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US-Gesundheitssystem: Kliniken setzen Geldeintreiber auf Patienten an
CorbisOperation nur gegen Vorkasse: In den USA setzen immer mehr Krankenhäuser Inkasso-Büros darauf an, Behandlungskosten von Patienten einzutreiben - mit teils rabiaten Methoden. Eine Staatsanwältin aus Minnesota hat dem Treiben nun den Kampf angesagt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...829704,00.html
- #1 25.04.2012 15:16 von
Auch Deutschlands Inkasso abwegig
Vor diesem Hintergrund sollten wir allerdings nicht außer Acht lassen, dass wir auch in Deutschland genügend Inkassodienstleister haben, die sich auf rechtlich kritischem Terretorium tummeln:
Als rechtlich unzulässiges Druckmittel, quasi also als Drohung, werden immer häufiger "Besuche eines Außendienstes" angekündigt. Inkassodienstleister erwecken damit den unbedingten Eindruck, das Gewalt- und Vollstreckungsmonopol des Staates zu missachten und zu unterwandern. Hier liegt sowohl eine Nötigung nach § 240 StGB als auch ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Schuldners nach § 823, Abs. 1 BGB vor. Wird also ein Besuchsdienst ("schwarze Männer") angekündigt, ohne dass er durch den Schuldner selbst angefordert oder gewollt ist, ist hierin ebenfalls eine Bedrohung gemäß 3 241 StGB zu erkennen und sollte regelmäßig strafrechtlich verfolgt werden. Derartige Ankündigungen sind des Weiteren nicht branchenüblich. - #2 25.04.2012 15:19 von
- #3 25.04.2012 15:26 von
- #4 25.04.2012 15:41 von
Bei uns kommt der BGS
Wie vor kurzem in den Medien berichtet wurde, ist es bei uns ja noch schlimmer: Die Krankenkassen schicken säumigen Beitragszahlern gleich die Staatsgewalt - sprich den BGS - ins Haus. Bei uns kommt die staatliche Inkasso, und zwar noch bevor irgendeine Leistung erbracht wurde. Da kann Amerika nicht mithalten.
- #5 25.04.2012 16:03 von
Man muss dabei aber bedenken, dass es in den USA für Schuldner grundsätzlich viel leichter ist als in Deutschland, sich Gläubigern zu entziehen.
Kreditkartenfirmen schreiben z. B. selbst 4-stellige Forderungen oft direkt ab, ohne sie sich überhaupt titulieren zu lassen. In Deutschland völlig undenkbar. - #6 25.04.2012 16:11 von
- #7 25.04.2012 16:34 von
Solange die Amis es als Angriff auf ihre persönliche Freiheit begreifen, wenn ein denkender Präsident sich für eine ges. Krankenversicherung einsetzt; solange müssen Patienten eben auch mit Inkassofirmen leben, wenn sie ihre Rechnungen nicht bezahlen können.
Auch hier möchte kein Arzt Patienten für umme behandeln. - #8 25.04.2012 16:35 von
Gut dass der Amerikaner normalerweise Schusswaffen im Haus hat.
- #9 25.04.2012 21:19 von
aha
Oh je, hier geht aber wieder mal einiges durcheinander. Ich arbeite seit Jahren im "US-Gesundheitssystem", wie der Speigel das mal wieder faelschlicherweise nennt.
Zunaechst und wie immer: dieses Geplapper mit dem "US-dies" und "US-das" sollte man vielleicht etwas vorsichtiger umgehen. Das ist so wie in den Artikeln, wo von irgendeiner Provinzposse und der dortigen Dorfpolizei berichtet wird und dann daraus gleich "US-Polizisten" werden - was das FBI waere. "US" ist quasi das Aequivalent zu "BRD" oder auch "Bundes-". Und demnach ist es Quatsch von "US-Gesundheitssystem" zu reden. Das gibts naemlich nicht. Weder ist (bisher jedenfalls) das "Gesundheitssystem" in der Hand des Bundes (bis auf wenige Ausnahmen in Teilbereichen, z.B. Medicare und Versorgung der Veteranen) - noch ist es ein "System". Auch Deutschland hat ja kein "Gesundheitssystem".
Und das ist keine Haarspalterei, sondern etwas, dass man strukurell verstehen muss, bevor man irgendetwas beurteilt.
In den vielen vielen Teilbereichen des amerikanischen Gesundheitswesens kommt es dann durchaus vor, dass Patienten eine Selbstbeteiligun haben. Das ist nicht unbedingt die Regel, aber auch nicht selten. Die Gruende dafuer koennen ausgesprochen vielfaeltig sein - und haben im Normalfall noch nichteinmal etwas mit dem Cliche vom verarmten unterversorten Patienten ohne Krankenversicherung zu tun. Das sind oft ganz normale Leute, die eben eine KV haben, wo bestimmte Zuzahlungen im Tarif vorgesehen sind. Das ist nichts gemeines und boese Gier von Seiten der Krankenhaeuser oder Aerzte, sondern schlicht ein Vertrag zwischen Patient und KV. So wie man bei der Autoversicherung eine Selbstbeteiligung vereinbart und dafuer geringere Beitraege zahlt.
Jetzt kommt es vor, dass sich Patienten behandeln lassen und danach einfach nicht ihre Rechnung bezahlen. Gibts in Deutschland ja auch. Fragen Sie mal jeden Doc, der Privatpatienten hat, wie oft da nicht gezahlt wird oder erst sehr spaet.
Warum es da moralisch verwerflich sein soll, wenn man das Eintreiben solcher Betraege dann Inkassofirmen uebertraegt, leuchtet mir nicht ein. Dahinter steckt oft der Glaube, dass medizinische Versorung ja Dienst am Menschen ist und der unbezahlbar ist (und Krankenpfleger, Aerztinnen und Hersteller von Kernspintomografen alle ehrenamtlich arbeiten koennen). In der Praxis wird sowieso sehr sehr viel davon abgeschrieben, gerade eben auch, wenn man es wirklich mit armen Schluckern oder Illegalen mit geklauter Versicherungskarte zu tun hat. Das lohnt oft den Aufwand nicht.
Was das alles mit der Geschichte mit der Vorkasse zu tun hat, wird nicht klar. Ein voellig anderes und sehr komplexes Thema. Aber hauptsache, man konnte "den Amis" mal wieder Gier und Herzlosigkeit vorwerfen.
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