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Venedig: Die ganze Stadt ein Grab
CorbisMehr als 20 Mal wütete die Pest in Venedig. In ihrer Not entwickelte die Republik eine für Europa vorbildliche Gesundheitsbehörde.
http://www.spiegel.degeschichte/0,1518,835336,00.html
- #20 02.06.2012 16:14 von
- #21 02.06.2012 16:53 von
sicher,
mir geht es nur um das übliche Gekreische, die Menschheit wäre morgen tot.
Gäbe es einen heftigen Stamm an Erregern, der Erfolg einer Pestepedemie würde sich nicht mehr an ein paar toten Präriehunden messen lassen. Käme es tatsächlich zu einem Ausbruch an Lungenpest, die Presse hätte kaum mehr Zeit irgendetwas zu tippen. Die Inkubationszeit ist gleich null, der Tod kommt schnell. Die Verbreitungsgeschwindigkeit global gesehen wäre enorm. So lange ein paar Nager sich mit der Pest plagen, so lange ist nichts passiert. Die wenigen Fälle an menschlichen Toten und behandelten Patienten gibt ganz simpel kein Szenario für eine Katastrophe her.
Mehr habe ich nicht gesagt. - #22 02.06.2012 17:41 von
Propaganda
Ganz und gar nicht. Gelehrt wird Medizin und dieser Begriff umfasst letztlich alles, was tatsächlich wirksam ist. Der Begriff der Schulmedizin dagegen wurde von Homöopathen etabliert, dient der Abgrenzung und - reden wir nicht darum herum - der gezielten Diffamierung. Sie werden den Begriff praktisch nie in einem positiven Kontext antreffen. Der Begriff ist pure Propaganda und in keiner Weise so neutral, wie Sie es behaupten.
Es ist letztlich trivial: Nur wenn man eine andere Medizin (Alternativmedizin) behaupten möchte, muss man für die eigentliche Medizin einen Kampfbegriff (Schulmedizin) finden, der als Feindbild dient. Ihrer Auffassung nach müsste es dagegen letztlich auch eine Schularchitektur, Schulbetriebswirtschaftslehre oder ein Schuljura geben. Das ist offensichtlich nicht der Fall.
Zudem haben Sie eine falsche Vorstellung von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit. Wissenschaft beschreibt eine Methode des Erkenntnisgewinns. Das mit ihr gewonne Wissen ist nicht endgültig, aber auch nicht falsch. Wissenschaftlichkeit ist daher nicht relativ und unterliegt erst recht nicht dem Zeitgeist.
Eines der besten Beispiele ist die newtonsche Mechanik. Sie wird noch heute in der Schule gelehrt, weil sie selbstverständlich noch heute gültig ist. Das Wissen ist im Rahmen der damaligen Messgenauigkeit noch immer gültig. Es war damals auf diese Weise gültig und es ist auch heute noch auf diese Weise gültig. Es hat sich nur geändert, dass wir auch eine höhere Messgenauigkeit erreichen können und dort die Relativitätstheorie angewendet werden muss. Und wir wissen heute schon, dass die Relativitätstheorie ebenfalls nicht alles sein kann und es eine genauere Theorie geben muss. Aber auch in 1000 Jahren wird die Relativitätstheorie noch in der aktuellen Messgenauigkeit unverändert gültig sein.
Das ist Wissenschaft: Der bisher einzige bekannte Schutz gegen Blödsinn. Und zwar zeitlos. - #23 02.06.2012 18:22 von
Ich will die Party ja wirklich nicht stören, aber...
Wir leben in Mitten von etlichen grassierenden Epidemien. Durch europäische Krankenhäuser geht MRSA, Diabetes ist voll auf dem Vormarsch. In Osteuropa sind Typhus und TBC ein echtes Problem. Von Hep C und HIV ganz zu schweigen. Hier sind manche Länder 20-30% durchseucht!
Zwischendrin treten immer neue Virusvarianten auf, oder Viren ändern ihr Verbreitungsgebiet (Hanta-Viren in Süddeutschland?)
Das wir diese ganzen Biogefahren nicht als "schwarzen Tod" erleben, ist nur dem Umstand geschuldet, dass die meisten sich täglich Waschen, Krankheiten schnell festgestellt und so gut es geht behandelt werden: Wir verstehen nicht jeden Durchfall, aber wir ersetzen bei jedem Durchfall die Flüssigkeit.
Der wichtigste Schutz aber ist, dass wir ein System besitzen in dem sich das Wissen über eine neue Krankheit, genauso viral vermehrt, wie die Krankheit selbst.
Wissen kann sogar in einem karzinogenen Prozess zur Hysterie entarten!
Schaut, fast alle Vorsichtsmaßnahmen, die bei EHEC empfohlen und gepostet wurden, waren gegen den tatsächlichen Ansteckungsweg ein wenig wirksam:
Salate in Gaststätten meiden und zu Hause penibel säubern.
Hat im Rückblick Sinn gemacht. - #24 02.06.2012 18:33 von
Wann beginnt Wissenschaft?
Nach Ihrer Definition wäre die Humoralpathologie, die damals Stand der Wissenschaft war - und bis ins frühe 20. Jahrhundert als Basis der Medizin an den Universitäten gelehrt wurde - im Grund immer noch richtig, nur ergänzt um weiteres Wissen? Denn, ich zitiere "Das mit ihr gewonne Wissen ist nicht endgültig, aber auch nicht falsch." Zitat Ende.
Die Humoralpathologie ("Säftelehre") ist ja keine Erfindung der Alternativmedizin.
Offensichtlich gibt es ja doch falsche wissenschaftliche Auffassungen, denn die Humoralpathologie sehen Sie ja vermutlich als falsch an.
Und ich bleibe dabei: 50% der heute gelehrten Verfahren sind in der Medizin nach den Goldstandards der EBM nicht überprüft. D.h. ihre Wirksamkeit besteht ausschließlich aufgrund Erfahrungen und subjektiven Einschätzungen. Das wird Ihnen jeder ehrliche Mediziner bestätigen. Deshalb muss es ja nicht falsch oder unwirksam sein. Nur, nach strengen wissenschaftlichen Kriterien sind diese Methoden eben nicht geprüft. - #25 02.06.2012 19:47 von
Medizin ist keine Naturwissenschaft sondern..
bedient sich teilweise naturwissenschaftlicher Techniken. Medizin gehört zu den Geisteswissenschaften (Doktorarbeit wird häufigst in ein paar Monaten neben dem Studium auf Niveau Hausarbeit gefertigt), weil nur sehr schwer Experimentalreihen mit repoduzierbaren, einheitlichen Fällen möglich sind. Neben den unterschiedlichen Patientenveranlagungen usw. sowie dem Phänomen Placebo / Nocebo-Effekt sind Methodenstudien sehr von der Vorgehensweise bzw. Vorauswahl der "Objekte" abhängig. Daher werden auch für "schulmedizinisch gesicherte Aussagen" Doppelblindstudien (weder Patient noch durchführender Mediziner wissen, wer zur Kontroll- oder Testgruppe gehört) gefordert.
Es gilt aber, dass nicht alle Heil(s)methoden einfachen Regeln folgen. Medizin ist Versuch und Irrtum, äh. Diagnose und Therapie. Für viele sog. alternativen Angeboten liegen aber glaubhafte Nachweise der Nichtwirksamkeit (kein besserer Heilerfolg gegenüber Kontrollgruppen) vor. Diese sind mit wenigen Ausnahmen, z.B. asiatische Traditionsmedizin mit giftigen Schwermetallsalzen nicht Verboten. Änliche Therapieformen waren früher auch in Europa (Anitbiotikaersatz Quecksilber gegen Syhilis) übliche "Schulmedizin". Ich glaub, daher kommt auch der Schimpfname "Quacksalber".
Solche Untersuchungen haben z.T. aber auch Überraschungen hervor gebracht, wie der erwiesene Erfolg der Akupunktur. Witziges Ergebnis : der Erfolg war unabhängig von den hochgeistigen Theorien der Knotenpunkte, hauptsache es wurde gestochen. Diese Reizungen scheinen effektive Wirkung zu haben.
Der medizinische Wissenstand zur Pestzeit - von Wissenschaft kann nicht geredet werden - war übrigens wegen dem Forschungsverbot der Kirche und dem systematischen Verbrennen der "Naturheilkundigen" stark abgefallen.
Grundlage von Wissenschaften ist die Erkenntnis und ggf. eine Änderung bisheriger Lehrmeinungen. Daher ist überholtes Wissen wie die Humoralpathologie keine immer noch gültige Schulmedizin nur weil diese einmal gelehrt wurde. - #26 02.06.2012 20:18 von
Die medizinischen Doktorarbeiten sind zwar ein Witz. Aber deswegen ist die Medizin noch lange keine Geisteswissenschaft. Moderne Medizin im Hier und Jetzt als Geisteswissenschaft - das ist so absurd, da weiß ich gleich gar nicht, wo ich anfangen soll.
Placebo-Effekte sind natürlich keine Störgröße, sondern ein integraler Bestandteil medizinischer Forschung. Eigentlich müssten Sie auch die Chemie und besonders die Physik für Geisteswissenschaften halten. Schließlich haben Sie in diesen Disziplinen ebenfalls sehr schnell nur noch statistische Aussagen, wenn Sie auf die Ebene einzelner Moleküle in chemischen Reaktionen oder - noch besser - die Quantenmechanik gehen. In der Medizin ist es nicht sehr viel anders. Natürlich unterscheiden sich Menschen und sind nicht deterministisch. Deswegen arbeitet man wie in anderen Disziplinen auch mit Statistik.
Nicht laut Duden: "niederländisch kwakzalver, eigentlich = prahlerischer Salbenverkäufer, zu: kwacken = schwatzen, prahlen und zalven = salben"Ich glaub, daher kommt auch der Schimpfname "Quacksalber". - #27 02.06.2012 22:10 von
Zu letztem, jo war zu faul zum Nachrecherchieren, danke, aber Quacksalber als "QuecksilberVERGIFTER" hat was schon was, im Gedächnis hafenbleibendem, prophetisches ...
An alle Mediziner : Tchuldigung {;-)}, aber als das hörte....
Zur Medizin : ist ohne Einwände eine Wissenschaft, aber keine "Natur"-Wissenschaft, also dem Erarbeiten eines Katalogs der "Naturgesetze" bzw. Theorien, welche - solange nicht widerlegt - als reproduzierbarer Sachverhalt gültig sind. Der Vorteil der klassischen Naturwissenschaften [Es gibt keinen Nobelpreis in Biologie, da dies zu damals einmal wissenschaftlich galt, Was steht im Duden ?] ist, das diese Experimente mit recht einheitlichen Objekten in hoher Anzahl durchführen können. Das ist die elementare Vorraussetzung für Statistik. Beispiel Chemie, bei der Verwendung von 1g einer Substanz liegt der Aussage eine Patientengruppe von 1 plus 10 bis 20 Nullen vor. Funkitionelle Aussagen wie "... liefert ein Ausbeute von 70% des..." kann dann je nach Geschick verschlimmbessert werden. Die Resultate sollen aber verantwortbar im Erwartungsrahmen bleiben.
Diesen Vorteil hat die Medizin nicht. Es muss zwischen Medizin und Biochemie (Erbsubstanz, Funktion von Proteinen usw.) unterschieden werden. Medizin ist die direkte Konfrontation mit dem Opfer. Dieses ist kein Atom, es hat eine variable Individualität. Bei spezifische Studien, das Wort Experiment ist tabu und auch irreführend, die Beipackzettelaussagen wie "Nebenwirkungen von.. " oder "Nutzen bei .." ist die Objektzahl in der Größenordnung von mehreren Rouletttischen. Noch unübersichtlicher werden Studien über Interpretationen von Datensätze unscharfer Herkunft. Darunter falllen praktisch alle der med. Gesundheitsindustrie die Aussagen über Sinn und Nebenwirkungen bei z.B. Medikamenten demonstrieren. Eine Beurteilung ist erst nach Offenlegung der Interessensverflechtungen möglich.
Jedes Objekt (Patient) muss bei der Auswahl seiner Mediziner aufpassen bzw. Glück haben. Wie werde ich wahrgenommen. Zu behandeln als nebulöse Wahrscheinlichkeit ? Oder als karmabelastetes Geistgebilde ? Beides ist falsch. Der gute Arzt höhrt aufgrund seiner Kompetenz die Unwucht in der objektbezogenen Existenz. Ein guter Mediziner ist also ein genzenbewußter und eingestehender Emphat, der persönliche Kompetenz, angereichert mit fragwürdigen Erkenntnissen, nützlich einbringen kann. Wie hoch ist diese Trefferqote ? Darum ist Medizin keine Naturwissenschaft. Einen Chemiker mit dieser Trefferquote findet keinen Arbeitsplatz. - #28 02.06.2012 23:50 von
Quarantäne
Der Begriff "Quarantäne" kommt von den 40 Tagen, die Seeleute und Waren vor der Einreise nach Venedig isoliert wurden. Das hätte man erwähnen können.
Was ich mich immer wieder frage ist, wie außerhalb Europas die Ärzte und Behörden damals mit der Pest umgegangen sind. Wenn sie in Konstantinopel, Italien und am Schwarzen Meer grassierte, muss sie ja wohl auch in die islamischen Mittelmeerländer gekommen sein. Was haben die Ärzte dort gedacht und getan? War die Mortalität ähnlich hoch? Und wie war es in China oder Indien? Das müsste eigentlich doch auch alles aufgeschrieben worden sein, aber hierzulande liest man nie was darüber, wenn über die Pest geschrieben wird. - #29 03.06.2012 00:04 von
Naja, man stelle sich vor, es taucht plötzlich ein Virus auf, der durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, gegen den es keine Impfung gibt (wie z.B. den HI-Virus) und der einen Menschen in kurzer Zeit tötet.
Damit wäre selbst unsere Medizin völlig überfordert, und in kürzester Zeit wäre die Hälfte der Menschheit daran gestorben.
Wir haben bis heute kein richtig wirksames Mittel gegen die meisten Viren, und gegen manche (wie HIV) gibt es eben auch keine Impfung.
Wir können nur froh sein, wenn wir von fieseren Varianten dieser Spezies verschont bleiben...
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