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Untersuchungsbericht: Zehntausende Missbrauchsfälle in Hollands katholischer Kirche

Bis zu 20.000 Kinder und 800 Täter: Eine Untersuchungskommission in den Niederlanden hat jetzt einen Bericht zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche seit 1945 vorgelegt. Erzbischof Eijk entschuldigte sich bei den Opfern und kündigte finanzielle Entschädigung an.

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  1. #90

    Zitat von jüttemann Beitrag anzeigen
    Und wie sieht das dann mit dem Anwaltsgeheimnis, dem Arztgeheimnis oder der heutigen Gesetzeslage aus, dass nahe Angehörige nicht zur Strafanzeige verpflichtet werden können?
    Die Kirche steht nun wirklich nicht einzigartig da, was den Schutz der Vertraulichkeit einer Information anbelangt.
    Handelt es sich dabei um Staatgeheimnisse, wandern Sie bei einem Verstoß sogar in den Knast.
    Hallo Herr Jüttemann,

    das ist eben das Problem der Kirchen, sie wollen eben für Alle Menschen sprechen und vergessen, dass es nur einen Verein betrifft, der dem Staat nicht geben will, was des Staates ist. Der RA ist im System des Staates ein Organ der Rechtspflege und es kommt sicherlich auch mal vor, dass ein RA seine Sekretärin belästigt, aber das ist keinesfalls Systemimmanent und betrifft, wenn es vorkommt, keine Kinder die die Kirche mit solchen Sprüchen angelockt werden, die da lauten: lasset die Kindlein zu mir kommen. Denn hier handelt es ja darum, jemandem den Knast mit der Hilfe des Beichtgeheimnisses, zu ersparen.

    Dass sie nun den Schutz eines Staatsgeheimnisses, mit dem Schutz eines Kinderschänders gleichsetzen, empfinde ich als einen unanständigen juristischen Trick.

    MfG. Rainer
  2. #91

    Entschädigung

    Zitat von klausdühnwald Beitrag anzeigen
    Und was mir auch keiner erzählen kann ist, das wenn 800 Pädophile (alleine in den Niederlanden) in einer Institution tätig sind, das der Papst davon nichts wusste. Das kann glauben wer will.
    Finanzielle Entschädigung - und alles ist gut...??? Geht es denn
    noch respektloser?
  3. #92

    Zitat von wbtext Beitrag anzeigen
    Korrektur zu Irland: Dort hat der Klerus einen "Deal" mit dem Staat ausgehandelt, der so aussieht, daß die RKK 120 Mio. Euro der Entschaedigungszahlungen uebernimmt. Alles, was darueber hinausgeht (und das ist einiges!), geht auf Kosten des irischen Steuerzahlers. Cleverer Schachzug.
    In einigen Diözesen hat man auch schon mal dazu aufgerufen, die sonntaegliche Kollekte fuer die Opferentschaedigungen zu verwenden. Gelebtes Christsein!
    Bei ca. 2 Milliarden Euro an bislang geleisteter Entschädigung sind diese 120 Millionen ein wirklich gutes Geschäft....
  4. #93

    offenheit

    Zitat von Grey Squirrel Beitrag anzeigen
    Helfen Sie uns doch mal mit konkreten Zahlen nebst Quellenangaben weiter! Wo und für welchen konkreten Sachverhalt sind die Zahlen der RKK (Quelle?) "weit unter denen unabhängiger Untersuchungen" (welcher Untersuchungen? Quelle?)

    Welche "immer wieder neuen Fälle" meinen Sie denn? Nennen Sie doch ein paar davon! Oder sagen Sie uns wenigstens, woher Sie Ihre Informationen von den neuen Fällen haben? Wenn die nicht bekannt = der Staatswanwaltschaft angezeigt wurden, dann sollten Sie das tun, wenn Sie (Insider-) Kenntnis von solchen Fällen haben.

    Oder schreiben Sie nur aus dem blauen Dunst?
    Ein schwierige Forderung, wenn so wenig publiziert wird..
    finden Sie in unserem Ländle irgendeine ernstzunehmende Auflistung bisheriger Missbräuche in katholischen Institutionen seitens der RKK? Oder überhaupt die Gesamtzahlen von Tätern – oder sogar die Anzahl laizierter Priester?Nein – und die Angaben der hotline sind auch schon seit 1 Jahr nicht mehr aktualisiert worden.

    Welche Untersuchungsberichte können Sie in Vollfassung im www lesen?

    Wenn Sie sich über aktuelle „Fälle“ informieren wollen, empfehle ich z.B. den Abuse Tracker – leicht kuggelbar – oder bei bishop accountability

    Wenn Sie z.B. wirkliche Offenlegung sich anschauen wollen, empfehle ich Ihnen z.B. die Diözese Boston mit dieser Seite

    oder die irischen Reports über verschiedene Diözesen
  5. #94

    Zitat von wenzflash@totalorganisati Beitrag anzeigen
    Welches Heimkind lernte nicht diesen Spruch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Ich hörte ihn mehrfach während meiner über sechsjährigen Heimkinderziehung. Aber nun meint ja eine Kommission, es hätte diese Kultur des Schweigens nicht gegeben. Da kann ich nur gratulieren, denn wer nicht sehen will, der sieht auch nichts und wer nicht hören will, der hört auch nichts. Und wie sagte bereits Hermann Hesse: "Der Kirchengott und die Kirche schützen den Menschen, bis hinauf zu den höchsten Beamten der Kirche, vor den gröbsten moralischen Entgleisungen keineswegs". In Deutschland schützt unsere Priester immer noch das Konkordat von 1933, der Vertrag von Hitlerdeutschland und dem Vatikan.
    Es grüßt Wenz, Heimkind der 1960er Jahre, denn Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott. Das Schicksal fordert sein Tribut, von allen Seiten.
    Eine große "Schweinerei" lief da ab!
    Der Runde Tisch Heimerziehung war schon ein bemerkenswertes Beispiel, wie mit hunderttausenden ehemaliger Heimkindern hier heutzutage umgegangen wurde : Nichtbeachtung, Nichtbeteiligung, Verschleppung, Austricksen....
    Und obgleich mehr als die Hälfte der Heime sich damals in kirchlicher Trägerschaft befanden, brauchen die Kirchen nur 1/3 in den gemeinsamen Hilfefond einzuzahlen....
    Denn die Ehemaligen bekommen keine Entschädigung, sondern nur Hilfe – ein feiner juristischer Unterschied.

    Während der Zwangsarbeit in den Heimen, welche den Trägern natürlich Einkünfte bescherten, wurden keinerlei Zahlungen in die RV-Systeme geleistet -
    Die Schadensverursacher erklären einseitig eine Summe!
    Die Forderer unterschreiben einen Verzicht auf weitere Klagen!
    Und Auszahlungen werden nur als Hilfe im Falle der Hilfsbedürftigkeit bezahlt!
    Keineswegs wird ein Ausgleich zum entstandenen Schaden bezahlt! VEH

    Und auch in diesem System versagte staatliche Aufsichtspflicht weitestgehend...
  6. #95

    Zitat von neeanders Beitrag anzeigen
    Ihr Problem ist leider, dass Sie das nachweisbare Fehlverhalten EINIGER Kirchenamtsträger in EINIGEN katholischen Diözesen kurzerhand auf alle anderen und sogar die Weltkirche übertragen.
    Auch das den Kirchenverantwortlichen beim Missbrauchsverdacht in vielen Fällen (längst nicht nur durch das Beichtgeheimnis) wie jedem nichtkirchlichen Arbeitgeber auch in hohem Maße die Hände gebunden sind, interessiert Sie anscheinend nicht.
    Längst nicht nur, weil erfahrungsgemäß ein beträchtlicher Teil der Opfer an einer Aufklärung der Vorwürfe überhaupt nicht interessiert ist, sondern entlassen oder versetzen Sie als Chef einen ihrer Angestellten auf so ein bloßes Gerücht hin oder zeigen Sie den bei der Staatsanwaltschaft an, wenn da nichts dran ist, fährt anschließend jedes Arbeitsgericht mit ihnen Schlitten und sie selbst stehen als schlechter Arbeitgeber und als Verleumder da..

    Die Art und Weise, wie Sie hier die Mitverantwortung aller Katholiken für das Fehlverhalten einzelner Katholiken auch noch theologisch zu begründen versuchen, ist schon mehr als verwegen.
    Mitverantwortung für die Tat eines anderen hat ein Mensch immer nur dann, wenn er davon weiß und die Tat nicht verhindert, und auch bei den Katholen ist das nicht anders.
    Eine automatische Teilnahme an den Verbrechen anderer kraft Taufe gibt es genau so wenig wie es eine solche kraft Firmen-, Vereins-, Partei- oder Staatsangehörigkeit gibt, und die bekommen Sie auch nicht hinkonstruiert.
    Und wenn, dann weise ich auch Ihnen innerhalb von Minuten eine gleichartige Mitverantwortung in Ihrem eigenen Umfeld nach.
    Und dann kommt die Frage, woher Sie eigentlich das Recht nehmen, mit dem moralisierendem Zeigefinger auf andere zu zeigen, anstatt lieber kleinlaut zu schweigen.
    Natürlich tragen christlich Geprägte diese Mitverantwortung – man nennt es auch Nächstenliebe.
    Und wenn die schutzbefohlenen Kinder und Jugendlichen nicht mehr dazu zählen...was dann?

    „Und dann kommt die Frage, woher Sie eigentlich das Recht nehmen, mit dem moralisierendem Zeigefinger auf andere zu zeigen, anstatt lieber kleinlaut zu schweigen.“

    Wenn Sie nicht nur diesen, sondern alle threads zum Thema hier bzw. in anderen Medien aufmerksam gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass sehr häufig bei den angesprochenen Gläubigen auf andere Glaubensgemeinschaften, Schulträger und auf die allgemeinen Verbrechen gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht hingewiesen wurde... #49 ist hier ein gutes Beispiel.
    Und wenn Sie mich indirekt auf meine protestantische Glaubenszugehörigkeit hinweisen möchten: ich habe seit dem Umgang der EKD mit sexueller Misshandlung und Gewalt (auch in den Heimen der 50er/60er) eine gesunde Distanz zu ihr gefunden – aber nicht zum logos und kritisiere massivst deren „Bewältigungsstrategie“.

    Es wurde ja schon hinlänglich auf die Schweigekultur hingewiesen – und die vielen Einschüchterungs- und Bestrafungsaktionen bei Internen, welche zu plaudern begannen, sind ja schon Legion – da klappen „Entlassungen“ schon mal in 14 Tagen. Summa summarum wird sich aber der nun weltweit angelaufene Aufdeckungsvorgang für alle gesellschaftlichen Felder nicht mehr rückgängig machen lassen – dafür werden alleine die betroffenen Opfer und Überlebenden weiter unermüdlich sorgen.

    Ihr Verweigern der theologischen Dimension ist natürlich schade....
  7. #96

    Geschichtsvergleiche

    Zitat von jüttemann Beitrag anzeigen
    Falsch, hier werden 1,2 Milliarden Katholiken vor dem lachhaften Vorwurf in Schutz genommen, Mitglied einer Verbrecherorganisation zu sein, mehr nicht.
    Und ganz genau: Wir leben in Freiheit!
    Und deshalb brauchen sich auch die RKK und Ihre Mitglieder nicht mehr behandeln lassen, als wären in unserem Land alle Katholiken schon wieder vogelfrei. Denn das hatten wir hier bereits unter Bismarck und dann zwischen 1933-1989 noch einmal, und eine ganze Menge Leute scheinen diesen schönen Zeiten, in denen man den Katholen völlig ungestraft in den Hintern treten konnte, ganz heftig nachzutrauern, wenn man dieses Forum so liest.
    Ich kann Ihren Zorn gut nachempfinden – nur sollte nicht unberücksichtigt gelassen werden, dass sich Ihr geschichtlicher Vergleich auf staatliche Aktion bezogen -

    Wir sind aber im jahre 2011 und im Falle sexueller Misshandlung innerhalb der katholischen Kirche hat sich in D keine staatliche Stelle in irgendeiner Weise, so wie von Ihnen beschrieben, verhalten.
    Ganz im Gegenteil hat es eine Konfliktbewältigung am Runden Tisch „unter Federführung“ der RKK (wir hatten das schon breit diskutiert) gegeben.

    Da hat sich die irische Regierung mit ihrem Premier Enda Kenny doch ganz anders artikuliert.
    Und auch in den Niederlanden gibt es mittlerweile Stellungnahmen:Bischöfe müssen sich,nach Vizepremierminister Maxime Verhagen, selbst sehr deutlich die Frage stellen, wo sie ihre eigene Verantwortung unzureichend oder nicht erfüllten, bei der Verhütung und Bekämpfung von Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche. Rtl.nl

    Papst ruft deutsche Katholiken zu Einheit und Demut auf – „die Fackel des unverfälschten Glaubens in Einheit mit dem Bischof ...“ wird ja nun hochgehalten – und die Demut bleibt wo?
    In unseren Köpfen hat sich das Bewusstsein tief eingegraben, wie bedeutsam es ist, die Perspektive der Opfer aufzugreifen.“ Bischof Gregor Maria Hanke heute in der Welt
  8. #97

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bis zu 20.000 Kinder und 800 Täter: Eine Untersuchungskommission in den Niederlanden hat jetzt einen Bericht zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche seit 1945 vorgelegt. Erzbischof Eijk entschuldigte sich bei den Opfern und kündigte finanzielle Entschädigung an.

    Untersuchungsbericht: Zehntausende Missbrauchsfälle in Hollands katholischer Kirche - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama
    Ergänzende Gedanken von Matthias Drobinski : ...Es ist trostlos, weil der Bericht aus den Niederlanden zeigt, wie ein katholischer Korpsgeist verhinderte, dass Täter zur Verantwortung gezogen und den Opfern geholfen wurde. Er zeigt, dass es Orden gab, in denen der sexuelle Übergriff Teil der klösterlichen Unkultur war. Und er zeigt, wie der unfähige Rotterdamer Bischof Ronald Philippe Bär in den achtziger Jahren Männer zum Priester weihte, die zwar fromm zu sein schienen, aber ungeeignet für das Amt waren. Der Bericht spricht hier ein hartes Urteil über die Personalpolitik von Papst Johannes Paul II. - der hatte Bär eingesetzt, um die angeblich zu liberale Kirche in den Niederlanden auf Linie zu bringen. <<<

    Bischof Gregor Maria Hanke„Die katholische Kirche in Deutschland ist nach Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsskandale in die Aufarbeitung gegangen. Sexueller Missbrauch durch einen Priester oder Ordensmann ist nicht nur ein brutales und schändliches Unrecht gegenüber Minderjährigen. Ein Priester oder Ordensmann, der solches tut, versündigt sich auch schwer an seiner Berufung und am Auftrag der Kirche. Die Kirche muss handeln....“

    Wenn diese Offenheit heute so durchgängig praktiziert wird: Wieso lässt sich die katholische Kirche bei Antragsstellung auf Entschädigung eine Unterlassungserklärung von den Betroffenen unterschreiben, dass diese zukünftig absolutes Stillschweigen über die vorgekommenen sexuellen Misshandlungsfälle bewahren werden?

    Zur Förderung von Präventionsprojekten innerhalb und
    außerhalb der katholischen Kirche wird ein Präventionsfonds eingerichtet, der mit einem Kapital in Höhe von 500.000 € ausgestattet wird....

    reicht das aus?

    Und Bischof Ackermann gerät in Trier unter Druck...Saarbrücker Pfarrei Burbach - Skandal
  9. #98

    Loben ?

    Zitat von Eutighofer Beitrag anzeigen
    Die katholische Kirche erforscht als erste Institution Verfehlungen der Vergangenheit - dafür ist sie zu loben !
    Lesen Sie über die weltweiten Taten. Das Wort "loben" ist unpassend.
    Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche
  10. #99

    crimen

    Zitat von tatsache2011 Beitrag anzeigen
    Lesen Sie über die weltweiten Taten. Das Wort "loben" ist unpassend.
    Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche
    Die deutsche wiki-Seite ist mit ihren Angaben mit Vorsicht zu benutzen, da sie reichlich unvollständig ist.
    Siehe z.B. die Erzdiözese München-Freisig – dort wird die bislang einzige Tiefenuntersuchung von Westphal überhaupt nicht erwähnt. Fazit daraus: „...In 365 (Akten BF) davon fanden sich Hinweise, "dass ein wie immer geartetes Missbrauchsgeschehen stattgefunden hat". 159 Priester seien demnach auffällig geworden, ebenso 15 Diakone, 96 Religionslehrer im Kirchendienst und sechs pastorale Mitarbeiter.“ Es wurde reichlich vertuscht – und die Pfeiffer-KFN Untersuchung wird in frühestens 3 Jahren durchgeführt worden sein

    Dieser Wikibeitrag ist bewährte Weißwäsche – bitte schauen Sie in meine vergangenen Beiträge, da wurden genügend andere Quellen genannt.

    Und im Zitat von Mitforist Eutinghof steckt schon die Misere klar nachvollziehbar: es wird von „Verfehlungen“ gesprochen
    Da sind delictum gravius oder crimen sollicitationis sind da schon anders gewichtet.
    Sehen Sie – schon de Balzac wusste 1831 um die Unterschiede zwischen Vergehen und Verbrechen....
    "Alle Verfehlungen und vielleicht gar alle Verbrechen haben als Grundlage eine falsche Überlegung oder eine ausschweifende Selbstsucht." - Honoré de Balzac








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