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Uups! - et orbi: 498 Selige und eine Handvoll Bohnen

Als der nüchterne Joseph Ratzinger Papst wurde, erwarteten viele Vatikanisten einen Rückgang der Heilig- und Seligsprechungen. Weit gefehlt - Benedikt XVI. hat den Rekord seines Vorgängers jetzt schon gebrochen.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,514093,00.html
  1. #1

    Selig sind die arm sind im Geiste

    Der Vatikan ist nur noch eine Karrikatur der Kirche.

    Das Klo.
  2. #2

    Bei allem Mitgefühl für die Opfer hätte Ratzinger es vielleicht doch bei einem Gedenktag belassen sollen. Wer beobachtet, was derzeit in Spanien zwischen Kath. Kirche, dem spanischen Staat und "Franco-philen" abgeht, weiß, daß die Heiligsprechung ein Tritt in den Schritt ehemaliger Franco-Opfer ist und auch so wahrgenommen wird. Ratzinger hat (ups!) wahrscheinlich mal wieder nicht geahnt, was er damit lostritt. Der Mann ist ein Ärgernis, er verwechselt Provokation mit Glaubensfestigkeit.
  3. #3

    Zitat von quietschbaer Beitrag anzeigen
    Bei allem Mitgefühl für die Opfer hätte Ratzinger es vielleicht doch bei einem Gedenktag belassen sollen. Wer beobachtet, was derzeit in Spanien zwischen Kath. Kirche, dem spanischen Staat und "Franco-philen" abgeht, weiß, daß die Heiligsprechung ein Tritt in den Schritt ehemaliger Franco-Opfer ist und auch so wahrgenommen wird. Ratzinger hat (ups!) wahrscheinlich mal wieder nicht geahnt, was er damit lostritt. Der Mann ist ein Ärgernis, er verwechselt Provokation mit Glaubensfestigkeit.
    So wenig ich persönlich Ratzinger leiden kann und so sehr ich auch solche Massenseligsprechungen und ganz besonders diese ablehne: Soweit ich weiss ist das nicht auf Ratzingers Mist gewachsen. Es gab vor einer Weile mal einen Artikel, dass noch im letzten Amtsjahr von Johannes Paul II. zigtausend Selig- und Heiligsprechungen genehmigt wurden, die nun quasi noch 'abzuarbeiten', sprich öffentlich zu verkünden sind. Ich denke mal dazu gehört auch diese Aktion, die ich persönlich besonders daneben finde.
  4. #4

    Bohnen erst aus Amerika?

    "Zur Überraschung Nesselraths fand man gekochte Bohnen in den Putz gemischt: Einem von Raffaels Handwerkern war wohl sein Mittagessen in den Kübel gekippt. "Daran ist etwas höchst erstaunlich", sagte Nesselrath. "Die Bohne ist erst durch Kolumbus aus Amerika nach Europa gekommen. Raffael arbeitete schon 1514 an diesem Fresko. Offenbar reichten knapp 15 Jahre, damit aus einer völlig unbekannten Pflanze das Mittagessen römischer Handwerker wurde.""

    Da hat wohl jemand gepennt. Erstens sind es von 1492 bis 1514 ganze 22 jahre und nicht nur 15, zweitens hatten sowohl Griechen wie Römer schon jeweils ein "Bohnenfest" dass auch im Mittelalter noch weit verbreitet war. Unter den Römern war auch der Name "Fabius" von Faba, die Bohne, sehr gebräuchlich.
  5. #5

    Mummenschanz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Als der nüchterne Joseph Ratzinger Papst wurde, erwarteten viele Vatikanisten einen Rückgang der Heilig- und Seligsprechungen. Weit gefehlt - Benedikt XVI. hat den Rekord seines Vorgängers jetzt schon gebrochen.

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,514093,00.html
    Die erzkonservative Klerikerkaste der RKK hatte immer schon eine Affinität zu rechtsgerichteten Diktaturen.

    Dieser Mummenschanz ist nur wieder ein Beweis dafür, wie blind sie auf dem rechten Auge ist.
  6. #6

    Bohnen in Nazareth

    Zitat von Bdaian Beitrag anzeigen
    Da hat wohl jemand gepennt. Erstens sind es von 1492 bis 1514 ganze 22 jahre und nicht nur 15, zweitens hatten sowohl Griechen wie Römer schon jeweils ein "Bohnenfest" dass auch im Mittelalter noch weit verbreitet war. Unter den Römern war auch der Name "Fabius" von Faba, die Bohne, sehr gebräuchlich.
    ... und in einer Steinzeitsiedlung bei Nazareth, etwa 6000 v.Chr., sind auch schon Bohnen gefunden worden!
  7. #7

    Kein Mummenschanz

    Zitat von udo46 Beitrag anzeigen
    Die erzkonservative Klerikerkaste der RKK hatte immer schon eine Affinität zu rechtsgerichteten Diktaturen.

    Dieser Mummenschanz ist nur wieder ein Beweis dafür, wie blind sie auf dem rechten Auge ist.
    Der Vorgang eignet sich nicht zum Kirchenbashing.

    Die Seliggesprochenen wurden in den Jahren 34-37 ermordet, also vor der Errichung des Franco Regimes 1939.

    Sie wurden wegen ihres Glaubens umgebracht, nicht, weil sie auf der einen oder anderen Seite im Bürgerkrieg gestanden hätten.
    Für einen Mord reichte z.B. schon die Weigerung der Opfer, den Priesterrock auszuziehen, oder die Bibel zu verunglimpfen.
    Insofern ist es völlig falsch, der Seligsprechung politische Hintergründe unterzujubeln. Diese Leute sind für ihren Glauben gestorben und dafür selig gesprochen worden.

    Deshalb:
    Zitat Spiegel:
    "Da ist nicht viel anarchistische Romantik zu spüren, und jeder einzelne der 498 Getöteten hat seine Viertelstunde Ruhm und Erinnerung gestern Mittag mehr als verdient."
  8. #8

    Einäugig

    "Die Seliggesprochenen wurden in den Jahren 34-37 ermordet, also vor der Errichung des Franco Regimes 1939."

    Aber Ihnen ist bekannt, daß die faschistischen Morde nicht erst 1939 begannen?

    Das Thema eignet sich sogar ganz vorzüglich fürs RK-Kirchenbashing, weil die Kirche eben nur solchen Opfern das Martyrium zugesteht, die durch linke Gruppen umgebracht wurden, nicht aber jenen Katholiken, die sich aus ihrem Glauben heraus gegen Franco stellten oder einfach nur im Weg waren.
    Um das klarzustellen: Die Morde an den nun Seliggesprochenen waren ein Verbrechen und es spricht auch für mich nichts dagegen, wenn die RKK diese Menschen ehren will. Das Politikum ist eben, daß sie die Franco-Opfer aus ihrr eigenen Mitte ignoriert, sich noch nicht einmal mit ihrer eigenen fragwürdigen Rolle während der Herrschaft der Faschisten auseinandersetzen will und dann noch so tut, als wäre das das normalste der Welt.
  9. #9

    Genau, einäugig

    Zitat von quietschbaer Beitrag anzeigen
    ...Aber Ihnen ist bekannt, daß die faschistischen Morde nicht erst 1939 begannen?

    Das Thema eignet sich sogar ganz vorzüglich fürs RK-Kirchenbashing, weil die Kirche eben nur solchen Opfern das Martyrium zugesteht, die durch linke Gruppen umgebracht wurden, nicht aber jenen Katholiken, die sich ....
    Puh, ja, ist mir bekannt, auch die Morde der anderen Seite begannen nicht erst 39. Der Spanische Bürgerkrieg hat mehrere Hundertausend Menschenleben gefordert. Bitte keine ideologische Diskussion. Damals herrschten Gewalt, Anarchie und Chaos. Es ist so gut wie unmöglich, zu einer objektiven, gerechten Anschauung zu kommen.

    Es gibt Historiker, die den Bürgerkrieg als Kampf zwischen Stalinismus und Faschismus bezeichnen. Es gab nicht die gute und die schlechte Seite. Tatsache ist, daß in den Jahren 31 bis 39 zigtausend Geistliche eben durch linke Gruppen ermordet wurden. Und sogar kritische Historiker sprechen von beispielloser Gewalt und nie dagewesenem Religions- bzw. Kirchenhass. Diese Menschen wurden ermordet, "nur" weil sie katholisch waren. Daß die Kirche, angesichts dieser Vorgeschichte, sich auf die Franco-Seite schlug, macht die Sache nicht besser, aber vielleicht verständlicher. Hätte die andere Seite gewonnen, wäre von der Kirche vermutlich nicht viel übriggeblieben.

    Man soll die Rolle der Kirche während der Franco-Diktatur nicht beschönigen, aber die
    einseitige Kritik nervt wirklich. Etwas differenzierter dürfte es schon sein. Die regimestützende Rolle der Kirche wird in Spanien auch nicht totgeschwiegen (wie denn auch?), sondern heftig diskutiert.

    Mit differenzierter meine ich z.B.:
    Bereits 1956 zeichneten sich die ersten Risse im Verhältnis Staat und RKK ab. Auch innerhalb der Kirche gab es heftige Auseinandersetzungen über den weiteren Weg. Im Verlauf der weiteren Jahre drifteten Kirche und Regime immer weiter auseinander. Später warf Franco dem Vatikan vor, von Kommunisten unterwandert zu sein.

    Solche Fakten fallen bei der allseits beliebten Kirchenkritik immer unter den Tisch.
    Dafür werden die aktuellen Seligsprechungen wieder einmal instrumentalisiert, um die RKK pauschal anzugreifen. Es handelt sich aber um eine unpolitische Aktion. Die Seligsprechungen galten nicht linken oder rechten Opfern, sondern Menschen, denen ihr Glaube zum Verhängnis wurde.


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