Wenn es Sie beruhigt. Meine Diss hat ca. 300 Seiten umfasst. Ebenso wie meine Diplomarbeit. Und das alles ohne Gelabere.
Wie erklären Sie Doktorarbeiten, die in einem Jahr entstehen? Von den genialen Geisteblitzen ganz weniger abgesehen, kann in dieser kurzen Zeit kaum eine vernünftige Literaturrecherche stattfinden, das Schreiben einer Diss erst recht nicht.
Als Geistewissenschaftler sollten Sie schon in der Lage sein, meine einfachen deutschen Foren-Texte zu verstehen. Oder liegt gerade in der einfachen Formulierung das Verständnisproblem?
Es muss eine Qualitätskontrolle her für alle Dissertationen. In vielen Fächern wird diese Qualitätskontrolle indirekt durchgeführt über die veröffentlichten (Zwischen-)Ergebnisse. In den Bereichen, in denen bis auf die Gutachter niemand die Dissertation liest und die Ergebnisse niemals einem breiten Fachpublikum vorgestellt werden, die Diss in irgendeiner Bibliothek verschwindet, ist eben mehr Platz für mögliche Schummeleien und Schmierereien.
Das habe ich gesagt. Und das ist für meinen Geschmack differenziert genug.
Ich habe übrigens im Rahmen meiner Lehrerausbildung das "Vergnügen" gehabt, pädagogische Doktorarbeiten zu lesen. Da wimmelt es von Ausführungen wie "X hat gesagt", "Y behauptet" und "Wie Z gezeigt hat". Auch Fußnoten sind der ganz große Renner. Dabei ist es vollkommen egal, wer etwas gesagt hat. Wichtig ist, was gesagt worden ist und wie es gezeigt worden ist. Aber das sehen Geisteswissenschaftler offensichtlich ganz anders. Und wenn etwas wichtig ist, dann kommt es in den Haupttext, ist es unwichtig, dann wird es weggelassen. Insofern sind Fußnoten entbehrlich. Das Weglassen von Fußnoten macht das Schreiben der Texte zwar schwieriger, hilft dem Leser aber enorm. Und ein guter Autor schreibt für seine Leser.
Wir werden sicherlich noch erfahren, in welchen Fächern mit Doktorgraden betrogen worden ist. Die Ingenieurwissenschaften sehe ich da nicht auf den vorderen Plätzen. Sondern eher die Laberfächer. Auch aus den von mir genannten Gründen.
Wenn Sie so persönlich werden, haben Sie vielleicht etwas in diesem Zusammenhang zu verbergen?
Ich bin übrigens ganz ruhig. Denn ich habe nichts zu verbergen.



