Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...823260,00.html
Moooment – die mündliche Überlieferung von kompletten Sagen war eine Sache von Profis, die im Versmaß vortragen oder auch singen konnten – das hatten sie gelernt –, meist ein Instrument beherrschten – auch das war mit Ausbildung und Kosten verbunden – und die Stoffe auswendig draufhatten. Solche Leute ließen sich mindestens eine warme Mahlzeit und einen Sack Stroh zum Schlafen geben, wenn sie ihre Leistung abgeliefert hatten. Nix mit Omi an langen Winterabenden. Die Ilias oder das Kalevala ist etwas anderes als »Schneeweißchen und Rosenrot«.
Die schreibenden und abschreibenden Mönche handelten ebenfalls für Kost und Logis – dafür hatte die Klosterwirtschaft, letztlich der Abt zu sorgen –, und auch sie hatten eine lange und gründliche Ausbildung hinter sich.
Und dann ist da noch die Geschichte vom jungen J. S. Bach, der ein Notenheft seines älteren Bruders abgeschrieben hatte und dafür von diesem versohlt wurde, nachdem er die abgeschriebenen Noten hatte abgeben müssen. Warum? Weil der Bruder bei seinem Lehrmeister Pachelbel für jedes einzelne Stück, das er bei diesem hatte abschreiben dürfen, bezahlt hatte und nicht wollte, dass dieses sehr begehrte Repertoire für lau in Umlauf kam – denn so eine Lehrhandschrift war eine Investition, die bei eigenen Schülern Früchte tragen musste (soviel zur »Privatkopie« :-P).
Fazit: Schon immer hat, wer mit Können und Anspruch Kunst produzierte, sich Modelle ausgedacht, wie er von dieser Arbeit leben konnte. Leute wie Sven Regener sehen nun, wie eines dieser Modelle, das lange recht gut funktioniert hat, ausgehöhlt wird – wobei den Leuten, die seine Leitung genießen wollen, von den Lobbys eingeblasen wird, sie hätten einen Anspruch auf Kunst umsunst. Dabei hat der Mann einfach recht.