Wenn Sie jemanden, der darauf hinweist, dass sich ausnahmslos Menschenarten mit Gesellschaften durchgesetzt haben, die bereit und in der Lage sind, unter gewissen Umständen Krieg zu führen, als Kriegstreiber denunzieren, dokumentieren Sie damit eine weitere unangenehme menschliche Eigenart: Überbringer schlechter Nachrichten werden mit dieser identifiziert. Bei letzterem bin ich mir aber über den Anpassungswert nicht so ganz im Klaren. Könnte sich auch um reine Charakterschwäche handeln.
[/QUOTE] Nur mal am Rande aus purer Neugierde: Woher haben Sie das denn mit dem Krieg als "sogenannter evolutionär stabiler Strategie"?
Vielleicht die überarbeitete Fassung von "Mein Kampf"?[/QUOTE]
"ESS" ist ein Terminus aus der Evolutionsbiologie. Er beschreibt Verhaltensmuster, die sich über die Generationen in einer Population stabil erhalten.
Ziemlich sicher, aha! Naja, relativ ist relativ. Seit es staatenähnliche Gebilde gibt, gibt es jedenfalls Kriege im heutigen Sinne. Dass sind schon so 6000 Jahre. Wenn Sie die prähistorischen Stammesfehden dazurechnen...Die Historikerund Anthropologen jedenfalls glauben ziemlich sicher zu wissen, dass Krieg in der Menschheitsgeschichte eine relativ junge Veranstaltung ist und dass der "moderne" Vernichtungskrieg schon aus rein technischen Gründen zu den allerjüngsten Entwicklungen gehört.
Evolution verfolgt weder eine Strategie noch ein Programm. Sie manifestiert sich in der Anpassung von Lebewesen an die Umwelt durch Variabilität und Selektion.Zu den stabilen Strategien der Apologeten des Krieges gehört es allerdings zweifellos, ihn als naturgegeben darzustellen, obwohl er evolutionsstrategisch überhaupt nicht ins Programm passt.
Evolution experimentiert auch nicht. Sie ist blind gegenüber der Zukunft. Ein jetzt vorteilhaftes Merkmal, kann unter sich ändernden Verhältnissen durchaus auch zum Untergang einer Spezies führen und umgekehrt. Die Bandbreite der menschlichen Agressionsbereitschaft jedenfalls scheint bisher nicht dazu zu gehören, da sie ohne negative Auswirkung auf die Demographie ist.So einfältig, sich selbst als Spezies der Gefahr der Vernichtung auszusetzen, scheint allerdings in der Natur im wesentlichen (als offenbar missglückt das Experiment der Evolution) nur der Mensch zu sein, der sich sein eigenes Ende selbst verschafft und das auch noch zur Natur erklärt.
Wer Kriege aus der Welt schaffen will, muss sich den Realitäten stellen.

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