DPAMehr Spatzen, Stockenten und Kohlmeisen - weniger Rebhühner und Pirole: Der Mensch hat die Vogelwelt gravierend verändert. Vögel, die sich gut anpassen können, breiten sich aus. Spezialisten hingegen sind auf dem Rückzug. Die Natur verarmt.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/n...844964,00.html
Und was ist mit den zahlreichen Stadttauben?
Naja, der Erfolg dieser Arten besteht ja in Anpassung an spezielle Lebensräume! Besetzung spezieller Nischen durch Anpassung...
Ihre eher allgemein gehaltene Feststellung wird der traurigen Tatsache, dass nun speziell solche Nischenbewohner durch anthropogene Einflüsse zu Gunsten der Generalisten verdrängt werden, leider nicht gerecht.
Es gibt überall Beispiele, wie völlig unsinnige Arbeiten vorgenommen werden, die auch z.B. bodenbrütenden Vögeln Schaden.
Beispielsweise gibt es hier einen Teich, der an den Rändern mitten im Juli komplett niedergemäht wird, bis nur noch Erde zu sehen ist.
Diese unmittelbare Umgebung vom Teich ist so ziemlich das letzte Stück Natur, nachdem sie hier einen kompletten neuen Stadtteil hochgezogen haben (Lübeck an der Fachhochschule).
Oder diese ganzen 2Takt Stinker (1Euro Jobber mit 2Takt Handmähern), die überall das Unkraut mähen.
Bevor sie hier die ganzen Funktionsgebäude hochzogen hatten, gab es auf der Brachfläche eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, teilweise mit Blüten die ein Stadtmensch gar nicht kennt. Man konnte dort sogar einen Stieglitz beobachten.
Direkt nebenan wurde ein "Park" designed. 5 rechteckige Rasenflächen, wo man gnädigerweise 2 alte Bäume hat stehen lassen.
Die "Unkrautwiese" gibt es nun leider nicht mehr weil 5 Gebäude hochgezogen wurden. Und auf dem Rasen des "Parks" gibt es genau drei Vogelarten: Amsel, Krähe und auf den Sandwegen Bachstelzen (die man langsam in Asphaltstelzen umbenennen sollte weil die schon auf dem Bürgersteig und den Strassen leben können).
Und solch einen Schwachsinn kann man überall sehen. Dass jede kleine Gemeinde Gewerbeflächen bis zum Abwinken ausweist ist auch so eine Sache, die nicht wirklich etwas bringt. Ziehen 3 Firmen ein, ist bei der vierten Firma schon eine der alten Firmen Pleite. Trotzdem werden natürlich für jede Firma neue Gebäude gebaut.
ÖPNV Anschluss nicht/kaum vorhanden; sollen die Arbeitnehmer halt sehen wie sie dorthin kommen.
Schwalbennester werden mitten in der Brutzeit zerstört, wo man zwar nachträglich eine Anzeige vornehmen kann, es den Jungvögeln aber auch nicht hilft.
Es wäre wünschenswert, "Betonrasen" nicht als erstrebenswerte Grünfläche zu sehen, sondern die Pflanzen auch einfach mal wachsen zu lassen. Es spricht ja nichts dagegen, einmal im Jahr (im Herbst) die betreffenden Wiesen einmal zu mähen damit es eine Wiese bleibt.
Aber doch nicht dauernd während der Brutzeit.
Fazit: Es wird viel Geld ausgegeben (Arbeitskräfte, 2-Takt-Gemisch) damit ja keine Pflanzen wachsen.
Aber das genau ist doch der Denkfehler. Wir Menschen passen uns nicht mehr an sondern wir planieren und betonieren alles und passen die Welt an das an, was wir unter Zivilisation verstehen.
Die enorme Vielfalt der Arten und Erscheinungen lebendiger Wesen war und ist ein Ergebnis auf ebenso komplexe Umweltbedingungen. Und die reduzieren und verarmen wir, indem wir sie unserer Bequemlichkeit und Dekadenz anpassen. Auf diese planierte Umwelt reagiert die Fauna und Flora mit einer Verarmung, die äquivalent ist.
Und das wiederum passt zu dem Einheitsbrei den wir kulturell konsumieren und der die Möglichkeiten für eine individuelle Entfaltung unserer Persönlichkeit bestimmt. Bei gleichzeitigem Anspruch auf größtmögliche persönliche Freiheit versteht sich.
Auch kulturell gesehen haben wir die schrägsten Vögel in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht. Heutzutage entstehen Ex und Hop Produkte die sich nach wenigen Jahren verbraucht haben und ersetzt werden, weil sich keine wirkliche Substanz mehr bilden konnte. Übrig bleiben die erfolgreichen aber farblosen. Was das mit sich bringt wird sich zeigen. Ideenarmut und Mangel an schrägen Vögeln bedeuten auch eine Verarmung des Pools aus dem heraus eine Gesellschaft wandlungsfähig bleibt.
Der Satz "Generalisten nehmen zu, Spezialisten werden seltener" (den man schon vor Jahrzehnten hören konnte) trifft nicht immer zu: als Spezialisten geltende Arten wie Schwarzstorch und Kranich haben in Mitteleuropa in den letzten Jahren deutlich zugenommen, während anspruchslose Allerweltsarten wie Goldammer und Feldlerche teilweise selten geworden sind. Die Unterscheidung Generalist/Spezialist ist auch gar nicht so einfach zu treffen: der Wiedehopf kommt in Südeuropa in vielen Lebensräumen vor, während er bei uns besondere Anforderungen stellt. Der Gartenrotschwanz hat eigentlich eine viel weitere Verbreitung als der Hausrotschwanz, trotzdem ist dieser heute häufiger.
Sinnvoller ist es zu schauen, woran eine Vogelart angepaßt ist, und dann stellt man fest, daß es vor allem die Vögel der offenen Agrarlandschaft sind, die stark abnehmen, während sich Wald- und Gartenvögel halten können.
Darum geht es nicht. Es geht darum, daß die Artenvielfalt zurückgeht.
Artenvielfalt ist die Grundvoraussetzung für ein stabiles Gleichgewicht in der Natur.
Die werden inzwischen vielerorts zur regelrechten Plage. Aufgrund der "wie niedlich"-Tüddelei vieler Menschen - Winter wie Sommer durchgefüttert:
"Die armen Tauben".
Städte und Gemeinden ergreifen inzwischen - im Gegensatz zu früher mit Vergasung - biologische Maßnahmen, weil der ätzende Taubenkot nicht nur öffentliche, sondern auch Privatbauten, Mietshäuser beschädigt.
Die Tiere werden durch Spezialfutter unfruchtbar gemacht. Wegen der guten Versorgung können sie inzwischen mehrfach im Jahr brüten, das ist das Problem.
Im Gegensatz zur Behauptung im Artikel steht vielerorts auch der Haussperling (Spatz) auf der "roten Liste"...
Haussperling: Im Westen Mitteleuropas ist der Bestand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgegangen..
Die Gründe sind vielfältig.
In alten Zeiten wurde ein Spruch geprägt: Macht euch die Erde untertan und mehret euch, oder umgekehrt. Die Spezies Homo hat sich das gründlich zu Herzen genommen und sich der Verschlimmbesserung von Lebensräumen gewidmet. Anpassungsfähigkeit an die stark veränderte Umwelt zum kontinuierlichen spezieseigenen Verbrauch bis zur Verwandlung in nutzungsresistente Ödnis war Homo zum Schaden des Globus überdosiert mitgegeben. Wie zu erwarten hat sich eine Auswahl homoresistenter Arten den so veränderten Gegebenheiten angepasst. Nicht anpassungsfähigen Arten hat Homo durch seinen überbordenden Eigenbedarf zunehmend die Lebensgrundlage entzogen und dies geschah vorwiegend in den letzten Dekaden, wie aufmerksame Zeitgenossen durchaus wahrnehmen konnten. Ein spätgekürter Umweltschutz hat bei Homo nur sporadisch und nur bei offensichtlichen Schadereignissen Wahrnehmungsqualität als Randerscheinung erreicht. Mit Homo als Globalgestalter haben alle "schrägen Vögel" nur noch eine sehr begrenzte Wahrscheinlichkeit für ihren Fortbestand.