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Uraufführung*am Schauspielhaus Bochum: Jeder friert für sich

Der Balkankrieg ist nur noch eine dumpfe Erinnerung, doch er hat eine Wunde hinterlassen: ein Land ohne Vision. In ihrem neuen Stück wünscht sich die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic einen neuen Weitblick für ihr Land.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...800451,00.html
  1. #1

    Produktion für den deutschen Markt

    Ob in Literatur, Film oder Theater - nach Deutschland dringt aus den Balkanländern nur, was Deutschland hören will. Und Leute wie Srbljanovic haben längst verstanden, dass sich damit mehr verdienen lässt. Nur logisch, gleich die Uraufführung nach Deutschland zu verlegen.
    Was sich hier als Avantgarde feiern lassen kann, gilt allerdings zuhause als ewig gestrig. Wer immer noch aus seinen pubertären Kriegstagebüchern schöpft, "bewahrt" nicht "Distanz", sondern hat sich mit dieser ewigen pathologischen Nabelschau von der Gegenwart verabschiedet - und erst recht von der Zukunft.
    Traurig ist nicht die vermeintliche Visionslosigkeit der serbischen Gesellschaft (ein Land voller junger Menschen, die nicht in Tagebüchern graben), sondern diejenige solcher Künstler, die oft leider die einzigen sind, deren Stimmen im Westen gehört werden wollen.

    Srbljanovic gehört damit auch zu jener Sorte Intellektueller, die Dzindjic einmal treffend so beschrieben hat: "Sie sitzen in irgendwelchen Hinterzimmern und rauchen." Repräsentativ - oder gar konstruktiv - sind sie nicht. Nur im Westen erfolgreicher. Und sei's nur, um die Deutschen von ihrer eigenen visionslosen Nabelschau abzulenken.
    Nicht dort, sondern hierzulande verlassen sich nämlich die Menschen darauf, dass Politiker ihre Probleme lösen.


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