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Urteil zur Mediziner-Zulassung: Lange Studiums-Wartezeit verletzt Grundrechte

Das Urteil ist ein Schock für*viele deutsche Unis: Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass mehr als sechs Jahre Wartezeit für einen Medizinstudienplatz unzumutbar sind. Wer so lange vertröstet wird hat demnach ein Anrecht auf das Arztstudium -*trotz mittelmäßiger Abiturnote.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...789132,00.html
  1. #150

    Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:

    Zitat von firoforo Beitrag anzeigen
    Der Arztberuf ist schön, aber auch anstrengend, verantwortungsvoll und für viele überfordernd. Ich verstehe nicht wie man die Entwicklung des eigenen Lebens für sechs Jahre in eine Art Warteschleife schickt, nur um hoffentlich irgendwann Arzt zu werden. Das sind sechs Jahre wage mit undefinierter Identität; das muss doch zehren.

    Für mich hat das etwas Wahnhaftes und kommt einher mit einer totalen Verklärung dieses Berufes. Vielleicht sollte man da etwas Aufklärungsarbeit leisten.
    Ich arbeite auf einer ITS als Pfleger. Ich verkläre den Beruf sicher nicht. Ich möchte den auch nicht jetzt studieren, weil man als auszubildender Arzt im KKH aufs Privatleben größtenteils verzichten muss. Selbst bei Stationsärzten wird noch schief geschaut, wenn die wirklich ihre Arbeitszeit einhalten.
    Ausserdem ist es ein Schreibtischjob geworden.

    Ich hoffe einfach, dass in 1-2Jahrzehnten durch die demographische Entwicklung soviel Ärzte fehlen, dass man die hierarchien im KKH etwas flacher gestaltet, und von jungen Ärzten nicht teilweise 60-80Wochenstunden erwartet werden. Ausserdem muss es mehr Hilfskräfte für die Bürokratie geben. Manche Ärzte finanzieren sich ja gemeinsam schon ne Sekretärin, aber ich finde das sollte wirklich drin sein als Krankenkassen-Leistung. Man kann die Leute doch nicht 5-6Jahre ausbilden und dann im Beruf so sinnlos mit Bürokratie beschäftigen.

    Man kann in der Jugend oder Kindheit schlicht mieserable Lebensbedingungen haben, Sterbefälle in der Familie, Scheidungen auf schlimmen Niveau. Es gibt viele Gründe warum man auch als intelligenter Mensch nur ein 2,.. Abi hinlegt. Z.B. auch eine sehr anspruchsvolle Schule.

    Mein Abijahrgang war dann auch mit Abstand der beste im Vgl. zu anderen Gymnasien in Sachsen (Zentralabi). Durchschnitt über alle >90 Schüler war 1,8. Dafür haste bei den Vorabi-Noten bluten müssen.

    Die Note ist ein Kriterium, aber doch nur wenns um den Studienerfolg geht, nicht um den Berufserfolg. Und ich verbringe meine Wartezeit nicht sinnlos, sondern genieße im Moment den Beruf als Pfleger. Das heisst aber nicht, dass ich nicht vllt. in 10-20Jahren noch Medizin studieren will, auch mit nem guten Abi nur. Das schöne am Arztberuf ist ja, dass man erst in Rente muss, wenn man geistig abbaut. Ist ja kein körperlich anstrenger Beruf.

    Ärzte die vorher Pfleger waren, sind oft die besten Ärzte. Darunter teils Ärzte die schon in sehr jungen Jahren Chefärzte wurden. Selbst diese waren sich als Oberärzte nicht zu schade, sich längere Zeit an ein Patientenbett zu setzen und die Patientin zu überreden ihre Tabletten zu nehmen.

    Auch ist man als Pfleger sehr nah am Patienten, die Beobachtung des Patienten geht heutzutage bei Ärzten oft unter. Die lesen in ihrem Arbeitszimmer übern Monitor Laborwerte, verfolgen die Vitalwerte des Patienten in der elektronischen PAtientenakte, aber nehmen sich nicht mehr die Zeit den Pat. anzuschauen.

    Also, ich würde ihnen mal empfehlen ihre absolute Sicht etwas aufzuweichen. Als ITS-Pfleger brauch ich z.B. sehr viel einsicht in physiologische Zusammenhänge, in technische Zusammenhänge in Bezug auf die Maschinerie. Ich kann mir auch vorstellen, dass eine Kollegin mit nur Realschulabschluss durch Berufserfahrung auf einer ITS zum Medizinstudium befähigt wird. Es gibt ja auch intelligente Menschen, die aufgrund von Pech, Umständen, nur nen Realschulabschluss haben.
  2. #151

    Definitiv nicht

    Zitat von CaptainSpock Beitrag anzeigen
    Zudem herrscht auch ein Mangel an Ärzten, die bereit sind in der Hochschulmedizin zu forschen.
    Ich weiß nicht woher sie dieses Lobbyistengeschätz aufgeschnappt haben, aber so falsch wie diese Aussage kann ich mir gar nichts vergleichbares vorstellen.

    Derjenige, der Ihnen dies erzählte, hatte sie entweder schamlos angelogen, oder hat aber auch überhaupt gar keine Ahnung.

    Also die Forschung ist zunehmend aufwendiger geworden. Schulungen in good clinical practice sind notwendig. Natürlich müssen Datenschutz und Ethikkommision zufrieden gestellt werden. Die CRFs müssen in Stahlschränken gelagert sein. Die Studie muss öffentlich registriert sein. Die Liste ließe sich beinahe endlos verlängern.

    Wäre die Politik nur im geringsten daran interessiert, dass es außer Pharmagesponserten Studien noch unabhängige Forschung geben sollte, so müsste man mehr Ressourcen zur Verfügung stellen, um alleine den bisherigen Status quo aufrecht zu erhalten.

    Da sie jedoch stattdessen sogar weniger Ressourcen zur Verfügung stellt, bedeutet dies, dass man gar keine unabhängige medizinische Forschung in Deutschland haben will.

    Ein kleiner Nebeneffekt kommt noch hinzu: Früher forschten viele, um sich zu habilitieren und Chef zu werden. Mit der zunehmenden Unattraktivität der Positionen, lohnt sich diese Durststrecke nicht mehr.

    Wenn also an drei Stellschrauben die medizinische Forschung runter gedreht wird, dann wird eines auf gar keinen Fall benötigt: Ärzte, die bereit sind in der Hochschulmedizin zu forschen.
  3. #152

    Ceteris paribus

    Zitat von Ingmar E. Beitrag anzeigen
    Ich hoffe einfach, dass in 1-2Jahrzehnten durch die demographische Entwicklung soviel Ärzte fehlen, dass man die hierarchien im KKH etwas flacher gestaltet, und von jungen Ärzten nicht teilweise 60-80Wochenstunden erwartet werden. Ausserdem muss es mehr Hilfskräfte für die Bürokratie geben. Manche Ärzte finanzieren sich ja gemeinsam schon ne Sekretärin, aber ich finde das sollte wirklich drin sein als Krankenkassen-Leistung. Man kann die Leute doch nicht 5-6Jahre ausbilden und dann im Beruf so sinnlos mit Bürokratie beschäftigen.
    Hier begeht jemand einen großen Denkfehler: Er geht von http://de.wikipedia.org/wiki/Ceteris_paribus aus.

    Nun wird dadurch, dass die Politik über vier Jahrzehnte versäumte die Geburtenrate anzupassen, die wirtschaftliche Leistung runtergehen. Die Ärzte, die man noch benötigt, wird man einfach nicht mehr finanzieren können. Die Bedingungen werden sich also eher verschlechtern.

    Wer anders rechnet, der hatte vielleicht in den achtziger Jahren geglaubt, durch eine 35-Stundenwoche könnte man die Arbeitslosigkeit senken.

    Solche Milchmädchenrechnungen, die das Grundschulniveau nicht verlassen, würde ich in einem thread über Studium nicht anbringen. Dadurch werden die restlichen Aussagen gleich mitdiskreditiert.
  4. #153

    Ich mag keine Betreffs

    Zitat von munkelt Beitrag anzeigen
    Und sein Berufsleben mit einem Haufen Schulden beginnt. Das ernüchtert und dann ist es mit der "Berufung" zum Arzt nicht mehr ganz so weit her.
    Manche wissen aber nur das zu schätzen, was Geld kostet.
    Und überlegen es sich dann doch zweimal, ob sie noch ein Bummelsemester 'zur Vertiefung des Wissens' anhängen.
  5. #154

    Ich bin gerade selbst in dieser misslichen Lage...

    ... mindestens acht Jahre auf einen Studienplatz in Medizin warten zu müssen, und finde es selbst als Betroffene ein Unding, nach welchen Kriterien ein Studienplatz vergeben wird. Ich kann mich meinen Vorpostern nur anschliessen, dass der erreichte NC nichts, aber auch rein gar nichts über die Motivation für ein Studium der Medizin aussagt. Ich selbst habe einen NC von 3,0; dies liegt zunächst an privaten Problemen und das einige meiner Lehrer leider zu subjektiv in ihrer Bewertung waren. Ich denke mal, das ich kein Ausnahmefall solcher Bewertungen bin und kann nur mitteilen, das auch wir schlechten Abiturienten die Motivation und Ausdauer hätten, ein Medizinstudium zu absolvieren.
    In meinem Bekanntenkreis gibt es einige glückliche 1,0er Abiturienten, die sich sofort den Platz in Medizin gesichert haben, um dann nach dem ersten Semester das Studium abzubrechen, da der Lernaufwand zu hoch sei.
    Und das von lernwilligen 1.0er Abiturienten!
    Wer sagt denn bitte, dass alle Elite- Medizin- Studenten das Studium auch hinbekommen?
    Niemand. Ich kenne einen niedergelassenen Arzt, welcher auch nur ein 3er Abitur erlangt, sich reingeklagt hat und das Studium als Jahrgangsbester abschloss.
    Ich finde, man sollte eine Art Aufnahmetest einführen, das zum Beispiel 50 % der Plätze an die 1er Abiturienten vergeben werden; aber auch die schlechteren Absolventen durch diesen Aufnahmetest die Chance auf einen Platz erhalten. Den dies wäre auch schon Selektion, da man hierfür sein Können bereits unter Beweis stellen müsste. Doch leider wird dies nie eingeführt werden und so muss ich jetzt etwas studieren, was ich de facto gar nicht möchte; mir es aber finanziell nicht leisten kann, acht Jahre zu warten.
    Ich finde dies sehr schade und kann es nur befürworten, wenn es endlich einen drastischen Umbruch im Auswahlverfahren geben würde.
  6. #155

    vielleicht sollte für die ganz Hartnäckigen eine Wiederholung des Abiturs ermöglicht werden... wer dann beim 4. Anlauf den Wunschschnitt erreicht, hat zwar drei Jahre vergeigt aber immerhin!
    Mein Abschluss war auch nicht so toll - aber ich weiß auch an wem das lag (Pech war es nicht) ich wusste Jahre davor wie wichtig es gewesen wäre zu lernen.
    Der ABI-Schnitt spiegelt bei vielen Schülern Bagabung, Fleiß und Ausdauer (oder eber deren Mangel) nach 13 Jahren - ist das nichts wert?!
    Vorgehalten werden kann da höchstens die geistige Unreife das zu erkennen und entsprechend zu lernen.
    Der eine hat halt und der andere nicht








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