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US-Schulen: Lehrer in Tennessee dürfen Evolution anzweifeln

DPALehrer in Tennessee können künftig Evolutionslehre und Klimawandel in Frage stellen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Der Gouverneur des US-Bundesstaats ließ ein entsprechendes Gesetz passieren - trotz heftiger Proteste.

US-Schulen: Lehrer in Tennessee dürfen Evolution*anzweifeln - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
  1. #10

    "Monkey Trial": Leser dürfen Geschichtsmythen anzweifeln

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Gesetz rührt an einem wunden Punkt in der Geschichte des Bundesstaates: 1925 wurde ein Biologielehrer zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er die Evolutionslehre unterrichtet hatte. Noch bis 1967 war es per Gesetz verboten, an staatlichen Schulen in Tennessee Theorien zu lehren, die der göttlichen Schöpfungsgeschichte aus der Bibel widersprachen. Der Prozess gegen den Lehrer wurde unter dem Namen "Monkey Trial" berühmt. Analog dazu tauften Kritiker den aktuellen Gesetzentwurf "Monkey Bill".

    US-Schulen: Lehrer in Tennessee dürfen Evolution*anzweifeln - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Das ist ungenau. Das damals in Tennessee geltende Gesetz (Butler Act) verbot nicht, die Evolutionslehre zu unterrichten. Es verbot ausschließlich den Teil davon zu lehren, der den Menschen betrifft: daß also der Mensch nicht wie in der biblischen Schöpfungsgeschichte geschaffen worden sei, sondern von niedrigeren Tierarten abstamme.

    Nur wenn man dies vor dem Hintergrund der damals in den USA rollenden Eugenik-Kampagne sieht, versteht man die Tragweite der Auseinandersetzung. 1907 hatte der Staat Indiana als erstes Land der Welt ein Gesetz zur Zwangssterilisation genetisch minderwertiger Bürger verabschiedet. Andere US-Bundestaaten folgten und die amerikanischen Eugeniker warben auch in Europa, und nicht zuletzt in Deutschland, für ihr Modell. Edwin Black hat dieses gern verschwiegene Geschichtskapitel in seinem Buch War Against the Weak detailliert dargestellt.

    War Against The Weak - Home Page

    Das Biologie-Schulbuch, das damals in Tennessee zum Unterrichtsgebrauch vorgeschrieben war (A Civic Biology von George William Hunter), präsentierte die Abstammung des Menschen als wissenschaftliche Grundlage für Rassenlehre und Eugenik. Wie später die deutschen Biologielehrbücher im Nationalsozialismus plädierte das Buch dafür, rassisch minderwertige Menschen an der Fortpflanzung zu hindern, um die Gesellschaft von ihrem Parasitentum zu entlasten und ihre Degeneration zu verhindern.

    Civic Biology - Wikipedia, the free encyclopedia

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jerry Winters von der Tennessee Education Association sagte, das neue Gesetz sende gerade vor diesem historischen Hintergrund ein schlechtes Signal: "Es scheint einfach komplett in die falsche Richtung zu laufen."
    Die damaligen Kritiker der Evolutionstheorie als mental rückständige Reaktionäre und ihre Gegner als Vorkämpfer der Aufklärung zu porträtieren, wie in dem weitgehend frei erfundenen Film "Wer den Wind sät", ist eine entstellende Simplifizierung. Wie Kant schrieb, bedeutet Aufklärung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Was gibt es, gemessen daran, an dem neuen Gesetz auszusetzen?
  2. #11

    ...

    Zitat von FNagel Beitrag anzeigen
    ...
    Die damaligen Kritiker der Evolutionstheorie als mental rückständige Reaktionäre und ihre Gegner als Vorkämpfer der Aufklärung zu porträtieren, wie in dem weitgehend frei erfundenen Film "Wer den Wind sät", ist eine entstellende Simplifizierung. Wie Kant schrieb, bedeutet Aufklärung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Was gibt es, gemessen daran, an dem neuen Gesetz auszusetzen?
    Konsequenterweise müssten dann auch z.B. in der Mathematik mehrere "richtige" Lösungen angeboten werden. Schüler neigen ja oft dazu, den Unterichtsstoff für "bare Münze" zu nehmen. Ist es da nicht etwas viel verlangt, sich selber die "richtige" Lösung suchen zu müssen ?

    Letztlich ist dies doch nichts weiter als ein trauriger Versuch bestimmter Kreise, ihre "Wahrheit" unters Volk zu bringen...seien wir doch ehrlich.
  3. #12

    ...

    Zitat von mad_man_walking Beitrag anzeigen
    Konsequenterweise müssten dann auch z.B. in der Mathematik mehrere "richtige" Lösungen angeboten werden. Schüler neigen ja oft dazu, den Unterichtsstoff für "bare Münze" zu nehmen. Ist es da nicht etwas viel verlangt, sich selber die "richtige" Lösung suchen zu müssen ?

    Du wirst es nicht glauben aber das ist Sinn und Zweck von Projektunterricht wie er auch in unseren Schulen, vielleicht oft unbemerkt, um sich greift.

    Ob man nun soweit gehen muss in Frage zu stellen pb 5+5=10 ist wage ich zu bezweifeln aber letztlich ist ja auch jeder Mensch frei wenn er glaubt das bringt ihm was seinen eigene Mathematik zu erfinden. Schule sollte auch dazu führen, dass man erkennt wenn der eigene Weg eine Sinn macht und wann nicht. Man sollte im Grunde von einem Kind nicht verlangen, dass es Mathematik lernt wenn es den Sinn nicht erkennt. Es wird dabei nämlich kaum was lernen, was in der täglichen Praxis der Schulen auch deutlich erkennbar ist.

    Das führt dann dazu, dass jemand der behauptet Mathe wäre blöd zum neuen Helden der Deutschen wird, während jemand der DSDS blöd findet aber Mathe gut zum Aussenseiter wird.

    Behalten wird man das aus der Schule was man sich selber erarbeitet hat, was man eingetrichtert bekommt, behält man max. bis zum nächsten Test und dann ist es wieder raus aus dem Ohr.

    Schule ist leider die uneffektivste Institution in D. Lediglich 20-30% des Wissens ist langsfristig verfügbar. Wenn man sich überlegt was man in den unnötigen 70% alles für sinnvolle Sachen machen könnte, für die Heute angeblich wg. engen Fächerplänen keine Zeit ist. Wahnsinn.

    Man könnte sich sogar mit Kreationismus auseinandersetzen.
  4. #13

    Das in unserem aufgeklaerten

    Zeitalter die (Lehre?)vom Kreationismus (erfunden von der religioesen Kaste) ueberhaupt noch existiert, ist erstaunlich. Wieviel Zeit erschwendet wird, die in die Irre Gefuehrten spaeter wieder auf den richtigen Pfad der Vernunft zu bringen. Man stelle sich vor, Saurier sollen hier noch vor 6000 Jahren gelebt haben, sagen die Kreationisten. Na bitte, dazu ist nichts mehr zu sagen
  5. #14

    Selberdenken etwas viel verlangt?

    Zitat von mad_man_walking Beitrag anzeigen
    Konsequenterweise müssten dann auch z.B. in der Mathematik mehrere "richtige" Lösungen angeboten werden. Schüler neigen ja oft dazu, den Unterichtsstoff für "bare Münze" zu nehmen. Ist es da nicht etwas viel verlangt, sich selber die "richtige" Lösung suchen zu müssen ?

    Letztlich ist dies doch nichts weiter als ein trauriger Versuch bestimmter Kreise, ihre "Wahrheit" unters Volk zu bringen...seien wir doch ehrlich.
    Ich habe im Mathematikunterricht keine Lösungen angeboten bekommen. Ich habe tatsächlich noch gelernt, selber die richtige Lösung zu suchen und zu wissen, wie ich richtige von falschen Lösungen unterscheide. Anders hätte ich 1975 nicht das Abitur bekommen. Außerdem habe ich noch gelernt, daß Mathematik und Naturwissenschaft unterschiedlich arbeiten und daß man deduktive und induktive Methode nicht miteinander verwechseln soll.

    Wer im Unterricht selber denken und selber arbeiten lernt, der kommt erst gar nicht in die Situation, irgendetwas für "bare Münze" nehmen zu können. Das passiert nur, wo man mündiges freies Verhalten für zu viel verlangt hält und der Unterricht stattdessen nach dem Muster einer säkularen Kirchenlehre Fertig-Wahrheiten präsentiert. Dann muß man sich aber auch nicht wundern, wenn man statt der "Wissensgesellschaft" eine Kultur der Blender und Abkopierer herauskommt.

    Als ernüchternde Lektüre empfohlen: Thomas Städtler, Die Bildungs-Hochstapler
    Thomas Stdtler - Die Bildungshochstapler
  6. #15

    Zitat von der.letzte.dodo Beitrag anzeigen
    Allerdings sollte man so etwas nicht im Bereich der Naturwissenschaften vermitteln
    Solange der Durchschnittsamerikaner den Durchschnittsbremer bei PISA in Mathe abhängt würde ich mir über das Niveau der Naturwissenschaften in den USA keine Gedanken manchen.

    Eher darüber dass in D staatliche Monopole über die Inhalte nicht nur der Naturwissenschaften "wachen".

    Vor 70 Jahren haben deutsche Lehrer die staatlich angeordnete Rassenlehre gepredigt und heute ist es der vom Menschen verursachte Klimawandel der wieder staatlich angeordnet mit derselben Inbrunst in die Köpfe der hilflosen Kinder gepresst wird.
  7. #16

    Zitat von mad_man_walking Beitrag anzeigen
    Konsequenterweise müssten dann auch z.B. in der Mathematik mehrere "richtige" Lösungen angeboten werden. Schüler neigen ja oft dazu, den Unterichtsstoff für "bare Münze" zu nehmen. Ist es da nicht etwas viel verlangt, sich selber die "richtige" Lösung suchen zu müssen ?

    Letztlich ist dies doch nichts weiter als ein trauriger Versuch bestimmter Kreise, ihre "Wahrheit" unters Volk zu bringen...seien wir doch ehrlich.
    Die Frage ist ob ich mein Kind an der von mir ausgesuchten Schule mit den von mir ausgesuchten Inhalten und meinen "Wahrheiten" füttern darf oder ob ich staatlichen Schulzwang mit Staatsbeamten und von diesen festgelegten Inhalten akzeptieren muss.
  8. #17

    nee

    Zitat von pom_muc Beitrag anzeigen
    Die Frage ist ob ich mein Kind an der von mir ausgesuchten Schule mit den von mir ausgesuchten Inhalten und meinen "Wahrheiten" füttern darf oder ob ich staatlichen Schulzwang mit Staatsbeamten und von diesen festgelegten Inhalten akzeptieren muss.
    Mit dieser abstrusen Logik reden Sie den Schwachköpfen von Kreationisten das Wort!
    Dann dürfte Ihrer Meinung nach auch die Lehre vom FSM (Flying Spaghetti Monster) als Schulinhalt gelehrt werden?
    Genau so aufgebaut wie die Logik der Kreationisten und genau so ein Quatsch wie der Kreationistenmist.

    Wollen Sie auf die nächsten Idioten warten die "ihre Wahrheiten" über Kindern ausschütten?
    Natürlich selektieren wir alle was wir so für richtig halten. Allerdings sollte dies nicht dazu führen Schulen zu unterlaufen und diese abstrusen meist religiös verbrämten Hausunterrichte zu propagieren.
    Eine allgemeine Schulpflicht, mit wissenschaftlichen Inhalten ist allemal besser als Kinder durchgeknallten Esoterikern zu überlassen!
  9. #18

    Zitat von dadanchali Beitrag anzeigen
    Mit dieser abstrusen Logik reden Sie den Schwachköpfen von Kreationisten das Wort!
    Dann dürfte Ihrer Meinung nach auch die Lehre vom FSM (Flying Spaghetti Monster) als Schulinhalt gelehrt werden?
    Genau so aufgebaut wie die Logik der Kreationisten und genau so ein Quatsch wie der Kreationistenmist.

    Wollen Sie auf die nächsten Idioten warten die "ihre Wahrheiten" über Kindern ausschütten?
    Natürlich selektieren wir alle was wir so für richtig halten. Allerdings sollte dies nicht dazu führen Schulen zu unterlaufen und diese abstrusen meist religiös verbrämten Hausunterrichte zu propagieren.
    Eine allgemeine Schulpflicht, mit wissenschaftlichen Inhalten ist allemal besser als Kinder durchgeknallten Esoterikern zu überlassen!
    Das ist halt Ihre Meinung. In der DDR hätten manche Eltern gerne auf die Indoktrination durch verbeamtete Lehrer verzichtet.

    Und nicht alles was rot-grüne Staatsbeamte heute als "Wahrheit" predigen und in Klassenarbeiten zum "überlebenswichtigen" Wissen erheben findet meine Akzeptanz.
  10. #19

    Zitat von pom_muc Beitrag anzeigen
    Und nicht alles was rot-grüne Staatsbeamte heute als "Wahrheit" predigen und in Klassenarbeiten zum "überlebenswichtigen" Wissen erheben findet meine Akzeptanz.
    Das muss es nicht. Für die Schulen ist ein gesellschaftlicher Konsens maßgebend. Das muss nicht immer die Wahrheit sein, auch eine Mehrheit kann sich irren. Man kann den Kindern aber nicht jede Exotenmeinung zumuten. Ein Konsens in den Wissenschaften ist vernünftigerweise auch Grundlage für einen Konsens in der Gesellschaft und im Bildungssystem, aber auch das ist nicht zwingend. Als Vater oder Mutter haben Sie immer noch die Möglichkeit, ihrem Kind Ihre Meinung mitzuteilen. Es sind gerade die Religionsvertreter, die ihre Lehren als absolute Wahrheiten verkaufen wollen und es ist zu erwarten, dass sie dieses Gesetz dafür missbrauchen werden.








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