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US-Gaststudenten: Botschafter wider Willen

US-Studenten haben es derzeit schwer in Deutschland: Sie müssen sich laufend für die Politik ihrer Regierung rechtfertigen. Ein Pilotprojekt mit Schülern gewöhnt sie an kritische Fragen.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,495957,00.html
  1. #10

    Es ist unglaublich, mit welchen Vorurteilen deutsche Gaststudenten und deutsche Gastwissenschaftler in den USA behandelt werden. Ein Bericht hierueber waere sehr zu begruessen.
  2. #11

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Hamburger, Todesstrafe, Bush" sei ein ähnlich limitiertes Landesbild wie "Bratwurst, Hitler, Lederhose".
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,495957,00.html
    Solche Vorurteile sind in der Tat bedauerlich. Gerade diese Reihung kann aber noch nicht so alt sein (frühestens seit Beginn der Bush-Ära) und ich wundere mich, wie sie sich bei einigen so schnell so fest setzen konnte.

    Ich schätze, bis 2004 dachten viele Deutsche noch an einen Unfall, an einen gestohlenen Wahlsieg, oder dass zu viele US-Bürger halt einfach nicht wissen konnten, wie Bush wirklich ist.

    Die Ernüchterung kam dann mit seiner Wiederwahl. 2004 zeigte sich eine deutliche Mehrheit einverstanden mit seiner Politik. Und erst das ermächtigte uns Beobachter dazu, diese Mehrheit zu "beschimpfen". Ob zu Recht oder nicht sei dahin gestellt - aber die Frage "Wie konnten sie so jemanden nur wiederwählen?" zehrt halt immer noch an uns.

    Man kann nur hoffen, dass ein neuer, progressiver Präsident das Bild in Deutschland ebenso schnell zurückbiegen kann, wie Bush es verbiegen konnte.
  3. #12

    Das Problem liegt auch darin, dass die meisten Deutschen viel weniger über die USA wissen, als sie denken - da macht man sich beispielsweise über die Schadensersatzklagen in den USA lustig (McDonalds & Kaffee, anyone?), hat aber nie den Begriff "punitive damages" gehört.
  4. #13

    Leider grassiert der Antiamerikanismus zunehmend unter Deutschlands Akademikern. Während niemand auf die Idee käme, Gaststudenten aus China, Russland, Iran, Pakistan und anderen Ländern mit fragwürdiger Menschenrechtslage für die Politik ihrer Regierung verantwortlich zu machen, scheint man in Deutschland davon auszugehen, dass sich jeder Amerikaner am liebsten mit Cowboyhut und Pistole bewaffnet, Countrylieder pfeifend und Hamburger futternd aufmachen würde, um fernen Ländern ihr Öl zu klauen.

    Das ist sehr bedauerlich. Denn gerade die Amerikaner sind uns Deutschen gegenüber viel positiver eingestellt, als die meisten von uns zu glauben scheinen. Ja, Deutschland steht in den USA (und natürlich nicht nur dort) für Hitler, Drittes Reich und Militarismus. Aber es steht auch für Kultur, für Hightech, für Lebensart, schnelle Autos, Perfektion und Ingenieurskunst. Beispielsweise kann man in den angesagtesten und teuersten Modeläden in New York T-Shirts von Berliner Szenelabels mit deutschen Aufdrucken kaufen (ja, Deutsch wird cool, wenn man weit genug von Deutschland weg ist..). Deutschland umweht in den USA immer noch die Aura des Schönen, Ausgeklügelten, Perfekten.

    Das alles sind Vorurteile, aber es sind positive Vorurteile. Und wir profitieren sehr von ihnen. Ich habe einige Zeit in den USA gelebt, und mir ist niemals Verachtung entgegengeschlagen für meine Herkunft - im Gegenteil, alle Amerikaner, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, zeigten sich sehr interessiert an Europa, an dem Leben in Deutschland. Es gibt, nebenbei bemerkt, auch unter den Republikanern inzwischen eine deutliche Ablehnung gegenüber dem aktuellen Präsidenten. Und von dem pragmatischen Optimismus vieler Amerikaner könnte sich so mancher überhebliche Mainstream-Weltuntergangsprophet unter Deutschlands Akademikern eine Scheibe abschneiden.

    Wir Deutsche sollten nie vergessen, dass es die Söhne und Töchter Europas sind und schon immer waren, die in Washington regieren. Wenn unter Chinesen das Ansehen der USA größer ist als in Deutschland, dann spricht das für eine sehr gefährliche Entfremdung und auch für eine bedenkliche Unkenntnis historischer Tatsachen. Niemand, der sich über die Interessen Chinas, Irans, Pakistans, Indiens und - gerade vor dem Hintergrund zunehmender Abhängigkeit - Russlands im klaren ist, kann die USA ernsthaft für die größte Bedrohung des Weltfriedens halten.

    Dabei sind die amerikanischen Werte sehr gute und richtige Werte. Gewiss, man kann nicht behaupten, dass die USA immer im Sinne dieser Werte gehandelt hätten, noch, dass sie es jetzt tun. Aber was ist von jenen zu halten, die solche Werte an sich bereits ablehnen, wie die meisten muslimischen Länder? Wieviele Menschen in Saudi-Arabien haben auch nur ein schlechtes Gewissen, wenn jemand für die Einfuhr einer Bibel hingerichtet wird? Und sind diese Menschen in der Position, Amerika Arroganz und Doppelmoral vorzuwerfen?

    Die amerikanische Demokratie ist sehr alt und hat schon viele Widrigkeiten überstanden. Sie wird über kurz oder lang wieder zur alten Stärke zurückfinden. Und wir Europäer sollten uns vielmehr Sorgen machen über jene, für die Demokratie immer noch aus gefälschten Abstimmungen mit 99,9% Zustimmung zum autokratischen Führer besteht. Doch kein kritischer deutscher Akademiker würde einem Chinesen gegenüber dessen Regierung kritisieren - das müssen die schon selbst tun, und das tun sie auch, wenn man sie gut genug kennt.
  5. #14

    ich denke schon, dass man von antiamerikanismus sprechen kann. solange nicht mit derselben selbstverständlichkeit etwa türken auf die offizielle haltung zum mord an den armeniern, palästinenser auf den wahlsieg der hizbollah oder meinetwegen jamaikaner auf die brutale unterdrückung von homosexuellen in ihrem jeweiligen heimatland angesprochen werden, bleibt der verdacht bestehen, dass es sich bei dieser einseitigen kritik um einen, wie immer abgeschwächten, ausläufer des kulturpessimistischen 'feinbilds amerika' aus den zeiten deutschen größenwahns handelt - was die kritik an der amerikanischen politik und gesellschaftsverfassung natürlich nicht delegitimiert.
  6. #15

    Zitat von Marie Laveau Beitrag anzeigen
    Ja, das ist für die Betroffenen natürlich nervig, dauernd nach Bush befragt zu werden, aber so ist das ja mal. Als Deutscher in Amerika muss man ja auch dauernd Fragen über Hitler beantworten.
    Davon glaube ich kein Wort. Denn wie kann es dann sein, dass ich nicht "dauernd Fragen ueber Hitler" beantworten muss?
    Und ich lebe schon zwanzig Jahre hier. Und ich bereise das ganze Land.
    Der Einzige, der mich diesbezueglich jemals angesprochen hat war einer, der mir eine Fuelle Positives ueber AH erklaeren wollte. Ausgerechnet eine Rotkreuzhelferin beim Blutspenden. Ich bin bald vom Stuhl gefallen.
    Und das wars auch schon. Also schwerlich ein "dauernd Fragen über Hitler beantworten muessen".

    Die meisten Amis interessiert das, was 60 Jahre zurueck liegt und laengst Geschichte ist, nicht die Bohne. Die meisten nehmen ja kaum den derzeitigen Irak-Krieg zur Kenntnis.
    Wer mal ein paar Tage hier verbringt, erkennt das recht schnell.
  7. #16

    Es wäre wünschenswert, wenn es eine Gegenüberstellung Deutscher Gaststudenten in den USA geben würde.
    Man kann es ja den Bundesbürgern nicht vorwerfen, wenn sie politisch interessiert sind. Wir sollten froh sein, wenn Schülerinnen und Schüler ein solches Interesse zeigen. Zu anderen Zeiten wird darüber lamentiert, dass die Kids sich nicht für aktuelle Dinge interessieren. Wenn man auch zugeben wird, dass die immer gleichen Fragen durchaus peinlich und frustrierend sein können.
    Andererseits ist ja nicht unbekannt, dass in Deutschland ein anderes Kulturverständnis und Lebensgefühl herrscht, als in den USA. Vielleicht darf man auch vorsichtig nachfragen, ob die US-Studenten nicht richtig vorbereitet darauf waren, über die hiesigen Denkmuster und die Sensibilität gegenüber div. Entwicklungen, die ja nun von Bush zu verantworten sind. Andererseits wird sich das Klima nach der nächsten Präsidentenwahl wieder völlig ändern. Wenn nicht alles täuscht, wird sich auch das Deutsch-Amerikanische Verhältnis dann entspannen.
  8. #17

    Eine rührende Geschichte, das über die Amerikaner. Keiner versteht sie, alle sind Anti-amerikanisch und die Amerikaner werden über einen Kamm geschert.Gut dass die Amerikaner nicht so sind.Man weiss ja dass die Amerikaner da schon eine differenziertere und objektivere Wahrnehmung der Geschehnisse auf der Welt haben als wir hier in Europa.
  9. #18

    Natuerlich werden Amerikaner eher mit der Politik ihres Landes identifiziert, als Russen, Chinesen oder Muslime: im Gegensatz zu diesen sind Amerikaner naemlich direkt fuer ihre Regierung verantwortlich, sie haben sie gewaehlt! So betrachtet, ist jeder Amerikaner verantwortlich.
  10. #19

    Nach meiner Meinung ist das doch immer so sei es nun Religion oder Herkunftsland.

    Ich werde auch sehr oft drauf angesprochen warum Moslems dies machen und dass machen und warum dein Land so was zu lässt dabei kann ich daran nichts ändern.

    Und wäre ich beispielsweise in America müsste ich mir auch sehr viel anhören und ich glaube mal viele der dortigen Ausländischen Studenten müssen sich auch viel gefallen lassen.

    Zwar ist das schwachsinnig aber manche kapieren es nicht.








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