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Urteil in Sachsen: Kommunen müssen Kopien von Schülern zahlen

DPAKünftig müssen Sachsens Schüler nichts mehr zahlen, wenn ihre Lehrer Kopiergeld einsammeln. Die Kosten dafür müssen Kommunen und Landkreise übernehmen, entschied nun das dortige Oberverwaltungsgericht. Der sächsische Städte- und Gemeindetag fürchtet Kosten in Millionenhöhe.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...828085,00.html
  1. #20

    Zitat von niska Beitrag anzeigen
    Klassische Literatur müssten auch nicht unbedingt von Reclam kommen, denn die sind gemeinfrei und z.B. bei Projekt Gutenberg kostenlos erhältlich.
    Auch Gutenberg muß irgendwie von irgendwem gedruckt werden wenn nicht alle mit dem Laptop auf dem Tisch rumsitzen sollen. Dann haben sie z.B. Ibsens "Gespenster" als 50 Seiten starke Loseblattsammlung, die hält keine drei Wochen Unterricht durch und kostet auch als Kopie. Ein Satz -,35 also 17,50 für das ganze als Klassensatz.

    Und was, wenn man mal keine Klassiker lesen möchten? Die Schüler stehen da eh nicht immer so total drauf ...

    Ob Schulbücher wirklich was taugen erfährt man leider nur, indem man sie benutzt. Es hat sich schon so manches tolle Werk als Blender herausgestellt und das hat man dann halt für möglichst sechs Jahre oder länger und versucht einiges durch Kopien zumindest zu kompensieren.
  2. #21

    Zitat von Derix Beitrag anzeigen
    ... (unterstreichen/reinschreiben) ...
    Es muss kurz nach meiner Schulzeit gewesen sein, dass Schülern beigebracht wurde, man könne einer lange Reihe von Buchstaben, wie man sie gewöhnlich in Büchern vorfindet, erst dann einen Sinn entnehmen, nachdem man zufällig ausgewählte Teilmengen dieser Buchstaben mit einem sogenannten „Textmarker“ gekennzeichnet hat.*

    Irgendwann später muss es dann passiert sein, dass zusätzliche Lesevereinfachungen eingeführt wurden, von denen wir damals nur träumen konnten. Etwa die, dass die Buchstaben auf einer Buchseite nicht mehr in einer vorgeschriebenen Reihenfolge rezipiert werden müssen, sondern der Schüler/Leser nach eigenem Interesse und je nach Motivationslage zwischen verschiedenen farbig hervorgehobenen Textboxen, Popups, Schaubildern und Sprechblasen hin- und herspringen kann.

    Und die jüngste Entwicklung wurde durch den Einzug der neuen Medien in den Unterricht eingeleitet. Durch die Hyperlink-Technologie gehört nicht nur die Zweidimensionalität und die räumlichen Beschränkung der Buchseite der Vergangenheit an. Die Interaktivität des Mediums erlaubt zudem eine unmittelbare Rückopplung der Schüleraktivität. Statt auf die Befragung durch den Lehrer angewiesen zu sein, wird dem Schüler/Leser der Erfolg seiner Tätigkeit sofort durch das Aufleuchten einer grünen Lampe auf der Webseite angezeigt, sobald er, notfalls nach mehreren Versuchen, die Prüfungsfrage richig beklickwortet hat.

    -----
    *) Durch geschickte Ausreden und kleine Mogeleien ist es mir viele Jahre später sogar gelungen, ein kompettes Referendariat zu überstehen, und trotzdem noch heute voller Stolz sagen zu können, in meinem ganzen Leben noch niemals einen einzigen Buchstaben mit einem Textmarker ... ja, ich gebe es zu, das gibt einem so ein verwegenes Gefühl von Revolution und Freiheit ...
  3. #22

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Sie haben da etwas falsch verstanden. Die „Wissens- und Bildungsgesellschaft“, die wir anstreben müssen, weil wir keine Rohstoffe haben und Industriegüter an Bedeutung verlieren, beruht nicht auf der freien Verteilung von Wissen und Bildung, sondern darauf, dass Wissen und Bildung zu Wirtschaftsgütern werden, deren Preis sich durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
    Ich sehe das so in der Ausbildung von Lehrlingen und da fällt mir auf, dass die Halbe Schulmappe, oder wie man diese Loseblattsammlungen nennen will, kaum noch gelesen wird. Hin und wieder wird das als ungelesenes Altpapier entsorgt. Da frage ich mich, ob das Kopieren nur ein Reflex einer Sammelleidenschaft ist, oder eine Übersprunghandlung.

    Ist sicherlich nur ein böses Vorurteil von mir, allerdings eines welches ich jahrelang beobachtete. Der Spruch den ich gleichzeitig oft gehört hab lautete: Heute muss man das nicht mehr lernen, sondern wissen wo das steht. Die Beweise da für waren erdrückend;o).

    MfG. Rainer
  4. #23

    Zitat von otto_iii Beitrag anzeigen
    Vielleicht sorgt das und der Kostendruck der Träger dafür, dass die Lehrer sich künftig öfter mal die Mühe machen, selbst individuell auf ihre Klasse ausgerichtete und komprimierte Lernmaterialien zusammenzustellen, anstatt die Schüler mit hunderten von Kopien zuzuschütten, derern Inhalt diese unmöglich verinnerlichen können.
    Haben sie wenigstens mal eine Sekunde über ihren Beitrag nachgedacht oder ihn einfach mal so zwischen Frühstücksbrötchen und Kaffeetasse dahingeschludert?

    Wann brauch man Kopien?

    a) Wenn man schlechte Lehrbücher benutzt?
    b) Wenn man seinen Unterricht damit verbringt den Schülern irgendwas zu diktieren
    c) Wenn man sich als Lehrer die Mühe macht im Unterricht Materialien einzusetzen, die NICHT im von allen genutzten Lehrbuch enthalten sind und den Unterricht erweitern können. Das schließt ausdrücklich selbst produzierte Materialien mit ein. Oder leben sie mit der Situation das zu hause drucken kostenlos ist?
  5. #24

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Alleine an Elterninformationen die ausgegeben werden müssen dürfte man auf 30-50 Seiten pro Schuljahr kommen. Und dabei ist nicht eine einzige Seite für den Schüler kopiert worden.
    Dabei handelt es sich z.B. um:
    [...]
    In Fächern wie Mathematik wird eine Vergleichsarbeit geschrieben, [...]
    „neue Unterrichtsmethoden“
    [...]
    Das geht nur mit „individualisierten“ Arbeitsblättern.
    Ja, diese Dinge wuchern seit einigen Jahren, man könnte es fast ein Krebsgeschwür nennen. Und bevor Sie mich missverstehen: Verantwortlich dafür sind nicht allein die Schulen (und die Lehrer noch weniger).
    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    ... GfS ...
    "Groteske fürs Seminar" ?
    "Großartig forbereitete Selbstdarstellung" ? ;)
    (Ich weiß natürlich ungefähr, was Sie meinen, die Abkürzung sagt mir aber nichts.)


    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Der Beschluss der Fachkonferenz ist ein Vorschlag keine Verpflichtung.
    Und manche Kapitel in den Büchern sind wirklich nicht brauchbar (zumindest nicht für jeden Lehrer und jede Klasse).
    Na, an unseren Schulen wird das offenbar als Verpflichtung verstanden, jedenfalls für die Eltern. Dass manches nicht brauchbar ist, verstehe ich ja.


    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Bei den Kopien verdienen gerade die Schulbuchverlage nichts. Deswegen wollten die ja den „Schultrojaner“.
    Da war offenbar mein Gedankensprung zu groß: Die Verlage verdienen mehr als nötig, weil die Bücher gekauft werden, obwohl man Sie nicht braucht. Und im nächsten Jahr wird dann bei einem anderen Verlag gekauft, "weils ja letztes Mal doch nicht so gepasst hat". Das neue Buch ist aber nicht besser.


    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Gibt es schon, für Klasse 10. Diese sind zusammen aber deutlich teurer als ein Buch bei dem man ein/zwei Kapitel nicht nutzt.
    Weitere Nachteile der Themenhefte: Sie sind dünner, haben einen schwächeren Einband und gehen dadurch schneller kaputt und verloren.
    Buch mit 5-7 Kapiteln: 25 – 30 Euro
    Themenheft: 8-12 Euro pro Heft.
    Und warum sind die Hefte im Verhältnis teurer? Ich sag's doch, die Verlage verdienen ...
    Dass Hefte schneller kaputt und verloren gehen, kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich werden sie auch nicht das ganze Schuljahr herumgeschleppt.
    Weiterer Vorteil der Themenhefte: Unbrauchbare Darstellungen werden einfach nicht gekauft. Könnte mittelfristig die Qualität deutlich steigern.

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    In Ba-Wü werden Schulbücher 5 Jahre lang verwendet (normalerweise).
    Theoretisch? Oder auch praktisch? Falls ja: Haben Sie es gut!
  6. #25

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Statt auf die Befragung durch den Lehrer angewiesen zu sein, wird dem Schüler/Leser der Erfolg seiner Tätigkeit sofort durch das Aufleuchten einer grünen Lampe auf der Webseite angezeigt, sobald er, notfalls nach mehreren Versuchen, die Prüfungsfrage richig beklickwortet hat.
    Und, finden Sie das nicht super? Bei Vorlesungen wird jetzt dazu geraten (sofern man auf diese Art der Frontalbespaßung nicht ganz verzichtet), an die Studenten, Verzeihung, Studierenden, so kleine Knöpfchenapparate zu verteilen, wie sie in Fernsehshows mit Zuschauerabstimmung verwendet werden. An geeigneter Stelle soll man dann die Vorlesung unterbrechen, um den Studierenden eine Multiple-Choice-Verständnisfrage (http://deprecated.senaeh.de/wp-conte...d-Facepalm.jpg) zu stellen. Die Antworten werden elektronisch ausgezählt und sofort dargestellt. Diese Rückmeldung ermöglicht es dem Dozenten, auf Schwierigkeiten unmittelbar einzugehen und die Vorlesung ggf. nochmal von vorn zu beginnen. Auf diese Weise werden auch Studierende mit Meldehemmung adäquat gefördert.

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    -----
    in meinem ganzen Leben noch niemals einen einzigen Buchstaben mit einem Textmarker ...
    Ich bewundere Sie. Echt. Ich hab's nicht geschafft und muss beschämt zugeben, in meiner Ausgabe der Praktikumsbeschreibung besonders relevante Stellen markiert zu haben, um ggf. den Studierenden ihre mangelnde Lesekompetenz farbig unterlegt vor Augen führen zu können.
  7. #26

    ...

    Zitat von Zitrone! Beitrag anzeigen
    Und, finden Sie das nicht super? Bei Vorlesungen wird jetzt dazu geraten (sofern man auf diese Art der Frontalbespaßung nicht ganz verzichtet), an die Studenten, Verzeihung, Studierenden, so kleine Knöpfchenapparate zu verteilen, wie sie in Fernsehshows mit Zuschauerabstimmung.....
    Studierende mit Meldehemmung - ich liebe diesen Ausdruck.
    Aber angenommen, die Studierenden werden zu doof das richtige Knöpfchen zu drücken? Die Entscheidung, welches der 2 Knöpfe nun das richtige ist, kann so einen Mehrfachgehemmten schnell überfordern.

    Ich hoffe dann werden kleine Pappschilder mit der Aufschrift "Mach langsamer, Alder" verteilt.
  8. #27

    Kollegen mit dieser Spreche kenne ich...

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Aus dieser Feststellung lässt sich schließen, dass Sie offenbar an veralteten Unterrichtsinhalten und -methoden festhalten. Moderne mathematische und naturwissenschaftliche Lehrbücher sind auf einen kompetenzorientierten, lebensweltlichen, schülerinnen- und schülerzentrierten Unterricht abgestimmt, wie er von didaktischen Experten theoretisch fundiert und empirisch evaluiert konzipiert und bereits in vielen Studienseminaren und Schulen implementiert wird. Kurzum: Gehen Sie mit der Zeit und tun sie, was Ihr Pseudonym schon vorwegnimmt, zum Wohle der Schülerinnen und Schüler.
    ... zur Genüge und zum Überdruss.

    Leider ist es so, dass gerade unser Berufsstand dazu neigt, gegenüber hohlen Phrasen besonders empfänglich zu sein. Ich komme im obigen Text auf deren 10.

    Heraus kommt dabei das Gegenteil des Geplanten, es ist aber ja der gute Wille der zählt.

    So hüpft der Schüler von lernstation zu Lernstation, lässt die Streber sich in der Gruppenarbeit austoben und freut sich, dass - wie bei dem hier diskutierten Problem - bei einem Lückentext nur 10 Wörter zu ergänzen sind. Wen wundert es, wenn er dann am Ende seiner zehnjährigen Schullaufbahn eine Klaue schreibt wie der selige Prof. Sauerbruch?

    p.s.: Den kann ich mir nicht verkneifen, weil er zum Thema passt:

    Woran erkennt man eine Grundschullehrerin? - Die laminiert sogar noch ihre Einkaufszettel ein...
  9. #28

    .

    Zitat von otto_iii Beitrag anzeigen
    Vielleicht sorgt das und der Kostendruck der Träger dafür, dass die Lehrer sich künftig öfter mal die Mühe machen, selbst individuell auf ihre Klasse ausgerichtete und komprimierte Lernmaterialien zusammenzustellen, anstatt die Schüler mit hunderten von Kopien zuzuschütten, derern Inhalt diese unmöglich verinnerlichen können.
    Die meisten Lehrer, die ich kennen lernen durfte, machen genau das: eine individuelle, gezielte Zusammensetzung relevanter Materialien in Kopienform (bei uns teilweise noch herrlich duftende Matrizen). Teilweise ergänzt um Bemerkungen, was die Fachbereichskollegen doch wieder unnötig Geld für nicht nutzbare Lehrbücher ausgegeben haben...

    Zumindest in meiner Schulzeit konnte man Engagement und Lerninhaltqualität noch an der Anzahl verteilter Kopien festmachen.

    Und dann stellt sich noch die Frage, wie Gruppenarbeit und Präsentationen inkl. Handout ohne eine Art von Kopie effizient funktionieren soll.

    Zitat von Pensionist66 Beitrag anzeigen
    Nur müssen diese Materialien anschließend auch für die ganze Klasse kopiert werden!
    Bei der heutigen Iphone-Dichte würde ich die nur noch in elektronischer Form zum Download zur Verfügung stellen. Kann man - wenn man will - daheim zwischen zwei Facebook-Sessions auch mal ausdrucken, dann braucht man auch kein Kopiengeld mehr.

    Man könnte auch einen "Unterrichtsmaterialienordner" (ähnlich Seminarordner) anlegen. Frei zugänglich zum Lesen und Auswendiglernen - oder Abschreiben, Abfotografieren und Kopieren. Kann jeder Schüler dann frei entscheiden, in welcher Form er am nächsten Tag vorbereitet zum Unterricht erscheinen will...

    Zitat von qoderrat Beitrag anzeigen
    Unter "fadenscheinigen Gründen für Literatur" stelle ich mir z.B. die Entscheidung eines Deutschlehrers vor, der sich für den Unterricht Literatur aussucht, die von den Schülern extra gekauft werden muss und dann möglichst nur als gebundenes Buch und nicht als Reclam-Ausgabe veröffentlicht ist. So passiert schon zu meiner Schulzeit, und das ist schon eine ganze Weile her, wurde erst nach massivem Einspruch einschliesslich Klageandrohung durch den Elternbeirat damals verhindert.
    Das Problem kenne ich. Da gibt es mal junge, dynamische Lehrer, die sich auch mit zeitgenössischer Literatur beschäftigen, der Schüler interessiert, und die organisierte Elternschaft sorgt dann dafür, dass man sich schon wieder mit langweiligem Goethe/Schiller/Heine-Schrott beschäftigen darf, "weil's (fascht) nix koschd".

    Kopiengeld einzusammeln ist trotzdem kleinlich, das sollte in der Bedarfsausstattung schon drin sein. Über kurz oder lang werden die meisten Kopien sowieso über E-Book-Reader ersetzt. Sofern die Lehrer nicht davor stehen wie seinerzeit vor'm Videorekorder...
  10. #29

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Künftig müssen Sachsens Schüler nichts mehr zahlen, wenn ihre Lehrer Kopiergeld einsammeln. Die Kosten dafür müssen Kommunen und Landkreise übernehmen, entschied nun das dortige Oberverwaltungsgericht. Der sächsische Städte- und Gemeindetag fürchtet Kosten in Millionenhöhe.

    Urteil in Sachsen: Kommunen müssen Kopien von Schülern zahlen - SPIEGEL ONLINE
    Nun, es gibt im deutschen Bildungswesen eherne Grundsätze, die allen bisherigen Reformen widerstanden haben.

    1. Nichts ist pädagogisch so daneben wie das Lehrbuch aus dem letzten Schuljahr. Daher muss es unbedingt jedes Jahr ersetzt werden. Lösungswege aus dem letzten Jahr müssen daher den Kindern konsequent als Falsch benotet werden.

    2. Ein Schulbuch darf sich niemals in irgend einer Weise zum Selbststudium eignen.

    3. Ein Schulbuch darf den Eltern nicht die geringste Möglichkeit bieten ihre Kinder zuhause beim Lernen zu unterstützen.

    4. Ein Schulbuch darf niemals Lösungen enthalten.

    5. Ein Schulbuch soll möglichst schwer sein. Schließlich ist es ja für Kinder.

    Da Schulbücher den Unterricht also kaum unterstützen, bleibt dem Lehrer nur das massenweise kopieren von geeigneten Materialien. Die Beschaffung der Schuölbücher dient meiner Meinung nach größtenteils rituellen Zwecken und dem Erhalt der Schulbuchverlage.








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