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Urteil zur Mediziner-Zulassung: Lange Studiums-Wartezeit verletzt Grundrechte

Das Urteil ist ein Schock für*viele deutsche Unis: Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass mehr als sechs Jahre Wartezeit für einen Medizinstudienplatz unzumutbar sind. Wer so lange vertröstet wird hat demnach ein Anrecht auf das Arztstudium -*trotz mittelmäßiger Abiturnote.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...789132,00.html
  1. #30

    -

    Zitat von emdemuc Beitrag anzeigen
    Zunächst muss einfach die Beschränkung der Kassenzulassungen aufgehoben werden und völlige Niederlassungsfreiheit für Ärzte eingeführt werden. Dann kann man auch mehr Studienplätze schaffen, es gibt ja dann keinen beschränkten Arbeitsmarkt mehr. Da dadurch allerdings auch die Verdienstmöglichkeiten der breiten Masse an Ärzten sinken würde, wäre dieser Berufsstand auch einmal echter Konkurrenz ausgesetzt.
    Wetten, dass sich die Wartezeiten dann nur noch selten auf 8 Jahre addieren würden?
    Die Mediziner Studienplätze sind nicht beschränkt, weil man den Arbeitsmarkt nicht überfüllen will, sondern weil die Medizinerausbildung im Vergleich zu anderen Ausbildungen sehr teuer ist. Und das Geld für Ausbildungsplätze ist beschränkt.

    Die Antwort auf die Frage "Ein Medizin-Studienplatz oder zwei Ingenieur-Studienplätze?" ist recht offensichtlich.
  2. #31

    Das System ist falsch

    Wie gewohnt, der übliche Ärzte-Hickhack.
    Dazu einige kurze Anmerkungen: Der Allgemeinmediziner ist der Arzt in der Versorgungskette, der dem Pat. erklären muss, was der Facharzt rausgefunden hat. der verdient sein Geld nur mit technischen Untersuchungen, die Zeit, die er bräuchte, dem Pat. das Ergebnis zu erklären, nimmt er sich nicht! Kenne praktisch keine Ausnahme. Also bleibt das beim Hausarzt hängen, nur kennt die Gebührenordnung seit 2004 KEINE einzige
    Gesprächsziffer mehr. Alles in der 34 €-Pauschale drin.
    Das Dilemma der Medizin in D ist, dass alles überorganisiert ist. Macht man mehr, gibt es Abzüge, schreibt man zu teure Medikamente auf, zahlt man Strafe...
    Es gibt einen guten Indikator für die geplante Niederlassung:
    Es gibt keine Bank mehr, die eine Praxis finanziert. Kommentar: "Damit kommen Sie nie in die Gewinnzone"
    Erst wenn sich das ändert, haben wir eine vernünftige Versorgung in D.
  3. #32

    Generelle Fragen aufgeworfen

    Das Urteil wirft in meinen Augen ein generelles und nicht nur die Medizin betreffendes Dilemma in der deutschen Hochschulpolitik auf.
    Einerseits kann ich einige Meinungen hier voll und ganz unterschreiben, insbesondere wenn es um den Zusammenhang zwischen Abiturschnitt und Hochschuleignung in einem bestimmten Studienfach geht. Denn die Abiturnote sagt nur teilweise etwas über den Kandidaten aus und ist, wenn wir unsere deutsche Bildungs(un)landschaft betrachten, regional sehr verschieden aufzufassen. Sie hängt nicht nur, wie beschrieben, von den unbestreitbar wichtigen persönlichen Eigenschaften des Abiturienten ab, sondern auch von den jeweiligen Lehrkörpern sowie den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes. Eine Vergleichbarkeit ist somit anhand dieser Note kaum gegeben, da immer noch kein Einheitsbildungssystem herrscht.
    Wie sollen aber nun die Hochschulen oder gar die für die Medizin relevante ZVS einen Rahmen schaffen, wenn bei mehr geforderten Studienplätzen die Kapazität an den Unis nur geringfügig erhöht wird oder sogar in vielen Fällen stagniert oder zurückgeht. Immerhin müssen die Hochschulen heute leider wie Wirtschaftsunternehmen agieren. Die Unis müssen somit eigentlich zwangsläufig die Studentenzahl beschränken um eine qualitativ hochwertige Lehre bei einem gesunden Betreuungsverhältnis anbieten zu können. Aber das steht mit den politischen Zielen der Bundesregierung und im Urteil angesprochenen Grundrechten, insbesondere bei langen Wartezeiten, im Widerspruch.
    Die einzige Lösung, um auch angenehme Studienbedingungen zu schaffen, sind und bleiben Auswahltests, wie sie bei einigen Studiengängen schon praktiziert werden. Es hätte jeder Kandidat zumindest eine vergleichbare Chance. Gleichzeitig bleibt für mich die, leider gegen unsere förderalen Ströme kaum durchsetzbare Forderung nach einem vergleichbaren Zentralabitur bestehen. Somit könnten neben einem gerechteren Zulassungsverfahren auch die Studienbedingungen zumindest ansatzweise verbessert werden, indem nicht erst im Studium die Eignung durch "rausprüfen" festgestellt werden muss.
  4. #33

    ...

    Mal ein paar Fakten von einem jungen Arzt...


    * Ich habe mit jungen Frauen studiert,
    die Kunst und Deutsch Leistungskurs hatten
    und in ihrem dritten oder vierten Prüfungs-
    fach Mathe vom alten, kuscheligen Lehrer die
    Punkte hinterhergeworfen bekommen haben...
    Ohne auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben!
    Also von wegen die Einser-Abiturienten sind
    die besten Naturwissenschaftler...
    Und ich möchte an dieser Stelle die These
    aufstellen, dass fast alle StudentINNEN so an
    ihren Studienplatz gekommen sind.


    * Was soll das gehässige Geschnatter über Schüler
    mit einem Dreier-Abi, die Ärzte werden wollen?
    Status Quo ist, dass man nicht mal mit einem
    guten Zweier-Abi Medizin studieren kann!


    * Es soll Universitäten geben, die in Ihrem
    Auswahlverfahren bevorzugt Schüler auswählen,
    die Altgriechisch in der Schule hatten; ihr
    Graecum in der Oberstufe machten... Aus dem
    einzigen Grund, weil der Dekan der Medizin
    daraufsteht und selbst einen Faible für Alt-
    griechisch hat... Halt so ein honoriger,
    alter Sack, der es selbst nicht gepackt hat
    ein guter Arzt zu sein!




    Ich habe in den zehn Jahren - Studium und
    Arbeit - festgestellt, dass die Abiturnote
    NICHT den guten Arzt auszeichnet!
    Viele meiner Kollegen haben vorher auch noch
    Kranken-schwester/pfleger gelernt, weil sie
    eben ein schlechteres Abitur hatten und nicht
    gleich durchstarten konnten. Diese sind meist
    fähiger als die "Streber"!
  5. #34

    Nc

    Zitat von Marginalius Beitrag anzeigen

    Aber abgesehen davon sind die sogenannten Streber nunmal am besten für das Medizinstudium geeignet.

    (...)

    um dieses Fachwissen zu erlangen, heißt es bei den Medizinern nunmal Pauken, Pauken, Pauken.

    Oder hätten Sie zu einem Arzt Vertrauen, der bei jeder Ihrer Fragen sagt, er müsse erstmal schnell im großen Kompendium nachschauen?
    Das kann man wohl so nicht stehen lassen. Viel hängt im Studium von der Motivation ab. Andersherum steckt hinter einigen 2,5er-Abi mehr Paukerei, als hinter mancher glatten Einsnull.

    Wenn ich etwa so auf meinen Abijahrgang zurückblicke (1999), dann gab es doch einge gute Anzahl an Leuten, die die Prognose "Abischnitt" im positiven wie im negativen Sinn nicht erfüllt haben - ganz einfach weil sie den Ballast ungeliebter Schulfächer abwerfen konnten, oder aber an der Schule so unterfordert waren, dass sie erhebliche Probleme mit dem Lernpensum an der Hochschule bekamen.

    Und es gibt noch einen Faktor:

    Durch die Einführung des Zentralabiturs in einigen Bundesländern sind in den vergangenen vier, fünf Jahren die Top-Noten häufiger vergeben worden. Eine erhöte Durchfallquote war in den betroffenen Bundesländern politisch nicht gewollt. Dadurch kann mitunter eine Drei aus 2005 besser sein, als eine 2,3 aus 2011.

    Grüße,

    Don
  6. #35

    @we$

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Urteil ist ein Schock für*viele deutsche Unis: Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass mehr als sechs Jahre Wartezeit für einen Medizinstudienplatz unzumutbar sind. Wer so lange vertröstet wird hat demnach ein Anrecht auf das Arztstudium -*trotz mittelmäßiger Abiturnote.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...789132,00.html
    Warum nicht eine 'soziale' Komponente ins Auswahlverfahren integrieren?
    Wer sich bereit erklaert, in 'unterversorgte Gebiete' zu ziehen, bekommt einen Bonus von 1.5 Abinoten.
    oops, der mit ner 1.x beim Abi ist auf einmal in der Warteschleife!
  7. #36

    gewichten

    Zitat von r2t5 Beitrag anzeigen
    stimmt, allerdings sagt eine schlechte Abiturnote aus, dass der Bewerber unfähig oder zu faul war, eine gute Note bekommen zu können ^^
    Im Großen und Ganzen ja, mit ein paar Einschränkungen. Legastheniker haben es zB sicherlich schwer. Und in manchen Fächern ist der NC so hoch dass eine Schwäche in einem einzigen weniger relevanten Fach die Note zu stark runter ziehen kann.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, zu gewichten?
    Ein zukünftiger Arzt braucht mit Sicherheit Biologie, ein bisschen von den anderen Naturwissenschaften und Mathematik, und Englisch für die Fachzeitschriften. Umgang mit Menschen wird weder unterrichtet noch gemessen. Was der zukünftige Arzt eher nicht braucht sind Sport, Kunst, Literatur, sonstige Sprachen und Geisteswissenschaften wie Geschichte.
    Vielleicht wäre es gescheit, wenn jemand, der absichtlich die "schweren", aber relevanten Fächer wählt, und sich mit Mühe auf 2en in Mathe und Physik hievt, damit in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern und Medizin besser dastünde, als wenn er sich in "Laberfächern" wie Geschichte 1en geholt hätte.
  8. #37

    Warum nur?

    Warum nur, rennt ein junger Mensch mit Anfang bis Mitte 20 sechs Jahre lang diesem zerplatzten Traum des Medizinstudiums hinterher, statt sich mal mit alternativen Berufschancen auseinanderzusetzen, eine andere Ausbildung oder ein anderes Studium, was ggf. eher seinen Neigungen entspricht, in Angriff zu nehmen?

    Wann entwickelt und verfestigt sich so ein Wunsch, Medizin studieren und Arzt werden zu wollen in diesem erheblichen Maße. Sowas weiß man doch vorher und kennt auch die Einstiegsbedingungen für ein solches Studium. Der Irrealismus eines solchen Vorhabens muss doch klar werden, wenn man auf die schulischen Zwischenzeugnisse blickt und letztlich das Abitur mit einer 3 vorm Komma in der Hand hält. Da kann man dann auf die Lehrer oder die Ungerechtigkeit der Welt schimpfen oder auf sich selbst. Man hätte eben doch in der Schulzeit andere Prioritäten setzen sollen und sich öfter vor den Prüfungen mal auf den Hosenboden setzen und büffeln sollen. Aber nein, gleichzeitig mit der Erkenntnis, dass es nicht reicht, gärt dann die Gewissheit, dass ja nur das System ungerecht sein kann und schon bemüht man Papis Anwalt, um einen da
    durchzuboxen.

    Ich war richtig enttäuscht, als zu Studienbeginn in einer Naturwissenschaf im Herbst 1999 kein Mensch im Imma-Amt der Uni sich für die Abiturnote interessierte, sondern das gerade neue Wappen im Landkreis-Siegel sehr viel interessanter schien. Aber ich wusste seit Jahren, was ich studieren will und dass man dafür gute Vorraussetzungen in Mathematik, Physik und Chemie mitbringen sollte.
  9. #38

    Allgemeine Hochschulreife

    Zitat von melbo Beitrag anzeigen
    Ich habe allerdings noch nie gehoert, dass jemandem zugestanden wird, das Recht auf einen Medizinstudienplatz zu haben.
    Also auf meinem "Abiturzeugnis" steht "Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife" und damit habe ich das Recht, was und wann ich will zu studieren und irgendwelche Fähigkeiten nachweisen, dass muss ich auch nicht; die habe ich nämlich, sonst hätte ich ja kein Zeugnis bekommen. In meinem Zeugnis steht das auch so.
    Alle weitern Einschränkungen sind nur aus rein finanziellen Gesichtspunkten getroffen worden. Und wenn sie einem 3,0 er Abiturienten nicht die Fähigkeit zu einem Medizinstudium zugestehen, wieso kann er es dann schaffen und ist anschließend ein schlechter Arzt? Da stimmt dann da doch wohl was mit den Prüfungen nicht?
    Und Einser-Pfeiffen habe ich während meines Studiums und späteren, äußerst erfolgreichen, Berufslebens genügend kennen gelernt. Die Abiturnote alleine sagt fast überhaupt nichts aus.

    PS.
    Ich habe einen Schnitt von 2,9
    PPS.
    in Bayern
  10. #39

    -

    Zitat von BerlinLondon Beitrag anzeigen
    Ein Abiturient mit einem Einserschnitt hat bewiesen, dass er besser mit akademischen Herausforderungen zurecht kommt und sich auch - gerade für ein lernlastiges Fach wie Medizin - besser eignet als andere.

    Dadurch, dass die Beliebtheit des Faches Medizin so rasant gestiegen ist, muss knallhart selektiert werden. Außerdem kann ich mir niemanden vorstellen der lieber von einem angehenden Mediziner mit 3,0 im Abi behandelt werden möchte.

    Und zu behaupten, "Streber" mit gutem Abitur besäßen keine Sozialkompetenz zeugt nur von klischeehaftem Denken.

    Scheitern können sie immer noch - aber wer soll das verantworten?
    Ein Abiturient mit einem Einserschnitt hat akademisch zunächst mal gar nichts bewiesen. Es gibt eine ganze Reihe von Abiturienten mit Dreierschnitt, die ihr Studium mit Bestnoten abschließen im Gegensatz zu vielen mit Einserschnitt, die an der Uni versagen. Ein Abiturient mit Einserschnitt hat aber, da gebe ich Ihnen Recht, Fleiß bewiesen und das ist das einzige, was man für ein Medizinstudium braucht, nicht aber Intelligenz, über die die Note eben nichts aussagt. Deshalb ist es schon so, dass diejenigen, die den NC erfüllen, i.d.R. im Gegensatz zu den schwächeren auch fleißig genug sind, das Studium erfolgreich abzuschließen.








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