Urteil zur Mediziner-Zulassung: Lange Studiums-Wartezeit verletzt Grundrechte

Das Urteil ist ein Schock für*viele deutsche Unis: Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass mehr als sechs Jahre Wartezeit für einen Medizinstudienplatz unzumutbar sind. Wer so lange vertröstet wird hat demnach ein Anrecht auf das Arztstudium -*trotz mittelmäßiger Abiturnote.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...789132,00.html
  1. #20

    Ich versteh's nicht:

    Warten verletzt die Grundrechte?
    Aber interessanterweise nur die von Möchtegern-Medizinern.

    Okay, die anderen sind offenbar nicht auf die Idee gekommen zu klagen.

    Aber allein diese Tatsache zeigt schon ne ganze Menge: Die seltsame Anspruchshaltung dieses Berufsstandes ist also bereits beim Noch-nicht-ganz-Nachwuchs ausgebildet.

    Da wundert mich nun nichts mehr...
  2. #21

    Schnapsidee

    Zitat von emdemuc Beitrag anzeigen
    Zunächst muss einfach die Beschränkung der Kassenzulassungen aufgehoben werden und völlige Niederlassungsfreiheit für Ärzte eingeführt werden. Dann kann man auch mehr Studienplätze schaffen, es gibt ja dann keinen beschränkten Arbeitsmarkt mehr. Da dadurch allerdings auch die Verdienstmöglichkeiten der breiten Masse an Ärzten sinken würde, wäre dieser Berufsstand auch einmal echter Konkurrenz ausgesetzt.
    Wetten, dass sich die Wartezeiten dann nur noch selten auf 8 Jahre addieren würden?
    Ihnen scheint unbekannt zu sein, dass die Gesundheitskosten mit der Zahl der Mediziner steigt. Ärzte habe nämlich einen Vorteil. Sie können die Patienten wieder einbestellen und auf diese Weise ihr eigenes Konjunkturprogramm starten.

    So gesehen ist ihr Vorschlag eine Schnapsidee.
  3. #22

    UK oder USA....

    Zitat von melbo Beitrag anzeigen
    Das kann ich so 100% unterschreiben - und eben darum waere ein Motivationsschreiben und ein Interview so wichtig.

    In England habe ich nur von ganz seltenen Einzelfaellen gehoert, die nach dem Studium nicht auch als Arzt arbeiten. Der Grund liegt darin, dass bei der Bewerbung aufs Medizinstudium knallhart die Motivation ueberprueft wird, und man dafuer schon ein Jahr vor Studienbewerbung ganz schoen ackern muss - z.B. freiwillige Praktika, Literaturrecherche, Vorbereitung auf die Tests und Interviews (bei denen dann nochmals die Motivation auf die Probe gestellt wird: wieviel hat man sich mit dem Beruf auseinandergesetzt, wieso will man Arzt werden, was bringt man mit, warum ist man geeigneter als die anderen Bewerber, wieviel hat man sich mit dem Gesundheitssystem beschaeftigt, was hat man zusaetzlich gelesen, wie kann man seine akademische und soziale Eignung beweisen, etc. etc. etc.).

    Das falles uehrt dazu, dass die, die dann zugelassen werden, geradezu medizinstudiumswuetig sind :-)
    ....taugen hier in der Tat als Vorbild, sehe ich ganz genauso. Motivationsschreiben und Interview habe ich schon mehrfach fakultätsintern und auf 'politischer Ebene' extern in einem Konzept eingebracht, zusätzlich sieht dieses eine Art Freiwilligendienst (der nicht nur 3 Monate wie das Pflegepraktikum sondern 12 bis 24 Monate geht) vor. Das ist aber ein Kampf gegen die Windmühlen des Ärztestandes.
    Ein Hinweis, dass ein innovatives Vorgehen bei der Zulassung erfolgreich sein könnte, ist der Erfolg von Witten/Herdecke. Trotz aller Querelen dort sind mir aus deren Reihen schon unglaublich viele engagierte, unprätentiöse Absolventen, gerade auch im wissenschaftlichen Bereich, begegnet, die eben keinen 1A-Lebenslauf (mit Einserabi, Akademikereltern usw.) im Rücken hatten........interessiert viele der Granden aber nicht, stattdessen wird die Qualität der Wittener Ausbildung angezweifelt. Es könnte sich sonst ja rumsprechen, dass es auch anders geht.
  4. #23

    Was soll das?

    Zitat von lensenpensen Beitrag anzeigen
    Denn leider sagt ein Abitur mittlerweile nichts mehr über die Studienfähigkeit einer Person aus. Und Leute die sehr lange zu warten bereit sind UND sich in der Zwischenzeit schon in einem medizinischen Bereich fortbilden/arbeiten sollte man einfach eine Chance geben.
    Scheitern können sie immer noch!
    Was ist mit den Schülern, die sich ihre Abi Note hart erarbeitet haben? Nehmen wir an, ein Schüler schafft es eine 1,8 als Schnitt zu erreichen. Er wird abgelehnt, weil jemand anders mit einer 3,0 lange genug darauf gewartet hat.
    So darf unser 1,8-Schnitt-Schüler dann eben auch 8 Semester warten, dann wird auch er genommen.

    Es kann ja sein, dass die Aussage einer Abinote nicht alles über eine "Studienfähigkeit" aussagt, ein gutes Indiz ist sie gerade in Zeiten des Zentralabiturs allemal. Warum so oft alles komplizierter machen? Es ist eine klare und einfache Regel, die für jeden gilt. Das ist von Beginn an bekannt und für jeden gleich.

    Mal ehrlich, wenn jemand im Abi eine 3,0 erreicht, dann hat diese Person in der Regel mächtig was falsch gemacht. Und diese ganzen Ausnahmen, die wir uns in der Gesetzgebung schon leisten, schaffen unterm Strich mehr Ungerechtigkeit als sie vermeiden. Wer außer Steuerberatern findet denn Gesetzeslücken? Und wer leistet sich einen Steuerberater, die eher Armen der Gesellschaft. Keep it simple! Wer den Schnitt nicht bringt, der wird nicht zugelassen.

    "Mehr als zwölf Semester warten - damit ist die Grenze des Zumutbaren überschritten" - wer mutet das denn dem Bewerber zu? Doch wohl er sich selbst. Er soll einfach in einem anderen Job sein Glück versuchen. Die genannte Chance hatte er schon gehabt - im Abitur.
  5. #24

    Zitat von kaminister Beitrag anzeigen
    ...

    Es ist ungerecht Menschen ihrer Chance zu berauben, sich als Mediziner zu beweisen, nur weil man schlecht in Geschichte und Deutsch oder Englisch war. Oder nur, weil man sein 2.5er Abitur auf einer anspruchsvollen Schule ablegte. Dies gilt auch für jeden weiteren Job, für den ein Studiumsabschluss Vorraussetzung für einen Job ist (Warum wir überhaupt das Recht zu Arbeiten an einen Akademikertitel binden ist ein weiteres Schauermärchen aus der Standes-.. äh Bundesrepublik).
    Ich verstehe auch nicht, warum man Gefahrguttransportfahrer an einen Führerscheintitel binden. Es sollte doch jeder das Recht haben ohne jegliche Ausbildung alles machen zu dürfen, so wird niemand seiner Chance beraubt.
    Dürfte ich dann bei Ihnen Zahnarzt sein? Falls ich dann versehentlich das Zahnfleisch entferne, dann können Sie sich ja noch immer einen neuen Zahnarzt suchen.
  6. #25

    Die

    hohe Vergütung, fast ohne Leistungsbezug im Arztberuf macht ihn nunmal sehr interessant. Es gibt keinen schlecht verdienenden Arzt. Da es in den anderen Berufen durch die Konkurenz immer weniger gibt, diese bei Ärzten aber nunmal eben nicht (Niederlassungsregelungen) existiert, wundert die Bewerberzahl doch nicht.

    Da könnte also auch der Ansatz zur Studienplatznot liegen.
  7. #26

    -

    Zitat von Marginalius Beitrag anzeigen
    Mag sein, aber von einem Schwätzer ohne Fachwissen möcht ich mich auch nicht unbedingt behandeln oder gar operieren lassen.

    Aber abgesehen davon sind die sogenannten Streber nunmal am besten für das Medizinstudium geeignet. Man braucht unglaublich viel Detailwissen und noch mehr Detailwissen in seinem Spezialgebiet, um ein wirklich guter Arzt zu werden (olus die von Ihnen geforderte soziale Kompetenz) und um dieses Fachwissen zu erlangen, heißt es bei den Medizinern nunmal Pauken, Pauken, Pauken.

    Oder hätten Sie zu einem Arzt Vertrauen, der bei jeder Ihrer Fragen sagt, er müsse erstmal schnell im großen Kompendium nachschauen?

    Viele Grüße
    mag ja alles richtig sein, aber wenn man im studium dann nicht "umschaltet" von faul auf lernbegierig, wird`s auch nichts mit dem abschluss. allenfalls vielleicht ein mieser, dann hat man auch automatisch kaum mehr chancen auf einen guten job, also alles halb so wild.
  8. #27

    dem ist wenig hinzuzufügen

    Zitat von gerd33 Beitrag anzeigen
    ... denn die Abiturnote sagt nichts über eine Eignung zu irgend einem Hochschulstudium aus.

    Außerdem: Gute Ärzte benötigen Sozialkompetenz. Die haben am allerwenigsten die Strebertypen mit einer "eins" vor der Abiturnote.
    wer 6 Jahre auf eine Zulassung zum Medizinstudium wartet, dem muss es schon relativ wichtig sein wenn er in Kauf nimmt so viel Zeit und damit Geld zu verlieren. Bessere und motiviertere Studenten kann man sich doch kaum vorstellen.

    Wenn man sich die Abiturfächer so ansieht fragt man sich schon was diese für eine Aussagekraft für ein Medizinstudium haben.

    Und bei einigen Medizinern mus sman sich doch schon beinahe fragen, warum das nicht ein Handwerksberuf ist .. wie z.B. Zahnmedizin oder die kosmetische/ plastische Chirurgie
  9. #28

    ...

    Zitat von r2t5 Beitrag anzeigen
    stimmt, allerdings sagt eine schlechte Abiturnote aus, dass der Bewerber unfähig oder zu faul war, eine gute Note bekommen zu können ^^
    ... oder daß er bornierte Lehrer hatte. Da kann ich Ihnen aber Geschichten aus meiner Jahrgansstufe erzählen, daß Ihnen die Ohren schlackern.
    Noten sagen per se nicht viel aus, da stimmen mir hier bestimmt so einige Foristen zu!
  10. #29

    .

    Zitat von emdemuc Beitrag anzeigen
    Zunächst muss einfach die Beschränkung der Kassenzulassungen aufgehoben werden und völlige Niederlassungsfreiheit für Ärzte eingeführt werden. Dann kann man auch mehr Studienplätze schaffen, es gibt ja dann keinen beschränkten Arbeitsmarkt mehr. Da dadurch allerdings auch die Verdienstmöglichkeiten der breiten Masse an Ärzten sinken würde, wäre dieser Berufsstand auch einmal echter Konkurrenz ausgesetzt.
    Wetten, dass sich die Wartezeiten dann nur noch selten auf 8 Jahre addieren würden?
    Deutschland bildet auch heute schon viel weniger Ärzte aus, als benötigt werden. Die Nachfrage hat ziemlich wenig Einfluss auf das Angebot an Studienplätzen, entscheidend sind hier vor allem die entstehenden Kosten.
    Dass das bei tendenziell sehr guten Steuerzahler nur von 12 bis Mittag gedacht ist, mag zwar sein, aber momentan hält man sich noch mit massiven Zuzügen, in erster Linie aus Osteuropa über dem Wasser.
    Das wichtigste ist wohl vor allem, dass diese Zahl der Zuzügler deutlich größer ist, als die Anzahl hier ausgebildeter Mediziner, die ihr Glück in Ländern mit wesentlich besseren Arbeitsbedingungen wie der Schweiz oder UK versuchen.