CorbisMehr als 20 Mal wütete die Pest in Venedig. In ihrer Not entwickelte die Republik eine für Europa vorbildliche Gesundheitsbehörde.
http://www.spiegel.degeschichte/0,1518,835336,00.html
Ja, die Grauen sind eben Gewinner. Und auch niedlich. Die Tatsache, daß der Mensch den status quo in der Natur erhalten will, aus schlechtem Gewissen vor allem, weil er selbst massiv Ökosysteme verändert und zerstört, da soll ihm das graue Eichhörnchen mal nicht die Show stehlen, zeigt nur, daß er nichts von Evolution verstanden hat.
Zurück zur Pest in Venedig. Daß die Seuche im Spätherbst abflaute und verschwand ist vielleicht nicht bis ins letzte Detail verstanden, aber historisch in vielen Fällen gut belegt. Meistens führt man das auf den Lebenszyklus der Ratten und Flöhe zurück, der klimatischen Veränderungen unterliegt.
Übrigens verdanken wir den Reisepaß auch der Pest. Das nur am Rande.
Es ist überhaupt faszinierend, wie man früher mit diesen Seuchen umgegangen ist. Zum Teil total sinnlos, esoterisch-mystisch verbrämt, dann wieder extrem logisch und effizient. Es ist glaube ich ein Ammenmärchen, daß damals noch alle Ärzte an Galen etc. geglaubt haben. Die Maßnahmen, die man ergriffen hat, sprechen oft genug dagegen. Abgesehen davon steckt sogar in den Irrlehren ein Funke Wahrheit. Das Miasma verbreitet sich ja auch über die Luft, auch wenn man die Erklärung irgendwelche Planetenkonstellationen seien der Auslöser ablehnt (das berühmte Pestgutachten der Pariser Universität kam zu diesem Schluß). Und wenn man sich die Pestdoktoren in ihren Schnabelmasken anschaut (wobei es mich mal interessieren würde, wie weit verbreitet diese Kostümierung tatsächlich war, oder ob es sich nicht nur um einzelne Vorkommnisse handelt), dann wird man zurecht an moderne Schutzausrüstung erinnert, mit Gasmaske, auch wenn man die wohlriechenden Gewürze durch Aktivkohle ersetzt hat.
Liebe Trudi,
habe die Freude, mich bei Ihnen zu bedanken, denn beim Schreiben meines Textes hatte ich darauf gewettet, dass eine weibliche deutschsprachige Naturfreundin ähnliches als Erwiderung in ihre Tastatur tippen wird.
Interessieren Sie sich vielleicht für Neurobiologie?
Sie bestätigen sehr schön, dass weibliche und männliche Hirne sich signifikant voneinander unterscheiden: anders ticken.
Mehr dazu finden Sie bei Gerald Hüther
Ihr zweiter Satz ist etwas weit hergeholt, aber wenn wir schon bei geschichtliche merkwürdigen Vergleichen sind:
Venedig liegt in Norditalien und gehört damit zum "reichen" und wirtschaftlich erfolgreichen Teils Italiens. Auch innerhalb Italiens herrschen Vorurteile zwischen den geordneten und vernünftigen Norditalienern und den laxen Süditalienern. Diese Vorurteile sind also keine deutsche Erfindung -- wie sie meinen -- man findet diese auch bei unseren südlichen Nachbarn.
Liebes Mini,
Sie bringen da einiges nicht zusammen. Der Westen der USA ist immer noch nicht entvölkert, obwohl die Pest dort grassieren soll. Und Sie mit dem Gewehr dastehen, wehrlose Eichhörnchen erschiessen und so tun als ob doch.
Die Neurobiologie kann Ihnen vermutlich Ihre eigene Wirren im Gehirn erklären. Ihr dezenter Drang zur Hysterie in einem nicht gegebenen Katastrophenfall scheint mir durchaus ein weibliches Attribut. Dazu werde ich selbstredend Ihren vorgeschlagenen Herrn Hüther studieren und Sie dann mit aller gebotenen Aufmerksamkeit wieder beruhigen.
Habe mal folgendes zu der "Rabenverkleidung" gelesen : Den Leuten ist aufgefallen, dass Raben und Krähen sich an den Toten sattfraßen ohne zu erkranken. Der Glaube war daher, dass wenn man sich als Rabe verkleidet, die Krankheit einen ebenso verschonen würde. Das hat eine gewisse Esoteriklogik.....
In Pariser Parkanlagen wimmelt es schon seit Jahrzehnten von diesen Baumratten, die den Parkbesuchern die Erdnüsse aus der Hand fressen.
Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die mit Pesterregern infiziert würden.
Dass es zusätzlich in Paris noch immer jede Menge von normalen Ratten gibt, macht die Gefahr nicht geringer.
Außerdem, um den Kreis zu schließen, gibt es in Paris wie in Venedig die Plage der fliegenden Ratten, die nicht nur den Bauwerken mit ihrem ätzenden Kot schaden sondern auch Seuchen unter den menschlichen Bewohnern der Gebäude auslösen können, aber trotzdem unter dem Schutz von naiven Tierschützern stehen.
Nicht der Standesdünkel, sondern vor allem die katholische Kirche hat es zu verantworten, daß in Europa keine effektive Maßnahmen zur Erforschung, Bekämpfung oder Eindämmung der Seuche eingeleitet wurden, da die Kirche quasi ein Bildungsmonopol hatte und Forschung außerhalb der Kirche oftmals verboten war und verfolgt wurde. Zudem kamen die abstrusesten Theorien über Herkunft und Zweck der Seuche zustande, wobei die Pest als "Strafe Gottes", obwohl total unsinnig, wohl noch eine der weitverbreitesten war, und simple aber wirkungsvolle Maßnahmen, wie z.B. Hygiene, den Glauben in Frage stellten und den Interessen der Kirche widersprachen.
Auch andere Kontinente wurden von der Pest heimgesucht, jedoch wurde keiner so verheerend entvölkert, und daran hatte die rückständige katholische Kirche einen großen Anteil.
Und ja, Antibiotika helfen gegen die Pest, es sei denn sie werden exzessiv angewendet und dem Bakterium wird Gelegenheit gegeben, eine Resistenz dagegen zu entwickeln.
Schulmedizin ist die Medizin, die zur jeweiligen Zeit an den "offiziellen" Schulen bzw. Universitäten gelehrt wurde - mit dem jeweils gültigen Stand der Wissenschaft. Und das war zu dieser Zeit eben die Humoralpathologie.
Übrigens sind auch heute rund 50% aller "schulmedizinischen" Methoden nicht nach EBM-Kriterien überprüft, obwohl sie gelehrt und in der täglichen Praxis angewendet werden.
Die Wissenschaftlichkeit ist also immer nur eine relative und unterliegt dem jeweiligen Zeitgeist. Wer weiß was zukünftige Generationen über unsere "Wissenschaft" sagen werden?