Das ist ungenau. Das damals in Tennessee geltende Gesetz (Butler Act) verbot nicht, die Evolutionslehre zu unterrichten. Es verbot ausschließlich den Teil davon zu lehren, der den Menschen betrifft: daß also der Mensch nicht wie in der biblischen Schöpfungsgeschichte geschaffen worden sei, sondern von niedrigeren Tierarten abstamme.
Nur wenn man dies vor dem Hintergrund der damals in den USA rollenden Eugenik-Kampagne sieht, versteht man die Tragweite der Auseinandersetzung. 1907 hatte der Staat Indiana als erstes Land der Welt ein Gesetz zur Zwangssterilisation genetisch minderwertiger Bürger verabschiedet. Andere US-Bundestaaten folgten und die amerikanischen Eugeniker warben auch in Europa, und nicht zuletzt in Deutschland, für ihr Modell. Edwin Black hat dieses gern verschwiegene Geschichtskapitel in seinem Buch War Against the Weak detailliert dargestellt.
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Das Biologie-Schulbuch, das damals in Tennessee zum Unterrichtsgebrauch vorgeschrieben war (A Civic Biology von George William Hunter), präsentierte die Abstammung des Menschen als wissenschaftliche Grundlage für Rassenlehre und Eugenik. Wie später die deutschen Biologielehrbücher im Nationalsozialismus plädierte das Buch dafür, rassisch minderwertige Menschen an der Fortpflanzung zu hindern, um die Gesellschaft von ihrem Parasitentum zu entlasten und ihre Degeneration zu verhindern.
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Die damaligen Kritiker der Evolutionstheorie als mental rückständige Reaktionäre und ihre Gegner als Vorkämpfer der Aufklärung zu porträtieren, wie in dem weitgehend frei erfundenen Film "Wer den Wind sät", ist eine entstellende Simplifizierung. Wie Kant schrieb, bedeutet Aufklärung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Was gibt es, gemessen daran, an dem neuen Gesetz auszusetzen?



