen Diskussion. Jeder Markt braucht Rahmenbedingungen (Regeln, Rechtssprechung, Sicherheit, Zugangsregelungen, etc.). Es braucht also immer eine mehr oder weniger große Unfreiheit.
    Nein, die Diskussion über den Begriff "freier Markt" zeigt nur eine große Unkenntnis über die Definition eines freien Marktes.

    Dass ein Markt immer Rahmenbedingungen braucht - im allgemeineren Sinne: Ein Spiel immer Regeln - ist eine Binsenweisheit!








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