Philipp Scholz RittermannChina zahlt für seinen Aufstieg zur Weltmacht einen hohen Preis: Mensch und Natur leiden. Mit spektakulären Großformat-Bildern macht Philipp Scholz Rittermann die radikale Modernisierung begreifbar. Im Interview schildert der US-Fotograf seine Sicht auf den Boom im Riesenreich.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...835734,00.html
Nur wird der Bauch in China niemals voll sein. Es gibt weltweit einfach nicht mehr genug Ressourcen, vor allem Rohstoffe, aber auch Nachrungsmittel und sauberes Wasser, um einem riesigen Volk wie dem chinesischen den gleichen oder einen annähernd gleichen Lebensstandard zu bieten, wie er im Westen üblich ist. Von Indien und Südamerika, die auch gern noch aufschließen wollen, mal ganz abgesehen. Europa und Nordamerika waren halt einfach schneller und gewiefter und haben einen Großteil der weltweiten Ressourcen verbraucht, bevor der Rest der Welt überhaupt dazu in der Lage war.
Exakt. Zu Anfang der Industrialisierung (und was Umwelt angeht noch lange danach) war es in Europa keinen Deut besser.
Der Sprung in die Moderne fordert schmerzhafte Opfer und lohnt sich erst so wirklich für die Nachfolgegenerationen.
Sagt sich natürlich leicht wenn man selbst nicht zu den Opfern gehört, ist aber eben einfach so das es noch nirgends in der Welt anders zu schaffen war.
Richtig. Es gibt genügend Beispiele für Länder, die aus der vorindustriellen Zeit in die Moderne gelangt sind - und immer verbessern sich mit dem industriellen Fortschritt von Generation zu Generation die Lebensbedingungen.
Wo waren die, die jetzt über die Lebensbedingungen im heutigen China jammern vor einigen Jahrzehnten? Warum haben sie da nicht über die bittere Armut, die Entmenschlichung durch die Verhinderung des Fortschrittes durch den Kommunismus berichtet?
Will man den Chinesen, die vom Land flüchten und zu Hunderten täglich (!) vor den Elektronikfabriken in den Städten stehen, um mit so einem Job ihre ganze Familie auf dem Land ernähern zu können, jetzt mit den satten 1.Welt Krokodilstränen kommen?
China meistert gerade die gigantische Aufgabe Millionen, ja Milliarden Menschen zu ernähren und mit seinen Produkten am Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. Verstärkten Umweltschutz kann man sich erst leisten, wenn die wirtschaftlichen Grundlagen gelegt und Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt sind. Auch begnügt sich der chinesische Arbeiter heute nicht mehr mit Hungerlöhnen sondern fordert zu recht seinen Anteil an der gesteigerten Produktivität; dies erkennt man an den zurückgehenden aber immer noch hohen Wachstumsraten.
Wir müssen uns nur erinnern, wie es in Deutschland, England oder Frankreich vor 50...60 Jahren aussah. Da redete niemand vom Umweltschutz, alles dreht sich um den Aufbau.
Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor der chinesischen Leistung.
Der Fotograf hat ein gutes Auge, und hat beeindruckende Bilder geschaffen. Wiederum hat China auch entsprechende Motive zu bieten.
Aber aus diesen Reisen und Bildern entsteht eben auch nur eine visuelle Sicht auf die Zusammenhänge.
Die Kommentare von Rittermann zu Politik und Gesellschaft Chinas sind entsprechend oberflächlich.
Von wegen "Eiserne Faust" - was weiss er denn über die Wege der Entscheidungsfindung in dem Land? Und hat er sich einmal mit den Zahlen beschäftigt, was Industrie, Energie und Umwelt betrifft?
Bei meinen China-Besuchen ist zumindest in Sachen Energie (Solarheizung, Windkraft) und Mobilität (Nahverkehr, Elektro-Bikes) deutlich geworden, dass man dort die Bedingungen der Zeit ganz gut verstanden hat. - Sicher besser als in anderen vergleichbaren Entwicklungsregionen, teils auch besser als im Westen.
Die Chinesen, aber auch andere Länder haben einfach nichts aus der Geschichte anderer Völker gelernt, aber wer will denn schon dazulernen, wenn es doch zunächst um den eigenen Wohlstand geht?
Ja, auch wir Europäer sind da nicht viel anders gewesen und sicherlich würden heute nach wie vor viele nur des schnellen Profits genauso handeln.
Die Einsicht das man so nur seinen Lebensraum zerstört, dass kommt doch fast immer erst dann wenn alles schon viel zu spät ist.
In fast allen Ländern wo man die Rohstoffe ausbeutet da hinterlässt man nur Mondlandschaften und das erfolgt auch durch viele westliche Konzerne und Staaten.
Ich will hier nicht auf die Chinesen schimpfen, denn sie selbst sind die Betroffenen und sie bekommen die Handlungen auch schon zu spüren.
Es liegt an der Regierung dem einen Riegel vorzuschieben und einen anderen Weg einzuschlagen, aber ihre Sicht ist nach wie vor nur durch die Gier nach der Macht erster in der Welt zu sein getrübt.
Wo es keinen Widerspruch in der Gesellschaft geben darf, wo man jegliche kritische Meinung mit äußerster Gewalt niederhält, da braucht es dann eben noch viel mehr Zeit bis die Parteikader ein Einsehen finden werden.
HR
Die Überschrift vom "Gnadenlosen Boom" ist mal wieder dermassen reisserisch dass es einem den Magen umdreht.
Die Bilder dagegen sind äußerst beeindruckend. Als jemand, der China regelmäßig seit fast einem Jahrzehnt besucht, kann ich sagen, dass es es in einem Jahrzehnt geradezu unglaubliche Fortschritte in Sachen Umweltschutz und Wohlstand gegeben hat.
China entwickelt sich von den grossen Ballungsräumen her, fährt man ins Land hinein erlebt man gleichsam eine Reise aus der Zukunft bis in vorindustrielle Strukturen.
Lasst dem Land Zeit, und vor allem - wie auch im Bericht klar wurde - bei uns hat es in meiner Jugend umwelttechnisch nicht besser ausgesehen.
Der Westen der USA wurde *erobert*, andere Weltgegenden *zivilisiert*, schafft ein Volk - hier die Chinesen - es aus eigener Kraft, handelt es sich um einen *gnadenlosen Boom*. Warum präsentiert uns Herr Rittermann nicht einfach seine großformatigen Bilder über das wieder ergrünte Ruhrgebiet? Eine solche Ausstellung könnte man dann nach China exportieren. Think pink!