US-Abschwung: Ben Bernanke und die Rein-raus-Rezession

Kräftig, aber zu spät: Die amerikanische Notenbank hat die Leitzinsen erneut deutlich gesenkt - eine Rezession kann sie damit wohl nicht mehr verhindern, analysiert Volkswirt Willi Semmler. Einiges spricht aber dafür, dass die Wirtschaftskrise moderat verlaufen könnte.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,532189,00.html
  1. #1

    Kleine Richtigstellung

    Ein guter Artikel. Lediglich in einem Detail ist einer Richtigstellung nötig: im November, dem letzten kommunizierten Monat, ist das Außenhandelsdefizit wieder kräftig gestiegen - um etwa 9% gegenüber dem Vormonat, auf 63 Mrd. Trotz Dollar-Rekordschwäche und bereits abkühlender Konjunktur.
    Da dieses Defizit längst struktureller Natur ist, dürfte die Hoffnung auf dessen Reduzierung durch die Konsumflaute trügerisch sein. Und selbst eine Reduzierung dieses Defizits auf 50 oder 40 Mrd pro Monat ist langsfristig viel zu hoch, selbst wenn diese Reduzierung erreicht werden sollte.

    Und noch ein Ungemach steht bevor: auf Grund der zurückgehenden Steuereinnahmen durch die Konjunkturschwäche und durch die weiter steigenden Ausgaben für Militär und Kriege sowie für das angekündigte Konjunkturprogramm dürfte das Budget-Defizit des Staates dramatisch ansteigen, schon im Haushatsjahr 2007/2008. Das erste Quartal hat diesen Anstieg bereits angedeutet, mit einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 27 Mrd Dollar. Damit wäre auch die einzige positive Tendenz der letzten 3 Jahre, nämlich das Sinken des Budgetdefizits, wieder in ihr Gegenteil verkehrt.

    Es brennt an allen Ecken und Enden. Keine Ahnung, wie die USA aus diesem Strudel aus gigantischen Defiziten und Verschuldungen wieder rauskommen will. Und wenn der Dollar als Weltleitwährung in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren sollte, dann wird´s richtig eng. Dann funktioniert der Kapitalstaubsauger nicht mehr, der bisher eine noch drastischere Entwicklung der Verschuldung gegenüber dem Ausland verhindert hat.
  2. #2

    Rezession schwerer als erwartet

    Mit Zinssenkungen laesst sich da auch nichts mehr retten. Das Problem ist das der Amerikanische Konsumer voellig ueberschuldet ist. Seit 2000 haben die Einkommen stagniert oder sind, inflationsbereiningt, sogar leicht gesunken. Gespart wird nicht mehr und auch die Kreditline bei den Banken ist erschoepft. Bis vor kurzem wurde da noch immer fleissig Geld aus dem Eigenheim gezogen aber die Zeiten sind jetzt auch vorbei. Kurzum, Kredivergabe ist nicht das Problem, ein Mangel an Einkommen ist das Problem. Da westlich Industien mit Sklavenarbeit aus Asien konkurieren muessen wird sich in Sachen Einkommen auch so schnell nichts zum Besseren wenden. Die Lage wird sich ehr noch verschaerfen. Die Industrien gehen dort hin wo die niedrigsten Loehne bezahlt werden (siehe Nokia). Zurueck bleiben Dienstleistungs Jobs wie Putzfrau, Doener Verkaeufer oder Pausenclown.
    In der Wirtschaft selbst hat die Bankenkrise zu einer Vertrauenskrise gefuehrt. Vertrauen laesst sich auch nicht durch niedrige Zinsen wieder herstellen.
  3. #3

    Warum sollten sie

    "So stehen die Ölländer und andere Wachstumsregionen bereit, in den USA zu investieren."
    Warum sollten sie?
    Die Ausländer halten bereits 16Billionen (deutsch) in den USA und die waren in der Vergangenheit wenig rentierlich und werden es solange das Leistungsbilanzdefizit besteht auch sein.

    Wobei wir bei Punkt zwei wären:
    "......der Abbau der großen Handelsbilanzdefizite mildern den Abschwung"
    Wo ist das denn abzulesen? Die Novemberzahl weist fast Rekordhöhe auf.

    Um dieses Strukturdefizit zu beseitigen brauchen die USA sicherlich 5-8 Jahre, dieses konnte man an Deutschland nach der Wiedervereinigung ablesen. Hierzu sind folgende Schritte notwendig:
    Konsumeinschränkung, Währungsabwertung und Neuaufbau einer Industrie.
    Von alledem ist noch nichts zu spüren, sondern Zentralbank, Finanzwirtschaft und die Gesellschaft versucht den alten Pfad fortzusetzen. Da waren wir in Deutschland schneller bereit die bittere Pille zu schlucken.
  4. #4

    USA = erste postkommunistische Planwirtschaft ?

    Die Wirtschaftpolitik von George Bush liess alleine schon zu wuenschen uebrig.
    Nun macht Bernanke aber wieder das Selbe wie Greenspan. Der Unterschied ist ersollte es bessr wissen.

    Die niedrigen Zinsen (unterhalb der offiziellen "Kern-Inflationsrate" sind eine Enteignung eines jeden Sparers. Der Innen- wie auch der Aussenwert (Wechselkurs) des Dollars reflektiert dies schon seit langem.

    Gegenwaertig ist es nicht die Wirtschaft selbst, sondern die
    massive Angst vor dem Systemrisiko welches das amerikanische Bankensystem erfasst hat, was Bernanke die Zinsen so massiv senken laesst.
    Er versucht die Banken aus ihren schlechten Krediten und Bondpositionen HERAUS ZU INFLATIONIEREN. Die Ratio der Assetwerte zum Equity vieler Institute ist bedrohich und koennte diese kurzfristig isolvent sein lassen (wenn bestimmte Assets zu stark an Wert verlieren).
    Dann kaeme die Kreditvergabe in den USA zum (fast) totalen Stillstand.

    Fest steht, das es erst noch schlimmer kommen wird bevor es sich in den USA wieder bessert. Bernanke riskiert mit seiner gegenwaertigen Zinspolitik zwar eine Rezession zu vermeiden, erhoeht damit aber gleichzeitig das Risiko einer Depression.

    Der Wirtschaftszyklus (incl. einer Rezession) soll mit allen Mitteln verhindert werden. Ist das noch der selbstreinigende Marktkapitalismus als der sich die USA immer definiert haben (weahrend sie das alte Europa belaechelten)?
    Oder ist dies die erste postkommunistische Planwirtschaft ?

    Gruss aus New York, Jerry
  5. #5

    Die dritte Welt kam der ersten zur Hilfe?

    really funny ! Der bleibt nichts anderes übrig.Die haben überwiegend Dollars als Devisenreserven in ihren Beständen. Wollen die ihren Greenback nicht völlig in den Orkus rutschen sehen , werden sie wohl was tun müssen.
    Man steht sozusagen mit einem Bein mit im Grab.
  6. #6

    Weltrezession wahrscheinlich

    Das sieht wohl nicht so gut aus - auch für Deutschland.
    Die Lage scheint dramatischer zu sein, als man es offensichtlich zugibt. Stück für Stück kommt immer megr der Wahrheit ans Licht, man hofft aber, dass das schlimmste vorüber ist, bevor die Leute es merken.

    Die Möglichkeit, dass wir eine Weltrezession bekommen, war wohl nie so groß wie heute.
    Die USA haben in den letzten Jahren ganz wesentlich zum deutschen Wachstum beigetragen, umso erstaunlicher ist es, dass man hier vielfach glaubt, wir können ohne die USA leben, das stört uns überhaupt nicht, was da passiert.

    Wir leben hier auf einer Insel der Glückseeligen, die nur wieder etwas mehr auf sozial macht und dann ist alles vorbei.
    Wir sollten uns wohl mehr über China und Co. aufregen als die USA. China ist einer der undemokratischten Staaten dieser Erde, wir blenden das aber aus.
    Dort werden Menschen verheizt für ein mörderisches Wachstum. Da können wir nicht mithalten!
    Der Zusammenhang zwischen Nokia und China ist wohl das Wesentliche.

    China und andere horten in den USA das Geld, was ihnen US-Bürger und wir durch unsere Einkäufe zukommen lassen, das ist im wesentlichen westliches Geld.

    Die USA haben durch ihre hohen Konsumausgaben das Wachstum der ganzen Welt beflügelt und gestützt, nicht umgekehrt und wir haben davon profitiert.

    Jetzt werden sie auch die ganze Welt einschl. Deutschland runterziehen, so einfach ist das.

    Politik, Banken und Wirtschaft machen natürlich auf Gutwetter, es ist schließlich ihr Profit, für gute Stimmung zu sorgen!

    Gerade in Deutschland hat man doch von links bis rechts Angst davor, dass die deutsche Gesellschaft den Herrschenden um die Ohren fliegt, wenn die Stimmung noch schlechter wird und das ist sehr wahrscheinlich und scheint auch nicht mehr aufhaltbar.
  7. #7

    ?

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Das sieht wohl nicht so gut aus - auch für Deutschland.
    ...Die Möglichkeit, dass wir eine Weltrezession bekommen, war wohl nie so groß wie heute.
    Rezession=Die am meisten verbreitete Definition besagt, dass eine Rezession vorliegt, wenn die Wirtschaft zwei Quartale nacheinander nicht wächst, bzw. ein Rückgang zu verzeichnen ist.
    Sie meinen wohl eine Depression.

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Die USA haben in den letzten Jahren ganz wesentlich zum deutschen Wachstum beigetragen, umso erstaunlicher ist es, dass man hier vielfach glaubt, wir können ohne die USA leben, das stört uns überhaupt nicht, was da passiert.
    Aus: http://www.destatis.de/jetspeed/port...nderPrint.psml
    Der Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen sank von 21,8% auf 17,2%, das heißt er sank um die 4,6 Prozentpunkte, um die – wie erwähnt – der Außenbeitrag seinen Anteil am Bruttoinlandsprodukt vergrößerte.
    ..Die deutschen Hauptabsatzmärkte liegen traditionell in der EU.. Das restliche Viertel der deutschen Ausfuhren verteilt sich zu etwa gleichen Teilen auf den amerikanischen und asiatischen Kontinent. Afrika sowie Australien und Ozeanien spielen für die deutschen Exporte praktisch keine Rolle. Betrachtet man Amerika und Asien genauer, so zeigt sich, dass sich der Handel mit diesen Regionen auf wenige Länder konzentriert. So gehen fast 90% der für den amerikanischen Kontinent bestimmten Exporte in die drei NAFTA-Staaten USA, Mexiko und Kanada."

    Genaueres finde ich nicht, sagen wir 10% in die USA? Ist das "ganz wesentlich"?
    Und welches der ca. 10000 Postings zum Thema hier, führt bei Ihnen zum Eindruck; "das stört uns überhaupt nicht"?


    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Wir sollten uns wohl mehr über China und Co. aufregen als die USA.

    Tun wir doch! Der Lama ist doch ein dicker Freund vom Koch und Angie (Ich könnte mir bei ihrem Satz oben ein über dazudenken, wollte ich aber nicht;)

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Der Zusammenhang zwischen Nokia und China ist wohl das Wesentliche.
    Welcher Zusammenhang?
    Denken Sie zuerst mal bitte an folgendes:
    "Die größte Hungersnot in China, und vielleicht der ganzen Weltgeschichte, wurde von 1959–1961 durch den Großen Sprung nach vorn ausgelöst".
    Folglich geht es selbst dem Wanderarbeiter "besser" als zur Zeit seiner Eltern.

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    China und andere horten in den USA das Geld, was ihnen US-Bürger und wir durch unsere Einkäufe zukommen lassen, das ist im wesentlichen westliches Geld.

    Was ist westliches Geld?
    BTW: Sie horten die $ nicht, sondern sie legen sie an (Staatsfonds). Grünes Papier mögen die auch nicht.

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Die USA haben durch ihre hohen Konsumausgaben das Wachstum der ganzen Welt beflügelt und gestützt, nicht umgekehrt und wir haben davon profitiert.
    Ich verstehe die Wirtschaft halt nicht.
    Wenn ich dir immer nur einen Schuldschein(Geld) gebe und ich, weil du mir vertraust (AAA-Rating), einfach so weitermache, wo ist dann dein Vorteil?

    Zitat von rory Beitrag anzeigen
    Jetzt werden sie auch die ganze Welt einschl. Deutschland runterziehen, so einfach ist das.
    Na DA sind wir uns ja mal einig.
    "Our currency, your problem."