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Verhaltensökonomie: Was uns zu Lügnern macht

ddp imagesBetrüger gibt es in der Wirtschaft zuhauf. Der Ökonom Dan Ariely hat untersucht, wie man Menschen das Lügen austreibt. Und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-860787.html
  1. #1

    Ehre ist mit Ehrlichkeit verbunden.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Betrüger gibt es in der Wirtschaft zuhauf. Der Ökonom Dan Ariely hat untersucht, wie man Menschen das Lügen austreibt. Und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

    Dan Ariely: Wie man Menschen das Lügen austreibt - SPIEGEL ONLINE

    Weitere Manipulationen führen zu mehr Ehrlichkeit ?

    Eine Wettbewerbsgesellschaft, in der die Lüge systembedingt dazugehört ?

    Alle wären gerne Gewinner, die Wettbewerbsgesellschaft erzeugt jedoch nun einmal außschliesslich Verlierer.

    Ein weiterer Beitrag, der aufzeigt, wie wenig so viele Ökonomen vom wirklichen Leben wirklich verstehen.

    Zahlenmenschen, als die einzig wahre Form des Roboters, sind das Resultat einer steten Degeneration des Menschen zum Homo Oeconomicus.
    Franz Arwee
  2. #2

    Alles schön und gut...

    ... aber wie so oft wurde in dieser Studie wohl eine Reaktion auf eine Aktion nicht vielschichtig genug betrachtet. Wenn der Schauspieler der Gruppe verkündet, alle Aufgaben gelöst zu haben, wird der allgemeine Eindruck in der Gruppe sein: Es ist möglich alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu lösen. Also schätzt man wohl die durchschnittliche Anzahl der gelösten Aufgaben höher ein. Schon allein deswegen wird mehr betrogen werden- wer will schon als "dümmer" oder "langsamer" als der Durchschnitt wahrgenommen werden.....
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Betrüger gibt es in der Wirtschaft zuhauf. Der Ökonom Dan Ariely hat untersucht, wie man Menschen das Lügen austreibt. Und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

    Dan Ariely: Wie man Menschen das Lügen austreibt - SPIEGEL ONLINE
    Ja, das "Ungerechtigkeitsgefühl" ist wohl eine der stärksten Antriebsfeder menschlichen Handelns.
    Es beginnt bereits im Kleinkindalter (menno, mein Bruder hat ein rotes Spielzeugauto und ich nicht!! MAAAMMAAA ICH WILL AUCH EIN ROTES SPIELZEUGAUTO!!!!) und hört eigentlich nie mehr auf.

    Bekommen sie mit, das ihre Arbeitskollege auch nur einen cent mehr verdient für die gleiche Arbeit, erscheint ihnen ihr einst so fürstlicher Lohn karg. Die Stimmung sinkt extrem, obwohl sie grade noch mit dem gehalt mehr als zufrieden waren.

    Und wie es im Alltag ist, ist es überall anders auch. Armstrong dopt und wird nicht erwischt sondern bekommt allen Ruhm!
    Dann muss ich auch dopen!
    Die Goldman-Banker betrügen, dann muss ich (Madoff) auch meinen Gewinn künstlich steigern. Ich muss mehr verdienen, nicht weil ich mehr brauche, sondern weil die anderen auch mehr verdienen.
    Und beim kleinen Mann ist es auch so - es ist eben ureigenst menschliches Verhalten.

    Deshalb muss man auch Vergehen ahnden, deren Verfolgung sich eigentlich nicht lohnt. Deshalb braucht es Kontrolle, bei Prüfungen usw.
  4. #4

    Ich möchte auch ganz ehrlich sein:

    Ich halte nicht viel von den Experimenten der „Verhaltensökonomen“. Vielen Lesern ist wahrscheinlich nicht klar, dass Verhaltensökonomie kein Teilgebiet der Psychologie ist sondern ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften. Verhaltensökonomen sind in der Regel Wirtschaftswissenschaftler, die in ihrem Studium durch ein sehr spezielles Menschenbild geprägt wurden - das des „homo oeconomicus“. Danach ist der Mensch (kurzgefasst) nichts anderes als eine rationale, nutzenmaximierende Maschine. In der gesamten Psychologie (der Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen) wird man niemanden finden, der ein solch eindimensionales, oberflächliches Menschenbild vertritt.

    Nun haben auch die Ökonomen irgendwann gemerkt, dass sich menschliches Verhalten in ökonomischen Kontexten durch ihr selbstgebasteltes Menschenmodell eher schlecht als recht erklären läßt und haben in ihrer Verzweiflung die Verhaltensökonomik erfunden. In diese fließen nun nach und nach Variablen ein, die zwar längst bekannt sind, aber vorher schlicht und einfach komplett ausgeblendet wurden. Leider geschieht dies meist absolut willkürlich, ohne jegliche Systematik, und eben auch ohne jegliches Grundverständnis vom „Funktionieren“ des Menschen, das die Psychologie über viele Jahrzehnte wissenschaftlichen Arbeitens aufgebaut hat.

    Und so kommt es, dass es - wie hier - als erschütternde neue Erkenntnis verkauft wird, dass Menschen weniger lügen, wenn sie bei ihrer „Ehre“ gepackt werden. Sensationell, die Ökonomie entdeckt das Gewissen!

    Und so kommt es auch, dass ein angeblich sehr bekannter Effekt namens „fauler Apfel“ dazu herhalten muss, den Weg eines unschuldigen Börsenhändlers zum verbrecherischen Milliardenbetrüger zu erklären: „Warum soll ICH der einzige ehrliche Dumme sein?“ Natürlich - wenn es da einen „faulen Apfel“ im System gibt, kann ICH nicht der einzige ehrliche Dumme bleiben! Das leuchtet ein und gilt Verhaltensökonomen als Erklärung für die Genese schwerverbrecherischen Verhaltens. Aus Sicht der Psychologie bleibt eine solche Erklärung rationalisierend und flitterhaft-oberflächlich – so wie das ihr noch immer unterliegende Menschenbild des „homo oeconomicus“.

    Vertiefende Experimentieraufgaben für die Verhaltensökonomen wären deshalb jetzt folgende Fragen: Was unterscheidet einen faulen von einem nichtfaulen Apfel? Welche Faktoren sorgen dafür, dass Äpfel überhaupt faulen? Gibt es vielleicht Äpfel, die vor Fäulnis geschützt sind? Kommen viele Äpfel vielleicht schon mit Fäule ins System? Welchen Einfluss haben verschiedene systemische Faktoren am Faulprozess der Äpfel? Wie wird aus einem faulen Apfel ein oberfauler Apfel? Wie kann man das Faulen der Äpfel im System generell verhindern?
  5. #5

    Resonanz

    Das Problem viel tiefgündiger angegangen deckt auf, dass der Einzelne seine Orientierung nicht verlieren will. Durch Einstimmen (Resonanz) auf ein höher schwingendes Niveau will er aufsteigen. Wir nennen diesen Prozess "Lernen".
    Die Natur spickt ab und zu von sich aus einen Menschen auf ein höheres Niveau. Dieses Niveau besiedelt sich zuerst sehr langsam mit dem Risiko, sogar wieder zu verschwinden oder aber, es gewinnt an Dynamik und wächst rasch an, bis erneut ein Sprössling auf ein höher schwingendes Niveau gespickt wird. Hier beginnt der Prozess sich scheinbar zu wiederholen. Sie können das Prozedere Evolution nennen. Wo sie uns hinführt wissen wir alle nicht. Trotzdem können wir in diese Prozesse eingreifen. Wir nennen es Moral oder Fortschritt.
    Mit John Szostak lernen Sie die Abiogenesis kennen. Er zeigt ihnen die Vorgänge auf der Ebene "Chemie". Mit Venter steigen Sie auf die Stufe des künstlichen Lebens. Der Avatar gelangt in Greifweite.
    All die Übergänge nehmen wir kaum wahr. Wir verändern uns ständig und passen uns dem Neuen an, durch Resonanz.
    Auf der Stufe Stringtheorie müssen Sie schon das Rüstzeug der Mathematik beherrschen, um James Silvestre Gates Jr zu folgen. Leonard Susskind wird Ihnen beistehen. Viel Spass. Nebenbei: Sie werden John Horton Conway kennen lernen. Er entdeckte das Spiel "Leben" und er bewies 2006 mit Simon Kochen zusammen das FREE WILL THEOREM.
    (Den Beweis können Sie via iTunes U nachvollziehen)
    Philosophieren Sie nicht sondern verwenden Sie Mathematik. Crigs
  6. #6

    Der homo oeconomicus ist latent kriminell

    Ich glaube, dass das Verdrängen dieser Tatsache zu vielen Problemen führt, die eigentlich vermeidbar wären (zum Beispiel die Finanzkrise, die FDP etc.). Würde man anerkennen, dass der Mensch eben weit davon entfernt ist, eine evolutionär derart hohe Stufe erreicht zu haben, in der er als soziales Wesen gemeinschaftsverantwortlich auch das eigene Gewinnstreben entsprechend sozial verträglich gestaltet. Diese Menschen gibt es nicht, im Gegenteil, er braucht wie einst zu Zeiten von Höhle und Keule eine regulierende und sanktionierende Institution, die seinen erz-egoistischen Trieben Einhalt gebietet. Selten in der Geschichte haben wir dieses betrügerische um nicht zu sagen kriminelle Moment deutlicher zu spüren bekommen als gerade jetzt während der Dekade der Finanzkrise. Und dennoch weigern sich die Egoisten, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Wir werden sie wohl mit Gewalt dazu zwingen müssen.
  7. #7

    Vorbilder

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Warum soll ICH der einzige ehrliche Dumme sein?"
    Diesen Effekt sollte man nicht unterschätzen. Bei uns werden die höchsten Politischen Ämter von Betrügern besetzt, da kann man nicht erwarten, dass der kleine Mann immerzu ehrlich bleibt.
  8. #8

    Gewissen schützt vor notorischem Lügen

    Jeder Mensch lügt mal. Problematisch wird es, wenn das Lügen notorisch ist, wie es bei schweren Persönlichkeitsstörungen wie Narzismus und Soziopathie meist der Fall ist. Soziopathen lügen weiter, auch wenn sie Strafen zu befürchten haben, da sie aus ihren Fehlern nicht lernen. Notorischen Lügner fehlt das, was uns Menschen eigentlich ausmacht: Gewissen. Unsere Gewissen hält uns ab, ständig unsere Mitmenschen anzulügen, um eigene Vorteile daraus zu erlangen. Sehr problematisch ist es, wenn Menschen notorisch lügen, die große Macht über andere Menschen haben und wichtige politische Entscheidungen treffen.
  9. #9

    Da

    Zitat von NewHuman Beitrag anzeigen
    Ich halte nicht viel von den Experimenten der „Verhaltensökonomen“. Vielen Lesern ist wahrscheinlich nicht klar, dass Verhaltensökonomie kein Teilgebiet der Psychologie ist sondern ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften. Verhaltensökonomen sind in der Regel Wirtschaftswissenschaftler, die in ihrem Studium durch ein sehr spezielles Menschenbild geprägt wurden - das des „homo oeconomicus“. Danach ist der Mensch (kurzgefasst) nichts anderes als eine rationale, nutzenmaximierende Maschine. In der gesamten Psychologie (der Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen) wird man niemanden finden, der ein solch eindimensionales, oberflächliches Menschenbild vertritt.
    muss man jetzt aber schon eingreifen, denn so stimmt das einfach nicht.

    Auch Verhaltensökonomen ist durchaus bekannt, dass menschliches verhalten nicht so eindimensional ist. Der Homo Oeconomicus ist immer nur der Ausgangspunkt der Untersuchung, bei der erforscht wird, warum der Mensch eben gerade nicht nach der Maxime der Nutzenmaximierung handelt.

    Und das ist schon ein Unetrschied.








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