Verdienste unter 6,50 Euro: Deutschland verkommt zum Billiglohnland

Millionen Deutsche arbeiten für einen Hungerlohn. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt nun: Der Trend trifft längst mehr nicht nur unqualifizierte Arbeitnehmer in Ostdeutschland. Auch Bäcker, Fleischer und Friseure im Westen müssen mit*weniger als acht Euro pro Stunde auskommen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...806175,00.html
  1. #50

    Es gibt durchaus Branchen mit kräftigen Lohnzuwächsen:

    NRW-Abgeordnete wollen 500 Euro mehr - NRW - Politik - Home - Westdeutsche Zeitung
  2. #51

    ...

    Zitat von Trondesson Beitrag anzeigen
    Und? Sollen wir jetzt von ihrem Aushilfsjob vor 30 Jahren Schlüsse auf die gegenwärtige Lohnsituation fest angestellter Arbeitskräfte in Deutschland, die auf die Bezahlung ihrer regelmäßigen Arbeit angewiesen sind, ziehen?
    Genauso abwegig wie der Beitrag des Pizzafahrers.
    Da haben Sie mich falsch verstanden.

    Daß ich in einem Aushilfsjob vor fast 30 Jahren mehr bekommen habe, als heute jemand Festangestelltes, zeigt doch deutlcih, was in diesem Land mit dem Lohnnivieau passiert ist.

    Ich finde, das ist eine Schande, vielleicht sehen Sie das ja anders.
  3. #52

    Verantwortung lässt sich nicht auf Endverbraucher abwälzen

    Zitat von SteveCrj Beitrag anzeigen
    ... mögen wir nicht alle:

    - Die billigen Brötchen vom Supermarktstand oder vom Selbstbedienungsbäcker? ...
    Es ist unfair allein dem Endverbraucher die Verantwortung zu lassen. Der Endverbraucher sieht die Ware und den Preis und kauft die Ware mit dem besten Preis- Leistungsverhältnis. Ist der Endverbraucher selber arm, bleibt ihm nichts anderes übrig als das billigste Produkt zu kaufen, auch wenn das Preis- Leistungsverhältnis schlechter ist.

    Der Endverbraucher weiss selten viel über die Herstellungsprozesse und die Löhne der daran beteiligten. Desweiteren verdient eine indische Näherin bei einer Hose für 100 Euro im Einzelhandel genausowenig wie für bei einer Hose für 10 Euro bei KiK. Der grösste Kostenanteil ist oft Marketing und Pacht.

    Gerade die grossen Konzerne die diese Billigwaren anbieten, machen saftige Gewinne. Der mittelständische bzw. kleine Unternehmer ist selbst unter Druck weil er preislich mit dem Discounter nicht mithalten kann.

    Desweiteren ist aufgrund der Agenda Politik häufig so, dass sich Subunternehmen dazwischenschalten. Der Reinemacher in einem Luxushotel verdient deshalb so wenig, weil das Hotel die Putzkräfte nicht direkt einstellt, sondern über Agenturen die wiederum auf Zeitarbeitsfirmen zugreifen. D.h. es sind häufig 3 Chefs die an der Putzkraft verdienen, und dieser wirft man dann vor sie sei nicht produktiv genug. Wenn man von einer gering qualifizierten Kraft verlangt gleich 3 Chefs zu ernähren mag das stimmen.

    Denselben Trend sieht man bei den Paketausträgern. Diese sind zum grösstenteil extrem produktiv, arbeiten massive Überstunden und verdienen trotzdem kaum mehr als Hartz IV. Auch hier ist das Problem das eine Vielzahl von Subunternehmer sich dazwischenschalten.

    Mit höheren Löhnen würden diese Pakete trotzdem ausgetragen werden, aber die Hierarchie von Subunternehmer ist nicht mehr wirtschaftlich.
  4. #53

    Wirtschaftskrieg

    Die Bankster in New York und London haben erst ihre eigenen Länder abgezockt, nun suchen sie neue Opfer und glauben sie im alten Europa zu finden. Das Mittel dazu ist ein Währungkrieg gegen den Euro. Sie zwingen Staaten, immer mehr Geld in hoffnungslose Vorhaben zu pumpen und schöpfen dieses ab. Auf der Strecke bleiben dabei zunächst die Bevölkerungsmehrheiten in USA und UK.

    Die Besitzeliten Deutschlands -die übrigend 1945 mit Masse nicht auf der Anklagebank gesessen haben (wenn diese Bemerkung hier erlaubt ist) und demzufolge nicht abgeurteilt wurden- haben in Deutschland durchregiert. Solange sie Angst vor Enteigung und Schlimmerem durch Kommunisten hatten, waren sie handzahm. Die Zeiten sind vorbei. Seit dem Fall des Kommunismus ist alles alternativlos. Bei den wichtigen Themen Krieg, Zuwanderung, sozialer Sicherheit hat die Besitzelite die Parteien längst gleichgeschaltet und damit die Demokratie unterwandert. Die haben auch die Kontrolle über die Produktionsfaktoren, an denen die Bankster von London und New York gerne mitverdienen würden. Das möchten die deutschen Besitzeliten aber gar nicht. Die möchten die Erträge "ihrer" Arbeitsdrohnen in den eigenen Machterhalt stecken.

    In der Regel geht so ein Krieg mit einer Einigung der Adeligen auf Kosten der Bevölkerungen aus. Soll heißen, ein Teil der deutschen Realwirtschaft wird der Gier der Bankster zum Fraß vorgeworfen, damit die deutschen Besitzleliten noch eine Weile von dem Rest profitieren können. Das bedeutet mehr Druck auf dem Arbeitsmarkt. Und weil die selbe Nummer auch in anderen Ländern ohne industrielle Struktur mit Hilfe von Ex EU Technokraten durchgezogen wird, bedeutet es auch mehr Wirtschaftsflüchtlinge, was wiederum geringere Löhne bedeutet.

    Und während sich die LINKEN freuen, daß die Finanzkrise Teile ihrer Ideologie eindrucksvoll bestätigt hat, sind sie doch offensichtlich völlig unfähig, diesem Ablauf auch nur Sand ins Getriebe zu streuen. Oder unwillig. Es sitzt sich ja ganz gut in den Sesseln der Parlamente.
  5. #54

    LOL - der Lohnkostenanteil

    Zitat von Hüsse Beitrag anzeigen
    Was mich wundert ist, dass die meisten der im Artikel genannten Arbeiten dem Dienstleistungssektor angehören.

    Ist dies auch in der Industrie so?

    Ich frage deshalb weil oftmals ja das Argument mit den Billigprodukten aus China kommt. ("Wir müssen billiger produzieren, damit wir konkurrenzfähig bleiben.")

    Eine weitere Frage, die sich mir stellt ist folgende: Müssen die Waren so teuer produziert werden, weil das Lohnniveau so hoch ist, oder weil der Qualitäts- und Sicherheitsstandart, so hoch ist? Trägt hier die europäische Union nicht eine gewisse Mitschuld, wenn für jedes Produkt zigtausend Tests bezgl. Sicherheit verlangt wird?

    Mit anderen Worten: Sind deutsche Waren deswegen so teuer weil die ISO Normen so enrome Kosten verursachenoder weil der deutsche Normalbürger "so viel" verdient?
    Es wird gerne mit den Produktpreisen argumentiert - aber nehben den Lohnkosten stecken in den Preisen noch andere Faktoren.

    Auf die 'ISO Norm' wäre ich aber nie gekommen...

    Wie wäre es mit Vertriebskosten, Mieten und Leasing, Energie usw?
  6. #55

    Zitat von citizengun Beitrag anzeigen
    Dies ist ein Resultat cleverer Arbeitsmarktpolitik. Z.B. hat die Entscheidung private Arbeitsvermittler mit ins Boot zu holen (für die Vermittlung werden bis zu €2000 gezahlt), dafür gesorgt, dass die Lohnstatistik weiter verzerrt wird. Private Arbeitsvermittler schaffen viele fiktive Jobs auf die sich reale Arbeitnehmer mehrfach bewerben. Dadurch wird eine enormer Lohndruck erzeugt. Das klappt so gut in Deutschland, weil ein Geschäft mit Arbeitslosen gemacht wird. Nur ganz wenige erkennen hier den Trick der Politik.
    Genau so sieht es aus! Ich musste vor kurzem an einer - von der Arbeitsagentur bezahlten (!) - Maßnahme teilnehmen, bei der es um "Zeitarbeit" ging. Es wurde 8 Stunden lang erklärt, dass diese Form der Arbeit doch "absolut klasse" für alle Beteiligten sei. Das Interessante dabei war, dass der Veranstalter der Maßnahme (tadaaaa!) eine Zeitarbeitsfirma war.

    Vom Staat finanzierte Eigenwerbung mit Teilnahmepflicht. Besser könnten es so ein "Arbeitgeber" doch gar nicht haben.

    So wird das ganze System auf Kosten der Arbeit suchenden ausgenommen. Und das ist das gleiche wie mit den Vermittlungsprämien.

    Eine gängige Methode dieser Firmen ist auch die kurzzeitige (4-12 Wochen) Vermittlung von Jobs mit höhren Ansprüchen an die Qualifikation. Das heisst, es werden für diesen kurzen Zeitraum Jobs vermittelt für die eine Berufsausbildung (egal welche) nötig ist. Damit wird geködert, denn da sind die Tarife höher. Nach dieser kurzen Zeit gibt es nur noch Stellen die diese Qualifikation nicht mehr benötigen und man bekommt statt z.B. 9,50 nur noch 6,50 (Brutto!) pro Std.
    Raus kommt man so leicht nicht mehr, da man bei Kündigung den Anspruch auf Arbeitslosengeld für 3 Monate verliert.

    Den Arbeitsagenturen ist dieses Vorgehen zwar bekannt, doch kann man angeblich nichts dagegen unternehmen.
  7. #56

    Waren Sie bescheiden

    Zitat von juharms Beitrag anzeigen
    Hab vor 10 Jahren schon nebenbei Pizza ausgefahren. Dafür habe ich damals als unqualifizierter 5,50 € die STunde plus Trinkgeld bekommen. Damals kostete alles auch etwa die Hälfte. Die Ausbeutung ist wirklich erschütternd.
    Ich habe während des Studium vor genau 40 Jahren 1972-1976 in den Semsterferien als Bandarbeiter in der Automobilindustrie 8,74 DM - 9,26 DM /h verdient und das war Netto ohne Steuer und Sozialabgaben. Die Abrechnungen habe ich noch heute, neben meinen Bafögunterlagen.
  8. #57

    Zitat von svenni1064 Beitrag anzeigen
    bedeuten etwa 870 Euro netto pro Monat ohne Kinder und STK I. Das ist zwar wenig, aber auch nicht gerade zum hungern. Übrigens ist Ihr Beispiel das ungelernter Arbeit, und da kann man auch gerne mal etwas anderes mit mehr Lohn finden, oder? Zudem so etwas ja eher von Studis gemacht wird.

    Ich finde es wesentlich schlimmer, dass oft gelernte auch nur so wenig bekommen oder wenig mehr bekommen. Aber letztlich: Bildung zahlt sich aus - überall. Und das kostet Schweiß und Fürsorge der Eltern.

    Das eigentliche Problem ist ein anderes, und das ist wirklich vor allem ein Deutsches Problem: Dienstleistung ist hier nichts wert. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Die Leute streichen eben lieber selber und das drückt den Preis und das den Lohn.
    Sagen Sie mal welchen Schuss haben Sie denn nicht mehr gehört!
    Leben Sie mal von 870€ und zahlen Miete, dann sind sie ganz schnell auf Hartz IV Niveau
  9. #58

    Eben, man kann nicht alles haben..

    Zitat von wika Beitrag anzeigen
    … und einer der sogenannten Effekte der Globalisierung, sprich bessere Renditen. Der Trend ist aber ja nicht wirklich neu.
    schließlich machen die Konzerne beste Gewinne, Maschmeyer kann den Bundespräsidenten in angemessene Umgebung einladen und Ackermann sein Konto füttern, können EU-Beamte mit 55 in Rente (Pardon: Pension und jetzt sollen es auch 58 Jahre werden) und Bundestagsabgeordnete in den nächsten beiden Jahren monatlich jeweils mehr erhalten als ein ausgemusterter Mehrwertheranschaffer qua H4 erhält. Da spielt so'n bißchen Lohnzurückhaltung doch keine Rolle, das Große, Ganze, Europa, die Wettbewerbsfähigkeit und so, muß uns doch erhalten bleiben.
  10. #59

    Gut so !

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Millionen Deutsche arbeiten für einen Hungerlohn ... müssen mit*weniger als acht Euro pro Stunde auskommen.
    Jeder hat die Regierung, die er gewaehlt hat.
    Bei der letzten Wahl wurde die FDP gewaehlt, die hatte auch den Slogan 'Arbeit muss sich wieder lohnen', und sie ist gegen Mindestlohn.

    Und die CDU wurde gewaehlt, deren Chefin den rhetorischen Mindestlohn eingefuehrt: labern und nichts tun.

    Fast Alle, inklusive der SPD, lassen sich erpressen von den Bossen der Industrie, die drohen: wir wandern ab, wenn wir zuviel Steuern und zu viel Lohn zahlen muessen.

    Wenn der deutsche Waehler so dumm ist, und das mitmacht, hat er nichts besseres verdient. Hauptsache den Wulffs, Maschmeyers, Schaefflers, Piechs, ... geht es gut, die muessen ja auch die teuren Klamotten kaufen, dass die Fotos in den Boulevardsmagazinen gut werden.