Zitat von
herrbausa
Als Bankmarktforscher kenne ich nur eine Handvoll Banken auf der ganzen Welt, die ihre Kunden nicht segmentieren.
Erstes und wichtigstes Segmentierungskriterium ist natürlich immer die Kundenprofitabilität (und deren Wachstumspotential), denn die bestimmt den Grad der Betreuungsintensität, die sich für den betreffenden Kunden aufzuwenden lohnt.
Über diese allesentscheidende "harte" Segmentierung nach liquiden Mitteln werden dann noch verschiedene "weiche" Segmentierungen gelegt. Im vorliegenden Fall bei der HASPA wird eine Kunden-Typologie verwendet, die speziell in Deutschland gebräuchlich ist und die u. a. vom Kölner Marktforschungsinstitut Psychonomics entwickelt wurde. Über die Sinnhaftigkeit dieser Kundentypologie kann man streiten, da es keine standardisierten Fragebögen gibt, mittels derer der Kundentypus bestimmt wird. Falls er sich überhaupt um diese weiche Typologie schert, muß der Kundenberater also nach Bauchgefühl entscheiden, mit was für einem Kundentypus er es zu tun hat. Außerdem hat die Erfahrung gezeigt, daß Kundenberater von Typologien mit mehr als vier verschiedenen Kundentypen überfordert sind.
Gebräuchlicher sind Typologien auf der Basis von Lebensphasen und den damit einhergehenden Bedürfnissen (vom Schülerkonto bis zur Alterssicherung und Nachlaßplanung), oder, im Private Banking, auf Basis der Interaktionsmuster mit dem Kundenberater (vom "Selbstbestimmten Anleger" bis zum "Delegierer" oder gar "Beziehungssucher").
Segmentiert wird jedoch immer und überall, auf Teufel komm heraus – keine andere Art von Unternehmen weiß mehr über ihre Kunden als eine Bank.